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Perry Rhodan Extra 7: Die Stardust-Maschine

PR Extra 7

Vorbemerkung

Dieses Sonderheft hat folgenden Inhalt:

Roman "Die Stardust-Maschine" von Hubert Haensel mit umlaufendem Titelbild
CD mit Lesung der Novelle "Robotermusik" (Autor: Leo Lukas, Sprecher: Josef Tratnik)
Achtseitige Farbbeilage "Das Stardust-System"

Handlung des Romans:

Bis zum 13. November 1346 NGZ sind 804 Millionen Menschen und Angehörige anderer Völker vom Solsystem ins Stardust-System im Sternhaufen Far Away übergesiedelt. Dort hoffen sie (wie von der Superintelligenz ES versprochen) vor der Terminalen Kolonne TRAITOR sicher zu sein. Die Stardust-Menschheit findet in ihrer neuen Heimat mehrere bewohnbare Planeten vor, die nur darauf zu warten scheinen, erkundet und besiedelt zu werden. Außerdem wurden im Stardust-System zwei Zellaktivatoren versteckt und die geheimnisvollen Immateriellen Städte fordern den Forschertrieb der Menschen heraus. Die Inbesitznahme neuer Welten ist für die Auswanderer so verlockend, dass sie in Kauf nehmen, nie wieder ins Solsystem zurückkehren zu können - das Stardust-System befindet sich in einem unbekannten Bereich des Kosmos, und niemand weiß, ob mit der Übersiedlung in diesen Bereich nicht vielleicht sogar eine Zeitreise verbunden war. Seit dem Erlöschen der Teletrans-Weiche hat die Stardust-Menschheit jedenfalls keinerlei Kontakt mehr mit dem Solsystem. Ihr Aktionsradius beschränkt sich vorerst auf das von ihnen besiedelte Sonnensystem.

Unter der Leitung von Interims-Administrator Sigurd Echnatom schreitet die Besiedlung der Stardust-Planeten rasch voran. Großstädte werden aus dem Boden gestampft, Bodenschätze werden erschlossen, Industrie und Landwirtschaft werden aufgebaut. Die Siedler sind zwar von der LFT großzügig mit Vorräten und Material ausgestattet worden, aber es ist dringend erforderlich, dass die Stardust-Menschheit sich baldmöglichst selbst versorgen kann. Einen wichtigen Beitrag hierzu leistet Timber F. Whistler. Der ehemalige Multimilliardär, dessen Initiative das Anrollen der Aussiedlungswelle zu verdanken ist, baut die im All zwischen den Planeten treibenden Hyperkristallvorkommen ab und versucht außerdem, Kontakt zu den Howanetzen herzustellen, jenen merkwürdigen Lebensformen, die Hyperkristalle als Stoffwechselprodukte ausscheiden. Whistler ist unter den Aussiedlern weit populärer als der Verwaltungsmensch Echnatom, aber er will ebenso wenig wie dieser für das Amt des endgültigen Administrators kandidieren, der am 18. Juni 1347 NGZ gewählt werden soll.

Da Whistler und Echnatom grundverschieden sind, kommt es immer wieder zu Konflikten. Whistler würde zum Beispiel gern einen der 10 Schlachtkreuzer zur Erkundung des Sternhaufens für sich abzweigen, aber Echnatom besteht auf der vorschriftsmäßigen Verwendung jeglichen Materials. Als Whistler am 24. Dezember 1346 NGZ eine Weihnachtsansprache hält und ein Interview gibt, in dem er unter anderem verkündet, sich nicht für die Zellaktivatoren zu interessieren, löst er die Jagd nach der Relativen Unsterblichkeit damit erst so richtig aus - wenn auch unabsichtlich. Er wird deshalb von Echnatom zur Rede gestellt. Bei dieser Gelegenheit sieht Whistler eine Filmaufnahme, die eine automatische Kamera auf dem Planeten Katarakt gemacht hat. Die Aufnahme zeigt ein drei Meter großes humanoides Intelligenzwesen. Also sind die Menschen im Stardust-System keineswegs so allein wie ursprünglich angenommen. Dass auch in den Ozeanen von Zyx intelligente Wesen leben, ist schon seit einiger Zeit bekannt.

