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26.05.2011: Asperger-Syndrom

Neulich habe ich einen Artikel gelesen und bekam den Eindruck, dass ich darin beschrieben wurde! Da ging es um das "Asperger-Syndrom", und dabei handelt es sich um etwas, bei dem sich die Fachwelt anscheinend noch darüber streitet, ob es als Krankheit oder "Normvariante" menschlicher Verhaltensweisen bezeichnet werden muss. Kurz gesagt haben Menschen mit dem Asperger-Syndrom Probleme im Umgang mit "normalen" Menschen, denn sie können nicht oder nur schwer erkennen, was in der sozialen Interaktion von ihnen erwartet wird - jedenfalls dann, wenn diese Erwartungen stillschweigend vorausgesetzt oder nur angedeutet werden. Sie verstehen die unausgesprochenen Signale nicht, mit denen "Normale" ihre zwischenmenschlichen Beziehungen oft regeln. Solche Konventionen sind ihnen fremd.

Umgekehrt spielen diese Leute keine Spielchen, sondern sagen immer rundheraus was sie denken oder wollen, ohne auf irgendwelche Befindlichkeiten Rücksicht zu nehmen. Einem "Aspie" müsst ihr nicht die beliebte, im Grunde rhetorisch gemeinte Frage "Bin ich zu dick?" stellen, wenn ihr schonungslose Offenheit nicht vertragen könnt, sondern eigentlich nur hören wollt, dass euer Partner euch selbst dann noch lieben würde, wenn ihr mit einer Hose in Zirkuszelt-Größe noch aussehen würdet wie die Wurst in der Pelle! Aspies ecken deshalb dauernd an und haben oft das Gefühl, als seien sie auf einem anderen Planeten gelandet, dessen Bewohner nicht ganz dieselbe Sprache sprechen...

Das kommt mir irgendwie bekannt vor. Ich glaub', das hab' ich auch! Dafür gibt's sogar einen ICD-10-Diagnoseschlüssel! Genial! Kann man sich deswegen krankschreiben lassen? Allerdings bin ich nicht sicher, ob man in meinem Fall wirklich vom Asperger-Syndrom sprechen kann. Es mangelt mir nämlich eigentlich gar nicht an Einfühlungsvermögen, ich missdeute die Signale der Leute nicht (oder wenigstens nicht öfter, als das bei allen Menschen der Fall ist) und verstehe durchaus, was von mir erwartet wird. Es ist mir nur in den meisten Fällen egal. Genauso wie es mir in der Regel egal ist, was die Leute von mir denken. Also bin ich wahrscheinlich doch nur ein ganz normales Arschloch. Schade.



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