PR-Jubiläumsband 4
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Perry Rhodan Jubiläumsband 4
Moewig, 1983
350 Seiten

Inhalt / Kommentare

Die Achtzigerjahre waren (zumindest in meiner Erinnerung) das "Goldene Zeitalter" der Perry Rhodan-Serie. Besondere Meilensteine wurden mit besonderen Taschenbüchern gefeiert, die stets Kurzgeschichten aus dem Perryversum enthielten. Nummer 4 dieser Jubiläumsbände erschien im Jahre 1983 anlässlich der Heftroman-Gesamtauflage von 800.000 Millionen Exemplaren. Das Buch enthält zehn Storys des damaligen Autorenteams, die "chronologisch" nach Handlungsjahren sortiert sind, aber in keinem Zusammenhang zueinander stehen. Längere Kommentare wären aufgrund des Alters der Geschichten sinnlos - ich belasse es bei kurzen Anmerkungen.

Kurt Mahr: Der Verräter


Im Jahre 1992 ist Julian Tifflor Erster Offizier des Leichten Kreuzers KIMBRIA. Das Schiff muss zu Reparaturzwecken auf dem Planeten Metope landen, wo degenerierte Nachkommen arkonidischer Siedler leben. Die Besatzung des Kreuzers gerät in die Gewalt des dortigen Diktators Ponapillor, der sich die überlegene Technik der Terraner aneignen will. Da Ponapillor mit der Ermordung der Gefangenen droht, geht Tifflor zum Schein auf seine Forderungen ein und wird deshalb von seinen Kameraden für einen Verräter gehalten. Mit Hilfe der schönen Metoperin Narna und anderer Frauen, die sich aus der Bevormundung durch ihre Männer befreien wollen, trickst Tifflor den Diktator aus. Dieser will einen Probeflug mit der KIMBRIA durchführen. Tifflor regelt den Andruckabsorber so ein, dass Ponapillor und seine Soldaten sich nicht mehr bewegen können. Tifflor, der die Belastung aufgrund seiner Ausbildung besser erträgt, kann seine Gegner überwältigen. So können die Terraner zwar wohlbehalten in die Heimat zurückkehren, doch Ciryl bringt seinen Ersten Offizier vor ein Militärgericht, das ihm einen Verweis erteilt. So erleidet seine Karriere einen empfindlichen Dämpfer.

Was mag Kurt Mahr geritten haben, sich eine aus bildschönen Frauen und hässlichen, zwergenhaften Männern bestehende Gesellschaftsform auszudenken? Ein Paradies also für die gutaussehenden Männer von der KIMBRIA? Die Reaktion Colonel Ciryls ist überzogen und unverständlich. Ihm hätte eigentlich völlig klar sein müssen, welche Absicht Tiff mit dem scheinbaren Verrat verfolgt.

Marianne Sydow: Tadjmalische Erdbeeren


Im 23. Jahrhundert reist Reginald Bull als Chef der Explorerflotte zum Planeten Tadjmal, der vor 50 Jahren besiedelt wurde. Die Kolonie hat sich zwar prächtig entwickelt, schottet sich jetzt aber zunehmend ab, treibt Handel mit den Springern und droht vom Solaren Imperium abzufallen. Als Bully vor Ort nachforscht, werden die isolationistischen Tendenzen damit begründet, dass man auf Tadjmal alle Hände voll damit zu tun habe, sich gegen allesfressendes Ungeziefer zu wehren und die Ausbreitung dieser Tiere, der Tickers, auf andere Welten zu verhindern. Bull erkennt jedoch, dass es auf Tadjmal eine intelligente Lebensform gibt, die bei der Besiedlung nicht erkannt worden ist. Es handelt sich um die Ladakh-Bäume, deren Früchte (die tadjmalischen Erdbeeren) als Delikatesse gelten. Über diese Früchte wird den Menschen ein Enzym zugeführt, das sie zu abhängigen Dienern der Bäume macht. Bull isst zwar ebenfalls einige Erdbeeren, ist aber durch seinen Zellaktivator vor dem Enzym geschützt. Er ordnet die Evakuierung und Sperrung Tadjmals an.

In dieser Story muss ein bisschen zu viel erklärt werden, d.h. es ergibt sich nicht aus der Handlung. Bullys Inkognito-Landung ist eine eher sinnlose Aktion. Warum Hank Herschel, der Kommandant des ersten Explorerschiffs, das den Planeten erkundet hat, auf den Gedanken gekommen ist, dort gebe es intelligentes Leben, wird nicht erklärt.

