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13.11.2017: Game Over

Computer- und Videospiele gehören seit jeher zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Als es in den Siebzigerjahren so richtig losging mit den allerersten Videospielsystemen, war ich schon mit großer Begeisterung dabei. So manche D-Mark habe ich in Arcade-Automaten versenkt, meist in verräucherten Kneipen und fast immer bis auf den letzten Drücker dann hieß es spurten, um rechtzeitig zum Unterrichtsbeginn in der Schule zu sein! Meine erste eigene Spielkonsole war Anfang 1993 ein Super Nintendo Entertainment System. Unzählige Stunden habe ich mit Super Mario World, The Legend of Zelda A Link to the Past, Wing Commander, Jimmy Connors Pro Tennis Tour und anderen Zeitfressern verbracht. Im Jahre 1996 habe ich mir die Playstation von Sony zugelegt, mit PC-Spielen habe ich erst 2002 angefangen. Andere Systeme wie den Gamecube von Nintendo, die erste X-Box von Microsoft und die Dreamcast von Sega habe ich mir damals ebenfalls gekauft, aber bei weitem nicht so intensiv genutzt wie die Playstation und ihre drei Nachfolgerinnen. Mittlerweile spiele ich sogar Handygames, zum Beispiel MyColony und Townsmen, beides Aufbauspiele. Ersteres hat gewaltigen Umfang und ist extrem suchterzeugend. Letzteres hat die mit Abstand schönere Grafik, ist aber längst nicht so komplex.



Townsmen

(Ein Teil meiner Siedlung im Endlosspiel, zusätzlich sind vorgegebene Szenarien vorhanden)

Nach wie vor liebe ich es, in virtuelle Welten abzutauchen, epische Abenteuer zu erleben, Autorennen zu bestreiten oder mich als Landwirt zu betätigen. Die Spieleindustrie setzt jedoch alles daran, mir einem eingefleischten Singleplayer, der standhaft darauf beharrt, all seine Systeme offline zu halten den Spaß zu verderben. PC-Spiele kaufe ich schon lange nicht mehr, weil es so gut wie keine gibt, die sich ohne Online-Registrierung installieren lassen. Bei Konsolenspielen, die keine reinen Multiplayergames sind, ist das noch nicht so, aber es gibt ein mindestens genauso großes Problem: Bei Neuerscheinungen kann man heutzutage sicher sein, dass sie genauso verbuggt sind wie die PC-Version, manchmal bis hin zur Unspielbarkeit. Kaum ein Konsolentitel kommt ohne Day-One-Patch auf den Markt. Diese Patches sind inzwischen in der Regel hunderte Megabyte groß und nur erhältlich, wenn man sich mit der Konsole online registriert und ein Kundenkonto anlegt, das man wömöglich noch bezahlen muss. Auf demselben Weg werden zusätzliche Spielinhalte bis hin zu großen Add-Ons verteilt. Ich habe keine Lust, viel Geld für ein im Grunde unfertiges Spiel auszugeben und verzichte daher lieber ganz darauf oder warte einfach, bis nach einiger Zeit eine "Game of the Year-Edition" erscheint, die dann günstiger ist und sämtliche Patches, DLCs sowie Add-Ons enthält! Hinzu kommt Abzockerei wie kostenpflichtige Lootboxen oder andere Bezahlinhalte, die nicht immer nur "nice to have", sondern sogar spielentscheidend sind.

Das alles hat dazu geführt, dass ich keine neuen Games mehr kaufe, sondern nur noch solche, die schon ein Jahr alt oder älter sind. Außerdem wende ich längst nicht mehr so viel Zeit für Games auf wie in meinen besten Zeiten. Deshalb habe ich seit Jahren fast nur noch Reviews zu längst nicht mehr aktuellen Spielen veröffentlicht. Obendrein habe ich festgestellt, dass es mir kaum noch Spaß macht, Spiele zu beschreiben und zu kommentieren. Deshalb ist jetzt Schluss! Ich schreibe keine Game-Reviews mehr. Die Spiele, mit denen ich mich zurzeit beschäftige, will ich hier nur kurz erwähnen.

