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Perry Rhodan Extra 6: Der dritte Goratschin

PR Extra 6

Vorbemerkung

Dieses Sonderheft hat folgenden Inhalt:

Roman "Der dritte Goratschin" von Wim Vandemaan (Pseudonym von Hartmut Kasper) mit umlaufendem Titelbild
CD mit Lesung der Novelle "Brüder" (Autor: Frank Borsch, Sprecher: Josef Tratnik)
Farbbeilage "Völker der Milchstraße"

Handlung des Romans:

Das Solsystem wird von der Terminalen Kolonne TRAITOR belagert. Die Bewohner Terras und der anderen Planeten sind zwar im Schutz des TERRANOVA-Schirms sicher, können das System aber nicht verlassen. Zusammen mit den Terranern sind auch Angehörige vieler anderer Völker im Solsystem gefangen. Auf der Venus sitzen zum Beispiel einige Aras fest, die dort eine Privatklinik betreiben. Im Juli 1345 NGZ beschließen Rith'meas und Paspatern - Vater und Sohn, denen die Klinik gehört - dass die Aras sich auf ihre Weise am Kampf gegen die Terminale Kolonne beteiligen sollen. Sie beschaffen sich eine Zellprobe des Zünder-Mutanten Iwan Iwanowitsch Goratschin, die seit Jahrhunderten in einem Museum aufbewahrt worden war. Eine Kryostasekapsel hat die Probe vor dem Zerfall bewahrt. Aus diesen Zellen wollen sie ein ganzes Heer von Superkämpfern züchten, und ihre Wahl ist deshalb auf Goratschin gefallen, weil das Aussehen des Doppelkopfmutanten an die Dualwesen TRAITORS erinnert. Die Goratschin-Klone sollen genetisch verbesserte Versionen des Originals, gleichzeitig aber steuerbar sein. Natürlich wird die LFT nicht über dieses Projekt informiert, alles läuft unter strenger Geheimhaltung ab.

Bis zum Januar 1346 NGZ führt das Experiment unter der Leitung des Aras Maupabitt nur zu Fehlschlägen. Der erste Klon stirbt fast sofort, der zweite tötet sich selbst, indem er seine Zünder-Fähigkeit gegen den eigenen Körper richtet. Danach übernimmt Rith'meas die Projektleitung. Am 27. Januar 1346 NGZ wird der dritte Klon erweckt. Er ist größer als der ursprüngliche Goratschin, seine Haut ist weniger geschuppt und er hat dichtes, blondes Haar. Mehrere Báalols beeinflussen ihn hypnosuggestiv, automatische Injektoren verabreichen ihm diverse Drogen, mit denen seine Stimmungsschwankungen beherrscht werden. Der Goratschin-Klon verbringt die nächsten Wochen in einer teils holographischen, teils durch die Báalols erzeugten Scheinwelt, die der sibirischen Heimat des ursprünglichen Goratschin ähnelt. Er hält diese Umgebung für real und hat keine Ahnung, was wirklich mit ihm vorgeht. Durch künstlich "implantierte" Erinnerungen wird er im Glauben gehalten, er sei er echte Iwan Iwanowitsch Goratschin. Er wird geschult und zum Gehorsam gegenüber Paspatern erzogen. Man trichtert ihm ein, es sei seine wichtigste Aufgabe, die Solare Residenz zu schützen.

Am 17. Februar wird Goratschins Zünder-Fähigkeit "initialisiert". Zu diesem Zweck kommt wieder die hypnosuggestive Beeinflussung durch die Báalols zum Einsatz, außerdem wird eine spezielle mit Hyperkristallen dotierte Apparatur eingesetzt. Goratschin reagiert stärker als erwartet und löst fast eine Katastrophe aus. Am 11. März gelingt es Goratschin, sich von den Auto-Injektoren zu befreien und eine Explosion auszulösen, der die Báalols und einige Ärzte zum Opfer fallen. Der Klon kapert einen Zivilfrachter, dessen Piloten er später tötet, und flieht in der Maske eines Maahks nach Terra, wo er untertaucht. Wenige Tage später beginnt der TLD-Agent Petrus Klingenberg wegen der unerklärlichen Explosion in der Privatklinik zu ermitteln. Klingenberg zieht nach kurzer Zeit die richtigen Schlüsse, so dass Paspatern die Wahrheit gestehen muss. So erfährt der Agent, dass Goratschin vom früheren Projektleiter mit einem Präparat vergiftet worden ist, das die Gesamt-Lebensdauer des Klonwesens auf vier bis fünf Monate begrenzt und zum Tod durch frühzeitigen Zellverfall führt.

