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Perry Rhodan Ara-Toxin Band 3: Nekrogenesis

Autor: Hans-Joachim Alpers

Inhalt

Perry Rhodan und seine Begleiter sind mit der CONNOYT und zehn Begleitschiffen auf dem Weg zum Planeten Remion, den Trantipon als "Testgelände" für das Ara-Toxin missbraucht hat. Rhodan hat keine angenehmen Erinnerungen an diesen Planeten, denn er ist auf ganz besonders unrühmliche Art in die Geschichte der dort lebenden Menschen eingegangen.

Remion und Baba Rhodo

Remion ist eine terranische Kolonie, die im 21. Jahrhundert hauptsächlich von so genannten Kreolen besiedelt worden ist. Es handelt sich um Nachkommen einstiger Sklaven aus Afrika, die sich auf den karibischen Inseln mit anderen Volksgruppen vermischt haben. Die Remiona haben die Kultur ihrer Ahnen beibehalten. Sie hängen dem kreolischen Glauben an, in dem sich Christentum, Voodoo und diverse Naturreligionen auf eigentümliche Art vermischen. Die Remiona sind ein freiheitsliebendes Volk von Individualisten, das praktisch keine Rolle im Konzert der galaktischen Großmächte spielt. Eine Zentralverwaltung gibt es nicht, die Remiona leben in mehr oder weniger voneinander isolierten, autarken und unabhängigen Haciendas. Erst im 14. Jahrhundert NGZ entwickelt sich allmählich eine übergreifende Infrastruktur. Haupteinnahmequelle sind die Colocados, unscheinbar aussehende Früchte, die auf unterschiedlichste Weise angebaut und genutzt werden können. Sehr beliebt bei den Remiona, die gern und hemmungslos feiern, sind diverse Rauschmittel, die aus bestimmten Schichten der Colocados gewonnen werden.

Perry Rhodan hat den Planeten zweimal besucht, um ihn in das Solare Imperium einzugliedern. Schon sein erster Besuch im Jahre 2120 wurde zu einem Debakel, weil er unbeabsichtigterweise wie ein Kolonialherr aufgetreten war. Die Remiona hatten ihn mit Protestaktionen und Pfeifkonzerten empfangen, schließlich waren er und Reginald Bull mit verfaulten Früchten beworfen und vertrieben worden. Bei seinem zweiten Besuch im Jahre 2469 hatte Rhodan feststellen müssen, dass er persönlich in den Pantheon der remionischen Naturgötter aufgenommen worden war, und zwar als böser Baba Rhodo, Gott des Neids, der Missgunst und der Kloaken, dem man alles mögliche Übel anlastet und bei religiösen Festivitäten rituell verbrennt. Er war selbst in eine solche Feier geraten und erkannt worden - er hatte sein Heil in der Flucht suchen müssen. Im Jahre 3358 hatte schließlich ein Siedler von Remion einen Mordanschlag auf Rhodan verübt, diesmal allerdings auf einem anderen Planeten und möglicherweise auf Veranlassung des akonischen Energiekommandos.

Rückblick: Marco Dochschué

Marco Dochschué ist ein junger Remiones, der im April 1334 NGZ seine Ausbildungszeit mit einer besonderen Prüfung beendet, die gleichbedeutend mit einem Initiationsritus ist. Dabei kommt er mit der gleichaltrigen Carmen LaSalle zusammen, die er schon lange liebt. Die beiden werden ein Paar und ziehen vier Jahre lang glücklich als Vabundés durch die Lande - freie Gewerbetreibende, die sich immer nur für kurze Zeit dort niederlassen, wo es gerade Arbeit für sie gibt. In dieser Zeit treten auf Remion immer häufiger unerklärliche Umweltschäden auf. Im August 1338 NGZ lassen Marco und Carmen sich in der Hacienda Extebosch nieder. Dort freunden sie sich mit Raol Zingerosc und dessen Gefährtin Rumela Gomez an. Nach einer ausgelassenen Feier ziehen Carmen und Raol sich zu einer Liebesnacht zurück. Promiskuität ist bei den Remiona zwar etwas völlig normales, dennoch ist Marco zutiefst verletzt. So ist er ein leichtes "Opfer" für Rumela, die ihn mit einem Voodoo-Liebestrank behext, um ihn ins Bett zu kriegen. Marco ertränkt nach diesen Ereignissen seinen Katzenjammer in Rum. Er verlässt die Hacienda bei Nacht und Nebel, von Carmen will er nichts mehr wissen. Zuvor beobachtet er noch, wie Aras, die auf Remion angeblich Naturforschungen betreiben, irgendeine Substanz in den Boden pumpen.