William Voltz: Die Beisetzung der großen Posbi-Mutter


Im Jahre 2405 sollen Don Redhorse und Brazos Surfat einen angeblichen Posbi-Friedhof auf dem Planeten St. Narchez untersuchen und herausfinden, was es mit den so genannten Posbi-Müttern auf sich hat, von denen seit einiger Zeit die Rede ist und die angeblich alles Wissen der Posbis in sich vereinigen. Bei dem Versuch, die Beisetzung einer solchen Posbi-Mutter zu beobachten, stoßen die beiden Terraner auf den Posbibeauftragten Wolermann und Admiral Caaler Faader, die gegen den Schmuggler Rumer Cronus vorgehen wollen. Dieser versorgt die Matten-Willys mit Alkohol, und wie sich herausstellt, ist eine riesige Destille identisch mit der geheimnisumwitterten Posbi-Mutter. Cronus lässt sich die Destillen mit Posbi-Wracks bezahlen. Da die Matten-Willys niemals bereit wären, ihre Schutzbefohlenen einfach zu verkaufen, musste sich der Schmuggler eine besondere Zeremonie ausdenken, um einen würdigen Rahmen für die Geschäfte zu schaffen. Als die "Posbi-Mutter" den Betrieb aufnimmt, kommt es zu hochprozentigen Friedensfeiern zwischen den Menschen...

Siganesen, die die Uniform des Admirals zusammennähen, während er sie trägt, und die dabei die Schmuggler pieksen, eine bizarre Beerdigungszeremonie und eine noch bizarrere Form des Grabraubs, alkoholselige Verbrüderungsszenen und launige Sprüche - eine derartige Story, die trotzdem nicht lächerlich wirkt, konnte wohl nur Willi Voltz schreiben...

Horst Hoffmann: Rendezvous der Toten


Im Jahre 2421, etwa 15 Jahre nach dem Ende der Meister der Insel, wird ein geplanter Familienausflug der Familie Rhodan durch einen Notruf Guckys unterbrochen. Angeblich wurde der Mausbiber von Antis entführt, die nur mit Perry Rhodan verhandeln wollen. Als der Großadministrator am vereinbarten Treffpunkt ankommt, trifft er dort auf den schon 1984 gestorbenen "Overhead" Clifford Monterny. Bevor dieser Rhodan töten kann, wird er von einem Unbekannten ausgeschaltet. Rhodan findet den schwer verwundeten Gucky und wird von diesem angegriffen. Wieder greift ein Unbekannter ein und tötet den Mausbiber. Endlich steht Rhodan dem geheimnisvollen Widersacher persönlich gegenüber. Es ist Thomas Cardif - Rhodans und Thoras Sohn, der 2103 gestorben ist. Die Erklärung für das Rendezvous der Toten ist ein Langzeitplan Mirona Thetins. Faktor I hat schon vor langer Zeit damit begonnen, Atomschablonen von wichtigen Terranern zu sammeln. Die Duplos sollten nach Mironas Tod das Solare Imperium angreifen. Der Cardif-Duplo verfolgt jedoch eigene Pläne. Er allein will Rhodans Platz einnehmen. Seine Pläne werden von einem Mory Abro-Duplo vereitelt. Während Cardif vom Hass regiert wird, ist es bei Mory die Liebe. Sie tötet Cardif und vernichtet den gesamten Planeten, nachdem Rhodan ihn verlassen hat.

Mirona Thetins wenig ausgereifter Langzeitplan ist im Grunde reine Effekthascherei. Die Duplos hätten schon viel früher eingesetzt werden können/müssen, und es ist nicht einzusehen, warum ihre "Programmierung" so schlecht sein konnte, dass es ihnen möglich war, von Mironas Zielen abzuweichen.

