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08.01.2017: Zeichen der Zeit: Polizei vs. Bücher

Wenn ich bei meinen Bahnreisen längeren Aufenthalt am Kölner Hauptbahnhof habe, dann verbringe ich diesen immer in der großen, sehr gut sortierten Buchhandlung Ludwig.



08.01.2017

Hier findet das Leserattenherz alles, was es begehrt! Insbesondere das Sortiment aus den Bereichen SF-/Fantasy und Comics auf der zweiten Etage hat es mir angetan. In den meisten mir bekannten Buchhandlungen werden diese Genres eher stiefmütterlich behandelt nicht so bei Ludwig! Dort habe ich schon manche Perle gefunden. So auch am vergangenen Wochenende. Doch was musste ich beim Bezahlen erfahren? Die Buchhandlung soll geschlossen werden! An der Kasse lagen Unterschriftenlisten für den Erhalt des Ladens aus, in die ich mich natürlich sofort eingetragen habe. Die Erfolgsaussichten sind gering, denn wie die Verkäuferin sagte, hat die Deutsche Bahn den Mietvertrag bereits gekündigt. Grund: Die Bundespolizei braucht mehr Platz und soll dort einziehen. Einen anderen Standort hat man der Buchhandlung nicht angeboten. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, so meinte die Verkäuferin, sollen sich wohl in Luft auflösen.

Da musste ich doch schlucken. Klar, es gilt der Grundsatz "Safety first". Aber ich habe mich bei dieser Gelegenheit wieder mal gefragt, was wir angesichts realer oder im Sinne unseres postfaktischen Zeitalters nur gefühlt vorhandener / medial aufgebauschter Gefahren zu opfern bereit sind. Ob wir bereitwillig zulassen, dass aus unserer Gesellschaft etwas wird, das George Orwell schon vor vielen Jahrzehnten beschrieben hat. Immer schön in ganz kleinen Schritten natürlich, damit wir uns allmählich dran gewöhnen können. Wie dem auch sei: Wenn die Polizei mehr Platz braucht, warum muss dann eine Buchhandlung weichen? Warum zum Beispiel nicht der Fresstempel mit den zwei goldenen Bögen?

Also: Solltet ihr mal im Kölner Hauptbahnhof sein, dann geht zu Ludwig und beteiligt euch an der Unterschriftenaktion. Vielleicht bringt's ja was.



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