Im Juni wird der im All treibende Schlepper gefunden, den Goratschin entführt hatte. Klingenberg kann der Spur des Klons bis nach Terrania folgen, wo Goratschin (der inzwischen unter starken Schmerzen leidet) sich in einer Wohnung versteckt hält. Inzwischen hat sich auch TLD-Chef Noviel Residor eingeschaltet. Der kaum noch zurechnungsfähige Klon wird aufgescheucht, kann aber entkommen. Er glaubt, die Häscher TRAITORS seien hinter ihm her, nimmt nun erst recht keine Rücksicht mehr auf seine Verfolger und richtet verheerende Schäden mit seiner Zünderfähigkeit an. Klingenberg zieht Paspatern hinzu, der die einzige noch lebende Bezugsperson Goratschins ist. In der Spielwarenabteilung eines Kaufhauses gelingt es dem Ara, mit dem immer schneller zerfallenden Klon zu sprechen. Goratschin steht kurz davor, einen 500-Meter-Raumer zu vernichten, der über Terrania schwebt - das wäre das Ende der Stadt. Paspatern sagt dem Klon nun endlich die Wahrheit. Der Klon muss erkennen, dass er nur eine Kopie des schon vor Jahrhunderten gestorbenen Goratschin ist. Er blickt in einen Spiegel und richtet seine Zünderfähigkeit gegen sich selbst. Paspatern bleibt bis zuletzt an seiner Seite und stirbt mit ihm.

Kommentar:

Nach den Enttäuschungen der letzten Ara-Toxin und Atlan Illochim - Taschenbücher sowie des Extrahefts Nr. 5 hatte ich für diesen Roman schon das Schlimmste befürchtet. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass er mir ganz gut gefällt; ich hatte praktisch keine Erwartungen. Die Geschichte ist für die Erstauflage zwar nicht so relevant wie Extra 2 bis Extra 4 (d.h. eigentlich hat sie gar keine Bedeutung für die aktuellen Geschehnisse im Zyklus Negasphäre), der Roman ist aber nicht so sinnlos und vor allem nicht so langweilig wie Extra 5. Hartmut Kasper versteht es einfach, immer wieder neue Ideen einzubauen oder bekannten Gegebenheiten neue Aspekte abzugewinnen. Er schreibt diesmal zwar sozusagen mit "gebremstem Schaum", aber das ist nicht als Negativkritik gemeint. Im Gegenteil: Seine Schreibe gefällt mir besser, wenn er nicht einfach so wild drauflos fabuliert, sondern ein wenig mehr auf Kontinuität im Hinblick auf das Perryversum achtet. Die Sache mit dem einbeinigen Orang-Utan, der mit Hilfe einer Art SERT-Haube Intelligenz gewinnt und eine Kneipe betreibt, ist zum Beispiel so ein kleines Schmankerl. Die Erwähnung eines völlig unmotivierten Massakers, das Rhodan seinerzeit beim Kampf gegen Tomisenkows Leute angerichtet hatte, ist ein netter Seitenhieb auf das heutige Gutmenschen-Image unseres allseits beliebten Helden.

Obwohl der Roman sehr unterhaltsames, flott geschriebenes Lesefutter ist, bleibt am Schluss doch ein etwas schaler Nachgeschmack. Das liegt einerseits an der bereits erwähnten mangelnden Relevanz für die Erstauflage. Die Extra-Hefte sind doch eigentlich gute Gelegenheiten, näher auf Ereignisse oder Hintergründe einzugehen, die in der Erstauflage zu kurz kommen. Warum wird diese Gelegenheit nicht richtig genutzt? Gut, wir erfahren ein wenig mehr über die derzeitigen Verhältnisse auf der Venus und die dort lebenden Aras, aber so richtig in die Tiefe geht das ja nun auch nicht - und seit den Ara-Toxin-Taschenbüchern bin ich auf die Aras und ihre an Magie grenzenden Fähigkeiten als Mediker nicht mehr so gut zu sprechen. Auch diesmal vollbringen sie wieder wahre Wundertaten, mal ganz davon abgesehen, dass ich es doch für sehr unwahrscheinlich halte, dass überhaupt Zellproben von so prominenten Personen wie Goratschin aufbewahrt werden - und dass die dann mal so eben geklaut werden können.