Clark Darlton: Die Treppe ins Nichts


Perry Rhodan reist im Jahre 3433 mit dem Nullzeitdeformator ins Jahr. 29.567 v.Chr., um dort gemeinsam mit einigen Begleitern nach Hinterlassenschaften der Lemurer zu suchen, die den Untergang Lemurias überstanden haben könnten. Im Untergrund einer Seychelleninsel wird tatsächlich eine noch funktionsfähige Station entdeckt. Als Rhodan, Ras Tschubai, Fellmer Lloyd und Gucky sie betreten, stellen sie fest, dass es sich um eine Mutantenfalle handeln muss, denn Rhodans Begleiter verlieren all ihre Parafähigkeiten. Die Schwerkraft wird erhöht, die Luftversorgung setzt aus und der einzige Zugang ist versperrt. Waringer bohrt von außen per Thermostrahler einen Tunnel durch den Fels und erzeugt gleichzeitig Treppenstufen, über die die Eingeschlossenen die Station verlassen können. Der Tunnel wird danach wieder versiegelt, aber die Stufen bleiben bis in die Gegenwart erhalten.

Eine ziemlich sinnlose Story, die ein wirklich existierendes Naturphänomen erklären soll: Auf der Seychelleninsel Mahe gibt es eine geheimnisvolle treppenförmige Gesteinsformation, die bis ins Meer führt. Nur: Warum sollten die Lemurer eine derartige Mutantenfalle gebaut haben? Bestien mit Mutantenfähigkeiten gab es nicht, und selbst wenn es sie gegeben hätte, hätte eine einzige Station dieser Art, die noch dazu gut versteckt ist, nichts gegen sie ausgerichtet.

Peter Griese: Schenk mir einen Mond


Perry Rhodan und Reginald Bull verfolgen den Aufwiegler Briest Trallerhaan durch den Mahlstrom der Sterne bis zu einem Mond, auf dem beide Raumschiffe abstürzen. Der Himmelskörper wird in eine unbekannte Region des Mahlstroms versetzt. Die Terraner werden Zeuge, wie der Fürst eines außerirdischen Volkes besagten Mond seiner Angebeteten zum Geschenk macht. Die Holde, deren Zofe erstaunlicherweise eine schöne junge Humanoide ist (in die Trallerhaan sich sofort verliebt) ist aber wenig erfreut. Rhodan erkennt den Grund dafür. Der Fürst hatte seine Gattin in spe falsch verstanden. Sie hatte ihn nicht gebeten, ihr einen Mond zu schenken, sondern seinen Mund - was in ihrer Sprache die denkbar größte Liebeserklärung darstellt. Der dankbare Herrscher will die Terraner wieder nach Hause bringen.

Eine zwar amüsante, insgesamt aber doch sehr belanglose Story, die einzig und allein auf die Schlusspointe abzielt.

Ernst Vlcek: Nie wieder einsam


Reginald Bull sucht auf dem Planeten Adebar nach Irmina Kotschistowa. Das Team der Metabio-Gruppiererin ist verschwunden, nachdem eine Seuche ausgebrochen war, die zu körperlichen Deformationen der Erkrankten geführt hatte. Bull spricht mit den Erkrankten. Ihre Köpfe sind unter einer Art Gewebewucherung nicht mehr zu erkennen. Auch Kotschistowa ist betroffen. Sie erklärt, bei den Zellwucherungen handele es sich um Symbionten von einer sterbenden Welt, die ohne Symbiosepartner nicht lebensfähig seien. Die Symbionten schaden den Menschen angeblich nicht, sondern könnten ihnen Einblicke in kosmische Geheimnisse ermöglichen. Aufgrund ihrer Ängste und Vorbehalte erweisen sich die Terraner aber als ungeeignet. Die Symbionten lösen sich von Kotschistowa und ihrem Team, dann kehren sie zu ihrer Heimatwelt zurück.

Auch kaum mehr als eine Pointenstory, die wohl zeigen soll, wie begrenzt die Weltsicht der Menschen ist, so dass sie es völlig unverständlicherweise nicht als wundervolle Bereicherung empfinden, mit einem hässlichen Zellklumpen auf dem Kopf herumzulaufen. Mal im Ernst: Wer braucht schon Einblick in kosmische Geheimnisse, wenn er nicht mehr vernünftig essen kann? Oder Zähne putzen? Oder küssen?

