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21.04.2016: Kringel, das Verkehrshindernis

Seit Jahren rege ich mich über den alltäglichen Wahnsinn auf deutschen Straßen auf. Nur zu gern würde ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fahren, aber das ist in unserer relativ strukturschwachen Region praktisch nicht machbar, zumindest nicht ohne derartig hohen Zeitaufwand, dass ich kaum noch Freizeit hätte - und die brauche ich dringend, um mich von besagtem Wahnsinn zu erholen. Bis vor ein paar Jahren waren vor allem rücksichtslos fahrende LKW, Firmen-Kleintransporter und Motorräder (nicht alle natürlich, aber sehr viele) die Ursache für Situationen, in denen ich mich bedrängt, genötigt oder mit einem Bein im Grab stehend gefühlt habe. Doch seit geraumer Zeit habe ich mehr und mehr den Eindruck, 90 Prozent aller Autofahrer seien der Meinung, dass die Straßenverkehrsordnung für sie selbst nicht gilt. Dass es sich nicht um Regeln handelt, an die sich alle zu halten haben, sondern eher um Diskussionsgrundlagen. Unverbindliche Richtlinien, die man nach eigenem Gutdünken auslegen oder auch ignorieren kann, so ähnlich wie beim Piratenkodex in Fluch der Karibik! Vielleicht werde ich mit zunehmenden Alter einfach immer empfindlicher, aber Einbildung ist es nicht: Ständig hängt mir jemand im Kofferraum, dem es nicht schnell genug geht.

Zugegeben - ich halte mich auch nicht immer sklavisch an Tempolimits. Außerorts fahre ich durchaus mal 80 km/h, wo 70 vorgeschrieben sind. Aber generell halte ich mich aus dem einfachen Grund an Verkehrsregeln, weil mir der Führerschein lieber ist als ein Zeitgewinn von Sekunden. Ohne den Lappen wäre ich aufgeschmissen! Außerdem sehe ich den Sinn der Regeln ganz einfach ein, zumal ich aus beruflicher Erfahrung nur zu gut weiß, was bei Verkehrsunfällen alles passieren kann. Vielen Zeitgenossen scheint nicht bekannt zu sein, dass der menschliche Körper ziemlich zerbrechlich ist. Geschützt durch die moderne Sicherheitstechnik ihrer übermotorisierten Luxuskarossen oder tonnenschweren SUVs halten sie sich für unverwundbar und geben einen Scheiß darum, wie es dem Typen ergehen mag, dessen Auto sie bei einer Kollision mit Höchstgeschwindigkeit zerquetschen.

Tja, und wenn ich mich an Verkehrsregeln halte, dann werde ich automatisch zum Verkehrshindernis. So fühle ich mich jedenfalls, wenn ich mit dem erlaubten Tempo 100 auf einer Bundesstraße fahre und im Rückspiegel sehe, wie jemand angeflogen kommt, um mich mit einer derartigen Geschwindigkeit zu überholen, dass ich den Sog verspüre, oder der mir, falls der Gegenverkehr doch zu stark ist, dichter am Heck klebt, als wenn ich ihn abschleppen würde! Dieses Fahrverhalten ist übrigens der Hauptgrund dafür, dass ich nicht an jeder gelben Ampel stehen bleibe, wie es sich gehört. Das würde oft nur dazu führen, dass mir der unvermeidliche Drängler hinten reinkracht. Ich sollte übrigens nicht das Maskulinum verwenden. Frauen rasen nach meinen Beobachtungen genauso erbarmungslos wie Männer. Im Straßenverkehr ist die Gleichberechtigung längst angekommen!

Heute war in einigen Bundesländern "Blitzmarathon". Rheinland-Pfalz hat nicht mitgemacht. Schade eigentlich! Von mir aus dürfte sowas immer und überall stattfinden. Warum muss es überhaupt Autos für den normalen Straßenverkehr geben, die schneller als 140 km/h fahren können? All jene, die ihre Minderwertigkeitskomplexe mit Raserei kompensieren wollen, sollen diesen lebensgefährlichen Irrsinn gefälligst auf dem Nürburgring ausleben. Dann könnten vernünftige Menschen vielleicht endlich wieder unterwegs sein, ohne eine Herzattacke nach der anderen erleiden zu müssen.



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