Außerdem muss man sich fragen, wie die Aras sich wohl den weiteren Einsatz der Goratschin-Klone vorgestellt haben. Ihnen ist offenbar selbst klar, dass die LFT mit ihren Plänen nicht einverstanden wäre, sonst hätten sie nicht alles so streng geheim gehalten. Wie und wo wollten sie also die Massen von Goratschin-Klonen herstellen, die benötigt werden würden, um TRAITOR wirklich messbaren Schaden zuzufügen? Dass Goratschin Sichtkontakt braucht, um einen Gegner vernichten zu können, schränkt seine Nützlichkeit in einer Raumschlacht vermutlich auch nicht unerheblich ein. In einer Raumschlacht geht es nun mal nicht zu wie in Krieg der Sterne oder Star Trek, wo Kampfschiffe schön gemächlich und in allernächster Nähe aneinander vorbeifliegen.

Tja, und dann muss ich mich über das Russen-Gehabe der Venusier wundern. Die Venus wurde - genau wie die Erde - beim Sturz durch den Schlund im Mahlstrom der Sterne völlig entvölkert. Da waren schon über 1500 Jahre nach der Erstbesiedlung vergangen. Die späteren Venusier sind vermutlich Nachkommen von Gäanern, und die Neubesiedlung liegt auch wieder mehrere Jahrhunderte zurück. Da wäre es schon sehr ungewöhnlich, wenn sich überhaupt jemand an Tomisenkow erinnern würde - die ganzen Bezugnahmen auf die Erstbesiedlung sind völlig unglaubwürdig.

NACHTRAG ZUM LETZTEN ABSATZ:

Ein Leser hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass der letzte Absatz nicht stimmt. Er hat völlig Recht: Die Venus ist natürlich nicht durch den Schlund gestürzt und wurde auch nicht entvölkert. Was ich da geschrieben habe, ist schlicht und ergreifend Quatsch - keine Ahnung, wie ich darauf gekommen bin. Aber egal: Man muss bedenken, welch lange Zeit seit der Erstbesiedlung vergangen ist, dass es auf Terra (und den anderen Planeten des Solsystems) schon seit Jahrhunderten keine Nationalstaaten mehr gibt, und dass die Menschheit einige tiefgreifende Umwälzungen hinter sich hat. Ich denke zum Beispiel an die Zeit des Simusense. Deshalb bleibe ich dabei: Das Russen-Szenario ist unglaubwürdig.

Übrigens: Die Handlung des Romans erinnert ein wenig an den Film Blade Runner. Hier wie dort haben wir es mit künstlichen Menschen zu tun, die unechte Erinnerungen erhalten, nur eine kurze Lebenszeit haben und zur Erde fliehen...

Zum sonstigen Inhalt: Die Lesung der Novelle von Frank Borsch ist ein netter Zeitvertreib, die Novelle selbst (diesmal mit dem echten Goratschin als Hauptperson) ist noch belangloser als Kaspers Roman. Es wird einfach eine Episode aus Goratschins Leben geschildert, die vermutlich zeigen soll, was für ein Außenseiter der Doppelkopfmutant war. Irgendwie scheint Goratschin sich aber nicht so recht als Hauptperson zu eignen, denn die Geschichte lässt den Zuhörer doch eher kalt. Unfreiwillig komisch: Tratniks Versuche, mit "russischem" Akzent zu sprechen. Diesmal ist der Datenträger übrigens wieder eine normale Audio-CD, die ihr in jedem CD-Player abspielen könnt.

Die Farbbeilage wirkt seltsam fehl am Platze, weil die Beschreibung der diversen Milchstraßenvölker, die damit vorgestellt werden, sich auf das 22. Jahrhundert bezieht. Eines der Völker war bisher unbekannt und gehört eigentlich in ein bestimmtes anderes Produkt aus der PR-Redaktion, so dass sich mir die Frage stellt, ob diese Farbbeilage vielleicht ursprünglich für das erste Heft der Serie PR-Action gedacht war...

J. Kreis, 25.03.2008 (Nachtrag: 30.05.2008)

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