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19.01.2007: Spaß mit der Deutschen Bahn – Teil 12

Ich hatte natürlich nicht erwartet, dass der Bahnverkehr nach der Sturmnacht des 18. Januar schon am Folgetag wieder reibungslos laufen würde. Genau genommen war ich sogar positiv überrascht, dass überhaupt wieder so viele Züge fuhren. Es war auch weiter kein Problem, von Mainz bis nach Hamm zu kommen – ich hatte die exorbitanten Verspätungen vorhergesehen, war 2 Stunden früher als sonst losgefahren und war letzten Endes "nur" doppelt so lange unterwegs wie an normalen Freitagen. Natürlich waren alle Züge total überfüllt und es konnten während der Fahrt keine Anschlusszüge angekündigt werden, aber auch das kann man der Bahn nicht zum Vorwurf machen.

Was ich der Bahn (oder vielmehr dem Personal des Hauptbahnhofs in Hamm/Westfalen) aber vorwerfe, das ist die mangelnde (oder besser gesagt: nicht vorhandene) Information der Reisenden. In Hamm gab es nämlich keinerlei Ansagen. Als ich aus dem Zug ausstieg, kam eine Durchsage folgenden Inhalts: "Ihre nächsten Reisemöglichkeiten...". Mehr war nicht zu hören. Hatte ich einen plötzlichen Hörsturz erlitten? War ich von einer Sekunde auf die andere taub geworden? Nein: Die Durchsage war einfach zu Ende… Es standen verdächtig wenige Züge auf den Gleisen. Ich ging deshalb erstmal in die Eingangshalle. Am Servicepoint ballten sich die Menschenmassen. Auf der Anzeigetafel wurden einige Züge angekündigt, die meisten mit extremen Verspätungen. Bei dem einzigen Zug, der für mich interessant war, stand nur "Wagenstandsanzeiger beachten". Ich also zurück zum Bahnsteig. Da wurde ein ICE angezeigt, der in meine Richtung fahren sollte. Ich wartete also. Ein paar Regionalbahnen kamen auf anderen Gleisen an und fuhren wieder weg – keine Ahnung mit welchem Ziel, denn sie wurden nicht angesagt und ich konnte ja nicht dauernd von Bahnsteig zu Bahnsteig rennen. Zufällig sah ich dann, wie bei der Anzeige meines ICE plötzlich folgender Text in winzigen Buchstaben erschien: "Zug fällt aus". Wurde das durchgesagt? Natürlich nicht. Da musste man schon selbst drauf kommen.

Jetzt schaute ich mich doch auf den anderen Bahnsteigen um. Da war ich nicht der einzige – eine ganze Meute pilgerte auf der Suche nach Informationen von Bahnsteig zu Bahnsteig. Der sich vor dem Servicepoint ballende Menschenpulk wurde größer und größer. Es wurden noch Züge angezeigt, die schon seit Stunden überfällig waren und auch nicht mehr kamen. Weiterhin nicht eine einzige Lautsprecherdurchsage. Ab und zu kam mal wieder eine Regionalbahn, aber wenn die von einem gelangweilt murmelnden Typen angesagt wurde, dann nur auf dem Bahnsteig, auf dem sie auch einfuhr – dass diese Informationen auch für Fahrgäste auf anderen Bahnsteigen interessant sein könnten, daran dachte beim Bahnpersonal wohl niemand. Plötzlich bemerkte ich, dass bei einem ICE, der schon länger da herumgestanden hatte (dunkel und mit verschlossenen Türen) plötzlich die Lichter an und die Türen offen waren. Es saßen auch Leute drin. Die Anzeigetafel am Bahnsteig war leer. Ich stieg trotzdem ein und nach einiger Zeit sagte eine Zugbegleiterin, dieser ICE werde in ca. einer halben Stunde nach Berlin fahren. Also genau richtig für mich. Aber wurde das auf den Bahnsteigen durchgesagt? Nein! Die Leute, die auf einem weiter entfernten Bahnsteig auf einen Zug nach Berlin warteten, der nicht kam, erfuhren von der bevorstehenden Abfahrt meines ICE nur, weil andere Fahrgäste diese Info rüberbrüllten! Nicht zu fassen.

Erstaunlicherweise ließ sich jetzt sogar mal ein Bahnbediensteter sehen. Der hatte es wohl nicht mehr rechtzeitig geschafft, sich in jenes Geheimversteck zu retten, in das diese Leute sich in Krisensituationen immer zurückziehen. Den fragte ich mal, warum denn keine Durchsagen kämen. Seine Antwort war für mich das i-Tüpfelchen für diesen Tag. Er sagte: "Wir können nur das durchsagen, was wir wissen".


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