Im Jahre 1339 NGZ wird Raol Zingerosc ermordet. Die Ermittlungen werden ein Jahr lang verschleppt, Akten werden unterschlagen oder gefälscht. Erst ein Jahr später, im Juni 1340 NGZ, rollen Janita Delgado von der lokalen Policia Hacienda Extebosch und Comisario Endo Garcia von der übergeordneten Policia Alianza den Fall wieder auf. Hauptverdächtiger ist Marco Dochschué, dessen Probleme mit dem Mordopfer allgemein bekannt sind. Die Spur führt allerdings zu Miguel y Gasset, dem Oberhaupt der Hacienda Extebosch. Dieser hat eine Abmachung mit dem Ara Trantipon, der eine Forschungskuppel in der Nähe der Hacienda betreibt. Was Inhalt dieser Abmachung ist, weiß niemand. Comisario Garcia und Janita Delgado führen einige Verhöre durch und kommen zu dem Ergebnis, dass Raol zum Schweigen gebracht wurde, weil er irgendetwas wusste, mit dem er das Oberhaupt der Hacienda Extebosch hätte belasten können. Auch Marco, der nach Extebosch zurückgekehrt ist, wird verhört. Er hat ein Gespräch zwischen Miguel y Gasset und Trantipon belauscht, dem zufolge Remion zu Versuchszwecken verseucht werden soll. Die LFT soll gezwungen werden, zur Evakuierung die Dienste der Aras in Anspruch zu nehmen und teuer dafür zu bezahlen. Damit ist der Fall klar, und damit ist auch die Erklärung für die Umweltschäden gefunden, die in den letzten Jahren katastrophale Ausmaße angenommen haben.

Nekrogenesis

Inzwischen hat die CONNOYT Remion erreicht, wo auch die MOMANTAR und einige Quarantäneschiffe der Aras eingetroffen sind. Perry Rhodan, Julian Tifflor, Zhanauta Filgris und Pron Dockt begeben sich nach Remion, während die CONNOYT und ihre Begleitschiffe die anderen Ara-Raumer abfangen. Pron Dockt beginnt sofort mit der Analyse des Ara-Toxins, dem inzwischen große Teile der Natur Remions zum Opfer gefallen sind. Pflanzen und Tiere verfaulen bei lebendigem Leib, auf Menschen haben diese Verseuchungen aber noch nicht übergegriffen. Die Terraner und Zhana wollen sich Trantipon vornehmen. Als sie sich der Kuppel bei der Hacienda Extebosch nähern, stoßen sie auf Marco und die beiden Polizisten, die die Kuppel untersuchen wollten. Sie sind bereit, Rhodan zu helfen. Trantipon, Schopsna, Kreolin und einige Remiona, die für sie arbeiten, versuchen zu fliehen. Die Remiona geben auf, als Zhana und Comisario Garcia einige von ihnen niederschießen. Zhana erschießt außerdem Kreolin, Schopsna verschwindet auf rätselhafte Weise spurlos. Trantipon wird festgenommen und verhört. Pron Dockt bearbeitet ihn so lange, bis er endlich alle Informationen aus dem Mantarheiler herausgeholt hat, die er benötigt, um die Wirkungsweise des Ara-Toxins zu verstehen.

