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07.02.2013: Kringels Theorie der Arbeit


Nach langen Jahren schmerzvoller Erfahrungen und sorgfältiger Beobachtungen präsentiere ich euch heute meine Theorie der Arbeit. Sie besagt, um das Ergebnis vorwegzunehmen, dass die Arbeit stets den Weg des geringsten Widerstands nimmt, mithin also immer dorthin geht, wo sie erledigt wird.

Habt ihr schon mal bemerkt, dass eure Arbeit den newtonschen Gesetzen folgt? Diese Gesetze besagen sinngemäß, dass ein Körper im Zustand der Ruhe oder der gleichförmigen Bewegung verharrt, sofern keine Kraft auf ihn einwirkt, die eine Änderung seines Zustands erzwingt. Die Bewegung ändert sich gemäß der einwirkenden Kraft in die Richtung, nach welcher diese Kraft wirkt, und der bewegte Körper setzt dem bewegenden eine gleich starke Kraft entgegen.

Dasselbe gilt für die Arbeit. Sie tendiert dazu, im Ruhezustand zu verharren. Das heißt: Solange keine Kraft vorhanden ist, durch die die Arbeit in Bewegung gesetzt wird (nennen wir diese Kraft mal "Chef"), existiert praktisch überhaupt keine Arbeit. Man könnte sie auch als "erledigt" bezeichnen. Sobald "Chef" die Arbeit in Bewegung gesetzt hat, wobei nicht immer klar ist, warum er das tut, bewegt sie sich in eine bestimmte Richtung. Sie hat aber keinen genauen Zielpunkt, denn "Chef" interessiert sich in aller Regel nicht dafür, wo die Arbeit erledigt wird. Es muss auch gar kein Ziel vorgegeben werden, denn die Arbeit folgt automatisch dem Naturgesetz "Scheiße rollt bergab". Die Arbeit kann sich außerdem innerhalb des bekannten Universums nur in einem einzigen Medium ausbreiten bzw. wirksam werden. Dieses Medium wird im Volksmund als "Kollege(n)" bezeichnet. Es besteht meist aus mehreren Einzelelementen, die über eine Art Gravitationssenke verteilt sind, deren tiefster Punkt oft mit der niedrigsten Gehaltsstufe identisch ist. Es sind aber auch andere Verteilungen möglich.

Nun gibt es bekanntlich in jedem Medium einen Widerstand, wenn es sich nicht um ein absolutes Vakuum handelt. Ihr mögt einwenden, dass das Medium "Kollege(n)" durchaus Ähnlichkeiten mit einem absoluten Vakuum hat, jedenfalls was entscheidende Bestandteile der Anatomie angeht. Aber das ist ein Trugschluss. Tatsächlich ist der von den Kollegen erzeugte Widerstand lediglich nicht immer gleich stark. Anders gesagt: Vom Medium "Kollege(n)" wirkt der Arbeit entweder keine oder eine variable Kraft entgegen. Diese Kraft wird regelmäßig mit "das schaffe ich nicht", "keine Zeit", "ich muss weg" oder "Hä?!?" umschrieben. Je stärker die wirksame Gegenkraft, desto mehr Arbeit wird abgestoßen. Im Extremfall kann sich die Arbeit sogar zum Ausgangspunkt ("Chef") zurückbewegen, aber das geschieht selten und sorgt ohnehin nur dafür, dass die Arbeit einfach erneut in Richtung "Kollege(n)" in Bewegung gesetzt wird.

Üblicherweise ist die entgegenwirkende Kraft nur so stark, dass die Arbeit wirkungslos abprallt, während sie sich aufgrund des von "Chef" ausgeübten Impulses immer weiter vorwärts bewegt. Die Arbeit wird also um "Kollege X" herumgelenkt und erreicht den nächsten Kollegen. Von diesem prallt sie dann ebenfalls ab - und so weiter. Ihr könnt euch das so vorstellen wie das Prinzip, nach dem die Pachinko-Maschinen in japanischen Spielhallen funktionieren. Nur wenn der Arbeit keine Kraft / kein Widerstand entgegengesetzt wird, kann sie die von "Chef" gewünschte Wirkung im Medium "Kollege(n)" entfalten: Sie nimmt wieder den Zustand "erledigt" an. Somit erreicht sie ihren Endpunkt. Der Endpunkt ist unter den verschiedensten Bezeichnungen bekannt: "Arsch für alle", "Idiot", "menschlicher Mülleimer" - der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Nur komisch, dass ich so oft dieser Endpunkt bin...


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