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11.11.2012: Spaß mit der Deutschen Bahn - Teil 22: An jedem verdammten Freitag

Zurzeit macht das Reisen mit der Deutschen Bahn wieder gar keinen Spaß. Es ist die absolute Ausnahme, wenn meine Züge auch nur halbwegs pünktlich fahren - und ich halte einen Zug inzwischen schon bei einer Verspätung von weniger als zehn Minuten für pünktlich! Tatsächlich fahre ich deshalb schon seit Monaten meistens gar nicht mehr mit den gebuchten Zügen, sondern schlage mich irgendwie durch. Ein schönes Beispiel habe ich erst neulich erlebt. Da kam der Zug in Mainz sogar pünktlich an! Ich freute mich und stieg ein, aber der Zug fuhr dann wegen eines Lokschadens nicht weiter. Es musste erst eine neue Lok herbeigeschafft werden. Weder ich noch die meisten anderen Fahrgäste wollten darauf warten (gute Entscheidung, später erfuhr ich, dass der Zug erst 100 Minuten später losgefahren war), und so überfluteten Massen von Umsteigern den Bahnsteig, die sich dann auch noch die Treppen hochquälen mussten, weil ein Alternativzug (der natürlich mit einiger Verspätung ankam) wg. Gleiswechsel woanders einfuhr. Klar, dass dieser Zug dann hoffnungslos überfüllt war. Bei der Rückfahrt am Sonntag herrschte das totale Chaos. Exorbitante Verspätungen, Signalstörungen, Stellwerksausfälle… Ich kam nach mehrmaligem Umsteigen gut 90 Minuten später an meinem Ziel an. Ohne mein Smartphone wäre ich dabei übrigens aufgeschmissen gewesen, denn die Informationen, die man von den Zugbegleitern oder am Bahnsteig erhält, sind nach wie vor eine einzige Katastrophe. Sofern man denn überhaupt irgendwelche Informationen erhält. Für mich völlig unverständlich, denn im Internet kann man die aktuellen Abfahrtszeiten aller großen Bahnhöfe sehen. Die Verspätungsangaben sind fast immer richtig. Diese Informationen könnten sich doch auch die Zugbegleiter beschaffen und an die Reisenden weitergeben!

Aber das ist nicht der eigentliche Grund für diesen Kommentar. Mindestens genauso störend wie Verspätungen - wenn nicht noch mehr - ist das, was die lieben Mitreisenden im Zug veranstalten. Genauer gesagt: Alkoholisierte Mitreisende. Früher waren die nur in Ausnahmesituationen ein Problem, zum Beispiel an Fastnacht. Aber inzwischen muss ich fast an jedem verdammten Freitag Reisegruppen erdulden, die auf dem Weg zum Besäufnis in der Düsseldorfer Altstadt sind und sich unterwegs schon mal mittels Bier (Kerle) oder Sekt (Weiber) in die entsprechende Stimmung versetzen. Man muss schon froh sein, wenn sie nur brüllen (Kerle) oder kreischen (Weiber), denn oft ist ein Ghettoblaster mit dabei, der für Beschallung sorgt. Der ganze Großraumwagen stinkt im günstigsten Fall nach Alkohol, gern aber auch mal nach Erbrochenem und Urin, wenn es die Besoffenen nicht rechtzeitig zur Toilette schaffen - oder wenn es, wie üblich, gar keine funktionierende Toilette gibt. Von den Müllbergen, die diese Leute um sich herum verbreiten, ganz zu schweigen. Einmal hatte ich das Pech, neben einem Knaben sitzen zu müssen, der schon nicht mehr Herr seiner Extremitäten war. Der ließ seine Bierflasche fallen - auf mich. Reisetasche und Hose waren im Eimer. Auch die Anzahl der Junggesellenabschiede nimmt zu. Die alkoholisierten Typen ziehen dann grölend und pöbelnd durch den ganzen Zug. Wehe, wenn man sich weigert, ihnen etwas abzukaufen! All das hat mit Fröhlichkeit nicht das allergeringste zu tun, eher mit purer Aggression. Wenn dann auch noch beides zusammenkommt, also Verspätungen und Besoffene, ist der Freitag schon gelaufen. Manchmal wird das eine sogar durch das andere bedingt. Am vergangenen Freitag ist der Zug mit einiger Verspätung in Köln abgefahren, weil die obligatorische, schon reichlich angeheiterte Reisegruppe auf der falschen Seite aus dem Zug gestiegen ist. Mit ihren alkoholgetrübten Sinnen haben sie wohl die Serviceplattform mit dem Bahnsteig verwechselt. Die mussten natürlich alle erst wieder einsteigen und den Zug auf der richtigen Seite verlassen...

Nach dem x-ten Erlebnis dieser Art habe ich geradezu eine Abscheu gegen die schwäbische, badische und pfälzische Mundart entwickelt, denn mein Freitagszug kommt aus Süddeutschland. Und ich hoffe, dass nach dem Rauchverbot auch bald ein Alkoholverbot in öffentlichen Verkehrsmitteln kommt. Wer sich besaufen will, der soll das zu Hause oder in der Kneipe tun, seine Mitmenschen aber in Ruhe lassen.



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