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08.12.2015: Spaß mit der Deutschen Bahn Teil 26: Freud und Leid im Jahre 2015


Im Jahre 2015 waren Reisen mit der Deutschen Bahn für mich so nervtötend, gleichzeitig aber auch so günstig wie nie zuvor. Verspätungen von mehr als einer Stunde waren nämlich so häufig, dass ich mehr Fahrgastrechte-Formulare ausgefüllt habe als in all den Jahren meines Pendelns zwischen Mainz und Bielefeld zusammengenommen! Und das nicht nur während der vielen Streiks in der ersten Jahreshälfte oder nach dem Mühlheimer Stellwerksbrand in der zweiten. So durfte ich mich denn in diesem Jahr regelmäßig über die Rückerstattung von 25 bis 50 Prozent des Fahrpreises freuen. Ich bin außerdem dazu übergegangen, mir die Gebühren für Platzreservierungen, die ich verspätungsbedingt nicht in Anspruch nehmen konnte, jedes Mal erstatten zu lassen. Früher habe ich das nicht getan, es schien mir nicht der Mühe wert zu sein. Aber in diesem Jahr habe ich so oft 4,50 Euro für nichts und wieder nichts ausgegeben, dass ich irgendwann die Schnauze voll hatte. Hier muss ich die Bahn übrigens loben! Auch ohne Bestätigung auf dem Fahrschein (bekanntlich verschwinden Zugbegleiter in einem unerreichbaren Paralleluniversum, wenn man sie wirklich mal bräuchte) wurden mir die Reservierungskosten immer anstandslos am Schalter erstattet.

Das war wenigstens ein kleiner Trost für die vielen zusätzlichen Stunden, die ich im Intercity bzw. beim Warten auf denselben in verschiedenen Bahnhöfen verbringen musste. Oder sollte ich "durfte" schreiben? Schließlich wirbt die DB ja seit einigen Monaten mit dem Slogan "Diese Zeit gehört dir". Mit anderen Worten: Ich sollte dankbar dafür sein, noch länger als geplant gemütlich im IC sitzen zu dürfen! Was für ein Zynismus! Oder sollte die Bahn wirklich glauben, dass ihre Fahrgäste es toll finden, ihre Lebenszeit in dreckigen, maroden und überfüllten Zügen zu verschwenden? Das alles wäre vielleicht nicht so schlimm, wenn ich das Gefühl haben könnte, dass sich die Bediensteten der Bahn für die Belange ihrer Fahrgäste interessieren würden. Dass sie bemüht wären, Verspätungen so gering wie möglich zu halten, die Reisenden umfassend zu informieren und sich dafür einzusetzen, dass man auch mitten in der Nacht noch ans Ziel kommt. Aber wenn ich sehe, wie das Personal eines schon verspäteten Zuges, der abfahrbereit im Bahnhof steht, erstmal einen kleinen Plausch hält oder in aller Ruhe eine Zigarette zu Ende qualmt, wenn ich mir die genuschelten oder aus sonstigen Gründen kaum verständlichen Durchsagen des Zugchefs anhöre, der keineswegs die im nächsten Bahnhof erreichbaren Züge durchgibt, sondern einfach nur die planmäßigen Anschlüsse aus dem im Zug ausliegenden Faltblatt vorliest - egal ob die schon weg sind, massive Verspätungen haben oder gar ausfallen - und wenn ich mir sagen lassen muss, ich solle am nächsten Bahnhof den Servicepoint aufsuchen und dort nach Anschlüssen fragen, obwohl ich aus eigener Erfahrung weiß, dass dieser Servicepoint längst geschlossen sein wird, dann muss ich mich allmählich fragen, ob die Bahn ihre Kunden nicht doch vielleicht hasst.

Die Fahrt am vergangenen Wochenende war wieder mal ein Musterbeispiel. Ich musste in Köln umsteigen. Wie üblich blieb der IC vor der Einfahrt in den Hauptbahnhof auf der Hohenzollernbrücke stehen. Das scheint ein Naturgesetz zu sein! Ich habe es noch nie erlebt, dass ein Zug da einfach drüberfährt. Diesmal zog sich die Standzeit ganz schön hin. Na gut, dachte ich, es könnte gerade so reichen, wenn der Anschlusszug fünf Minuten warten würde. Der Ansage des Zugchefs zufolge sollte der Anschluss noch erreicht werden. Ich machte mich zum Aussteigen bereit, aber was musste ich sehen, als der Bahnsteig endlich in Sicht kam? Bei meinem Anschluss gingen die Türen zu und er fuhr im selben Moment ab, als der Zug, in dem ich mich gerade befand, zum Stehen kam. Das war schon verdammt ärgerlich. Dass der Zugchef, der das auch mitgekriegt haben muss, es nicht für nötig hielt, die Reisenden über andere Fahrtmöglichkeiten hinzuweisen, war typisch, für mich aber nicht schlimm. Ich habe alle Verbindungen im Kopf und nutze ansonsten mein Smartphone, um die aktuellen Fahrpläne im Internet abzurufen. Wer dieses Wissen bzw. diese Möglichkeiten nicht hat, dürfte sich zum zweiten Mal geärgert haben. Eine Dreiviertelstunde später als geplant kam ich mit einem alternativen Anschlusszug in Mainz an. Dort gingen aber die Türen nicht auf. Nun gibt es bei den ICs Türen, die sich nur per Knopfdruck öffnen lassen (an einer solchen stand ich), aber auch ältere mit mechanischer Verriegelung. Ich eilte durch den Zug, bis ich so eine Tür gefunden hatte. Ein anderer Fahrgast warf sich schon mit Vehemenz dagegen, Leute auf dem Bahnsteig halfen mit und zerrten von außen beherzt am Griff. Mit roher Gewalt ließ sich die Tür öffnen. Und kaum war ich ausgestiegen, fuhr der Zug ab! Wäre ich an der anderen Tür stehen geblieben, dann hätte ich wie all die anderen Leute weiter bis nach Frankfurt Airport fahren müssen!

Das ist schwer zu glauben? Kommt nur in Ausnahmefällen vor? Nein, solche Vorfälle sind bei der DB nicht selten. Manchmal trifft es sogar die Zugbegleiter. Neulich habe ich beim Aussteigen miterlebt, wie die Zugchefin hektisch telefonierte und sich nach dem Verbleib eines Kollegen erkundigte. Der war im vorherigen Bahnhof stehen geblieben. Wahrscheinlich musste er noch schnell eine rauchen und hat's nicht rechtzeitig zurück in den Zug geschafft ...



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