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20.12.2009: Spaß mit der Deutschen Bahn - Teil 18

Dass es nicht unbedingt die Schuld der Bahn sein muss, wenn man im Winter später als geplant nach Hause kommt, ist klar. Trotzdem kann man sich fragen, warum es gleich zu Verspätungen kommen muss, die nicht mehr in Minuten, sondern in Stunden gemessen werden, wenn es mal ein bisschen kälter wird und Schnee fällt. Heute war es wieder das volle Programm. Die gestammelten, teils kaum verständlichen und teils (was die erreichbaren Anschlusszüge anging) schlicht falschen Durchsagen im Zug sprachen von "widrigen Witterungsverhältnissen", Signalstörungen, Stellwerksproblemen, Personenschäden. An einem Infostand in Düsseldorf, wo ich mich nie angestellt hätte, wenn im Zug nicht ein gar nicht mehr erreichter Anschluss durchgesagt worden wäre, so dass ich anderswo ausstieg als ursprünglich vorgesehen, war man so sehr mit dem Ausschenken von Kaffee beschäftigt, dass meine Frage nach Anschlusszügen solange warten musste, bis ich die Schnauze voll hatte und die Rotkäppchen von der Bahn genervt anfauchte. Als ich nach endloser Warterei in eiskalten Bahnhöfen, wo man sich nirgends setzen und/oder aufwärmen kann, endlich in einem Zug saß, der wenigstens nach Frankfurt Flughafen fuhr, da blieb der erst mal auf offener Strecke stehen. Alle Lichter gingen aus, Totenstille. Die Zugbegleiter gingen mit Taschenlampen durch und verteilten "Fahrgastrechte-Formulare", um die Reisenden zu beruhigen. Der Zug kühlte aus, nach einer knappen Stunde ging es erst weiter. Letzten Endes habe ich ein Taxi genommen, das mich vom Flughafen nach Mainz brachte, sonst hätte ich um 02:00 Uhr noch dort herumhängen können.

Dieses Fahrgastrechte-Formular müsst ihr euch wirklich mal ansehen. Seit einiger Zeit gelten nämlich ganz genau definierte Regeln, nach denen man eine Fahrpreiserstattung erhalten kann. Somit ist es natürlich vorbei mit jeglicher Kulanz, vor allem darf man alle Kosten (auch das Taxi) vorlegen und muss dann darauf hoffen, dass die Voraussetzungen für eine Erstattung auch wirklich erfüllt sind. Das ist besonders lustig, wenn man sich ein Taxi mit mehreren Leuten teilt. Dann muss man sich nämlich auch noch einigen, wer der Glückliche ist, der bezahlen darf. Entschädigungen gibt es sowieso erst ab Verspätungen von einer Stunde, aber nicht, wenn "Verhalten Dritter" (also z.B. ein Selbstmord) oder "außerhalb des Bahnbetriebs liegende unabwendbare Umstände" vorliegen. Ob zu letzterem auch das Wetter gehört, werde ich bald herausfinden. Wenn ihr das Glück habt, dass sich ein Zugbegleiter zeigt (und das war diesmal bei den hoffnungslos vollgestopften Zügen wirklich wieder mal Glückssache, denn da war eigentlich gar kein Durchkommen), erhaltet ihr ein Formular vom Umfang zweier DIN-A-4-Seiten mit viel Kleingedrucktem und 48 (!) Fragen, die ihr beantworten sollt. Das nenne ich mal "Kundenrechte stärken"! Einfach einen Berg von Vorschriften aufstellen, das Ganze in ein Formular packen, dessen Ausmaße schon an eine Steuererklärung heranreichen und dann abwarten, ob wirklich einer Lust hat, den ganzen Mist durchzulesen und auszufüllen...

Nachtrag vom 17.01.2010: Fairerweise muss ich hier anfügen, dass ich tatsächlich eine Erstattung erhalten habe. Knapp vier Wochen, nachdem ich das ellenlange Antragsformular abgegeben hatte, kam ein Antwortschreiben. Demnach erhalte ich die Hälfte der Kosten für die Fahrkarte - die Erstattung der Taxikosten hatte ich nicht beantragt.



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