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30.01.2012: Spaß mit der Deutschen Bahn - Teil 21

Lärm ist bei Reisen mit der Deutschen Bahn ein unvermeidliches Ärgernis. Manchmal werden aber auch andere Sinne angesprochen, oder besser gesagt: attackiert. Zum Beispiel der Geruchssinn. Besonders im Sommer, wenn die Klimaanlagen ausfallen, wehen oft Ausdünstungen durch die Waggons, die bei etwas besserer Körperpflege vermeidbar wären. In Dortmund steigt regelmäßig ein älterer Herr ein (kein Angestellter der Bahn), der leere Flaschen einsammelt. Die steckt er dann in einen Bundeswehr-Seesack und diverse Plastiktüten, mit denen er jeden anrempelt, der nicht rechtzeitig in Deckung geht. Aus diesen Behältnissen dringt ein so übler Dunst hervor, dass ich immer die Luft anhalte, bis der Mann weitergegangen ist.

Aber das ist nichts im Vergleich zu dem, was mir am vergangenen Freitag die Nasenschleimhäute verätzt hat. Es fing mit einem vergammelt-würzigen Geruch an, der an ein mit besonders unappetitlichen Zutaten belegtes Sandwich erinnerte. Der "Duft" wurde schnell intensiver. Ein irgendwie "grüner" Gestank, ekelerregend und unmöglich zu ignorieren. Als mir allmählich die Tränen in die Augen traten, war mir klar: Das war keinesfalls etwas Essbares! Einbildung war's auch nicht, denn nach und nach fingen mehrere Leute an zu japsen. Ich glaube, ich habe auch das eine oder andere leise Würgen gehört. Was konnte das nur sein? War die Bordtoilette übergelaufen? Hatten militante Bahngegner einen Giftgasanschlag verübt? Es breitete sich ein derart grauenhaftes, undefinierbares Miasma in dem Großraumwaggon aus, dass ich kurz davor stand, die Flucht zu ergreifen!

Das war dann aber doch nicht nötig, denn plötzlich ebbte der schreckliche Gestank ab. Dann ging eine junge Frau an mir vorbei, die eine zusammengefaltete Windel mit spitzen Fingern vor sich hertrug. Des Rätsels Lösung: Die gute Frau hatte ihrem Kind (das den ganzen Waggon schon stundenlang mit nörgeligem Geplärr unterhalten hatte) die vollgeschissenen Windeln gewechselt. Mitten im voll besetzten Großraumwagen! Hätte sie nicht die Toilette aufsuchen oder wenigstens bis zum nächsten Bahnhof warten können? Gut, wenn man muss, dann muss man - aber was bitte hatte das Kind gegessen? Oder stinken Baby-Ausscheidungen immer so abscheulich? Ein Wunder, dass die direkten Sitznachbarn bei der Windelwechsel-Aktion nicht in Ohnmacht gefallen sind! Meine Bitte an alle Eltern: Geht nur mit bereits entleerten Zwergen auf Reisen. Eure Mitmenschen werden es euch danken.



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