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03.09.2018 - 06.09.2018: Amsterdam

Zum Ausklang des Sommers machen meine bessere Hälfte und ich gern nochmal einen kurzen Ausflug. Diesmal sind wir für drei Übernachtungen in die Hauptstadt der Niederlande gefahren, und zwar ohne festes Ziel, oder besser gesagt ohne die Absicht, Kunstschätze oder dergleichen zu bestaunen. Wir wollten lediglich das besondere Flair Amsterdams genießen, das wir bei unserem ersten Besuch vor über 25 Jahren (!) kennengelernt haben. Seitdem hat sich einiges verändert. Zum Beispiel existieren viele der legendären Coffeeshops nicht mehr oder es sind wirklich ganz normale Cafés daraus geworden. Im Gegensatz dazu hat sich die Anzahl der Touristen drastisch vervielfacht. Selbst an Wochentagen in der Nachsaison war die Stadt noch sehr voll. Dementsprechend hat sich die "touristische Infrastruktur" (um es neutral zu formulieren) deutlich weiterentwickelt. Aber noch kann meiner Meinung nach keine Rede davon sein, dass die Stadt überlaufen wäre oder ihren einzigartigen Charakter und Charme verloren hätte. Amsterdam ist immer noch eine sehr lebendige, "junge" Stadt, in der die typische niederländische "Gezelligheid" überall zu spüren ist. Und selbstverständlich hat sich am wunderbaren Bild der Altstadt mit unzähligen Grachten und Brücken, schmalen altehrwürdigen Giebelhäusern, legalen und illegalen Hausbooten, urigen Kneipen und originellen kleinen Geschäften nichts geändert.



Amsterdam

(Bild 1: Prinsengracht mit der Westerkerk, der berühmtesten Kirche der Stadt)


Ich hatte nur nicht erwartet, dass die engen Straßen (es sind eher Gassen) entlang der Grachten derart intensiv genutzte Verkehrswege sein würden. Als Fußgänger hat man es in Amsterdam gar nicht so leicht, denn abgesehen von den auch in der Altstadt herumkurvenden Autos und Straßenbahnen sind viele, viele, viele Radfahrer unterwegs. Und zwar teils mit einem Affenzahn, dem Handy in der Hand und somit nicht wirklich auf den Verkehr konzentriert! Nur Sightseeingbusse bekommt man in der Altstadt zum Glück nicht zu sehen. Obendrein sind die schmalen Bürgersteige meist mit Blumenkübeln (die allerdings ein schönes Bild abgeben), parkenden Lieferwagen und natürlich Fahrrädern vollgestellt. Man muss also ganz schön aufpassen, um nicht unter die Räder zu kommen! Ich habe in den paar Tagen unseres Aufenthalts so manche brenzlige Situation beobachtet. Erstaunlich dabei: Es wurde nicht gehupt. Ich habe in Amsterdam wirklich kein einziges Mal eine Autohupe gehört! Das wäre in Deutschland undenkbar ...

Trotz des Verkehrs macht es natürlich einen Riesenspaß, durch die verwinkelten Straßen und Gassen zu spazieren, Amsterdams unverwechselbare Atmosphäre auf sich wirken zu lassen und in einem der zahlreichen unglaublich niedlichen Lokale zu verschnaufen, etwa auf der Sonnenterrasse vom "Sluyswacht", einem windschiefen ehemaligen Schleusenwärterhäuschen direkt am Wasser in der Nähe des Rembrandthauses, wo man sich über ein Dutzend verschiedene Biersorten und kleine Snacks schmecken lassen kann. Zum Beispiel Bitterballen mit Senf. Diese kleinen panierten und mit einer Art Fleischragout gefüllen Kugeln sind eine niederländische Spezialität. Lecker!



Amsterdam

(Bild 2: De Sluyswacht, im Hintergrund der Montelbaanstoren, ein ehemaliger Wachturm)


Tatsächlich haben wir einen Großteil unseres Aufenthaltes genau auf diese Weise verbracht: Die Stadt ohne Plan kreuz und quer erkunden, hier und da ein Plätzchen in der Sonne suchen, um einfach mal das bunte Treiben auf und neben den Grachten zu beobachten, die baulichen Sehenswürdigkeiten bestaunen. Letztere nur von außen! Ich will mich hierüber gar nicht weiter auslassen; Amsterdams vielfältige Attraktionen sind in jedem Reiseführer beschrieben, ebenso wie das riesige Angebot an Ausflugsfahrten. Eine Grachtenrundfahrt gehört zum Standardprogramm, das haben wir uns auch diesmal nicht entgehen lassen. Ansonsten haben wir nur noch die Heineken-Brauerei besichtigt (eine aufwändig gestaltete multimediale Tour mit drei Gratisgetränken!) und den Zoo besucht. Der Artis-Zoo ist sehr weitläufig und eine der zahlreichen grünen Oasen inmitten der Stadt. Hier relaxen auch die Tiere gern im Sonnenschein.



Amsterdam

(Bild 3: Ein gepflegtes Schläfchen tut gut nach einem ausgedehnten Stadtspaziergang!)


Direkt neben dem Zoo liegt übrigens der Hortus Botanicus, einer der ältesten botanischen Gärten der Welt.

Wer in Amsterdam zentral logieren will, muss tief in die Tasche greifen. Uns war das egal, wir wollten mittendrin sein, um alles zu Fuß erreichen zu können. Wir haben uns für das Fünfsternehotel "Pulitzer" an der Prinsengracht entschieden, und das war eine gute Wahl. Abgesehen vom zu erwartenden Luxus, der sehr hochwertigen Ausstattung und dem freundlichen Personal ist beim Pulitzer schon die Bauweise erwähnenswert. Praktisch der gesamte Häuserblock zwischen Prinsen- und Keizersgracht inklusive Innenhof gehört zum Hotel, es besteht aus über 20 miteinander verbundenen Häusern aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Beim Check-In erhält man zur Orientierung sogar einen Lageplan! Hier kann man äußerst stilvoll wohnen und beim Frühstück direkt auf die Keizersgracht blicken. Anne-Frank-Haus und Westerkerk sind praktisch um die Ecke, zum Königlichen Palast sind es nur wenige Minuten und das quirlige Ausgehviertel Leidseplein ist ebenfalls ganz in der Nähe. Trotzdem ist das Hotel ruhig gelegen. Man hört in der Nacht nur das Schlagen der Uhr der Westerkerk sowie das Glockenspiel.



Amsterdam

(Bild 4: Die "Rückseite" des Pulitzer an der Keizersgracht mit dem Frühstücksrestaurant Jansz)


Drei Übernachtungen sind definitiv zu kurz, wenn man Wert auf Kunst und Kultur legt, also nicht nur Grachtenluft schnuppern, sondern auch Museen, Kirchen und so weiter besichtigen möchte. Zudem finden sich einige lohnende Ausflugsziele, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sind, im näheren Umland. Wir werden also wiederkommen müssen!


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