Zur Archiv-Startseite
Zur Übersicht der Kommentare


24.06.2015 - 08.07.2015: Naxos und Santorini


"Was, du warst in Griechenland?!? Kann man da in diesen Krisenzeiten überhaupt noch Urlaub machen?"
"Darf man sich dort als Deutscher eigentlich noch willkommen fühlen?"
"Spucken griechische Geldautomaten noch Geld aus?"
"Gibt es in den Hotels und Restaurants noch genug zu essen?"

All diese Fragen, die mir vor und nach meinem obligatorischen Griechenlandurlaub mehrfach gestellt wurden, kann ich mit JA beantworten. Vielleicht sollte man gerade jetzt nach Hellas reisen, denn der Fremdenverkehr ist nun einmal der wichtigste Wirtschaftszweig vieler Regionen und jede Stornierung reißt weitere Löcher in die Kassen. Zugegeben, ich hatte diesmal durchaus gemischte Gefühle. Wie sollte ich guten Gewissens einen vergleichsweise luxuriösen Aufenthalt genießen, wenn das Geld bei vielen Griechen inzwischen selbst mit zwei Vollzeitjobs nicht für einen Urlaub reicht? Wie sollte ich mit guten Appetit in der Taverne schlemmen, wenn sich viele griechische Rentner nicht mal frisches Obst und Gemüse leisten können? Natürlich war ich auch besorgt darüber, welche Auswirkungen die Wirtschaftskrise auf mich haben würde. Was geschieht, wenn die Fluglotsen keinen Lohn mehr kriegen? Oder wenn die Reeder keinen Treibstoff für die Fähren kaufen können? Oder wenn die Hoteliers pleite sind? Und so weiter und so fort. Um es kurz zu machen: Derartige Sorgen waren vollkommen unbegründet. Hätte ich den Fernseher im Hotel ausgeschaltet gelassen, dann hätte ich praktisch nichts von der Krise bemerkt. Die Kykladeninseln, vor allem Santorini, gehören ja auch wahrlich nicht zu den armen Regionen Griechenlands... Wie dem auch sei: Ich kann nicht beurteilen, was in diesem Land wirklich vorgeht. Aber ich kann sagen, dass ich mich 2015 wie in all den Jahren zuvor absolut wohl gefühlt habe und dass es ein wunderbarer Urlaub war. Jetzt aber genug davon!

Meinem kleinen Bericht aus dem Jahre 2009 könnt ihr ein paar Infos zu den Inseln Naxos und Santorini entnehmen. Dem habe ich nicht allzu viel hinzuzufügen, denn insgesamt hat sich gar nicht so viel verändert, abgesehen davon, dass sich die touristische Infrastruktur noch weiter ausgebreitet hat. Naxos hat noch immer keinen internationalen Flughafen, so dass wir wieder auf Santorini landen und mit der Fähre nach Naxos weiterfahren mussten. Diesmal war sogar eine Zwischenübernachtung auf Santorini fällig, weil wir einen späten Flug erwischt hatten - es gibt schlimmere Schicksale! Die Fähre war schon gleich die erste angenehme Überraschung. Das war ein modernes, bestens ausgestattetes Schiff, in dem es sogar Rolltreppen gab. Wenn ich da an die Kofferschlepperei von vor sechs Jahren zurückdenke... puh! Auf Naxos wohnten wir im familiär geführten Dreisterne-Hotel "Spiros". Es liegt direkt neben dem "Naxos Resort", in dem wir 2009 abgestiegen sind. Auf dem folgenden Bild sieht man am rechten Rand sogar einen Teil dieses anderen Hauses.



Naxos und Santorini

(Bild 1: Hotel Spiros in Naxos-Stadt, dieser Bereich lag fast immer im Schatten)


Das Hotel "Spiros" ist schon ein bisschen in die Jahre gekommen, wurde aber jüngst renoviert (unsere Matratzen waren nagelneu und sehr bequem!), außerdem hat man hier den Strand fast direkt vor der Tür und ist nach ein paar hundert Metern mitten in der malerischen Altstadt. Noch immer findet im alten venezianischen Kastell während der Sommersaison an mehreren Tagen das Domus-Festival statt. Die Veranstaltungen variieren, ich empfehle das Bouzouki-Konzert. Die Musiker und Tänzer sind erstklassig, die Atmosphäre ist unschlagbar. Außerdem werden verschiedene Weine und hochgeistige Getränke ausgeschenkt. Und zwar in unbegrenzten Mengen. Das ist eine harte Prüfung für die Leber! Weil das Wetter so schön war, gönnten wir uns auf Naxos gleich zwei Badetage, aber es wurde auch gewandert und mit dem Mietwagen herumgefahren. Das war jetzt unser dritter Aufenthalt auf dieser Insel, trotzdem haben wir immer noch neue Orte entdeckt. Bei unseren Touren haben wir übrigens oft große Ansammlungen von Schnecken auf den verschiedensten Oberflächen gesehen:



Naxos und Santorini

(Bild 2: Schnecken auf Agave - Weiß jemand von euch zufällig, warum die Tierchen das machen?)


