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22.01.2014: Jeder nach seinem Geschmack


Normalerweise schaue ich mir keine Talkshows, Diskussionsrunden und dergleichen im Fernsehen an. Manchmal lässt sich das aber nicht vermeiden (Merke: Überlasse die Fernbedienung nie der Frau), und so kam ich in den "Genuss" einer Diskussion, in der es im Wesentlichen darum ging, dass in allen möglichen Nahrungsmitteln Zucker versteckt ist, und dass die Werbung uns zu ungesunder Ernährung verführen will. Ein paar sehr von sich und ihrer Rechtschaffenheit überzeugte Ernährungswissenschaftler und Verbraucherschützer forderten ein Verbot ungesunder Sachen, zumindest ein Werbeverbot. Na toll, dachte ich gleich, wozu ist Werbung denn da? Um uns armen unwissenden Konsumenten fundierte Produktinformationen zu liefern, Ernährungsberatung zu betreiben oder über Risiken und Nebenwirkungen der vorgestellten Produkte aufzuklären? Wer ist denn bitte so naiv zu glauben, ein zu 86 Prozent aus Zucker und Fett bestehender Brotaufstrich sei gesund, nur weil in der Werbung Fußballer zu sehen sind, die Nutellabrote mampfen? Und wenn man das glaubt, ist man dann Opfer infamer Werbelügen geworden? Oder liegt es vielleicht doch eher daran, dass man einfach keine Sekunde lang über das nachgedacht hat, was man in sich hineinstopft? Und würde sich dieser Zustand verbessern, wenn eine Zensurbehörde Werbung für Süßigkeiten verhindern würde? Wohl kaum.

Versteht mich nicht falsch. Auch ich bin der Meinung, dass Zucker, künstliche Aromastoffe, Geschmacksverstärker und sonstige schädliche oder schlicht überflüssige Inhaltsstoffe viel zu oft und in zu großer Menge in Nahrungsmitteln vorkommen. Wenn man versucht, sich gesund zu ernähren, dann kriegt man ein echtes Problem, selbst wenn man all sein Geld im Bioladen lässt, wo man Qualität teuer bezahlen muss. Das immerhin ist ein Argument aus der Diskussion, das ich nachvollziehen kann: Warum muss ein Korb voll Biogemüse teurer sein als eine Wagenladung Knabberkram? Natürlich sehe ich durchaus ein, dass sich Kinder gern mit Süßigkeiten mästen, wenn man sie lässt, und zwar nicht zuletzt deshalb, weil die Werbung suggeriert, bestimmte Produkte seien cool. Aber daraus die Forderung nach einem Verbot dieser Werbung oder sogar der entsprechenden Nahrungs- bzw. Genussmittel abzuleiten, finde ich ganz schön gewagt. Was solche Verbote bringen, kann man ja an Zigaretten sehen. Der Camel-Mann, das HB-Männchen und andere Werbe-Ikonen sind praktisch ausgestorben, trotzdem wird immer noch fleißig gequarzt.

Wer entscheidet überhaupt, was gesund ist und was nicht? Und was kommt als nächstes? Gibt's Fleisch nur noch nach Vorlage einer von der Krankenkasse ausgestellten Unbedenklichkeitsbescheinigung? Alkohol nur noch auf Rezept? Daddeln mit der Playstation nur unter ärztlicher Aufsicht, damit man nicht spielsüchtig wird? Horrorfilme nur mit anschließender Konsultation eines Psychotherapeuten, damit man nicht auf die Idee kommt, die Familie in handliche Stücke zu schneiden?

Verbote bringen meiner bescheidenen Meinung nach gar nichts. Ich will selbst entscheiden dürfen, auf welche Weise ich mich zugrunde richte! Da hat mir kein Verbraucherschützer und kein Staat reinzureden. In diesem Sinne: Prost Mahlzeit!



22.01.2014



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