Da wäre zum einen Metal Gear Solid V: The Definitive Edition. Diese Version enthält neben dem Hauptspiel The Phantom Pain das Add-On Ground Zeroes sowie verschiedene DLCs. Ground Zeroes ist ein Prequel und spielerisch ein Witz. Snake/Big Boss dringt in eine Militärbasis ein und befreit jemanden. Hat man das erledigt, was höchstens ein paar Minuten dauert, kann man dieselbe Basis noch mehrmals infiltrieren, um andere, ebenfalls nicht wirklich umfangreiche Aufgaben zu erledigen.



Metal Gear Solid

(Die zu infiltrierende Basis im Add-On)

Die Spielzeit ist kürzer als die Laufzeit des CGI-Films, der nach dem Ende der Mission abläuft und zum Hauptspiel überleitet: Snakes Hauptquartier Mother Base, ein Komplex miteinander verbundener Plattformen im Meer, wird angegriffen und vernichtet. Snake landet reichlich verunstaltet in einem Krankenhaus auf Zypern und erwacht erst Jahre später aus dem Koma. Merkwürdige Gestalten, unter anderem ein brennender Mann, attackieren das Gebäude. Snake versucht unerkannt zu entkommen. Nachdem man diesen quälend langen spielbaren Prolog hinter sich gebracht hat, entfaltet das Spiel trotz des immer gleichen Missionsdesigns eine enorme Sogwirkung. Die Story ist genauso wirr wie es schon immer bei Spielen dieser Reihe war ich habe mir gar nicht erst die Mühe gemacht, ihr zu folgen. Snake baut seine Basis neu auf, gründet eine Söldnerarmee und schlägt sich mit einem sinisteren Typen namens Skullface herum, der einen vertrackten Plan zur Vernichtung aller Feinde Amerikas in die Tat umsetzen will. Bei den Missionen, die Snake im russisch besetzten Afghanistan (wir befinden uns in den Achtzigerjahren) und in Afrika absolviert, können Begleiter mit verschiedenen Fähigkeiten mitgenommen werden, zum Beispiel die schöne und scheinbar stumme Scharfschützin Quiet.



Metal Gear Solid

(Quiet und Snake. Warum Quiet nicht spricht, wird im Verlauf der Story erklärt)

Besonders gut gefällt mir, dass man sich frei in einer offenen Welt bewegen kann, ganz ohne Einschränkung auf Missionsgebiete, und dass man (nicht zuletzt aufgrund des riesigen Arsenals unterschiedlicher Waffen und Hilfsmittel) immer ganz unterschiedliche Wege zum Ziel einschlagen kann. Unbemerktes Anschleichen ist MGS-typisch immer die beste Wahl, man kann aber auch wild um sich ballern und sogar einen Kampfhubschrauber, Artilleriebeschuss sowie andere Unterstützungen anfordern. Voraussetzung hierfür sowie für die Erforschung von Waffen etc. ist der Ausbau der Mother Base.



Metal Gear Solid

(Im Anflug auf die Tierschutzplattform der Mother Base)

Zum Basisbau und für Forschungen werden Rohstoffe benötigt, die man im Missionsgebiet einsammeln kann. Geldmittel erhält man für Missionserfolge. Witzig: Die Gegner stellen sich nach und nach auf eure Vorgehensweise ein. Benutzt ihr zum Beispiel oft Betäubungsgas, tragen sie vermehrt Schutzmasken. Ein Handbuch ist nicht vorhanden und nicht alle Features werden durch die Ingame-Hilfe erklärt. Ich habe nicht immer gleich begriffen, welches der unübersichtlichen Menüs ich nutzen musste, um das gewünschte Ergebnis zu erhalten. Egal: Selbst nach einer Spielzeit von fast 150 Stunden (ich bin erst im letzten Drittel) macht The Phantom Pain immer noch Spaß! Die sehr schönen, abwechslungsreich gestalteten Landschaften, Wachposten, Basen usw. sind weitere Highlights.



