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16.09.2013: Wieder mal Urlaub zu Hause

Es hat sich in den letzten Jahren eingebürgert, dass wir im Frühherbst nochmal ein bisschen Urlaub nehmen, den wir dann in Deutschland verbringen. Eine Auslandsreise pro Jahr reicht uns! Das soll nicht heißen, dass wir nicht gern verreisen würden, aber den ganzen Umstand und Stress, der mit Flugreisen verbunden ist, brauchen wir nicht zweimal im Jahr. Stattdessen sumpfen wir gern mal ein bisschen zu Hause rum, stopfen uns jeden Abend in unseren Lieblingsrestaurants voll oder probieren neue aus, shoppen ausgiebig, erledigen die schon viel zu lange aufgeschobenen Dinge, die man im Arbeitsalltag nur zu gern links liegen lässt, und machen kleine Ausflüge.

So diesmal nach Rothenburg ob der Tauber. Wir wollten doch mal sehen, warum diese Stadt bei Touristen aus aller Herren Länder so beliebt ist. Zugegeben: Die Stadt hat wirklich was. In der wunderbar erhaltenen mittelalterlichen Altstadt mit der Ringmauer, auf der man das ganze Gebiet umrunden kann, kann man sich gut vorstellen, wie es vor dem Zweiten Weltkrieg vermutlich in vielen deutschen Städten ausgesehen hat. Besonders empfehlenswert sind das Reichsstadtmuseum mit umfangreicher Waffensammlung, der Stadtrundgang um 21:30 Uhr mit dem Nachtwächter, und ein Spaziergang im malerischen Taubertal unterhalb der Stadt. Auch den berühmten Heilig-Blut-Altar von Tilman Riemenschneider in der St.-Jakobs-Kirche und das Historiengewölbe mit Verlies unter dem Rathaus sollte man gesehen haben. Den Rathausturm kann man erklimmen eine nicht gerade angenehme Kraxelei auf wurmzerfressenen, immer steiler werdenden Stiegen bis zu einer winzigen Plattform...

Sehr nett das alles, aber insgesamt hatte ich den Eindruck, mich die ganze Zeit in einem bewohnten Freilichtmuseum zu bewegen, in dem alles künstlich so erhalten oder gar vorgespielt wird, wie es die unzähligen vor allem aus Asien stammenden Touristen erwarten. Wer weiß, welches Bild von Deutschland die wohl erhalten mögen. Vom überall feilgebotenen Käthe-Wohlfahrt-Kitsch ganz zu schweigen. Was anderes als Puppen, Teddybären, Weihnachtsartikel, Schneebälle (eine lokale Zuckerbäcker-Spezialität), Touristentand und dergleichen gibt es in der Altstadt fast nicht zu kaufen. Wo versorgen sich wohl die Eingeborenen? Aber egal, unser Besuch mit zwei Übernachtungen im Hotel "Gotisches Haus" war genau richtig, d.h. ich hätte nicht gewusst, was ich an einem weiteren Tag in Rothenburg hätte unternehmen sollen. Das Hotel war OK, zentraler konnte man gar nicht wohnen.



Rothenburg

(Bild 1: Am Plönlein mit Sieberstor und der dahinter verlaufenden Schmiedegasse)


Ein zweiter Ausflug führte uns zum Wildfreigehege Wildenburg bei Kempfeld im Hunsrück. Dort kann man sehr schön durch ein urwüchsiges Waldstück wandern, in dem verschiedene Wildtierarten in riesigen Freigehegen gehalten werden. Schon mal einen röhrenden Hirschen aus der Nähe beobachtet? Sehr beeindruckend! Die meisten Tiere sind recht zutraulich. Futtertüten sind an der Kasse erhältlich. Mein Tipp: Kauft mindestens drei Tüten pro Person! Leider war das Wetter an diesem Tag sehr regnerisch, aber eigentlich fand ich das gar nicht schlecht, denn so hatten wir den ganzen Wald fast für uns allein. Zu der Anlage gehört eine Auffangstation für Wildkatzen. Anscheinend nehmen immer wieder Leute kleine Wildkatzen aus dem Wald mit nach Hause und wundern sich dann, dass die Tiere nicht handzahm werden. Das sind Wildtiere, keine Schmusekätzchen! In der Station werden sie aufgepäppelt und ausgewildert. Nur eine Wildkatze hat dazu offenbar keine Lust. Sie genießt, wie uns die Frau an der Kasse erklärte, schon seit sechs Jahren lieber das angenehme Leben mit Kost und Logis in der Station.



Wildfreigehege Wildenburg

(Bild 2: Der Dauergast im Wildfreigehege Wildenburg)


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