Sieben Wochen später wird das Privatdetektiv-Pärchen Hank Astrin und Marouché zu Echnatom gerufen. Der Interims-Administrator übt ein wenig Druck auf die beiden aus, um sie dazu zu bewegen, in geheimer Mission nach dem seit Anfang Januar 1347 NGZ verschwundenen Timber F. Whistler zu fahnden. Eine offizielle Untersuchung würde zu viel Staub aufwirbeln. Die beiden folgen Whistlers Spur nach Katarakt. Anscheinend wollte der ehemalige Industriemagnat dort nach den humanoiden Riesenwesen suchen. Als auch die Detektive sich nach Katarakt begeben, gerät ihr Gleiter in eine Zone, in der alle auf fünfdimensionaler Basis arbeitenden Geräte ausfallen. Das Fluggerät stürzt ab, so dass die Suche am nächsten Tag zu Fuß fortgesetzt werden muss. Astrin und Marouché entdecken das Wrack von Whistlers Gleiter, doch von dem Vermissten fehlt jede Spur.

Tatsächlich befindet dieser sich bereits als Gast - oder eher als Gefangener - bei den Rokingern. So bezeichnen die riesenhaften Humanoiden sich selbst. Whistler war einigen dieser Riesen nach dem Absturz seines Gleiters ca. zwei Wochen lang durch das Gebirge gefolgt. Er hatte sich mit Hilfe eines Translators schnell mit ihnen verständigen können, denn sie hatten sich ihm gegenüber zwar reserviert, aber durchaus nicht unfreundlich verhalten. Er hatte keine andere Wahl gehabt, als ihren beschwerlichen Marsch bis zur Rokinger-Siedlung Thuinn-Sternbergen mitzumachen, wobei er mehrmals getragen werden musste. Dort hatte man ihn dem Rok vorgeführt, der über sein weiteres Schicksal entscheiden sollte. Whistler hatte den Rokingern von der Besiedlung des Stardust-Systems durch die Menschen berichtet. Der Rok hatte entschieden, dass Whistler das Dorf nicht mehr verlassen dürfe.

Whistler lebt mehrere Wochen in dem versteckten Gebirgsdorf. Er unternimmt einen einzigen Fluchtversuch, der jedoch fehlschlägt. Er beteiligt sich an ihren Jagdzügen, schließt Freundschaft mit Sharud, dem Sohn des Rok, und erfährt einiges über diese Fremdwesen. Sie führen ein einfaches Leben in totaler Abgeschiedenheit, die für sie zu einer Art Dogma geworden ist. Wichtigstes Gut ist das Salz, das sie in Berghöhlen abbauen. Die Rokinger verwenden nur primitive Werkzeuge, aber Whistler sieht hier und da Gegenstände aus Materialien, die nur Produkte einer hoch entwickelten Technologie sein können. Als er den Rok auf ein seltsames Summen anspricht, das in Thuinn-Sternbergen zu hören ist, zeigt dieser ihm ein Hochenergie-Aggregat, dessen Funktion angeblich niemand mehr kennt. Für Whistler ist nun endgültig klar, dass die Rokinger degenerierte Nachkommen gestrandeter Raumfahrer sein müssen. Er nimmt außerdem an, dass die Maschine für den Technik hemmenden Einfluss verantwortlich ist. Er glaubt, sie abschalten zu können, schreckt jedoch davor zurück, denn er hofft, dass die Rokinger von selbst begreifen werden, dass die Zeit der Isolation bald vorbei sein wird. Er formt jedoch bei einer seiner Wanderungen ein riesiges "W" aus Steinen im Gebirge.

