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01.12.2008: Schwarze Gedanken II: Sterbehilfe

Ich fahre bekanntlich regelmäßig lange Strecken mit der Bahn. Da hatte ich schon mehrmals das Vergnügen, exorbitante Verspätungen zu erleben. Und damit meine ich nicht diese läppischen kleinen Verzögerungen unter einer Stunde. Die Gründe waren vielfältig: Sturmschäden, kaputte Oberleitungen, brennende Loks und natürlich Selbstmörder. In all den Jahren habe ich mich aber immer tapfer durchgeschlagen und bin dann auch irgendwann angekommen. Nur gestern hatte ich dazu keine Lust. Wegen eines "Personenunfalls" (ein Euphemismus der Bahn für Leute, die ihr Leben auf den Gleisen beenden) wurde Bielefeld erst gar nicht vom Fernverkehr angefahren. Ich hätte eine halbe Stunde warten und eine Regionalbahn nehmen können, mit der ich dann weiß Gott wann in Dortmund gewesen wäre. Nur leider hatte Borussia Dortmund gestern ein Heimspiel, und wer einmal den wg. Massen von alkoholisierten Fans einheitlich gelben Bahnsteig an einem solchen Tag gesehen hat, der weiß, dass ein Durchkommen da unmöglich ist. Mal ganz abgesehen davon, dass ich nicht gewusst hätte, ob überhaupt ein Anschlusszug gefahren wäre. Also bin ich umgekehrt und erst am nächsten Tag gefahren. Das war eine Premiere, das habe ich zuvor noch nie gemacht. Die Informationspolitik der Bahn war mal wieder typisch: Keine Ansagen, wirre Anzeigen auf den Anzeigetafeln... Verständliche Durchsagen mit Alternativverbindungen oder so das würde ich unter gutem Service der Bahn verstehen, aber nicht, dass mir beim Einsteigen ein Hanuta als "kleine Aufmerksamkeit" aufgenötigt wird!

Jedenfalls hatte ich keine Lust, mich bei diesem Chaos durchzuschlagen. Außerdem hatte ich vor lauter Ärger mal wieder einen meiner schwarzen Gedanken. Ich dachte mir nämlich: Wenn einer unbedingt aus dem Leben scheiden will, dann soll er sich doch bitteschön nicht auf die Bahngleise stellen. Das hält doch nur den Verkehr auf. Nein, wer seines Lebens müde ist, der soll sich bei den Fahrgästen melden. Wir finden dann bestimmt eine Alternative.


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