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23.04.2019: Spaß mit der Deutschen Bahn Teil 35: Bleibt alles anders

Drei Jahre lang habe ich eine kleine Statistik geführt, um die gefühlte Unzuverlässigkeit der DB mit Zahlen untermauern zu können. Die Ergebnisse findet ihr hier:

2018
2017
2016

Die diesjährige Statistik würde zumindest im ersten Quartal etwas besser aussehen, aber das wäre irreführend, denn mit dem Fahrplanwechsel Ende Dezember 2018 haben sich die Fahrzeiten "meiner" Verbindungen geändert. Ich muss freitags und sonntags jeweils eine halbe Stunde früher aufbrechen, wenn ich ungefähr zur gleichen Zeit ankommen will wie bisher, und die Umsteigezeiten wurden drastisch verlängert. Freitags muss ich jetzt dreimal umsteigen, früher war nur ein Umstieg fällig. Die längste Wartezeit (knapp 40 Minuten) habe ich in Köln. Dann nochmal knapp 20 in Bielefeld und knapp 30 in Herford. Sonntags steige ich einmal um, und zwar in Essen, wofür ich ca. 20 Minuten Zeit habe. Darüber will ich mich gar nicht beschweren. Im Gegenteil! Ich bin dankbar für derart komfortable "Pufferzeiten", denn so klappt es meistens mit den Anschlüssen, wenn auch durchaus nicht immer. Und eine pünktliche Ankunft am Ziel ist selbstverständlich immer noch nicht garantiert. Allein im ersten Quartal waren die Verspätungen mehrmals so massiv, dass ich die Anschlüsse trotzdem verpasst habe. Zweimal habe ich mich wegen total chaotischer Zustände sogar dazu entschlossen, erst am Folgetag zu fahren.

Witzig ist in diesem Zusammenhang, dass ich die neuen Verbindungen erstmal auskundschaften musste. Irgendwann habe ich kapiert, dass sie bei der Online-Ticketbuchung wegen der langen Wartezeiten gar nicht angeboten werden! Es funktioniert nur, wenn ich bei der Buchung explizit angebe, dass ich z.B. in Köln 40 Minuten lang warten möchte. Belasse ich es bei der Standard-Umsteigezeit, erhalte ich die abstrusesten Vorschläge mit inakzeptablen Reisezeiten. Apropos: Die Fahrzeiten und –strecken ändern sich seit Januar ständig von Woche zu Woche. Ich kann mich auf rein gar nichts mehr verlassen und muss mich immer auf dem Laufenden halten. Mal halten die Züge nicht an bestimmten Bahnhöfen oder fallen ganz aus, mal fahren sie früher ab oder kommen später an. Früher kannte ich alle Alternativverbindungen auswendig und wusste, was zu tun war, wenn mal wieder irgendwelche Störungen auftraten. Das ist jetzt nicht mehr so einfach. Grund dafür sind Baustellen. Man könnte den Eindruck bekommen, bei der Bahn habe man jahrzehntelang nichts für die Instandhaltung der Strecken getan, das lasse sich aber nicht weiter aufschieben und daher werde jetzt überall wie wild gebaut! Ich fahre äußerst ungern lange Strecken per Auto, aber in den letzten Monaten war ich mehrmals kurz davor, der Bahn untreu zu werden.

In dieser Situation stellt die DB wieder einmal unter Beweis, dass sich an meinem zweiten Hauptkritikpunkt neben der Unzuverlässigkeit nichts geändert hat. Ich bin der Meinung, dass die Interessen, Bedürfnisse und Wünsche der Kunden bei der Bahn entweder nicht bekannt sind oder ignoriert werden (ihr dürft euch aussuchen, was schlimmer ist), dass viele Bahnbedienstete nicht fähig sind, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken und zu kapieren, dass sie nicht nur zum Abknipsen von Fahrkarten da sind. Bemüht man sich darum, bei der Abfahrt eines verspäteten Zuges die eine oder andere Minute gut zu machen (bei Anschlüssen geht es manchmal wirklich um wenige Sekunden)? Nein, man trödelt am Bahnsteig herum, raucht noch schnell eine, hält ein Schwätzchen oder starrt Löcher in die Luft. Versorgt man die Reisenden mit aktuellen Informationen? Nein, man liest stur die Anschlüsse aus dem Faltblatt "Ihr Reiseplan" vor, egal ob diese Züge erreicht werden oder nicht, ob sie pünktlich oder womöglich massiv verspätet sind. Nicht alle Zugbegleiter sind so drauf, da möge man mich nicht falsch verstehen. Aber Bahner, die sich erkennbar für die Belange der Fahrgäste einsetzen, haben nach meinen Erfahrungen Seltenheitswert.

