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23.06.2010 - 07.07.2010: Paros und Mykonos

Delos, eines der größten Heiligtümer der Antike, wird mehr oder weniger kreisförmig von einer Gruppe relativ kleiner Inseln umgeben. Diese griechischen Inseln werden Kykladen genannt (Kyklos = Kreis) und liegen alle so nahe beieinander, dass man mehrere in einem Urlaub besuchen kann. Man kann das Ganze übers Reisebüro buchen, verschiedene Inseln miteinander kombinieren und ein beliebiges Hotel aus dem Katalog wählen. Letztes Jahr haben wir das so mit Naxos und Santorini gemacht, diesmal waren Paros und Mykonos dran.

Wenn ihr schon einmal Bilder von Griechenland gesehen habt, dann habt ihr wahrscheinlich eine bestimmte Vorstellung von der dortigen Architektur: Kleine, kubische Häuser mit höchstens zwei Stockwerken, weiß gekalkt, mit blauen Tür- und Fensterrahmen und vielen Blumentöpfen. Das ist die typische Kykladenbauweise; anderswo in Griechenland findet man diesen Stil nicht unbedingt vor. In genau diesem Stil müsst ihr euch all die kleinen Städtchen und Dörfer auf Paros und Mykonos vorstellen. In den engen, verwinkelten Gässchen kann man wunderbar flanieren, vor allem abends, wenn alle Geschäfte und Bars geöffnet sind. Wenn man den Sonnenuntergang beobachtet, der die weißen Fassaden mit Gold überzieht und den Himmel über dem dunkler werdenden Meer in den verschiedensten Farben erstrahlen lässt, dann ist Romantik garantiert. Ab und zu öffnen sich die Gassen zu einem gemütlichen kleinen Platz wie im Bild unten in der Altstadt von Parikia auf Paros. Dort kann man sich herrlich vom anstrengenden Nichtstun ausruhen und zum Beispiel ein kühles Mythos-Bier genießen.



Paros


Da Paros keinen internationalen Flughafen hat, ging die Reise zunächst nach Mykonos, von dort aus aber sofort mit der Fähre weiter nach Paros, wo wir die erste Urlaubswoche verbrachten. Die Überfahrt dauert nur etwa eine Dreiviertelstunde. Unser Hotel war das Contaratos Bay in Naoussa, also nicht in Parikia, dem Hauptort der Insel. Dorthin kann man problemlos per öffentlichem Bus fahren. Das Hotel war eine gute Wahl, auch wenn man es eher als eines der einfacheren Art bezeichnen muss. An der Sauberkeit sowie der Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft des Personals gab es aber nichts auszusetzen. Das Hotel besteht aus einem Haupthaus direkt an einem feinsandigen Strand mit kristallklarem Wasser (Liegen und Sonnenschirme sind für Hotelgäste inklusive), und einer Anlage mit Studios, die näher am Ortskern liegt. Wir hatten uns für die Studios entschieden, und das war sehr praktisch, denn so hatten wir den malerischen Fischerhafen und unzählige Restaurants, Bars, Tavernen sowie die ganze touristische Infrastruktur unmittelbar in der Nähe, ohne vom Lärm belästigt zu werden. Zum einfachen aber ausreichenden Frühstück mussten wir zwar ins Haupthaus gehen, aber das waren nur ein paar Schritte. Beim Frühstück hatte man einen schönen Blick aufs Meer. Kleine Sperlinge waren immer zu Gast:



Paros


Auf Paros geht es noch vergleichsweise ruhig zu. Natürlich hat sich der Tourismus schon sehr ausgebreitet, aber wenn man die üblichen Touristenpfade mal verlässt, dann ist man sofort wieder im "echten" Griechenland. Das merkt man vor allem auf der Nachbarinsel Antiparos, die man sehr bequem mit einer Fähre erreicht (die Fahrt dauert nur fünf Minuten und kostet einen Euro). Auf Antiparos kann man außerdem eine beeindruckend große Tropfsteinhöhle besichtigen. Sehenswert auf Paros selbst sind neben den bereits erwähnten malerischen Ortschaften die Kirche Panagia Ekatontapliani, das archäologische Museum in deren Nähe (beide in Parikia), die ehemalige Inselhauptstadt Lefkes, das Schmetterlingstal, wo tausende jener Nachtfalter leben, die man auch auf Rhodos findet, sowie antike Marmorstollen. Paros war früher einer der Hauptlieferanten für hochwertigen Marmor. Man kann einen dieser Stollen zwar betreten, aber das sollte man nur mit gutem Schuhwerk und Taschenlampen tun. Das alles kann man sehr gut an einem oder höchstens zwei Tagen mit einem Mietwagen erkunden, denn die Entfernungen sind nicht der Rede wert. Auch Wanderungen sind möglich, zum Beispiel führt ein uralter Weg von Lefkes durchs Hügelland bis Naoussa.

