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03.09.2016 - 08.09.2016: Sylt

Meine bessere Hälfte und ich waren schon oft an der Nordsee, aber noch nie auf der Insel Sylt. Zu überlaufen, zu teuer und zu versnobt ... das waren die häufig kolportierten Klischees, die uns bisher abgeschreckt haben. Um es kurz zu machen: Es stimmt alles. Selbst in der beginnenden Nachsaison herrschte noch überall Hochbetrieb, so dass ich gar nicht wissen möchte, was dort in der Hauptsaison los sein mag, und das Publikum war zum Teil ... gewöhnungsbedürftig. Sehen und gesehen werden war die Devise. Das Preisniveau mancher Restaurants lag deutlich über der Qualität des Gebotenen. Aber das ist eben nicht alles. Die Insel hat auch andere Gesichter, deshalb kann man auf Sylt wunderschöne Urlaubstage verbringen wenn das Wetter mitspielt, und das war in diesem herrlichen Spätsommer definitiv der Fall!

Wir reisten mit der Bahn an. Das ist kein Problem, denn die Hauptstadt Westerland wird mehrmals täglich von Intercitys und noch öfter von Regionalbahnen angefahren. Dummerweise hatte unser Zug 80 Minuten Verspätung, aber das ist eine andere Geschichte. Man könnte per Autozug sogar mit dem eigenen Auto kommen, aber das ist unnötig, denn auf Sylt ist jeder Ort problemlos per Bus erreichbar. Als Urlaubsdomizil hatten wir uns das Strandhotel in Wenningstedt ausgesucht, einem ruhigen Nachbarort von Westerland. Der endlose feinsandige Strand, aus dem praktisch die gesamte Westseite der Insel besteht, ist nur ein paar hundert Meter vom Hotel entfernt. Das Strandhotel ist mit 25 Zimmern ein relativ kleines, familiär geführtes Dreisterne-Haus.



Sylt

(Das Strandhotel in Wenningstedt)


Ich würde dort jederzeit wieder wohnen, denn die Zimmer sind nett eingerichtet, es gibt freies WLAN, einen Aufenthaltsraum mit Bibliothek und vor allem ein sehr umfang- und abwechslungsreiches Frühstücksbüffet, bei dem wirklich jeder auf seine Kosten kommt. Neuankömmlinge werden vom freundlichen Leonberger Leo begrüßt, dem wohl phlegmatischsten Hund, dem ich je begegnet bin. Ein großer Teddy, der selbst heftigste Kuschelattacken klaglos über sich ergehen lässt.

Man kann zu Fuß von Wenningstedt nach Westerland gehen. Wir haben 30 40 Minuten für die Strecke gebraucht. Wir wollten jeden Abend nach Westerland, weil die Auswahl an Einkaufsmöglichkeiten und Restaurants dort unvergleichlich größer ist als in Wenningstedt (vor allem gibt es dort auch Lokale für "normale" Gäste wie uns, in denen wir uns nicht wie Fremdkörper fühlen mussten), auf den Fußmarsch hatten wir nach dem zweiten Mal aber keine Lust mehr. Haben uns deshalb ein Mehrtages-Busticket geleistet. Das ist zwar nicht ganz billig, hätte sich aber schon allein durch die abendlichen Fahrten fast amortisiert. Da wir außerdem mit dem Bus zu den anderen, mehrere Zonen entfernten Orten im Norden und Süden gefahren sind, haben wir sogar Geld gespart. Auf Sylt ist man übrigens Kurgast. Man zahlt Kurtaxe und erhält eine Gästekarte, die man immer dabei haben sollte. Ohne diese Karte kommt man tagsüber nicht an die Strände, außerdem erhält man bei Vorlage der Karte in manchen Einrichtungen einen kleinen Rabatt.

Man kann auf Sylt so einiges unternehmen. Zum Beispiel gibt es in Westerland die Friedrichstraße, eine bekannte und immer besonders gut besuchte Einkaufsmeile. Ganz in der Nähe findet man die Sylter Welle, eine Badelandschaft direkt vor den Dünen mit Gezeitenpool, großen Wasserrutschen und so weiter. Im benachbarten Syltness-Center werden diverse Wellness-Einrichtungen geboten. Im Aquarium kann man heimische Meerestiere bestaunen, dasselbe kann man in Kampen mit den Promis machen (wir haben allerdings keine gesichtet). Schöne reetgedeckte Häuser alte und neue, meist Ferienwohnungen oder millionenschwere Domizile für die Superreichen verleihen den Ortschaften jenen typischen Nordsee-Charme, den man von Postkarten kennt. Auf der Insel können außerdem mehrere steinzeitliche Hügelgräber besichtigt werden.



