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17.01.2012: Spaß mit der Deutschen Bahn - Teil 20

Spaß mit der Deutschen Bahn ist diesmal eigentlich die falsche Überschrift, denn die Deutsche Bahn selbst kann nichts dafür, wenn sich die Fahrgäste merkwürdig verhalten. Jedenfalls war ich neulich wieder mal mit einem Intercity unterwegs. Nach gut vierstündiger Fahrt war ich völlig in meiner Lektüre versunken. Erst als sich der Zug Bielefeld näherte, blickte ich mal kurz auf. Aus dem Augenwinkel sah ich Füße im Mittelgang.

Moment mal. Füße?!?

Gut, der Zug war rappelvoll, bis Dortmund hatten Fahrgäste ohne Sitzplatz sogar in den Gängen stehen müssen.

Die Füße standen aber nicht, die lagen da so rum. Ich beugte mich an meinem Sitznachbarn vorbei (ich hatte einen Fensterplatz) und siehe da: Dort lag wirklich jemand lang ausgestreckt auf dem Boden! Ich wollte schon aufstehen und fragen, ob der Mann Hilfe brauchte. Im selben Moment kam aber ein anderer Fahrgast, der vermutlich nur durch den Waggon gehen wollte, und sprach den jungen Mann an. Der hatte gesundheitliche Probleme, so dass der Zug in Bielefeld stehen bleiben musste. Man wartete auf den Notarzt, der zum Glück gleich da war, den Mann notfallmäßig behandelte und dann mitnahm.

Das ist an sich schon ein eher ungewöhnliches Erlebnis. Aber ich habe mich gefragt, wie lange der Mann dort schon gelegen haben mag, bis sich jemand bequemte, ihm zu helfen. Ich konnte nicht sehen, was wirklich passiert ist, d.h. ob sich der Mann kontrolliert hingelegt hat oder ob er zusammengebrochen ist. Das Ganze hat sich irgendwo hinter mir abgespielt. Aber es muss direkt neben besetzten Sitzplätzen geschehen sein. Es ist unmöglich, dass das niemand mitgekriegt hat! Was haben sich die Leute gedacht, die da saßen? Meinten die, der gute Mann wolle sich zu einem gemütlichen Schläfchen auf den Boden betten? So voll war der Zug nun auch wieder nicht! OK, der Mann hat wohl nicht nach Hilfe gerufen, jedenfalls war nichts zu hören außer dem üblichen Stimmengewirr und Rädergeratter, aber trotzdem...

Ich dachte immer, ich sei Meister im Ignorieren meiner Mitmenschen. Irrtum! Was lernen wir daraus? Man muss immer schön auf sich aufmerksam machen, wenn man Hilfe braucht, sonst kann man mitten in einem IC-Waggon voller Menschen in aller Ruhe verrecken - das interessiert niemanden. Solange der Handy-Empfang gut ist und der Zug pünktlich ankommt. Reaktionen von den weiter entfernten Plätzen gab's nämlich erst, als der Zug nicht gleich wieder weiterfuhr.



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