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12.12.2011: Kringels Kindle

Wenn ihr mir vor einem Jahr - ach was, vor einem halben Jahr! - gesagt hättet, dass ich mal einen E-Book-Reader nicht nur mein Eigen nennen, sondern sogar begeistert nutzen würde, dann hätte ich euch nicht geglaubt. Habe mir nun aber Amazons Lesegerät Kindle Keyboard 3G zugelegt und bin bis jetzt sehr zufrieden.



Kindle


(Bild 1: Kringels Kindle)


Da ich die Erfahrung gemacht habe, dass ich Texte auf einem Bildschirm ganz anders lese als in gedruckter Form, nämlich oberflächlicher und unkonzentrierter, war ich E-Book-Readern gegenüber immer sehr skeptisch eingestellt. Oder besser gesagt: Ich wollte sowas nicht haben. Ansichtsexemplare verschiedener Anbieter waren nicht geeignet, diese Skepsis zu mindern. Außerdem fand ich den Gedanken immer leicht verstörend, kein echtes Buch mehr in der Hand halten und nach der Lektüre in den Schrank stellen zu können.

Dann hatte ich Gelegenheit, mir den Kindle genauer anzusehen, und war sofort sehr angetan von der Darstellungsqualität. Text wird im Display des Kindle nämlich so angezeigt, dass man fast das Gefühl haben kann, Papier vor sich zu haben. Das Display ist nicht selbstleuchtend, und das ist schon mal ein wichtiger Punkt - ein Buch leuchtet ja auch nicht. Ich habe den Kindle bei sehr verschiedenen Lichtverhältnissen genutzt und hatte keine Probleme. Da reflektiert nichts! Spiegelungen kann es zwar geben, aber mit einer leicht veränderten Haltung des Geräts kann man das ausgleichen. Der Text wird gestochen scharf angezeigt. Der Hintergrund ist zwar nicht wirklich weiß, sondern hellgrau, aber das stört nicht.

Die Qualität der Textanzeige ist das A und O bei einem E-Book-Reader, und in dieser Beziehung hat mir der Kindle weit besser gefallen als alle anderen Modelle, die ich bisher in der Hand hatte. Einziges Manko: Das 6-Zoll-Display ist kleiner als eine Buchseite. Daran muss man sich erst gewöhnen, außerdem hat man deshalb keine Seitenzahlen. Stattdessen gibt es am unteren Rand eine Fortschrittsanzeige, die auch Kapitel-Unterteilungen enthält.



Kindle


(Bild 2: Fortschrittsanzeige unter dem Text - Bild ist vergrößert)


Man sieht also immer genau, wie viel man vom Buch noch zu lesen hat, und wie "weit" es noch bis zum nächsten Kapitel ist. Auch diese Fortschrittsanzeige ist etwas gewöhnungsbedürftig; man könnte dadurch - sowie durch die unter dem Display befindliche Tastatur - vom Text abgelenkt werden. Alles in allem bin ich mit dem Leseerlebnis aber zufrieden. Nach kurzer Eingewöhnungsphase lese ich ein Kindle-E-Book jetzt genauso wie ein gedrucktes Buch.

Das zweite für mich kaufentscheidende Feature dieses Modells ist die kostenlose 3G-Mobilfunkverbindung. Egal wo ich bin - zu Hause, unterwegs im Zug, im Dienstreise-Hotel oder am Strand: ich kann jederzeit auf den Online-Store von Amazon zugreifen und neue E-Books herunterladen. Es fallen keine monatlichen Gebühren dafür an, man schließt keinen Vertrag ab oder so - 3G ist im Kaufpreis inbegriffen. Nie wieder ein Perry Rhodan - Heft verpassen? Nie mehr zu wenig Lesestoff im Urlaub dabei haben? Genial! Die Verbindung hat bisher immer astrein geklappt. Neu erworbene Bücher waren stets innerhalb einer Minute auf meinem Kindle.

Doch nicht genug damit. Deutsche und englische Wörterbücher sind vorinstalliert. Man muss nur den Cursor vor ein Wort stellen, schon poppt die Duden-Definition auf. Man kann Lesezeichen setzen, Text markieren und kommentieren. Textgröße, Zeilenabstand und andere Einstellungen lassen sich verändern. Man kann Sammlungen erstellen, um die Bücher zu sortieren, sonst stehen sie alle untereinander im Hauptmenü (das zuletzt geöffnete oben). Der Speicherplatz soll für 3500 Bücher reichen. Alle erworbenen Bücher sind auch im Amazon-Kundenkonto gespeichert. Man könnte sie also vom Gerät löschen und jederzeit wieder aufspielen. Ohne Zusatzkosten, versteht sich. Man könnte die Bücher auch auf den PC auslagern. Um sie dort zu lesen, ist aber eine bestimmte Software erforderlich. Mit dem Kindle befindet man sich in einer in sich abgeschlossenen Umgebung, die mit Apples iTunes vergleichbar ist. DRM-frei sind die bei Amazon erworbenen Bücher also nicht… Es besteht jedoch die Möglichkeit, sich selbst Dateien in verschiedenen Formaten (also auch Texte, die nicht im Amazon-Shop erworben wurden) auf den Kindle zu schicken. Die kann man dann uneingeschränkt nutzen.

