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25.03.2019: Missionare

Seit einiger Zeit fällt mir beim Stadtbummel auf, dass alle paar Meter jemand in der Fußgängerzone steht, oft mit umgehängten Plakaten, und Traktate verteilt. Oft sind auch Infostände aufgestellt, an denen Bücher angeboten werden. Die Beschriftungen der Plakate und Stände lassen auf Botschaften christlichen Inhalts schließen. Manchmal sieht (und hört) man sogar einen Mann, der sich mitten ins samstägliche Shoppinggewühl stellt und predigt. Sie alle werden in der Regel komplett ignoriert. Um in Erfahrung zu bringen, was diese Missionare mir sagen wollen, habe ich jetzt einfach mal jedem je ein Traktätchen abgenommen. Auf dem folgenden Bild ist die Ausbeute von 300 Metern zu sehen. Von den Zeugen Jehovas, die ebenfalls anwesend waren, habe ich nichts angenommen. Die hatten erheblich umfangreicheres Material mit viel besserem Layout dabei ...



Missionare


Zugegeben, als Christ hat man einen Missionierungsauftrag, das heißt, man soll die Lehren Christi verbreiten. Und wenn die Fußgängerzonen-Missionare annehmen, dass die meisten Menschen, von denen sie geflissentlich übersehen werden, nur deshalb als Christen zu betrachten sind, weil das so auf der Lohnsteuerkarte steht, dann werden sie wohl nicht ganz Unrecht haben. Ich persönlich verstehe den biblischen Missionierungsauftrag allerdings nicht so, dass man anderen die eigene Überzeugung aufnötigen soll. Außerdem ist für meinen Geschmack in den Traktaten eindeutig zu oft von der ewigen Verdammnis die Rede. Es drängt sich der Eindruck auf, das Christentum hätte nicht mehr zu bieten als die Errettung vor dem Höllenfeuer.

Irgendwie finde ich das irritierend. Wer sind diese Missionare? Werden sie im kirchlichen Auftrag tätig oder zu welcher anderen Organisation gehören sie? Ich weiß es nicht und die Traktate geben darüber keinen Aufschluss. Jedenfalls glaube ich nicht, dass sich jemand durch Einschüchterungen zum christlichen Glauben bekehren lässt. Die Drohung mit Höllenqualen, denen man nur als Christ entgehen kann, hat vielleicht vor 500 Jahren funktioniert. Wer das in den Mittelpunkt stellt und den Menschen keine anderen Antworten geben kann, hat die Lehre, die es zu verbreiten gilt, meiner Meinung nach nicht wirklich verstanden.


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