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07.06.2012: Blauer Dunst

Sie tun mir ja jetzt doch leid, die Raucher. Auf Bahnsteigen müssen sie sich in umrandeten Bereichen aufstellen, und da es keine Raucherabteile in den Zügen gibt, müssen sie bei jedem Halt panisch ins Freie springen, um wenigstens ein paarmal inhalieren zu können, bevor der Zug weiterfährt. Am Flughafen müssen sie sich in kleine Glaskabuffs quetschen. Restaurants und Kneipen sind komplett rauchfrei, so dass man selbst bei Regen, Schnee und Sturm bibbernde und/oder durchnässte Grüppchen sehen kann, die sich vor dem Eingang zusammendrängen. Mein Arbeitgeber hat bis vor einiger Zeit noch zwei Raucherräume zur Verfügung gestellt, die natürlich immer stark frequentiert waren. Jetzt gilt im gesamten Gebäude Rauchverbot. Die Raucher sind nach draußen ausgewichen und haben sich vor den Eingängen geballt - kein schönes Bild, deshalb wurde eine kleine Baracke aufgestellt (natürlich in gehörigem Abstand zum Gebäude), in der man rauchen darf. Das Ding ist offen und natürlich ungeheizt, immerhin ist es überdacht. Irgendwie weckt der Anblick bei mir immer merkwürdige Assoziationen... es fehlt nur noch der Stacheldrahtzaun mit Wachtürmen und Flutlicht an jeder Ecke!



07.06.2012


Als Nichtraucher finde ich es natürlich gut, dass mir nicht mehr überall und bei jeder Gelegenheit blauer Dunst ins Gesicht geblasen wird, und dass der Gesetzgeber mir den Ärger erspart, den ich früher immer befürchten musste, wenn ich einen Raucher höflich aufforderte, seine verfluchten Dreckszigaretten gefälligst anderswo zu inkorporieren! Im Ernst: So richtig gestört hat mich der Zigarettenqualm nur selten. Gut, es war nicht so schön, jeden Freitag mit stinkenden Klamotten vom Stammgriechen zurückzukommen, bei dem die Luft meistens zum Schneiden war - vom Brennen in den Augen gar nicht zu reden! Aber irgendwie hat das doch auch zu einem zünftigen Kneipenbesuch dazugehört, oder?

Denken wir doch mal an die "gute alte Zeit" zurück, zum Beispiel an die Achtzigerjahre. Was da weggequarzt wurde! Praktisch überall durfte geraucht werden: Im Büro, in Bus und Bahn, im Flugzeug, in Restaurants, im Kino. Beim Internationalen Frühschoppen der ARD konnte man die Journalisten hinter den Rauchfahnen oft kaum erkennen, und zu einem durchschnittlichen Krimi-Ermittler gehörte neben gutem Spürsinn selbstverständlich eine lässig im Mundwinkel hängende Kippe. In Fernsehen und Kino wurde Zigarettenwerbung mit dem HB-Männchen, dem Camel-Kamel, dem Marlboro-Mann und seinem Klon, dem Reval-Mann (Kultzitat: "Einmal am Tag willst du dir selbst gehören") gezeigt, aber es gab keine Spur der heute nicht mehr von den Schachteln wegzudenkenden Warnhinweise. Überall konnten wir Kids Schoko- und Kaugummizigaretten kaufen, mit denen wir uns ziemlich cool vorkamen. Rauchen war modern, es war lässig, es war gesellschaftlich anerkannt. Heute werden die armen Raucher diskriminiert, verdrängt, geächtet. Mal sehen, ob vielleicht bald dasselbe mit Bier- und Weintrinkern geschieht. Oder mit Dicken. Oder mit Gamern...



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