Zur Archiv-Startseite
Zur Übersicht der Kommentare


22.06.2017 - 06.07.2017: Zypern

Aufmerksame Leser meiner Homepage werden bemerkt haben, dass meine bessere Hälfte und ich seit langer Zeit einmal jährlich Urlaub in Griechenland machen. Im Jahre 2017 sind wir unserem bevorzugten Urlaubsland ausnahmsweise untreu geworden – oder doch nicht? Jedenfalls wird meine Antwort "Zypern" auf die Frage nach unserem diesjährigen Urlaubsziel von fast jedem mit "also schon wieder Griechenland" kommentiert. Oder es wird die ebenso falsche Frage "im griechischen Teil?" gestellt, die ich der Einfachheit halber immer mit "Ja" beantworte. Zypern ist bekanntlich seit 1974 zweigeteilt. Es gibt die hauptsächlich von griechischstämmigen Zyprioten bewohnte, nicht zu Griechenland gehörende Republik Zypern und den türkisch besetzten Nordteil, der von keinem Staat außer der Türkei völkerrechtlich anerkannt wird. Das ist die erste und größte Besonderheit dieser Insel. Außerdem hat Zypern jahrzehntelang unter britischer Herrschaft gestanden. Diese Einflüsse sind heute noch deutlich spürbar. So herrscht in beiden Teilen Linksverkehr. Englisch ist die zweite Verkehrssprache im südlichen Teil. Und der Löwenanteil der Touristen kommt aus Großbritannien, was sich natürlich stark auf die entsprechenden Angebote auswirkt. An zweiter Stelle kommen übrigens die Russen. Endlich konnte ich mich als Deutscher mal einer Minderheit zugehörig fühlen! Auch sehr zahlreich auf der Insel vertreten: Katzen. Das kam mir, dem Katzennarren, natürlich sehr gelegen.



Zypern

(Bild 1: Eine von vielen sehr gepflegten Katzen, denen ich auf Zypern begegnet bin)


Zugegeben: Der südliche Teil Zyperns fühlt sich durchaus wie Griechenland an. Schließlich wird dort griechisch gesprochen. Fast alle Zyprioten gehören zur griechisch-orthodoxen Glaubensgemeinschaft. Kultur, Traditionen, Lebensgefühl und nicht zuletzt die Küche sind mit einzelnen Ausnahmen genauso, wie man es aus Griechenland kennt. Von meinen Griechenland-Urlauben bin ich ja Hitze gewöhnt, aber auf Zypern war’s denn doch noch ein paar Grad heißer. Jedenfalls gab es während unseres Urlaubs eine Hitzewelle, bei der an einzelnen Tagen auch noch hohe Luftfeuchtigkeit hinzukam. An einem der heftigsten Tage wurden schon um 10 Uhr vormittags 38 Grad Celsius bei einer Luftfeuchtigkeit von über 70 Prozent erreicht. Ich glaube, ich habe noch nie zuvor so geschwitzt wie in diesem Urlaub! Zypern ist etwas größer als Kreta, die größte griechische Insel, und an Kreta habe ich mich aufgrund des Abwechslungsreichtums der Landschaft Zyperns immer wieder erinnert gefühlt. Hier wie dort gibt es große Gebirgszüge und tiefe Schluchten, fruchtbare Ebenen und karge Macchia, lange Strände und kleine Buchten, ausgedehnte Wälder, Olivenhaine und Weinberge.



Zypern

(Bild 2: Wanderung auf der Akamas-Halbinsel)


Die Insel bietet dem unternehmungslustigen Touristen viele Möglichkeiten. Man muss aber mobil sein, denn je nach Urlaubsort sind beträchtliche Entfernungen zurückzulegen. Das Straßennetz ist zum Glück sehr gut ausgebaut und wenn man keine Lust hat, sich ins höllische Doppelpack aus Linksverkehr und südländischer Raserei zu stürzen, kann man ja organisierte Fahrten mitmachen. Mit dem öffentlichen Bus kann man das nicht alles schaffen. Eines der wichtigsten Ziele dürfte Nikosia sein, die letzte geteilte Hauptstadt der Welt. Damit wird allen Ernstes Werbung gemacht! Ich war vor genau 20 Jahren schon einmal im südlichen Teil Zyperns. Mit einer Wiedervereinigung beider Landesteile ist weiterhin nicht zu rechnen, ein bisschen was hat sich aber doch geändert. 1997 war es ein Ding der Unmöglichkeit, den Nordteil zu besuchen. Das ist heute kein Problem mehr. Es gibt mehrere Checkpoints, die man unter Vorlage des Personalausweises auch als Fußgänger in beide Richtungen ohne weitere Formalitäten passieren kann. Es lohnt sich, denn beide Hälften Nikosias haben ihren eigenen Charakter. Sehenswert neben verschiedenen Museen sind z.B. die mit prächtigen Vergoldungen und unzähligen Ikonen geschmückte Kathedrale Agios Ioannis im Süden sowie die Karawanserei Büyük Han und die zur Moschee umgebaute Sophienkathedrale im Norden.