H.G. Francis: Spekulanten


Die TERRGA-Bank ist einer der Grundpfeiler der Kosmischen Hanse und somit eine der wichtigsten wirtschaftspolitischen Einrichtungen in der Milchstraße. Deshalb greift Homer G. Adams persönlich ein, als er die Nachricht erhält, dass die Quarn-Brüder vom Planeten Röhra klammheimlich so viele Aktienanteile der Bank erworben haben, dass sie demnächst eine Sperrminorität bilden könnten. Es stellt sich heraus, dass die Quarn-Brüder immer zum Tiefstkurs gekauft haben, was eigentlich unmöglich ist. Adams und Ras Tschubai reisen nach Röhra und finden heraus, dass die Quarn-Brüder in den Hinterlassenschaften einer verschwundenen Zivilisation eine Art "Zeitfenster" gefunden haben, durch das sie einen Tag in die Zukunft blicken können. Adams nutzt diese Erkenntnis, um die Quarn-Brüder an der Börse auszumanövrieren. Er provoziert eine beispiellose Talfahrt der TERRGA-Aktien und manipuliert gleichzeitig das in der Börse gezeigte Datum. Deshalb machen die Quarn-Brüder katastrophale Verluste und sind ruiniert. Adams kann ihre Anteile billig zurückkaufen, so dass die Gefahr gebannt ist.

Was Adams da veranstaltet, hat zwar mit wirtschaftlichen Realitäten nicht das allergeringste zu tun, ganz amüsant ist es aber doch.

H.G. Ewers: Volkszählung 384


Wegen einer Perforation der Grigoroff-Schicht kann die Besatzung der GLENDALOUGH, zu der auch Perry Rhodan gehört, Funksignale aus einem Paralleluniversum empfangen. Der Bordcomputer rechnet die Informationen in eine Art Spielfilm um, der bestimmte Geschehnisse auf der Erde dieses alternativen Universums verdeutlicht. Perry Rhodan erkennt, dass eine Volkszählung, die er in seiner eigenen Realität selbst veranlasst hat, entsetzliche Folgen haben könnte. Die Menschen auf der alternativen Erde und anderen Planeten der Milchstraße sind kaum mehr als Schaltelemente in globalen Computersystemen, unterliegen der totalen Überwachung und sind permanent damit beschäftigt, sinnlose Fragen zu beantworten oder neue Fragen für weitere "Volkszählungen" zu erfinden. Ein junger Mann namens Jean-Claude Danton bringt das System zum Zusammenbruch, indem er die Frage nach der ultimativen Antwort stellt. Nach diesem Erlebnis sagt Rhodan die Volkszählung ab.

Die Story ist eine direkte Reaktion auf eine Volkszählung, die für 1983 geplant war und nach massivem Widerstand aus der Bevölkerung vom Bundesverfassungsgericht untersagt wurde. Man hatte Angst vor datentechnischer Überwachung (der "Gläserne Bürger" war in aller Munde), es wurde zum Boykott aufgerufen. Wenn man berücksichtigt, was die Leute heute freiwillig in Sozialen Netzwerken, Diskussionsforen und sogar bei jedem Einkauf bei Internet-Versandhändlern von sich preisgeben, dann kann man die damalige Aufregung nur noch belächeln. Schon lustig, wie die SF doch oft von der Realität eingeholt wird - oder sogar überholt...

Detlev G. Winter: Blätter im Wind


Als die Galaktische Flotte im Jahre 426 NGZ den Frostrubin durchquert, werden die 20.000 Schiffe über die gesamte Galaxie M82 verteilt und sind auf sich allein gestellt. Die Kogge ROVIGAR unter dem Kommando des Ertrusers Polar Kasom begegnet einer Entität namens Feenego, die das Schiff einhüllt und die Bewusstseine der Besatzungsmitglieder in sich aufzunehmen versucht. Die Menschen betrachten dies unter dem Einfluss der Entität als Erfüllung ihrer Existenz. Nur der Techniker Rik van Roeken bleibt unbeeinflusst, erhält aber mentalen Kontakt mit der Entität. Er erkennt, dass das Kollektivwesen keine bösen Absichten hat. Die erzwungene Vergeistigung wäre trotzdem gleichbedeutend mit dem Tod der Menschen. Es gelingt van Roeken, Kasom aus dem Bann Feenegos zu befreien. Gemeinsam leiten sie eine Überlichtetappe ein. Als sich die Grigoroff-Schicht aufbaut, zersplittert das Kollektivwesen. Zu guter Letzt empfängt man auf der ROVIGAR das Peilsignal, mit dem Perry Rhodan die Flotte wieder zusammenruft.

Hm, was soll man zu dieser Story sagen? Das Böse ist nicht böse, nur fremd, würde aber aus guten Absichten Böses tun...

J. Kreis, 11.10.2010

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