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26.01.2009: Kringel und der Menschenmagnet

Irgendwann muss ich, ohne es zu bemerken, einen Menschenmagneten verschluckt haben. Wie sonst ist es zu erklären, dass ich permanent angerempelt werde? Oder dass dauernd irgendwelche Leute angekuschelt kommen, die meinen persönlichen "Sicherheitsabstand" deutlich unterschreiten?

Egal wie viel Platz um mich herum auch sein mag - wenn ich irgendwo stehe, dann schieben sich Passanten mit Sicherheit so dicht an mir vorbei, dass ich unwillkürlich einen Schritt zurücktreten möchte. Wenn ich hinter jemandem eine Treppe hochgehe, dann bleibt der oben garantiert erst mal stehen. Das ist vor allem bei Grüppchen ein beliebter Sport, die dann den ganzen Treppenabsatz blockieren. Auch beim Durchschreiten von Türen scheint es für manche Leute sehr wichtig zu sein, mitten im Weg wie angewurzelt stehen zu bleiben. Gehe ich durch den Supermarkt, habe ich regelmäßig irgendwelche Einkaufswagen auf den Fersen. Beim Schlangestehen wird mir das Genick vom Atem der Hintermänner gewärmt. Obwohl... Schlangestehen? Es scheint außer Mode gekommen zu sein, sich hinten anzustellen. Die Leute drängeln sich auch gern mal vor und stehen dann direkt neben mir. Sitzriesen wählen im Kino treffsicher den Platz genau vor mir - auch wenn im Saal ansonsten gähnende Leere herrscht. Muss ich im Bus im Durchgang stehen, stellen sich sofort Leute daneben, so dass keiner mehr durchkommt, was zu weiteren Rempeleien führt. Im Zug sitze ich entweder am Gang und mache dann unsanfte Bekanntschaft mit jeder einzelnen Tragetasche, die da durchgeschleppt wird (Leute: Man kann die Dinger auch von der Schulter nehmen und vor sich hertragen), oder ich sitze am Fenster und habe dann fast den Sitznachbarn auf dem Schoß, weil der gern aus dem Fenster glotzen möchte. Von Handytelefonaten, bei denen mehr in mein Ohr als ins Mikrofon gebrüllt wird, ganz zu schweigen.

Vielleicht bin ich ja zu empfindlich, aber ich kann gern darauf verzichten, meine Mitmenschen aus einer Entfernung betrachten zu müssen, die von einer Umarmung kaum noch zu unterscheiden ist. So weit geht die Nächstenliebe dann doch nicht. Widerlich, diese Distanzlosigkeit.


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