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11.08.2013: Spaß mit der Deutschen Bahn - Teil 23

Ein Kabarettist hat in seinem Programm mal nebenbei erwähnt, er frage sich, in welchem "Temperaturkorridor" die Züge der Deutschen Bahn einigermaßen störungsfrei fahren können. Wer sich ein bisschen mit Bahnreisen auskennt, kann diese Frage leicht beantworten. Ideale Bedingungen wären mindestens 10 und höchstens 25 Grad Celsius, Windstille, keine oder nur leichte Niederschläge. Das heißt aber nicht, dass die Züge dann wirklich fahren. Signalstörungen, Triebfahrzeug- und Oberleitungsschäden, kaputte Waggontüren, Probleme an Bahnübergängen, nicht funktionierende Weichen, Zug-Zwangsräumungen wegen zusammengebrochener Klimaanlagen, Stellwerksausfälle und so weiter und so fort - all diese Widrigkeiten sind an der Tagesordnung, was darauf schließen lässt, dass das Material der Bahn ziemlich marode ist - wie marode, das möchte man vielleicht lieber gar nicht wissen. Hinzu kommen immer wieder Personenunfälle, Notarzteinsätze im Zug, polizeiliche Ermittlungen und dergleichen. Und natürlich die ominösen "Verzögerungen im Betriebsablauf"; jene geheimnisumwitterten Geschehnisse, die man praktisch für alles verantwortlich machen kann. Besonders schön war eine Durchsage, die ich neulich gehört habe: "Wegen Verzögerungen im Betriebsablauf kommt es im Bahnhof Düsseldorf zu Verzögerungen im Betriebsablauf". Na, da weiß man doch, woran man ist!

Wenn die Temperaturen den sicheren Bereich verlassen, nehmen die Schwierigkeiten explosionsartig zu. Man kann sich darauf verlassen, dass es in jedem Zug mindestens einen Waggon gibt, der irgendwann verschlossen werden muss, weil darin eine unerträgliche Treibhausatmosphäre herrscht. Die Bahn hat eine wunderbare Alternative für den Austausch der Klimaanlagen gegen leistungsfähigere Modelle erfunden: Es werden einfach Aufkleber auf die Türen gepappt, deren Aufschrift den Reisenden nahelegt, die Todeszone dieses Waggons zu meiden. Außerdem habe ich durch langjährige empirische Studien einen Zusammenhang zwischen gutem Wetter und der Anzahl der Bahn-Selbstmorde festgestellt. Anscheinend macht es bei Regen oder Kälte nicht so richtig Spaß, sich die Körperteile von Waggonrädern abtrennen zu lassen. Wenn die Sonne scheint, sieht das ganz anders aus. Da legt man sich gern mal gemütlich auf die Schienen...

Tja, und wenn alle Widrigkeiten zusammenkommen wie am Freitag der vorletzten Woche, dann wird die Fahrt zum Höllenritt. Ich wollte von Mainz nach Bad Salzuflen fahren. Mein gebuchter Zug hatte 100 Minuten Verspätung. In solchen Fällen fahre ich immer ein bisschen früher zum Bahnhof und nehme einen anderen Zug, aber der fiel komplett aus! Zum Glück kenne ich noch mehr Alternativen, und so fuhr ich via Frankfurt Airport über die ICE-Schnellstrecke nach Köln. Kurz hinter Köln Messe/Deutz war aber schon wieder Schluss: Streckensperrung wegen Personen im Gleis. Nach einstündiger Wartezeit fuhr der ICE zurück nach Köln und wurde von dort aus umgeleitet. Ich musste aussteigen, denn wegen der riesigen Verspätung fuhr der Zug nur bis Düsseldorf und nicht wie geplant bis Dortmund. Ich musste rennen, um einen anderen ICE zu erwischen, der in die richtige Richtung fuhr. Der war zwar völlig überfüllt, aber das war mir inzwischen egal. Unterwegs behauptete jemand vom Personal, der ICE würde in Hamm enden und es sei geschickter, schon in Hagen in einen anderen Zug umzusteigen. Der sollte in ca. zehn Minuten folgen und auch nach Bielefeld fahren. Ich ließ mich darauf ein. Nur kam kein anderer Zug! Anders als die anderen Leute, die ebenfalls ausgestiegen waren, sprang ich in einen ICE, der wenigstens bis Dortmund fuhr. Dort musste ich einige Zeit warten, bis ich Anschluss nach Bielefeld bekam. Dieser Zug stand dann in Hamm eine halbe Stunde lang herum, weil die Ablösung für den Lokführer nicht da war!

Mit zweistündiger Verspätung kam ich endlich in Bielefeld an. Ich war völlig durchgeschwitzt, denn die Klimaanlagen funktionierten zwar, konnten gegen die Affenhitze dieses wunderschönen Sommertages aber einfach nichts ausrichten. Jetzt noch auf irgendwelche Nahverkehrszüge nach Bad Salzuflen warten? Darauf hatte ich keinen Bock und ließ mich abholen. Und wieder einmal zeigte es sich, wie wichtig das mobile Internet für Bahnreisende ist. Denn ohne die Fahrplaninformationen, die ich mir mit dem Smartphone zusammensuchte, wäre ich aufgeschmissen gewesen. Die meisten Durchsagen im Zug oder auf dem Bahnsteig - wenn denn überhaupt welche kamen, in Dortmund herrschte z.B. totales Schweigen - waren entweder irreführend oder schlicht falsch, so wie die Sache mit dem Umsteigen in Hagen! Mich würde nur mal interessieren, was aus den Leuten geworden ist, die dort auf den mysteriösen Anschluss gewartet haben. Einige wollten nach Berlin. Ich glaube nicht, dass die noch am selben Tag dort angekommen sind...

Aber das alles ist noch harmlos im Vergleich mit dem unfassbaren Zustand, der schon seit Tagen bei uns in Mainz herrscht.



11.08.2013

("Zugverkehr eingeschränkt" - Verharmlosender kann man's kaum formulieren)


Solltet ihr zurzeit eine Reise in die Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz planen, dann richtet euch darauf ein, dass ihr dort entweder nie ankommt oder nicht mehr wegkommt. Nach 20 Uhr wird der Bahnhof nämlich quasi geschlossen, denn es ist nicht genug Personal für die Rund-um-die-Uhr-Bedienung des Stellwerks vorhanden! Tja, und wenn die wenigen Bahnbediensteten, die nicht gerade Urlaub haben oder krank sind, ihren wohlverdienten Feierabend antreten, dann muss der Kunde eben sehen, wo er bleibt! Die Fernverkehrszüge halten nicht in Mainz, sondern werden um die Stadt herumgeleitet, es fahren nur wenige Nahverkehrszüge. Immerhin fahren überhaupt noch welche! So konnte ich heute in Koblenz aus meinem IC aus- und in eine rumpelige Bimmelbahn einsteigen. Mit "nur" vierzig Minuten Verspätung kam ich an und durfte mich glücklich schätzen, denn wer jetzt noch Darmstadt, Alzey oder einen ähnlich exotischen Ort erreichen wollte, hatte weniger Glück! Wie ihr in den bisherigen Berichten über meinen Spaß mit der Deutschen Bahn lesen könnt, habe ich ja schon einiges erlebt. Aber ein derartiges Chaos setzt wirklich allem die Krone auf! Und ab Montag soll es noch schlimmer werden...



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