Zur Archiv-Startseite
Zur Übersicht der Kommentare


25.06.2018 - 06.07.2018: Skiathos

Wenn ich in diesem Jahr nach meinem Urlaubsziel gefragt wurde, dann ist der Dialog fast immer genau wie folgt abgelaufen:
Neugieriger Zeitgenosse: "Na, geht's wieder nach Griechenland?"
Ich so: "Klar!"
"Wohin denn genau?"
"Insel Skiathos."
"Nie gehört!"
"Gehört zu den Nördlichen Sporaden."
Daraufhin konnte man sehen, wie ein riesiges Fragezeichen über dem Kopf des Gesprächspartners erschien.
Ich: "Kennst du den Film Mamma Mia? Den mit der ABBA-Musik?"
"Logisch, den kennt doch jeder."
"Der wurde dort und auf der Nachbarinsel Skopelos gedreht."
"Aha, alles klar!"

Danach wusste der Fragende bestimmt immer noch nicht, wo die Nördlichen Sporaden liegen, konnte sich aber anhand des Films ungefähr vorstellen, wie es auf Skiathos aussieht: Üppig grüne Wälder und Traumstrände. Das sind die Hauptattraktionen, das heißt, Skiathos ist das perfekte Ziel für Bade- und Wanderurlaub. Antike Stätten sind praktisch nicht vorhanden und auch sonst findet man nur wenige Sehenswürdigkeiten auf der lediglich knapp 50 Quadratkilometer großen Insel. Das heißt aber nicht, dass es dort nichts zu sehen gibt. So habe ich in diesem Urlaub so viele Fotos gemacht wie nie zuvor, denn egal wohin man kommt, überall bieten sich schöne Ausblicke.



Skiathos

(Bild 1: Unterwegs auf Skiathos)


Skiathos ist eine gute "Anfängerinsel", denn sie ist sehr touristisch geprägt und aufgrund der geringen Entfernungen kommt man problemlos überallhin. Das ist grundsätzlich mit öffentlichen Bussen möglich, allerdings haben meine bessere Hälfte und ich gesehen, dass die Busse meist total überfüllt waren. Für uns war das kein Problem, denn wir hatten vorab einen Mietwagen für die ganze Dauer des Aufenthalts gebucht und haben das nicht bereut. Man sollte auch wissen, dass die Busse nur entlang der gut ausgebauten Südküstenstraße fahren. Es gibt einige schmale (und oft schlecht asphaltierte) Pisten, die Richtung Norden führen, dort verkehren die Busse aber nicht. Es empfiehlt sich also, eigenständig mobil zu sein, wenn man sich auch ein bisschen abseits der Hauptroute umsehen will. Empfehlenswert sind Ausflüge zum Kloster Evangelistria und zum Kloster Panagia Kounistria. Im ersteren leben immer noch Mönche, letzteres wird von einer alten Frau instandgehalten. Beide Anlagen sind wirklich sehenswert und idyllisch gelegen. Im Kloster Evangelistria wurde während des Freiheitskampfes das erste Exemplar der Griechischen Nationalflagge hergestellt. Ein kleines Museum kann besichtigt werden.



Skiathos

(Bild 2: Im Kloster Evangelistria)


Die Auswahl an Unterkünften jeglicher Preisklassen ist groß. Wir haben uns für das Hotel Aegaean Suites entschieden. Es besteht aus mehreren kleinen an einem Hang gruppierten Gebäuden. Wir hatten eine aus zwei großen Zimmern plus Bad und Balkon bestehende Suite im oberen Bereich, so dass wir mehrmals am Tag einige Treppenstufen erklimmen mussten. Das nahmen wir gern in Kauf! Das Aegaean Suites bietet nämlich abgesehen vom Komfort eines Fünfsternehotels und dem netten, aufmerksamen Personal gleich mehrere Vorteile. Zunächst einmal ist es nur für Personen ab 16 Jahren buchbar, was zusammen mit der lockeren Verteilung der Gebäude für herrliche Ruhe sorgt. Außerdem befindet sich die Anlage direkt am Rand von Skiathos-Stadt. Bis zur dortigen Hafenpromenade ist es ein Spaziergang von 15 Minuten. Der kleine Strand Megali Ammos liegt praktisch direkt vor der Haustür, dort gibt es schon einige gute Tavernen. Einkaufsmöglichkeiten liegen ebenfalls in der Nachbarschaft. Zu guter Letzt gehört das wenige Kilometer entfernt am Strand von Agia Paraskevi gelegene große Hotel Skiathos Princess Resort zur selben Gruppe. Man darf alle dortigen Einrichtungen gratis mitbenutzen, Liegen und Sonnenschirme am Strand kosten also nichts. Es gibt sogar einen Shuttleservice zwischen den beiden Häusern, aber wir hatten ja ein eigenes Auto. Wir haben das Angebot ausgiebig genutzt, denn der Strand von Agia Paraskevi ist wunderbar: Nicht so überlaufen, flach ins Meer abfallend, feinkörniger goldgelber Sand, kristallklares Wasser ...