Am 26. Februar 1347 NGZ begleitet Whistler wieder einmal einen Jagdtrupp. Als dieser von Flugsauriern überfallen wird, rettet er Sharud das Leben. Hank Astrin und Marouché, die schon auf das große "W" aufmerksam geworden sind, bemerken den Jagdtrupp und folgen ihm, werden aber gefangen genommen. Als sie ins Dorf gebracht werden, erfährt Whistler vom Rok endlich die Wahrheit. Die Rokinger sind tatsächlich gestrandete Raumfahrer, aber sie kommen nicht nur aus der fernen Galaxie Thuinn, sondern auch aus einer zwei Millionen Jahre entfernten Zukunft. Es war ihr Ziel, eine Superintelligenz um Hilfe beim Kampf gegen eine in Thuinn entstehende Negasphäre zu bitten. Der Rok zweifelt nicht daran, dass diese Superintelligenz mit ES identisch ist. Die Rokinger waren aber ein paar tausend Jahre zu weit in die Relativvergangenheit gereist und hatten ES verpasst. Aus Angst vor einem Zeitparadoxon haben sie sich in die abgelegene Bergwelt Katarakts zurückgezogen. Sie hatten ihr Schiff sowie ihre gesamte Ausrüstung zerstört und stattdessen die jetzt noch aktive Maschine installiert, um nie in die Gefahr zu geraten, Einfluss auf die Geschehnisse der Zeit zu nehmen, in der sie gestrandet sind. Der jeweilige Rok ist die einzige Person, die die Wahrheit kennt.

Der Rok wäre jetzt zwar möglicherweise bereit, die Maschine selbst abzuschalten, aber Marouché kommt ihm zuvor. Sie aktiviert versehentlich die Selbstvernichtungsanlage des Aggregats. Nach der Vernichtung der Maschine kommt es zu einem Aufruhr, aber die Terraner können fliehen, da ihre Flugaggregate (die man ihnen nicht abgenommen hat) jetzt wieder funktionieren.

Zwei Wochen später landet die NEW GOOD HOPE bei Thuinn-Sternbergen. An Bord sind Whistler und Echnatom. Der Interims-Administrator sichert den Rokingern die Unabhängigkeit zu. Whistler nimmt Sharud mit auf das Raumschiff, um seinem Freund die Sterne zu zeigen, von denen der junge Rokinger immer geträumt hat.

Kommentar:

Das Stardust-System ist Schauplatz der PR-Heftromane 2436 bis 2439, und diese Romane waren für mich ein Highlight des aktuellen Zyklus "Negasphäre". Die Autoren haben es tatsächlich geschafft, mit den Geschichten rund um die Erkundung und Erstbesiedlung dieses an Geheimnissen ohnehin nicht gerade armen neuen Schauplatzes so etwas wie "Sense of Wonder" wachzurufen - oder, besser gesagt, eine Erinnerung an dieses Gefühl in mir zu erwecken, das ich seinerzeit als kleiner Junge bei abenteuerlichen SF-Filmen und der Lektüre meiner allerersten PR-Heftromane (MdI-Zyklus und Cappin-Zyklus in zwei Auflagen) hatte. Wie in den alten "Planetenabenteuern" aus der Serien-Frühzeit funktioniert die Mischung aus Pioniergeist, Aufbruchsstimmung und bunten neuen Umgebungen auch in den Stardust-Romanen einfach prächtig.

Seit den genannten Romanen hat man nichts mehr von der Stardust-Menschheit gehört, aber aus der PR-Redaktion ist schon seit einiger Zeit zu vernehmen, dass das Stardust-System ab Heftroman Nr. 2500 wieder ins Zentrum des Geschehens rücken wird. Da war ich natürlich sehr gespannt auf PR-Extra Nr. 7. Und ich muss sagen: Die ersten Kapitel dieses Romans, in denen die Weiterentwicklung der jungen Kolonie geschildert wird, haben mich nicht enttäuscht. Echnatom wurde diesmal zwar etwas undifferenzierter dargestellt, als es früher der Fall war, aber wird wenigstens nicht zum Beamten-Klischee, sondern handelt so, wie er handeln muss. Dass das dem abenteuerlustigen Whistler nicht gefällt, ist eine andere Sache. Haensel lässt sich in diesen Kapiteln lobenswerterweise viel Zeit - aber leider doch nicht genug. Stattdessen wird dann längere Zeit ein bisschen Bergwanderei betrieben und es wird ein neues Volk in die Handlung eingeführt, mit dem ich so meine Probleme habe. Zugegeben - vermutlich durfte Haensel nicht alle Karten ausspielen. Schließlich muss ja auch noch was für den Zyklus ab PR 2500 übrig bleiben; die Jagd nach den beiden Zellaktivatoren, die Erkundung der Immateriellen Städte sowie des Umfelds von Far Away und so weiter… all das bleibt vermutlich dem nächsten Zyklus vorbehalten.

