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06.05.2014: Spaß mit der Deutschen Bahn Teil 24 - Mit allen Sinnen genießen

Die Reisenden sorgen in der Regel schon selbst dafür, dass Fahrten mit der Deutschen Bahn immer wieder zu einem unvergesslichen Erlebnis werden. Aber durch das Geplärr von Kindern, das Gegröle von Betrunkenen, das Ausdiskutieren von Beziehungsproblemen per Handy, die wichtigtuerischen Geschäftsgespräche usw. wird ja nur ein Sinn angesprochen - wenn man den Geruch mitten im Abteil gewechselter Windeln oder den Alkoholdunst in einem mit schwäbischen Reisegruppen voll besetzten Waggon mal nicht in Rechnung stellt, vom entsprechenden Anblick ganz zu schweigen. Siehe z.B. meine Kommentare vom 11.11.2012 und 30.01.2012, denen ich noch zahlreiche weitere ähnliche Anekdoten hinzufügen könnte, denn das alles ist nicht erfunden, sondern selbst erlebt.

Jedenfalls hilft die Bahn kräftig mit, wenn es darum geht, allen Sinnen etwas zu bieten. Zumindest tut sie nicht viel dagegen. Das fängt beim Sitzkomfort an und hört bei den Toiletten auf. Zugegeben: Der Stolz der Flotte, also die modernen ICEs, sind durchaus in Ordnung. Aber es verkehren immer noch uralte ICs und umgespritzte Interregios, die jeder Beschreibung spotten - von manchen Nahverkehrszügen gar nicht zu reden. Selbst in der ersten Klasse darf man sich höchstens über mehr Beinfreiheit freuen, aber nicht über Sessel, die man als "ergonomisch", "formschön" oder wenigstens "modern" bezeichnen könnte.



Ein 1. Klasse - Sessel im Intercity


Nennt mich verwöhnt oder pingelig, aber ich halte das weder für gemütlich noch für schön. Nach zweistündiger Fahrt in einem solchen Sitz habe ich immer Rückenschmerzen. Schlafen kann man in so einem Ungetüm schon gar nicht.

Und erst die Miasmen, die sofort aufsteigen, wenn man sich in solch einem antiken Möbelstück niederlässt: Rückstände ekliger Absonderungen, die durch Generationen von Menschen mit Blähungen, Schweißausbrüchen und anderen Leiden hinterlassen worden sind, machen sich bemerkbar. Wenn man lange genug in einen Sessel pupt, dann sollte man irgendwann mal über eine Polsterreinigung nachdenken. Die Bahn wälzt solche Gedanken offensichtlich selten. Oder nie. Denn den Sitzen entströmt manchmal ein solch miefiger Duft, dass ich mich frage, ob dort jemand gestorben ist und tagelang nicht gefunden wurde.

Wer leichtsinnig genug ist, auf die Sitzfläche zu klopfen, um die verstreuten Überreste des Mittagessens jener nicht zur übertriebenen Reinlichkeit neigenden Fahrgäste zu entfernen, die vorher dort gesessen haben, darf sich nicht wundern, wenn eine Wolke zweifelhaften Inhalts aufsteigt. Was mag das sein? Einfach nur handelsüblicher Staub? Fossile Hautschuppen? Oder sind Teile davon gar... lebendig? Man weiß es nicht. Ich stelle mir lieber nicht vor, welcher Mikrokosmos possierlicher Sechs- und Achtbeiner in diesen Polstern mitreisen mag! Und das auch noch ganz ohne gültigen Fahrschein! Wenigstens saufen, plärren und telefonieren die nicht...



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