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21.09.2017: Erfurt

Ich war schon oft in Erfurt, der Landeshauptstadt Thüringens, bisher aber immer dienstlich. Es hat mir jedes Mal sehr gut gefallen in der Stadt am Fluss Gera, ich hatte aber nach der Arbeit wenig Zeit und Lust, mich genauer umzusehen. Das galt es nachzuholen, und so haben meine bessere Hälfte und ich vom 18. bis zum 21. September einen Kurzurlaub dort verbracht passend zum Lutherjahr. Der Reformator hat einige Jahre lang in Erfurt gelebt und gewirkt. Wir haben uns im Hotel Zumnorde einquartiert, einem relativ kleinen (nicht mehr ganz neuen) Haus direkt an der Haupteinkaufsstraße Anger und am Rand der Altstadt. "Zumnorde?" wird sich der kundige Leser vielleicht verdutzt fragen, "Das ist doch ein Schuhladen?!?" Stimmt, das gleichnamige Schuhgeschäft ist direkt nebenan; vom Hotel aus kann man durch Oberlichter in den Laden hineinschauen. Den Service fanden wir teilweise verbesserungswürdig. Beim Frühstück hat sich nur selten jemand aus der Küche rausgewagt, um Tische neu zu decken, sich ums Büffet zu kümmern oder Kaffee auf den Tisch zu stellen. Nicht schlimm, insgesamt haben wir uns dort wohl gefühlt. Vor allem ist die Lage unschlagbar. Die meisten Sehenswürdigkeiten lassen sich vom Hotel aus in ein paar Minuten zu Fuß erreichen, zum Beispiel der imposant auf einem Hügel über einen großen Platz aufragende Mariendom mit direkt daneben gelegener Severikirche.



Erfurt

(Bild 1: Severikirche, dahinter ein Teil des Doms von der Zitadelle Petersberg aus gesehen)


Ich habe schon so manche deutsche Stadt besucht, die im Krieg weniger unter Luftangriffen gelitten hat, so dass das Flair vergangener Zeiten erhalten geblieben ist. Manchmal hatte ich dort allerdings das Gefühl, mich eher in einem bewohnten Freilichtmuseum zu befinden, in dem alles auf den Tourismus ausgerichtet ist. Ich denke da vor allem an Rothenburg ob der Tauber. Erfurt ist da ganz anders, authentischer, sympathischer, gemütlicher und lebendiger. Zumindest ist das mein Eindruck. Der spätmittelalterliche Altstadtkern muss sich definitiv nicht vor Rothenburg, Nürnberg oder anderen weltbekannten Orten verstecken. Im Gegenteil! Nach der Wende wurde die historische Bausubstanz saniert und moderne Bausünden wurden vermieden. Fachwerkhäuser, Renaissancebauten, überdurchschnittlich viele Kirchen und Klöster sowie Synagogen können besichtigt werden. Ich will jetzt nicht alle Sehenswürdigkeiten aufzählen ein Blick in die Wikipedia dürfte ausreichen, um klar zu machen, dass Erfurt wirklich viel zu bieten hat. Hervorheben möchte ich nur die Krämerbrücke, auf deren Bögen sich zahlreiche Brückenhäuser mit Wohnungen, Läden und Lokalen aneinander schmiegen. Die so entstehende Gasse ist geradezu typisch für Erfurt, denn Alt und Neu existieren harmonisch nebeneinander, man fühlt sich in eine längst vergangene Zeit versetzt und hat doch nicht das Gefühl, dass einem etwas vorgespielt wird.



Erfurt

(Bild 2: Beide Seiten der Krämerbrücke sind bebaut)


Hier und anderswo haben sich in vielen alten Gebäuden Restaurants, Cafés, Kneipen und interessante Läden angesiedelt. So kann man stilvoll unter niedrigem Gewölbedach oder hinter reich verzierten altehrwürdigen Fassaden shoppen und schlemmen. Das Angebot an Gastronomie hat mich geradezu begeistert! Für jeden Geschmack, jedes Alter und jeden Geldbeutel ist etwas vorhanden. Früher bin ich besonders gern in der Trattoria La Grappa eingekehrt die gibt's immer noch! An jeder Ecke findet man Lokale, eines uriger, origineller als das andere, außerdem gibt es viele idyllische Biergärten, denn Erfurt ist grün. Verzweigte Nebenarme der Gera schlängeln sich durch die Altstadt und nördlich der Krämerbrücke kann man im naturbelassenen Park "Klein Venedig" spazieren gehen. Etwas außerhalb gelegen sind der Zoopark (haben wir nicht besucht) und die Erfurter Gartenbauausstellung "Egapark". Der Egapark ist eine 36 Hektar große, nach verschiedenen Themen gestaltete Anlage, in der man einen ganzen Tag verbringen kann. Es gibt eine Sternwarte, einen Aussichtsturm, einen Kinderbauernhof, verschiedene Lokalitäten, Tropen- und Schmetterlingshäuser. Besonders gut haben mir die japanischen Gärten gefallen.



Erfurt

(Bild 3: Im unteren japanischen Garten)


Erfurt ist mit der Bahn von überall her problemlos zu erreichen und hat ein gut ausgebautes Straßenbahnnetz. Ich empfehle den Erwerb der ErfurtCard. Für knapp 18 Euro kann man alle städtischen Verkehrsmittel 48 Stunden lang benutzen, zum Beispiel um Zoo und Egapark zu erreichen, zudem sind eine zweistündige Stadtführung sowie Eintrittspreise für sämtliche Museen inkludiert. Bei verschiedenen Theatern, Zoo und Egapark, Rundfahrten etc. p.p. genießt man Ermäßigungen.

Ich wage zu behaupten, dass Erfurt eine der schönsten Städte Deutschlands ist. Drei Übernachtungen sind zu wenig, wenn man sich alles in Ruhe anschauen und sich nicht hetzen möchte. Ich werde sicher wiederkommen!


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