Zur Archiv-Startseite
Zur Übersicht der Kommentare


03.09.2006: Spaß mit der Deutschen Bahn – Teil 11

Eigentlich hatte ich gedacht, man müsste die "zweisprachigen" Durchsagen in Zügen der Deutschen Bahn nur bis zum Ende der Fußball-WM 2006 ertragen. Da war wohl der Wunsch Vater des Gedankens. Dieses unverständliche, zusammenhanglose Gestammel, das in Bahnkreisen wahrscheinlich als gestochenes Oxford-Englisch durchgeht, muss man jetzt wohl auf Dauer über sich ergehen lassen. Da kommen dann so interessante Satzgebilde wie "In few Minute we shall arrived in Wuppertal" aus den wie immer viel zu leise eingestellten, furchtbar knisternden Lautsprechern. Oder man darf über den Sinn des Satzes "All Passenger exit thank you for travel with Deutsche Bahn" nachsinnen.

Wenn ich mir überlege, was für einen Eindruck es auf mich macht, wenn ein offensichtlich völlig überforderter Zugbegleiter auf Deutsch (oder in der Sprache, die er dafür hält) irgendwas von sich gibt, das entweder im kryptischsten Bahnjargon gehalten ist oder nach peinlichem Gestotter im Nichts abbricht – dann kann ich mir ungefähr vorstellen, was Fahrgäste aus dem englischsprachigen Raum wohl von diesen "englischen" Ansagen halten. Die Chinesische Tropfenfolter kann nicht schlimmer sein.

Manche Zugchefs haben sich inzwischen außerdem eine Art zu sprechen angewöhnt, die frappierend dem wichtigtuerischen Gerede vieler Flugkapitäne ähnelt. Ihr kennt die Angewohnheit dieser Leute, leicht näselnd und irgendwie immer ein bisschen kurzatmig die neuesten Informationen aus dem Cockpit, zum Wetter und zum Flugverlauf durchzugeben? Das scheint bei der Bahn großen Eindruck gemacht zu haben. Die Durchsagen im Zug klingen jetzt nämlich oft genauso. Da möchte man unwillkürlich aus dem Fenster gucken, um nachzusehen, ob der IC schon die Reiseflughöhe erreicht hat, weil dann die Stewardessen das Essen verteilen und mit dem Duty-Free-Verkauf anfangen können.

Übrigens: Neulich saß ich in einem EC, der aus Holland kam. Ich dachte, ich hätte es endlich überstanden, als das letzte irgendwie englisch klingende Wort herausgewürgt worden war. Von wegen! "Dag!" erscholl es gut gelaunt – jetzt ging die Quälerei nochmal auf Niederländisch los…


Zur Archiv-Startseite
Zur Übersicht der Kommentare