Das Toxin ist kein Gift im eigentlichen Sinne, sondern eine quasi-intelligente biologische Waffe, die permanent mit rasender Geschwindigkeit mutiert, sobald sie ausgebracht wurde. So passt sie sich gezielt an alle Lebensformen an, um sie auszurotten. Innerhalb von ca. zwei Jahren arbeitet das Toxin sich von den einfachsten Lebensformen eines planetaren Ökosystems "nach oben", wobei es sozusagen der Evolutionsleiter folgt. Dieser Prozess verläuft zum Ende hin immer schneller. Die befallenen Zellen verbrennen buchstäblich. In der letzten von Pron Dockt angenommenen Entwicklungsphase werden sämtliche Lebensformen auf eine Art Schleim reduziert, der den gesamten Planeten überzieht und sich in eine kristalline Masse umwandelt. Rhodan ordnet die sofortige Evakuierung Remions an. Marco, Comisario Garcia und die anderen unterstützen ihn dabei, denn für "Baba Rhodo" allein wäre es bei der dezentralen Organisationsstruktur dieses Planeten ein Ding der Unmöglichkeit, alle Remiona rechtzeitig zu erreichen. Rhodan muss auch auf Unterstützung von anderer Seite zurückgreifen: Arkonidische Raumschiffe übernehmen den Transport der Remiona, die zuvor in den Quarantäneschiffen dekontaminiert werden müssen, zu einer anderen, geeigneten Siedlungswelt.

Nicht jeder kann gerettet werden, denn inzwischen sind viele Menschen vom Ara-Toxin befallen, und Heilung gibt es nicht. Viele andere weigern sich auch einfach nur, ihre Heimat zu verlassen. Letzten Endes fallen sechs Millionen Remiona dem Ara-Toxin zum Opfer. Zu ihnen gehören auch Marco, Carmen, Comisario Garcia, Janita Delgado und Miguel y Gasset, dem seine Vereinbarung mit Trantipon nichts genützt hat. Am 1. Juli 1340 NGZ beobachtet Perry Rhodan von der CONNOYT aus die letzte Phase der Nekrogenesis, von der Pron Dockt nichts hatte ahnen können: Das Ara-Toxin befällt nicht nur Lebewesen, es beeinflusst vielmehr sogar unbelebte Materie und vernichtet die Elemente des Planetenkerns durch hyperenergetische Wechselwirkungen. Die tiefschwarze, leblose, abgeplattete Schlackekugel, die am Ende übrig bleibt, erinnert Perry Rhodan frappierend an eine Pseudo-Lebensform, der er im Jahre 2402 schon einmal begegnet ist. Remion sieht aus wie ein Moby!

Kommentar:

Dies ist der erste Beitrag von Hans-Joachim Alpers zum Perryversum. SF-Fans meiner Generation werden sich vielleicht noch an die Zeit erinnern, als er Herausgeber der Reihe Moewig-SF war. Er hat außerdem einige Romane in den Reihen "Shadowrun" und "Das Schwarze Auge" geschrieben. Dass er Mitbegründer des Rollenspiels "Das Schwarze Auge" ist, wusste ich bisher allerdings nicht. Habe es in der Wikipedia gelesen.

Perry Rhodan als Gott der Schei**häuser - das ist mal ein anderer Götterkult als der, den die Alteraner mit Rhodan getrieben haben! Auf solche Ideen muss man erstmal kommen, und die Kapitel, in denen Rhodans unrühmliche Erlebnisse auf Remion geschildert werden, haben mir an diesem Roman am besten gefallen. Die Schilderung der Kultur der Remiona ist natürlich ebenfalls interessant, denn Alpers arbeitet alles sehr detailreich aus und kann es auch gut in eine schöne Geschichte verpacken. Dabei gibt es nur zwei Probleme: Das Klischee von den lebenslustigen, feierwütigen, dauerbreiten, individualistischen Kreolen wird etwas überstrapaziert - und die ganze in die Tiefe gehende Ausarbeitung ist am Schluss wieder mal für die Katz, denn Remion wird vernichtet und die Remiona dürften als eigenständiges Volk aufgehört haben zu existieren: 6 Millionen tot (das ist mehr als ein Drittel der Gesamtbevölkerung), der Rest auf einen Planeten versetzt, der ihrer Heimat nur annähernd gleicht - welche Gesellschaft würde das überstehen, ohne Schaden zu nehmen? Die Remiona werden also vermutlich nie wieder eine Rolle im Perryversum spielen. Da fragt man sich doch, warum sie so ausführlich vorgestellt werden mussten.