Nach einer Woche ging es mit der Fähre zurück nach Santorini, wo wir die zweite Woche verbrachten. Gegensätzlicher als Naxos und Santorini können zwei Inseln kaum sein! Naxos ist noch relativ ursprünglich, die Landschaft ist abwechslungsreich und für griechische Verhältnisse geradezu üppig grün, sogar im Sommer führen noch manche Bäche Wasser. Feinsandige Traumstrände mit schicken Strandbars sind zur Genüge vorhanden. Santorini dagegen hat Wüstenklima, und wenn man mal grüne Pflanzen sieht, dann ist das meist ein Weinberg. Obwohl auch Santorini zwei akzeptable Strände hat, wird sich sicher niemand diese Luxusinsel für einen reinen Badeurlaub aussuchen. Dazu müsste man ja ein Hotel an der flachen Inselseite nehmen. Nein, wer nach Santorini kommt, der muss am Kraterrand logieren, ansonsten sollte er sich nach einem anderen Reiseziel umsehen. Der weltweit einzigartige Blick in die Caldera und auf die weiß getünchten Häuschen (fast alles Hotels), die sich an die steilen Hänge des uralten Vulkans klammern, ist einfach traumhaft.



Naxos und Santorini

(Bild 3: Santorini mit Blick auf die Vulkaninsel Nea Kameni in der Caldera)


Natürlich muss man nicht die ganze Zeit hingerissen am Kraterrand verharren und einen unbeschreiblich romantischen Sonnenuntergang nach dem anderen bewundern. Die Insel mag klein und karg sein, aber sie bietet doch einiges für Unternehmungslustige. So sind die beeindruckenden Ausgrabungen von Akrotiri, die viele Jahre lang geschlossen waren, endlich wieder geöffnet. Außerdem kann man am Kraterrand entlang wandern oder auf einem alten Eselspfad von Pyrgos nach Emborio spazieren. Darüber hinaus kann man einen Tagesausflug zur benachbarten Insel Ios machen. Wir hatten uns das Hotel "Sun Rocks" ausgesucht. Nicht ganz billig, viereinhalb Sterne, Couples only (der Kraterrand ist für Kinder nun mal nicht geeignet), Frühstück a la Carte, stilvolles Ambiente, riesengroßes Zimmer ganz in Weiß im Stil der traditionellen Höhlenwohnungen - da konnten wir es uns so richtig gut gehen lassen. Dass es Beständigkeit auch im Massentourismus gibt, kann man an unserem Lieblingsrestaurant "Dionysos in Atlantis" sehen. Das bietet keinen Kraterblick und ist deshalb relativ günstig. Besonders gut schmecken dort die unzähligen großen und kleinen Vorspeisen. Dieses Restaurant haben wir im Jahre 2004 entdeckt und es existiert immer noch - mit derselben Belegschaft.

Eines hat sich aber auf sehr auffällige Weise verändert, und das sind die Touristen. Man begegnet nach wie vor der internationalen Mischung, die tagtäglich von den in der Caldera ankernden Kreuzfahrtschiffen ausgespuckt wird, aber wenn die weg sind, bleiben vor allem Amerikaner und Asiaten übrig. Das war 2009 noch nicht so, vor allem waren das nicht alles frischgebackene Ehepaare und Flitterwöchner! Vor allem Japaner und Koreaner haben Santorini als Hochzeitsinsel entdeckt. Sie verbringen nicht nur den Honeymoon in Hotels wie unserem, sondern heiraten sogar dort. Das Ganze wird dann von professionellen Fotografenteams im Bild festgehalten. In unserem Hotel hat so etwas ebenfalls stattgefunden, am nächsten Abend war im Hotel nebenan ein Hochzeitsfeuerwerk. Ich bin in meinem ganzen Leben noch nicht an so vielen Bräuten im prächtigen Hochzeitskleid vorbeigekommen wie in einer Woche Santorini! Besonders beliebt für diese Hochzeiten ist der Ort Oia, denn vor allem dort findet man an praktisch jeder Ecke Postkartenmotive.



Naxos und Santorini

(Bild 4: Die Stadt Oia auf Santorini)


Ich hoffe, dass sich die Lage in Griechenland bald beruhigen wird und dass die Wirtschaft schnell wieder auf die Beine kommt. Das sage ich nicht als Tourist, der im nächsten Jahr gern wieder in dieses schöne Land reisen möchte, sondern als Philhellene, dem Land und Leute am Herzen liegen.

Mehr Fotos von diesem und anderen Urlauben findet ihr hier.



Zur Archiv-Startseite
Zur Übersicht der Kommentare