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10.03.2010: Mein Dauergast mit den sieben Leben

Ich habe einen Kater, aber der ist kein Haustier, und schon gar nicht meins. Klingt komisch? Ist aber so.

Kurz nach dem Einzug in meine jetzige Wohnung (das war in den Neunzigern) bekam ich unerwarteten Besuch: Ein kleiner, etwas magerer schwarzer Kater tauchte auf, schaute sich in aller Ruhe sämtliche Räume an und verschwand wieder. In der folgenden Zeit nahm er regelmäßig auf der Kühlerhaube meines Autos Platz, solange die noch warm war. Wenn meine Tür offen stand, kam er hereingeschlendert, ließ sich ausgiebig streicheln, putzte sich stundenlang oder machte sich auf seinem Lieblingsplatz breit, um ein Nickerchen zu halten. Wenn er genug hatte, setzte er sich demonstrativ vor die Tür, selbstverständlich durfte er dann immer sofort gehen. Meist musste ich ihn aber geradezu hinauswerfen! Wahrscheinlich hätte er gern bei mir übernachtet, aber das wäre dann doch zu weit gegangen. Für Spielzeug interessierte er sich übrigens überhaupt nicht. Jeden Versuch, ihn zu Vergnügungen mit Federbällen, knisterndem Papier usw. zu animieren, was für Katzen normalerweise unwiderstehlich ist, quittierte er mit einem mitleidigen Blick, als wollte er sagen: "Kringel, du musst hier nicht den Alleinunterhalter spielen. Mach lieber mit dem Streicheln weiter!"

So wurde der Kater zum gern gesehenen Dauergast - und das, obwohl ich ihn in all den Jahren nicht ein einziges Mal gefüttert habe. Erst später erfuhr ich, dass er "Moritz" heißt, sein Hauptquartier in einem Nachbarhaus hat und in der ganzen Straße wohlbekannt ist. Er ist Freigänger und betrachtet meine Wohnung als Bestandteil seines Reviers. Inzwischen muss er so um die 15 Jahre alt sein. Ich wusste früher gar nicht, dass Katzen überhaupt so alt werden können. Außerdem muss er mindestens sieben Leben haben. Manchmal zeigt er sich nämlich viele Monate lang gar nicht, um plötzlich, wenn man ihn schon für tot hält, plötzlich wieder aufzutauchen. Meist in den unpassendsten Momenten, vorzugsweise dann, wenn ich mit Einkäufen bepackt nach Hause komme; dann latscht er mir gern zwischen den Beinen herum. Natürlich freue ich mich trotzdem über das Wiedersehen. Genau wie er, was man deutlich erkennen kann, auch wenn er der Freude neben Köpfchengeben nur durch eine Art Krächzen Ausdruck verleiht - er konnte nämlich noch nie miauen!

Ein bisschen molliger ist er in den letzten Jahren geworden, der alte Kater, und viel behäbiger. Aber nach wie vor kommt und geht er, wie es ihm beliebt, und holt sich bei mir seine Streicheleinheiten ab. Immer wieder schleicht er sich in die Küche, was eigentlich verboten ist:



Moritz 2010


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