Zypern

(Bild 3: Die Sophienkathedrale hat zwei Minarette erhalten und heißt Selimiye-Moschee)


Ich will jetzt nicht alle empfehlenswerten Ausflugsziele im Süd- und Nordteil Zyperns aufzählen – es gibt wirklich viele beeindruckende Sehenswürdigkeiten, Klöster, Ausgrabungsstätten, malerische Dörfer usw.; man kann sie in jedem Reiseführer nachschlagen. Erwähnen möchte ich nur noch, dass man auf Zypern sehr schön wandern kann (sofern es nicht derart heiß ist, dass man nur am Strand vor sich hin dösen möchte), entweder mit Anbietern vor Ort oder auf eigene Faust. Letzteres ist kein Problem, denn die Wanderwege sind gut ausgeschildert. Es gibt auch einfache Wege, die für untrainierte Couchpotatoes wie mich geeignet sind, etwa im Nationalpark Troodos-Gebirge und auf der Akamas-Halbinsel im Nordwesten. Ausgangspunkt ist dort das idyllisch gelegene "Bad der Aphrodite", in der die Schöne vom Olymp dereinst ein Schäferstündchen mit Adonis verbracht haben soll. Die altgriechische Liebesgöttin ist auf Zypern auch heute noch ein großes Thema, zumindest für den Tourismus. Der so genannte Aphroditefelsen ist sicher eines der meistfotografiertesten Motive der Insel (wir waren diesmal nicht dort); er kennzeichnet angeblich die Stelle, an der Aphrodite einst dem Meer entstiegen ist. Im Ort Kouklia gibt es noch Überreste eines großen Heiligtums, welches der Aphrodite geweiht war.



Zypern

(Bild 4: Warum dieser Stein in der Antike im Heiligtum von Kouklia verehrt wurde? Keine Ahnung ...)


Als Domizil haben wir uns die Stadt Paphos an der Westküste ausgesucht. Paphos besteht aus dem vollkommen touristisch geprägten Stadtteil Kato Paphos am Hafen und der ruhigeren Oberstadt Ktima. In Kato Paphos befinden sich alle großen Hotels, hier herrscht während der Saison immer viel Betrieb. Am Hafen reihen sich die üblichen Restaurants, Bars, Cafés, Souvenirläden, Juweliere etc. aneinander. Ursprünglichkeit ist hier nicht zu finden, das ist purer Massentourismus. Erträglich wird es durch die eine oder andere Perle unter den ansonsten nicht besonders empfehlenswerten Restaurants und durch die schöne Aussicht auf das gut erhaltene mittelalterliche Kastell am Hafen. Übrigens wimmeln nicht nur Touristen an der Uferpromenade herum. Auch die einheimische Jugend scheint hier gern zu feiern. Wir haben uns aus verschiedenen Gründen für diese Stadt entschieden. Zunächst einmal ist Paphos gemeinsam mit Aarhus in Dänemark europäische Kulturhauptstadt 2017. Zypriotische und internationale Musiker treten dort auf, hinzu kommen teils sehr aufwändig gestaltete abendliche Events und es gibt verschiedene Dauer-Kunstausstellungen. Das alles konnten wir täglich live genießen. Das Ganze hatte allerdings auch einen Nachteil. In Paphos wurde nämlich noch überall gebaut, das heißt, offensichtlich wollte man sich durch umfangreiche Modernisierungen als Kulturhauptstadt präsentieren, ist damit aber nicht rechtzeitig fertig geworden. Deshalb hat es in Ktima im Sommer 2017 leider vielerorts ausgesehen wie auf dem folgenden Bild.



Zypern

(Bild 5: So sieht es zurzeit stellenweise in der europäischen Kulturhauptstadt 2017 aus!)


Außerdem befinden sich einige der wichtigsten archäologischen Funde in Paphos, nämlich wertvolle Bodenmosaike in den Ruinen einer römischen Stadt und die so genannten Königsgräber, eine ausgedehnte Nekropole aus vorchristlicher Zeit, die zum UNESCO-Welterbe gehört. Unmittelbar vor Ort findet man leider keine Strände, aber es gibt okaye Strände im nahe gelegenen Nachbarort Geroskipou (ein paar Minuten Fahrt mit dem öffentlichen Bus) und in der weiter entfernten Coral Bay. Und schließlich steht in Paphos unser Wunschhotel, das Almyra. Das heutige absolut empfehlenswerte Fünfsternehaus scheint schon etwas älter zu sein, wurde aber vor einiger Zeit modernisiert. Wir haben uns dort sehr wohl gefühlt, nicht zuletzt, weil wir Zimmer in einem Flügel gebucht hatten, zu dem Personen unter 16 Jahren keinen Zutritt haben. Ich würde jederzeit wieder Urlaub auf Zypern machen, aber lieber während einer kühleren Jahreszeit – und wenn die Bauarbeiten abgeschlossen sind ...

Mehr Fotos von diesem Urlaub findet ihr hier.


Zur Archiv-Startseite
Zur Übersicht der Kommentare