Der Kindle bringt noch ein paar "experimentelle" Funktionen mit. So kann man ihn als MP3-Player und zum Surfen im Internet benutzen. Letzteres funktioniert jedoch nur aus WLAN-Netzen heraus. Mit der 3G-Verbindung kann man nur den Amazon-Store und die englischsprachige Wikipedia aufsuchen, alles andere wird blockiert. Ich brauche dieses Feature eigentlich nicht, habe es aber interessehalber mal ausprobiert. Es gibt ja öffentliche WLAN-Hotspots, die kostenlosen Internetzugang anbieten. Habe mal bei Starbucks einen Kaffee bestellt und nebenbei den Kindle nach dem Netz suchen lassen. Es wurde sofort gefunden und ich konnte mich problemlos einloggen. Schon konnte ich alle Seiten aufrufen. Der Seitenaufbau geht sogar überraschend flott vonstatten. Die Darstellung in dem relativ kleinen schwarzweiß-Display ist natürlich nicht überragend, erfüllt aber ihren Zweck.

Die Bedienung geht gut von der Hand. Geblättert wird mit großen Tasten am Gehäuserand. Das Tastenfeld unter dem Display ist recht klein, vor allem der 5-Wege-Joystick könnte ruhig etwas größer sein. Ich komme damit zurecht, aber Leute mit kräftigeren Händen könnten Probleme haben, immer nur eine einzige Buchstabentaste zu treffen.



Kindle


(Bild 3: Kindle-Tastatur mit Kringels filigranem Zeigefinger - Bild ist vergrößert)


Besonders gut hat mir gefallen, dass ich nach dem Erwerb des Kindle keine Zeit mit irgendwelchen Einstellungen oder Konfigurationen verschwenden musste. Ich habe den Kindle über mein Amazon-Kundenkonto gekauft, deshalb war alles fertig für mich eingerichtet. Auspacken, einschalten, lesen! Ich brauche keinen PC, um den Kindle nutzen zu können. Das Gerät macht alles Erforderliche selbst. Übrigens: Der Akku, den ich vor drei Wochen aufgeladen habe, ist immer noch nicht leer. In diesem Zusammenhang ein kleiner Kritikpunkt: Mitgeliefert wird nur ein USB-Kabel, über das man den Kindle-Akku via PC aufladen kann. Einen Adapter für die Steckdose musste ich gesondert kaufen.

Einen tollen E-Book-Reader habe ich also schon mal. Aber wie sieht’s denn mit dem Angebot an E-Books aus? Amazon bietet nach eigenen Angaben derzeit über 950.000 E-Books an. Da sind englischsprachige Bücher aber mitgezählt, und die machen den Löwenanteil aus. Praktisch alle Neuerscheinungen kommen auch als Kindle-Edition auf den Markt, so dass das Angebot ständig wächst. Besonders interessant für mich: Alle aktuellen Perry Rhodan-Romane sind für den Kindle erhältlich. Fast alle alten Zyklen ebenfalls. Der Clou: Es gibt unzählige kostenlose E-Books. Gemeinfreie Werke, die keinem Urheberrecht mehr unterliegen, kann man für 0,00 Euro herunterladen. Dazu gehören Romane von Edgar Allan Poe, Karl May, Jules Verne, Kurd Laßwitz, Klassiker von Franz Kafka, Leo Tolstoi, Charles Dickens… Einige davon hätte ich auf jeden Fall noch irgendwann gekauft. Die habe ich jetzt für lau auf meinen Kindle geladen. Somit hat er sich schon fast wieder amortisiert.

Ihr seht: Ich bin sehr angetan von meinem neuen Spielzeug. Und ich habe noch gar nicht alle Features ausprobiert. Trotz allem möchte ich auf "echte" Bücher nicht verzichten. Wenn ich wirklich ganz in eine Geschichte abtauchen will, dann lese ich ein Buch. Der Kindle kann das nicht ersetzen, er ist aber eine schöne Ergänzung.



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