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26.06.2013 – 10.07.2013: Kreta

Kreta ist so groß, dass es eigentlich nicht ratsam wäre, sich auf einen einzigen Urlaubsort zu beschränken. Man kann nicht einfach so von einem Ende der Insel zum anderen oder von Nord nach Süd springen, um die unzähligen Sehenswürdigkeiten während eines einzigen Urlaubs zu besuchen. Stundenlange Kilometerfresserei wäre unvermeidlich. Zum Glück war ich schon zweimal auf Kreta. Einmal habe ich die Insel als Rucksacktourist mit öffentlichen Bussen umrundet, ein zweites Mal per Mietwagen, immer von einer Privatunterkunft zur nächsten. Also konnte ich mir diesmal ein nettes Domizil in Platanias an der Nordküste westlich von Chania aussuchen. Chania ist meiner Meinung nach die schönste Stadt Kretas, die Abendstimmung ist hier besonders schön. Von Platanias aus ist die Stadt schnell per Bus erreichbar. In Chania kann man wunderbar in den schattigen engen Gassen spazieren gehen, Museen besichtigen, in einem der unzähligen Cafés relaxen oder sich in der Markthalle exotische Düfte um die Nase wehen lassen.



Kreta

(Bild 1: Große Auswahl in der Markthalle von Chania)


Platanias, jedenfalls der neue Teil am Strand, hinter dem sich der alte Ortskern recht malerisch auf einem Hügel erhebt, ist ein reiner Touristenort. Tatsächlich sind die westlichen Außenbezirke Chanias sowie die Orte Agia Marina, Platanias, Gerani, Maleme, Tavronitis und Kolimbari fast zu einem einzigen, kaum unterscheidbaren Streifen aus Hotels, Restaurants, Kneipen, Souvenirläden, Supermärkten, Autovermietungen usw. zusammengewachsen. Purer Tourismus also, aber das stört mich nicht. Man muss nur ein paar Kilometer weit ins gebirgige Hinterland fahren, um gleich wieder mittendrin im typisch griechischen Alltagsleben zu sein, denn auf Kreta leben die Menschen nicht nur vom Tourismus, sondern auch in nicht unerheblichem Ausmaß von der Landwirtschaft. Neben Millionen Olivenbäumen fallen vor allem Orangenhaine und Weinberge auf. Wie ich am eigenen Leib erfahren konnte, brennt auf Kreta anscheinend jeder Winzer seinen eigenen Raki, einen leckeren Tresterschnaps vergleichbar mit Grappa, nicht zu verwechseln mit dem türkischen Raki. Das achtzigprozentige Rohprodukt habe ich in diesem Urlaub erstmals direkt von einer Privat-Destille getrunken…



Kreta

(Bild 2: Schwarzbrennerei? Nein: "On Crete, it's legal" - sagte jedenfalls der Winzer!)


Platanias wird hauptsächlich von Skandinaviern besucht, und zwar von Familien, die zum Glück nicht zum Saufen nach Kreta kommen. Deshalb geht es in dem Ort gesittet und vergleichsweise ruhig zu. Es gibt viele gemütliche und qualitativ hochwertige Restaurants, fast überall wird nach dem Essen eine kleine Karaffe Raki auf Kosten des Hauses serviert. Unser Hotel war die fünf-Sterne-Anlage Minoa Palace Resort and Spa am Ortsrand. Ich muss zwar sagen, dass ich in dieser Kategorie anderswo in Griechenland schon mehr Luxus geboten bekommen habe, das soll aber nicht heißen, dass ich das Hotel nicht empfehlen könnte. Im Gegenteil! Die Anlage besteht aus einem weitläufigen Haupthaus mit Poollandschaft, Spa-Bereich und weiteren Nebengebäuden, sowie einem zweiten, neueren Teil mit eigenem Pool direkt am Strand. Beide Teile sind durch eine Straße getrennt und durch eine Brücke miteinander verbunden. Sie fügen sich gut ins Ortsbild ein, weil nicht in die Höhe gebaut wurde. Bis zum Ortskern ist es nur ein Katzensprung. Eines der schönsten Restaurants befindet sich gleich um die Ecke am Strand. Wir hatten eines der besten Zimmer im Strandhaus mit völlig unverbautem Meerblick. Das Hotel macht einen gepflegten Eindruck, die Hauptanlage wird durch geschmackvolle Deko und Pflanzen aufgehübscht.