Dennoch - ich hätte lieber noch ein wenig mehr über die Konflikte zwischen Forscherdrang einerseits (Whistler) und Verwaltungsdenken andererseits (Echnatom) gelesen, als über ein paar Typen, die offenbar auf die gleiche Idee gekommen sind wie Perry Rhodan, und ihre eigene "Operation Tempus" durchgezogen haben. Diese Idee ist ja an und für sich ganz lustig, aber irgendwie klingt das Ganze nach Ideen-Recycling. Die Frage ist: Welche Relevanz hat das für den kommenden Zyklus? Man weiß nicht, ob die Stardust-Menschheit beim Durchqueren der Teletrans-Weiche etwa auch eine Zeitreise gemacht hat. Vielleicht um zwei Millionen Jahre in die Vergangenheit? Sind die Rokinger vielleicht ein Volk aus der Lokalen Gruppe, möglicherweise aus Hangay? Könnte doch sein, dass Hangay bei ihnen anders genannt wird. Und dort entsteht in der Handlungsgegenwart ja nun einmal eine Negasphäre. Aber egal wie es ist: Warum musste diese Story überhaupt hinzugedichtet werden? Woher wussten die Rokinger, dass in Far Away eine Superintelligenz tätig sein würde und warum haben sie angenommen, die könnte ihnen gegen die Negasphäre helfen? Bedeutet das etwa, dass ES in ein paar tausend Jahren (vom Standpunkt der Stardust-Menschheit aus gesehen) entscheidend an einer Retroversion beteiligt sein wird wie einst ARCHETIM? Etwa in Hangay, was dann der Theorie widersprechen würde, wonach die Uhren im Stardust-System um zwei Millionen Jahre zurückgedreht worden sein könnten? Oder geht es um eine ganz andere Negasphäre - und wenn ja, was hat ES damit zu tun und in welcher Zeit spielt sich das Ganze ab? In der Handlungsgegenwart? Dann wären die Rokinger aus der Relativzukunft gekommen, was eigentlich nicht möglich sein dürfte (aber durchaus schon früher passiert ist, man denke nur an die Schattenmaahks in PR 1136). Wenn die Rokinger solche Angst vor einem Zeitparadoxon haben: Warum haben sie dann überhaupt eine Zeitreise unternommen?

Somit bleibt ein zwiespältiger Eindruck zurück. Stardust-System hui, Rokinger pfui. Oder so ähnlich. Das Haensel'sche Moment-O-Meter bleibt diesmal übrigens deaktiviert, obwohl es durchaus einiges zu zählen gegeben hätte...

Wie immer enthält das Extraheft auch diesmal wieder Gimmicks: Es sind ein paar Farbseiten mit Impressionen aus dem Stardust-System eingeheftet. Die Bilder sind sehr schön, es hätten aber ruhig ein paar Seiten mehr sein können. Das hätte auch zu Lasten der Textseiten gehen dürfen. Außerdem beigefügt ist eine Audio-CD mit der Novelle "Robotermusik" von Leo Lukas. Das ist zwar nur eine Pointengeschichte, in der PR durch einige Räume mit bizarren Exponaten einer Roboterfabrik geführt wird, amüsant ist sie aber allemal. Und durch die wie immer hervorragende Erzählweise Josef Tratniks wird sie zu einem echten Hörgenuss. Auf das Elektro-Gedudel, das im Hintergrund zu hören ist, hätte ich aber verzichten können.

J. Kreis, 23.10.2008

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