Ein Musterbeispiel für das, was bei der Bahn in Sachen Kundenfreundlichkeit im Argen liegt, ist der von mir freitags genutzte Intercity Nr. 2026. Das ist ein Ersatzzug für einen Intercity-Express, der seit vier Monaten nicht mehr fährt. Warum so lange? Keine Ahnung.



Schrott

(Ersatzzug, Tür kaputt, Wagennummerierung mit Filzstift. Da hat man schon genug, bevor man überhaupt eingestiegen ist!)


Jedenfalls ist die Reservierung eines Sitzplatzes in diesem völlig maroden Zug ein reines Glücksspiel. Das heißt – der Reservierungsvorgang, für den stolze 4,50 EUR fällig werden, ist überhaupt kein Problem. Nur bedeutet das nicht unbedingt, dass ich in der ruhigen Gewissheit in den stets überfüllten Zug einsteigen kann, auf jeden Fall sitzen zu können. Bei den meisten Fahrten waren die Reservierungen nämlich nicht gesteckt. Jawohl: Gesteckt. Wir reden hier von Papierkärtchen. Digitale Anzeigen gibt's in den uralten Waggons dieses Zuges nicht. Das wäre an sich nicht so schlimm, wenn der Zugchef durchsagen würde, dass die Reservierungen trotzdem gelten oder dass sie eben nicht gelten. Dann wüsste man wenigstens, woran man ist. Solche Durchsagen wurden aber in besagten vier Monaten entweder gar nicht gemacht oder erst, wenn sich die Fahrgäste schon gegenseitig erwürgt hatten! Ich kann nur hoffen, dass die Bahner gar nicht wissen, was sie damit anrichten. Eine Reservierung zu haben ist übrigens nicht nur Luxus. Ich habe es schon mehrmals erlebt, dass Reisende, die keine hatten, zum Verlassen eines überfüllten Zuges aufgefordert wurden. Der Zug ist jedes Mal erst weitergefahren, wenn genug Leute ausgestiegen waren.

Wenn ich wüsste, dass man für Reservierungen zur Kasse gebeten wird, die gar nicht gültig sind, würde ich natürlich keine kaufen – aber manchmal gelten sie halt doch! Es gibt sogar noch eine Steigerung. Manche Plätze, die man reservieren kann, sind im Intercity 2026 schlicht und einfach nicht vorhanden. Anscheinend werden im Online-Reservierungssystem der DB nicht die Sitze des Ersatzzuges berücksichtigt, sondern die des ICE, den er ersetzt. In ICEs gibt es Platznummern über 100. Beim Ersatzzug enden sie irgendwo in den Neunzigern! Und natürlich kommt auch hierzu keinerlei Durchsage. Ich bin selbst schon planlos auf der vergeblichen Suche nach meinem bezahlten Platz durch den Zug geirrt und ich beobachte an jedem verdammten Freitag verzweifelte Leute, denen es genauso geht. Diese Idiotie, man erinnere sich, ist seit vier Monaten so. Das begreife wer will.

Immerhin – es gibt auch etwas, das gut funktioniert, und zwar ein relativ neues Angebot namens "Komfort Check-in", das inzwischen in vielen ICEs verfügbar ist.



Komfort Check-in

(Auf Komfort Check-in klicken - Bestätigung - Eingecheckt!)


Mit der App "DB-Navigator" kann ich mein Handyticket selbst entwerten. Das Zugbegleitpersonal kann dann auf den Lesegeräten sehen, dass auf einem bestimmten Platz jemand mit einem gültigen Ticket sitzt. Ich werde dann nicht mehr kontrolliert, auch nicht bei Personalwechsel. Sehr angenehm, geht aber nur, wenn ich meinen reservierten Platz auch wirklich in Anspruch nehme. Und das ist, wie ich berichtete, manchmal gar nicht so einfach ...


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