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19.09.2011: Mikrozensus

Als ich vor vier Jahren erstmals einen Brief vom Statistischen Landesamt Rheinland-Pfalz bekam, in dem mir mitgeteilt wurde, dass mein Haushalt für die Erhebung statistischer Daten im Rahmen des "Mikrozensus" ausgewählt worden sei, da staunte ich nicht schlecht. Der Besuch eines "Interviewers" wurde angekündigt, schon gleich mit konkretem Termin (der mir gar nicht passte), und ich wurde dezent darauf hingewiesen, dass ich zur Teilnahme an der Befragung verpflichtet sei. Das konnte ich erst gar nicht glauben. Ich hatte keine Ahnung, dass es so etwas wirklich gibt und dachte erst, es handele sich vielleicht um eine besonders geschickt gemachte Phishing-Variante. Nach ein bisschen Internet-Recherche wurde mir aber schnell klar, dass das Ganze kein Fake ist. Es gibt tatsächlich das so genannte "Mikrozensusgesetz", das diese Art der Volkszählung regelt. Ein Prozent aller deutschen Haushalte werden nach dem Zufallsprinzip ausgewählt und müssen mehrere Jahre hintereinander an der Befragung teilnehmen. Ob eine Weigerung meinerseits irgendwelche Folgen hätte (Bußgeld?) habe ich zwar nicht herausgefunden, aber als rechtschaffener Bürger war ich nun natürlich gern bereit, meine Pflicht zu erfüllen. Allerdings hatte ich keine Lust, den "Interviewer" in meine Wohnung zu lassen. Dazu ist man nicht verpflichtet, man darf den mehr als 50 Seiten starken Fragebogen auch selbst ausfüllen.

Jetzt bekomme ich jedes Jahr denselben Brief und muss jedes Mal den "Interviewer" anrufen, damit der nicht einfach vorbeikommt, sondern mir den Fragebogen schickt. Der kostet mich dann meist eine gute Stunde meiner knapp bemessenen Freizeit - da man das Ding innerhalb einer Woche zurückschicken muss, fülle ich ihn immer gleich am selben Abend aus. OK, man muss nicht jede einzelne Frage beantworten, aber manchmal weiß ich gar nicht, was ich überhaupt angeben soll. Letztes Jahr wurden zum Beispiel Detailfragen zur Heizungsanlage, zum Stromanbieter usw. gestellt, die nur meine Vermieter beantworten könnten... Angeblich ist alles anonym - aber meinen Namen muss ich auf dem Fragebogen doch angeben. Ich wüsste gern, wo und wie meine ganzen Angaben gespeichert werden, aber man erhält keine Information hierüber, nur eine Broschüre über das Gesamtergebnis der Vorjahresbefragung.

Schon witzig, das Ganze: Ich hatte eigentlich gedacht, das Thema "Volkszählung" sei seit dem Debakel in den Achtzigerjahren sanft entschlafen! Dem ist keineswegs so. Vielmehr glaubt man beim Statistischen Landesamt offenbar, dass das Ausfüllen solcher Fragebögen und die Preisgabe sehr persönlicher Daten Spaß macht, denn diesmal wurde mir auch noch die Teilnahme an der Zusatzbefragung "Haushalte heute" angetragen, in der noch weitere Daten abgefragt werden. Das wäre aber freiwillig, und deshalb spiele ich dabei nun wirklich nicht mehr mit!

Was die Behörden mit meinen Angaben und denen all der anderen Haushalte denn nun im Einzelnen anfangen? Oder ob sie überhaupt irgendwie von Nutzen sind? Keine Ahnung. Hauptsache mal Daten erheben, darin sind die deutschen Behörden ja groß...



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