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09.03.2009: Kringel und die Online-Gesellschaft

Dass ich nicht unter der Zwangsvorstellung leide, immer und überall erreichbar sein zu müssen, und dass Handy-Dauertelefonierer zu den schlimmsten Nervensägen gehören, die ich mir vorstellen kann, wird der geneigte Leser meiner Kommentare wohl bereits bemerkt haben. Seit einiger Zeit erfährt das Ganze aber noch eine Steigerung. Inzwischen wird vorausgesetzt, dass man immer online ist, und zwar mit Breitband-Internetzugang. Man kann heute nicht mehr einfach in den Laden gehen und ein beliebiges PC-Spiel kaufen. Nein, da muss man sich vorher erkundigen, ob nicht eine Online-Aktivierung oder Registrierung des Spiels erforderlich sein könnte. Bei immer mehr Spielen muss man sich zuvor irgendwo registrieren und die Installation irgendwelcher Zusatzprogramme zulassen, die man gar nicht haben möchte. Es ist auch zur traurigen Regel geworden, dass Spiele in verschiedenen Stadien der Fertigstellung auf den Markt geworfen werden, so dass man -zig Patches herunterladen muss. Was bei Dateigrößen von mehr als 100 MB als unmöglich bezeichnet werden kann, wenn man (wie ich) stolzer Besitzer eines 56k-Modems ist. Ganz abgesehen davon, dass immer mehr derartige Downloads heutzutage kostenpflichtig sind, wofür selbstverständlich Online-Bezahldienste genutzt werden müssten...

Auch sonst nimmt der Online-Wahn immer mehr zu. Geräte werden ohne Bedienungsanleitung verkauft, die muss man online lesen. Möchte man am Fahrkartenschalter nicht zum Nummernzieher degradiert werden und während der Wartezeit Spinnweben ansetzen, muss man Online-Tickets kaufen. Stellt man sich trotzdem an, zahlt man für eine Reservierung den doppelten Preis. Bücher von Kleinverlagen findet man im Buchhandel kaum noch. Warum auch? Man kann sie ja in Online-Shops bestellen. Die telefonische Ansage von Kinoprogrammen incl. Kartenreservierung stirbt ebenfalls aus, auch sonst wird immer öfter aufs Internet verwiesen, wenn man irgendeine Information haben möchte. Und das ist alles noch längst nicht das Ende der Fahnenstange. Begriffe wie "Radio Frequency Identification" (RFID) und "Internet der Dinge" erlauben Spekulationen darüber, dass es eines Tages vielleicht nicht mal mehr möglich sein wird, ein Brötchen zu kaufen, ohne das irgendwo online registrieren zu müssen. Wenn ihr übrigens wissen wollt, was die beiden genannten Begriffe bedeuten, müsst ihr in der Wikipedia nachlesen ;)

Als Betreiber zweier Homepages darf ich natürlich nicht zu laut schreien. Aber da kann ich selbst entscheiden, was ich von mir preisgeben möchte. Wenn sowas zum Zwang wird, wie es jetzt in zunehmendem Maße bei PC-Games der Fall ist, dann spiele ich im wahrsten Sinn des Wortes einfach nicht mehr mit. Und manchmal (ganz selten) überkommt mich sogar ein ganz eigenartiges Gefühl. Dann habe ich äußerst merkwürdige Ideen. Eine davon hat mit dem Gedanken zu tun, einfach den PC komplett vom Netz zu trennen und das Internet überhaupt nicht mehr zu nutzen. Verrückt, nicht?


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