Muss auch sagen, dass ich das Festhalten der Remiona an den Traditionen ihrer kreolischen Vorfahren bis in Kleinigkeiten wie den ganzen Aberglauben hinein eher unglaubwürdig finde, erst recht vor dem Hintergrund der allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung im Perryversum. Man muss bedenken, dass (wenn ich den Roman richtig verstanden habe) Remion ursprünglich von nur ca. 5000 Menschen besiedelt worden ist, und dass seitdem mehr als 2500 Jahre vergangen sind. Vor 2500 Jahren sind im heutigen Deutschland Kelten und Germanen durch die Gegend gelaufen. Und? Glauben wir heute vielleicht noch an Odin, Thor, Teutates oder Lugh? Haben wir noch eine animistische Naturreligion und Druiden? Leben wir in einer Standesgesellschaft mit einem König an der Spitze? Aber was soll's - dergleichen gibt es im Perryversum immer wieder, man denke nur an die Terra-Nostalgiker.

Rhodans Entrüstung, die er zeigt, als es mit Remion zu Ende geht und Trantipon erwartungsgemäß kaltschnäuzig bleibt, ist zu dick aufgetragen. Gut, er ist vor Ort und erlebt alles aus erster Hand mit, da wird wohl auch jemand, der schon mehr Tod und Vernichtung als den Untergang eines Planeten selbst zu verantworten hat, nicht unberührt bleiben. Dennoch wird der "moralische Zeigefinger" für meinen Geschmack zu oft erhoben. In diesem Zusammenhang stellt sich mir die Frage, warum PR und seine Freunde mit tödlichen Waffen gegen Trantipon & Co. vorgehen. Waren auf der CONNOYT auf die Schnelle keine Paralysatoren zur Hand? So kommt es, dass unsere moralisch ach so weit entwickelten Freunde beim Showdown (der enttäuschend schnell kommt und viel zu einfach abläuft) einige Gegner abknallen, ohne mit der Wimper zu zucken oder - wenn Zhana, von der ja nichts anderes zu erwarten ist, den Schussfinger krümmt - wenigstens etwas Betroffenheit zu zeigenů

Marcos Erlebnisse, die als Vehikel für die Vorstellung der remionischen Kultur dienen, sind ja ganz unterhaltsam, aber insgesamt konnte mich das Buch nicht so recht mitreißen. Immerhin gibt es Futter für neue Spekulationen. Wie es aussieht, verwandelt das Ara-Toxin Planeten in Mobys. Wenn ich mich nicht irre, wurde die Herkunft der Mobys nie geklärt, d.h. sie könnten von den Meistern der Insel erschaffen worden sein - oder auch nicht. Handelt es sich beim "Endprodukt" des vom Ara-Toxin in Gang gesetzten Prozesses wirklich um einen Moby? Woher haben die Aras (bzw. die Medo-Nomaden) den Stoff, den man zur Umwandlung eines Planeten in solch ein Wesen braucht? Und was wollen sie mit den Mobys anstellen? Was Trantipon dem Chef von Extebosch sagt, d.h. dass er bei der LFT für die Entgiftung und Evakuierung abkassieren will, kann nicht alles sein. Dahinter muss mehr stecken. Hoffe ich jedenfalls, sonst wüsste ich nicht, womit noch drei Taschenbücher gefüllt werden sollten. Außerdem steht ja immer noch die Frage nach Zhanas Auftraggebern im Raum.

Auch diesmal wurde dem Roman wieder eine Kurzgeschichte beigefügt. Diesmal ist es eine von Hanns Kneifel mit dem Titel "Das große Wohltätigkeitsturnier von Isan". Der Autor "kneifelt" wieder aus vollen Zügen: Ein draufgängerischer Weiberheld, Gladiatorenkämpfe, erlesene Weine, Piratenschiffe und dergleichen sind die Zutaten für diese etwas unverdauliche Mixtur. Wenigstens trägt nicht der supertrainierte Held den Sieg davon, sondern ein Ara. Womit wieder einmal bewiesen wäre, dass die Aras - erwähnte ich es schon? - nicht allesamt Mediziner sind.

J. Kreis, 18.12.2007


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