Metal Gear Solid

(Snake in Afghanistan)


Metal Gear Solid

(Snake und sein pelziger Kumpel D-Dog im afrikanischen Dschungel)

Vor einiger Zeit habe ich den Film Kingsglaive: Final Fantasy XV gesehen, bei dem es sich um die nicht in sich abgeschlossene Vorgeschichte des Spiels Final Fantasy XV handelt. Jetzt wollte ich natürlich wissen, wie die Geschichte weitergeht, daher habe ich mir das Spiel auch noch zugelegt. Mit dem Klassiker Final Fantasy VII hat das Gameplay praktisch nichts mehr zu tun. Man befindet sich in einer offenen Welt. Sie ist nicht von Anfang an frei zugänglich. Einige Straßen sind blockiert, die Sperren werden nach und nach entfernt, während man in der Story voranschreitet. Man muss zum Glück nicht immer zu Fuß durch die ziemlich große Welt latschen, denn es steht ein Auto zur Verfügung, zu dem man sogar teleportieren kann.



Final Fantasy XV

(Unterwegs mit dem Regalia. Autopilot und manuelles Fahren sind möglich)

Besonders viel zu tun gibt es in der nett designten Landschaft nicht, so dass die Erkundung abseits von Quests ziemlich langweilig, um nicht zu sagen sinnlos ist. Hier und da findet man einen nützlichen Gegenstand oder stolpert über aggressives Viehzeug und andere Gegner, die man umgehen oder bekämpfen kann. Die Kämpfe finden in Echtzeit statt und sind ziemlich wuselig.



Final Fantasy XV

(Im Kampf gegen ... Giraffenantilopen?!?)

Man kann zwar eine Art Pausenmodus aktivieren, aber ehrlich gesagt habe ich den nie genutzt, weil ich nicht damit zurechtgekommen bin bzw. keinen Nutzen erkennen konnte. Es wird sicherlich möglich sein, irgendwelche taktischen Feinheiten anzuwenden, nötig ist es aber nicht. Einfach immer wild auf den Angriffsbutton drücken, ab und zu Heiltränke einwerfen, das reicht völlig.

Die Story setzt ziemlich genau dort ein, wo der Film endet. Das Königreich Lucis wird vom Imperium Niflheim angegriffen. Die Hauptstadt Insomnia fällt, der König wird getötet. Der Thronfolger, Prinz Noctis, befindet sich zu diesem Zeitpunkt nicht in der Stadt. Er macht einen Ausflug mit drei Freunden, als er die Nachricht vom Tod seines Vaters erhält.



Final Fantasy XV

(v.l.n.r.: Gladiolus, Noctis, Prompto, Ignis)

Man ist also (fast) immer in einer Gruppe unterwegs. Direkt gesteuert wird nur Noctis, seine drei Kumpels agieren selbstständig. Man kann ihnen lediglich im Kampf befehlen, je eine Spezialfähigkeit einzusetzen. Eine klare Linie ist in den Quests nicht zu erkennen (irgendwie geht es darum, dass sich Noctis mit einer aus dem Film bekannten jungen Dame namens Lunafreya treffen muss), außerdem erhält man eine Fülle von Nebenquests, die immer nach demselben Schema ablaufen: Gegenstand A zu Person B bringen, Monster X im Auftrag von Person Y töten. Zwischendurch kann man sich mit Minispielen beschäftigen. Noctis angelt nämlich für sein Leben gern ...



Final Fantasy XV

(Petri Heil!)

... außerdem können Chocobo-Rennen bestritten werden.



Final Fantasy XV

(Hü-hott!)

Sehr viel mehr kann ich zu dem Spiel nicht sagen, denn ich habe erst ungefähr 50 Spielstunden damit verbracht. "Final-Fantasy-DNA" ist definitiv vorhanden, aber irgendwie fehlt dem Spiel der Charme älterer Titel (FF VIII war mein letztes).

Außerdem liegt noch Bioshock Infinite bei mir herum. Das habe ich zu Gunsten der beiden oben genannten Spiele erst einmal zurückgestellt. Ich kann nach dem Anspielen schon sagen, dass es zwar sehr viel linearer abläuft als Bioshock und Bioshock 2, aber wieder an einem äußerst faszinierenden Schauplatz stattfindet.

Das soll's denn nun gewesen sein. Natürlich gilt "sag niemals nie"; vielleicht packt es mich irgendwann wieder. Womöglich erscheint ja doch noch ein offline spielbarer Titel aus der Gran Turismo-Reihe (Gran Turismo Sport, erhältlich seit Oktober 2017 ist leider ein Online-Racer), dann wäre eventuell eine Tag-für-Tag-Review wie bei Gran Turismo 5 fällig.


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