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25.06.2008 - 05.07.2008: Malta

Als Reiseziel für den Sommerurlaub haben wir uns in diesem Jahr ausnahmsweise nicht Griechenland ausgesucht, denn wir wollten mal was anderes sehen. Da war Malta, wie man im Nachhinein feststellen kann, eine sehr gute Wahl. Die Landschaft wirkt allerdings durchaus "griechisch", denn Malta ist eine sehr karge Felseninsel. Hierher reist man nicht, wenn man wandern, die Landschaft bewundern oder einen reinen Badeurlaub machen will dafür wäre Malta das falsche Ziel. Es gibt nur sehr wenige gute Strände und durch die relativ hohe Luftfeuchtigkeit sowie die meist fehlende Abkühlung durch Wind ist die Hitze weit schwerer zu ertragen als auf den griechischen Inseln.

Nein, Malta hat andere Attraktionen zu bieten. Die Insel wurde durch mehrere ganz verschiedene Einflüsse geprägt, und auf diese Geschichte sind die Malteser ziemlich stolz. Man findet hier viele steinzeitliche Tempel und andere Relikte dieser fernen Vergangenheit (z.B. die rätselhaften "Karrenspuren"), die weltweit einzigartig sind und den Forschern noch so manches Rätsel aufgeben. Leider ist Hagar Qim, die bekannteste dieser Anlagen, derzeit (2008) nicht zugänglich, da sie restauriert wird. Will man das unterirdisch angelegte Hypogäum besuchen, muss man die Eintrittskarten lange vor Reiseantritt buchen (z.B. im Internet unter www.heritagemalta.org), denn die Besucherzahl ist streng begrenzt und so ist diese spektakuläre Anlage meist viele Wochen im Voraus ausgebucht.



Malta Tarxien

(Bild: In der Tempelanlage von Tarxien)


Malta war jahrhundertelang von den Phöniziern, den Römern, den Arabern und den Sizilianern besetzt, später haben die von Rhodos geflohenen Ritter des Johanniterordens der Insel ihren Stempel aufgedrückt. Ihre mächtigen Festungen und Türme findet man überall auf der Insel, vor allem wurde die Hauptstadt Valletta zu einer unglaublich stark befestigten Bastion gemacht, um dem Ansturm des türkischen Reichs standhalten zu können. All diese Kulturen vermischen sich auf Malta zu einem so noch nie gesehenen, abwechslungsreichen Bild, und natürlich gibt es deshalb überall etwas Neues zu entdecken. Auch die kleine Nachbarinsel Gozo lohnt einen Abstecher. Die Fähren legen halbstündlich ab, sind nur 25 Minuten unterwegs und die Fahrt kostet hin und zurück nicht mal fünf Euro. Die jüngsten, unübersehbaren Einflüsse auf Malta stammen von den Briten. Es gilt Linksverkehr, im Restaurant wartet man, bis man an den Tisch geführt wird und viele Details des täglichen Lebens wirken "very british". Bei einer ansonsten so südländisch geprägten Mittelmeerinsel wirkt das manchmal etwas befremdlich, ist aber sehr interessant.

Das Problem bei alldem ist: Auf Malta müsste man selbst mobil sein, um alle Sehenswürdigkeiten gut erreichen zu können. Es gibt zwar ein gut ausgebautes Busnetz, aber wenn man nicht gerade in Valletta wohnt, ist das trotzdem unpraktisch. Alle Buslinien haben nämlich Valletta als Ziel, Direktverbindungen zu anderen Orten gibt es kaum. Also einen Leihwagen nehmen? Hm. Darauf habe ich diesmal angesichts der in den Ortschaften oft extrem engen und außerhalb oft ziemlich schlechten Straßen doch lieber verzichtet. Hinzu kommt ja auch noch der Linksverkehr.



Malta St. Pauls Cathedral

(Bild: Die prächtig geschmückte St. Pauls Co-Cathedral in Valletta)


Juni und Juli sind trotz der Hitze eine gute Reisezeit, denn in diesen Monaten werden viele Patronatsfeste mit Prozessionen, Lichterschmuck an den Kirchen und riesigen Feuerwerken gefeiert. Jedes Dorf bemüht sich, die anderen zu übertrumpfen und man darf sich in dieser Zeit nicht über allgegenwärtiges Donnern wundern. Das sind dann die Böller von den Feuerwerken. Als Standort haben wir Mellieha im Norden der Insel und dort das leider renovierungsbedürftige RIU-Hotel gewählt, denn dort gibt es einen der besten Strände direkt vor der Haustür. Der ist zwar immer ziemlich voll, aber auch nicht überfüllt. Leider gibt es in diesem Ort weder ein richtiges Zentrum, noch eine ruhige Fußgängerzone oder eine schöne Uferpromenade.

Diesen Mangel hat so manche Ortschaft, und man muss auch sagen, dass vielerorts eine Restaurierung dringend nötig wäre. Überall quält sich der Verkehr durch und man muss schon ein wenig suchen, um ein gemütliches Restaurant zu finden. Verhungern muss man aber auch nicht die Preise für ein Abendessen haben zwar deutschen Standard, aber die Portionen sind meist groß, das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt. Will man übrigens in Mellieha vom Hotel in den eigentlichen Ort hoch, empfiehlt sich ein Bus, denn selbst in den Abendstunden ist der Anstieg noch sehr schweißtreibend.



Malta Hotel RIU Seabank

(Bild: Mellieha mit RIU-Hotel unten rechts, der eigentliche Ort liegt oben am Hang)


Auf Malta kann man einen wunderbaren Urlaub verbringen, wenn man bereit ist, sich entweder selbst in den Verkehr zu stürzen oder die extrem günstigen, manchmal aber auch überfüllten öffentlichen Busse zu nutzen. Immer nur am selben Ort zu bleiben, wäre hier eine sträfliche Sünde. Dafür gibt es viel zu viel zu sehen und zu erleben.



Malta Popeye Village

(Bild: Kringel bei Popeye Village, einer ehemaligen Filmkulisse)


Mehr Malta-Bilder findet ihr hier.

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