Mykonos, wo wir die zweite Urlaubswoche in einem luxuriösen 5-Sterne-Hotel verbrachten, ist das genaue Gegenteil von Ruhe und Beschaulichkeit. Die Insel selbst hat im Grunde nichts zu bieten außer phantastischen Stränden. Einen Mietwagen braucht man hier nicht, denn das Busnetz ist bestens ausgebaut und es gibt ohnehin kaum etwas zu erkunden, außerdem sind alle Straßen furchtbar eng und mit Mopeds und Quads verseucht. Von halsbrecherisch durch die Gegend bretternden Lieferwagen und Bussen aller Größenordnungen ganz zu schweigen. Die Landschaft ist äußerst karg und Sehenswürdigkeiten sind praktisch nicht vorhanden, wenn man mal von Mykonos-Stadt mit dem bekannten Windmühlenmotiv absieht:



Mykonos


Aber wer nach Mykonos kommt, der hat sowieso anderes im Sinn. An den Stränden, vor allem am berühmten Paradise- und Super Paradise-Strand, sowie in Mykonos-Stadt herrscht Partyatmosphäre. Mykonos ist die Insel der Reichen und Schönen, sowie all jener, die sich für reich und schön halten oder gern am Jet-Set-Leben teilnehmen würden, ohne wirklich dazu zu gehören. Und so muss man sich daran gewöhnen, dass die Preise überall deutlich höher sind als anderswo, und dass das Leben hier bunter, lauter und oberflächlicher ist, als man es von Griechenland gewöhnt ist. Die Bevölkerung lebt fast ausschließlich vom Tourismus, und das prägt die Insel natürlich. Trotzdem kann man auch hier gemütliche Tage verbringen, denn nicht jeder Strand ist überlaufen, und es gibt durchaus auch mitten in der Altstadt von Mykonos Restaurants, in denen man sich als "Normalsterblicher" nicht wie ein Fremdkörper vorkommt.

Mykonos ist aber auch deshalb als Standort sehr zu empfehlen, weil man von hier aus äußerst lohnende Tagesausflüge zu den Nachbarinseln Tinos und Delos machen kann. Delos war in der Antike, wie schon erwähnt, eines der wichtigsten Heiligtümer im Mittelmeerraum, aber auch ein wichtiger Handelsstützpunkt. Ausgedehnte Ruinenfelder lassen auch heute noch erahnen, welche Pracht und welcher Reichtum hier einst geherrscht haben müssen. Tinos ist für die heutigen Griechen ein heiliger Ort. Dort befindet sich eine Wallfahrtskirche, zu der die Gläubigen an bestimmten Feiertagen in Scharen strömen oder sogar auf Händen und Knien vom Hafen aus emporkriechen. Während man Delos gut auf eigene Faust besichtigen kann, würde ich für Tinos auf jeden Fall eine geführte Tour empfehlen, denn auf diese Weise wird man über die ganze Insel kutschiert und bekommt Orte zu sehen, die man sonst nie besucht hätte. In der Altstadt von Mykonos begegnet man übrigens manchmal den Nachfolgern des Inselmaskottchens - des Pelikans Petros:



Mykonos


Das von uns gewählte Hotel Mykonos Grand & Resort liegt am Ortsrand von Agios Ioannis und ist zwar teuer, aber jeden Cent wert - man gönnt sich ja sonst nichts. Geradezu riesige Zimmer in einer nicht zu großen, in Kykladenbauweise errichteten Anlage, üppiges Frühstücksbuffet, viele kostenlose Einrichtungen, ein großer Wellnessbereich usw. usw. - ich kann hier unmöglich alles aufzählen. Der Service ist so umfassend, dass es mir fast schon wieder zu viel war. Die Lage ist sehr vorteilhaft, denn ein zwar kleiner, aber sehr schöner und praktisch für Hotelgäste reservierter Strand (an dem man natürlich ebenfalls von A bis Z bedient wird) gehört dazu, in Hotelnähe befinden sich mehrere Restaurants und mit dem Bus, der bis spät in die Nacht stündlich bzw. halbstündlich fährt, ist man in ein paar Minuten in Mykonos-Stadt. Der nächste größere Ort ist Ornos, und dort könnte man bequem zu Fuß hingehen, wenn man nicht gezwungen wäre, die Hauptstraße zu nehmen. Wie ich schon schrieb: Wegen der Enge und des Verkehrs ist das nicht zu empfehlen. Das Bild unten zeigt den Blick, den man vom Frühstücksraum aus über den Poolbereich und die Nachbarinsel Delos hat.



Mykonos


Übrigens: Während unseres Urlaubs wurde in Griechenland mehrmals gestreikt. Wir hatten Glück, denn Streiks waren meist dann, wenn wir sowieso nur faul am Strand herumliegen wollten, außerdem waren die Fährverbindungen zwischen den Kykladeninseln gar nicht betroffen. Aber hätten wir nur zwei Tage später zurückfliegen wollen, dann hätten wir ein echtes Problem gehabt, denn am 9. Juli ging in Griechenland gar nichts mehr... Was mir auch noch aufgefallen ist, sind die unzähligen streunenden Katzen. Auf beiden Inseln. Für Katzennarren wie mich ist das Freude und Leid zugleich, denn man sieht deutlich, dass viele Tiere nur gerade so eben über die Runden kommen. Was aus ihnen wird, wenn die Urlaubssaison um ist, möchte ich mir gar nicht ausmalen.

Einige weitere Fotos von Paros und Mykonos findet ihr hier.


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