Sylt

(Das Megalithgrab Denghoog in Wenningstedt)


In List, dem nördlichsten Ort der Insel, kann man das Erlebniszentrum Naturgewalten besuchen. Dort werden die Eigenheiten der Nordsee, Flora und Fauna, Auswirkungen des Klimawandels und so weiter durch Filme, Texte und interaktive Stationen vermittelt. Es gibt einen Sturmraum, in dem eine Turbine hohe Windstärken simulieren soll. Bei unserem Besuch war das Gerät aber wohl defekt, jedenfalls reichte es nur für eine laue Brise auch in der Realität merkten wir übrigens nichts von dem Wind, der angeblich auf Sylt immer weht. Man kann Ausflugsfahrten zu den benachbarten Inseln Amrum und Föhr sowie zur Hallig Hooge und nach Dänemark machen.

Von Hörnum und List aus fahren mehrmals täglich Ausflugsboote zu den Seehundsbänken. Allerdings ist die Sichtung von Seehunden, die dort Sonne tanken, nicht garantiert, zudem halten die Boote großen Abstand zu den Sandbänken, damit die Tiere nicht gestört werden. Man braucht ein gutes Fernglas/Teleobjektiv, um überhaupt etwas erkennen zu können. Mehr Glück hat man im Hafen von Hörnum, denn dort ist regelmäßig die große Kegelrobbe Willi zu Gast.



Sylt

(Willi freut sich auf frischen Fisch)


Das Tier muss irgendwann einmal einem Fischkutter hinterhergeschwommen und so in den Hafen geraten sein. Es hat sich am Beifang gelabt, der zurück ins Wasser geworfen wurde. Später wurde Willi zusätzlich gefüttert und sieht jetzt offenbar nicht mehr ein, warum er überhaupt noch auf die Jagd gehen sollte. Willi schwimmt in den Sommermonaten täglich direkt bis zu dem Anleger, an dem das Ausflugsboot festmacht, und wartet darauf, dass man ihm etwas zuwirft. Lange muss er nicht warten; frischer Fisch ist am Hafen erhältlich.

Für Unterhaltung und Abwechslung ist auf Sylt also bestens gesorgt, aber wir haben nur einen Teil von alldem gemacht. Dafür haben wir uns vor allem am Sonntag Zeit genommen, denn das war der einzige Regentag. Das Wetter war an den übrigen Tagen einfach zu schön, da mussten wir raus und Strandspaziergänge machen! Natürlich hätten wir einen Strandkorb mieten und am Meer relaxen können, aber dafür war die Zeit zu kurz. Montags haben wir die Südspitze bei Hörnum erkundet. Dieser Teil der Insel wird immer kleiner. Bei der Sturmflut des Jahres 2015 ist ein Teil der Dünenlandschaft verschwunden. Auch deshalb sind wir 2016 nach Sylt gefahren wer weiß, wie lange es die Insel in der jetzigen Form noch gibt? Am Dienstag sind wir ans andere Ende der Insel gefahren und von List aus über den Deich zum "Ellenbogen" gewandert, eine schmale Halbinsel, die eine kleine Bucht umschließt.



Sylt

(Auf dem Mövenbergdeich bei List)


Man kann das herrliche Panorama nicht so gut in einem kleinen Bild festhalten. Dort ganz allein in der endlosen Weite zu stehen, ringsumher nur diesen grandiosen Himmel zu sehen und die Seeluft tief einzuatmen... das war ein wirklich tolles Erlebnis. Die dritte und letzte Wanderung haben wir von Wenningstedt aus unternommen. Wir sind am Jahrmillionen alten "roten Kliff" entlang (so genannt, weil es in der Abendsonne rot leuchtet) bis fast nach List gegangen, immer auf der Suche nach schönen Muscheln und Bernstein.

Der Kurztrip nach Sylt hat sich wirklich gelohnt! Die wunderschöne Natur und die phantastischen Strände haben uns am besten gefallen. Man könnte sich natürlich in den Westerländer Trubel stürzen, aber das ist nicht unser Ding. Zum Glück ist die Insel groß genug, so dass man der Möchtegern-Schickeria leicht aus dem Weg gehen kann ...

Mehr Fotos von diesem Urlaub findet ihr hier.



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