Skiathos

(Bild 3: Eingang zum Hotel Aegaean Suites)


Skiathos-Stadt, der Hauptort der Insel, erstreckt sich über zwei Hügel und bietet mit den roten Schindeldächern einen pittoresken Anblick. Besonders abends kann man in Skiathos-Stadt schön flanieren. In der zum Hafen führenden Papadiamantis-Straße, der Haupteinkaufsstraße (nominell eine Fußgängerzone, Mopeds knattern aber auch hier immer wieder durch) reihen sich die Boutiquen, Schmuckgeschäfte, Souvenirläden, Bars, Restaurants, Schnellimbisse, Cafés usw. aneinander, außerdem gibt es dort ein Open-Air-Kino, in dem alle zwei Tage der Film "Mamma Mia" gezeigt wird. Hier findet man wirklich alles, was das Herz begehrt, für jeden Geldbeutel ist etwas dabei. Es ist immer was los, aber man muss nur in ein Seitengässchen abbiegen, um schon wieder mehr Ruhe zu haben. Das ursprüngliche Griechenland wird man in Skiathos-Stadt sicher nicht finden, dennoch besteht kein Mangel an urigen Tavernen. Der Blick von den Hügeln und von der Halbinsel Bourtzi, wo sich die Reste eines venezianischen Kastells aus dem 13. Jahrhundert (heute mit Café und kleinem Theater) erheben, ist sehr schön. Am alten und neuen Hafen ankern Ausflugsboote, bei denen man Touren buchen kann. Wir haben zwei mitgemacht und sie sind durchaus empfehlenswert. Eine führt rund um die Insel mit Stopps unter anderem bei den hoch auf einer Klippe gelegenen Ruinen der alten Hauptstadt Kastro sowie beim nur per Boot erreichbaren Lalaria-Strand, der ganz aus hellen Kieselsteinen besteht, wodurch das Wasser eine herrliche Türkisfärbung erhält. Die andere Tour führt zu den Nachbarinseln Skopelos und Alonnisos, außerdem wird eine längere Essenspause auf dem Festland (Pilion) eingelegt.



Skiathos

(Bild 4: Skopelos-Stadt)


Viele Touristen kommen nur zum Baden nach Skiathos; die Strände sind wirklich erstklassig. Die Insel wird in Reiseführern immer als "griechische Karibik" bezeichnet. Keine Ahnung, ob der Vergleich passt, ich war noch nie in der Karibik. Der Koukounaries-Strand soll einer der schönsten Europas sein, entsprechend beliebt und vollgestopft ist er aber auch. Wir fanden die nahe gelegene, unter Naturschutz stehende Lagune mit Pinienwäldchen ansprechender. Man kann auf Skiathos nicht nur besonders gut Badeurlaub machen – auch zum Wandern ist die Insel bestens geeignet, und zwar einerseits wegen den bereits erwähnten dichten Wäldern, vor allem aber auch aufgrund der einfachen Tatsache, dass die Wanderwege hier besser angelegt und gepflegt sind, als ich es von anderen griechischen Inseln kenne. Zu verdanken ist das Herrn Ortwin Widmann, einem Deutschen, der seit zwanzig Jahren auf Skiathos lebt. Mit deutschem Fleiß und schwäbischer Gründlichkeit hat er bis heute über 20 Routen verschiedener Schwierigkeitsgrade erschlossen, markiert und ausgebaut. Er bietet zudem geführte Wanderungen an. Wir haben zwei je ca. 11 Kilometer lange Wanderungen mit ihm unternommen und das waren tolle Erlebnisse.



Skiathos

(Bild 5: Wanderung im "Zauberwald")


Selbst für mich, der ich ein absolut unsportlicher Faulpelz bin, waren die Wanderungen gut zu schaffen; ich muss aber ehrlicherweise zugeben, dass ich bei manchen Anstiegen zum Amüsement meiner gut trainierten besseren Hälfte ganz schön gekeucht habe… Wer lieber auf eigene Faust wandern möchte, kann das aufgrund der lückenlosen Beschilderung bedenkenlos in Angriff nehmen.

Eins muss ich noch erwähnen: Auf Skiathos sind wie überall auf den griechischen Inseln unzählige streunende Katzen unterwegs. Hier und da versucht man in Griechenland seit einigen Jahren, der Situation durch Kastrationsaktionen Herr zu werden. Das geschieht auch auf Skiathos, dort scheint das Ganze besonders gut organisiert zu sein. Fast alle Streuner, die ich gesehen habe, wurden irgendwann behandelt (man erkennt das daran, dass sie eine Kerbe im Ohr haben) und all diese Tiere haben einen gesunden Eindruck gemacht. Hunger müssen die Katzen nicht leiden, zumindest nicht in Skiathos-Stadt. Dort gibt es mehrere Futterstellen, die von der Skiathos Cat Welfare Association betrieben werden. So etwas habe ich in Griechenland noch nie zuvor gesehen. Vorbildlich!



Skiathos

(Bild 6: Skiathos - Ein Paradies ... nicht nur für Katzen!)


Mehr Fotos von diesem Urlaub findet ihr hier.


Zur Archiv-Startseite
Zur Übersicht der Kommentare