Kreta

(Bild 3: Das Atrium im Haupthaus des Hotels)


Was soll ich euch sonst noch über Kreta erzählen? Die Landschaft ist so abwechslungsreich und die Insel hat so viele historische Stätten zu bieten - da könnte ich ein ganzes Buch füllen. Wir waren ja diesmal ein bisschen auf die Bucht von Chania festgelegt, aber auch dort kann man viel unternehmen. Nur an zwei Tagen haben wir Touren mit einem Leihwagen gemacht. Einmal bis zur Ausgrabungsstätte des Palasts von Knossos, am zweiten Tag bis Paleochora an der Südküste. In meinem Lebenslauf ist dieser Ort als Tipp erwähnt - das habe ich vor elf Jahren geschrieben, und ich kann es heute wiederholen. Paleochora ist wunderbar für einen Badeurlaub geeignet, und die Privatpension, in der ich damals gewohnt habe (die "Villa Marise") gibt es immer noch - inzwischen renoviert, erweitert und noch schöner als damals. Als Basis für einen zweiwöchigen Urlaub würde ich den Ort aber nicht empfehlen, denn wenn man mal irgendwas anderes machen will als Baden und in einer der vielen Tavernen schlemmen, muss man erst das Gebirge überwinden. Und das ist gar nicht so ohne, obwohl die Straßen in den letzten Jahren weiter ausgebaut worden sind.

Auf Kreta kann man teils ziemlich anspruchsvolle geführte Wanderungen unternehmen, zum Beispiel durch eine der zahlreichen Schluchten. Die Samaria-Schlucht ist die bekannteste, aber diese Tour war mir denn doch zu anspruchsvoll. Das haben wir lieber gelassen und stattdessen kleinere Wanderungen auf eigene Faust gemacht. Die historischen Stätten und sonstigen Sehenswürdigkeiten kennen wir ja schon, die haben wir uns diesmal weitgehend gespart. Nur nicht den schon erwähnten Palast von Knossos.



Kreta

(Bild 4: Ein Teil der "Rekonstruktionen" in Knossos)


Diese riesige Ausgrabung kann man sich durchaus mehrmals anschauen, auch wenn es sich dabei um "archäologisches Disneyland" handelt. Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Überreste des Palasts von Sir Arthur Evans freigelegt und nach seinen Vorstellungen teilweise neu errichtet. Und so kann man heute Säulen, Mauern und andere Strukturen bewundern, die keineswegs antik sind, sondern aus Beton bestehen... Immerhin erhält man einen guten Eindruck davon, wie komplex und verwinkelt der Palast gewesen sein muss. Kein Wunder, dass wahrscheinlich dieses Gebäude gemeint ist, wenn in der griechischen Mythologie vom Labyrinth des Minotaurus die Rede ist.

Kreta lohnt sich! Aber wenn ihr die Insel wirklich kennenlernen wollt, dann macht lieber eine Rundreise und nehmt euch drei Wochen Zeit. Apropos "Zeit": Davon brauchten wir beim Rückflug ziemlich viel. Der Flieger hatte nämlich wegen eines technischen Defekts neun Stunden Verspätung. Besonders schön war, dass der Defekt erst auftrat, als die Maschine schon startbereit auf dem Rollfeld stand! Alle Passagiere mussten wieder aussteigen. Auf das Chaos, das dann folgte, will ich gar nicht näher eingehen. So fertig wie am Rückreisetag war ich schon lange nicht mehr, und ich glaube, das sieht man mir an:



Kreta

(Bild 5: Ein genervter und noch nicht ausreichend abgefüllter Kringel)


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