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21. bis 28. Juni 2006: Lesbos

Wenn ihr meint, ihr hättet in eurem Leben noch nicht genug dumme Kommentare gehört, dann macht mal Urlaub auf der griechischen Insel Lesbos und erzählt euren Freunden/Bekannten/Kollegen davon. Was ihr dann zu hören kriegt, dürfte für ein paar Jährchen reichen. Ich kann jetzt zwar sagen, dass das Klischee von den Lesben auf Lesbos in gewisser Weise völlig falsch, auf jeden Fall aber nicht prägend für den Charakter der Insel ist, muss aber gleichzeitig zugeben, dass es doch nicht ganz aus der Luft gegriffen wurde. Denn auf Lesbos machen offensichtlich in der Tat sehr viele Pärchen Urlaub, bei denen beide Partner Frauen sind. Das gilt insbesondere für den kleinen Badeort Skala Eressou, den wir als unser Domizil gewählt hatten (siehe Bild unten). Vielleicht liegt es am Erbe der antiken Dichterin, Politikerin und Erzieherin Sappho, der berühmtesten Tochter der Insel, die eine sehr starke Frau gewesen sein muss, dass es in manchen Orten auf Lesbos so genannte Frauenkooperativen gibt. Die haben zwar rein gar nichts mit obigem Klischee zu tun, sind für die patriarchalisch geprägte Gesellschaft Griechenlands aber dennoch ungewöhnlich, denn in diesen Kooperativen haben sich Frauen zusammengeschlossen, um ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und sich wirtschaftlich unabhängig zu machen.


Skala Eressou


Die Wahl unseres Urlaubsortes war sehr gut, denn bei Skala Eressou gibt es einen kilometerlangen und sehr schönen, auf weiten Strecken völlig menschenleeren Strand, und die Wasserqualität ist hervorragend. Der Ort selbst ist, wie die ganze Insel, zwar nicht gänzlich vom Tourismus unberührt geblieben, aber das äußert sich nur in einer großen Anzahl gemütlicher Tavernen am Meeresufer, einigen Souvenirläden und so weiter. Man hat jedenfalls nicht unbedingt den Eindruck, in einem Touristenzentrum gelandet zu sein. Es gibt eine nur wenige hundert Meter außerhalb des Ortes gelegene Hotelanlage, die aus einem Haupthaus und einem "Dorf" pastellfarbener kleiner Häuser besteht, in denen sich größere Zimmer befinden. Ein solches hatten wir (siehe Bild unten). Die ganze Anlage sieht zwar von außen recht malerisch aus, die Zimmer müssten aber mal dringend renoviert und modernisiert werden. Als Standort für relaxte Badetage ist es wegen des direkt vor dem Hotel gelegenen Strandabschnitts aber ebenso gut geeignet wie für Ausflüge mit dem Leihwagen, denn zwei der größten Sehenswürdigkeiten der Insel befinden sich in gut erreichbarer Nähe: Der "Versteinerte Wald", in dem man zahlreiche Stämme gigantischer Sequoias bewundern kann, die vor Millionen von Jahren von Vulkanasche bedeckt worden sind, und das Bilderbuchdorf Molivos, das komplett unter Denkmalschutz gestellt wurde und zu den schönsten Dörfern ganz Griechenlands gehört.


Hotel


Lesbos ist die drittgrößte griechische Insel, und das merkt man auch. Steigt man nämlich zum Beispiel in Skala Eressou ab und möchte die Inselhauptstadt Mytilini besuchen oder die Barbayanni-Ouzobrennerei in Plomari besichtigen (wo man das leckere Zeug auch verkosten darf, alles gratis), dann muss man entweder eine stundenlange Fahrt mit öffentlichen Bussen auf sich nehmen, oder einen Leihwagen mieten, mit dem man auch nicht wesentlich schneller ans Ziel kommt. Die zurückzulegenden Wege sind wegen der Größe und Form der Insel recht weit und wegen der vielen engen Kurven auch nicht ganz unbeschwerlich. Eine Inselrundfahrt auf eigene Faust lohnt sich dennoch, denn die Landschaft ist sehr abwechslungsreich. Im Osten hat sie fast einen wüstenartigen Charakter, das ist wahrscheinlich die Folge der (natürlich seit Jahrmillionen vergangenen) vulkanischen Aktivität, deren einzige Überreste heute in einigen heißen Heilquellen bestehen. In der Sumpflandschaft entlang des Golfs von Kalloni, wo Salz gewonnen wird, kann man eine Vielzahl interessanter Vögel beobachten. Dort sollen sich auch Flamingos herumtreiben, aber die haben wir nicht gesehen. Weiter im Westen wird die Insel sehr grün, dort gibt es dichte Wälder und ausgedehnte Olivenhaine. Man kann also auf Lesbos einen sehr netten Urlaub verbringen. Besonders viele Sehenswürdigkeiten, insbesondere antike Stätten, gibt es zwar nicht, aber die Insel ist einerseits relativ wohlhabend (Olivenöl und Ouzo sind neben dem Tourismus hauptverantwortlich dafür), andererseits hat man noch den Eindruck, das "ursprüngliche", ländliche Griechenland zu erleben, das man andernorts so nicht mehr unbedingt findet.

Übrigens: Nach Lesbos müsst ihr fahren, wenn ihr Tolkien-Fan seid. Denn dort liegt Moria (siehe Bild unten)!


Moria

Mehr Bilder von Lesbos findet hier hier.


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