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X3 Reunion

System:
PC DVD-ROM

Genre:
Wirtschafts-Simulation / Weltraum-Shooter

Note: 4
X3 - REUNION

Nehmt’s mir nicht übel, wenn ich nicht so viel schreibe, wie es für dieses Spiel angemessen wäre. Denn X3 ist – so toll es in mancherlei Hinsicht auch sein mag – irgendwie überhaupt nicht mein Fall.

Grob gesagt, ist dieses Spiel eine Mischung aus Wirtschaftssimulation und Weltraumballerei. Wie man vorgeht, d.h. ob man ein gewaltiges Handelsimperium aufbauen oder lieber als Pirat durchs All ziehen möchte (oder beides zugleich), kann man selbst entscheiden. Das Spiel bietet euch insoweit völlige Freiheit.

Story

Es gibt wohl auch so etwas wie eine Story, in deren Verlauf man verschiedene Missionen absolvieren muss, aber um was es bei dieser Geschichte eigentlich geht, habe ich nicht verstanden. Nebenbei kann man sich in Raumstationen diverse Aufträge abholen, die meist darin bestehen, jemanden irgendwo hinzubringen, einen Rohstoff zu besorgen oder irgendwen abzuschießen. Diese Missionen haben mit der eigentlichen Story aber nichts zu tun. Zwischensequenzen sind dünn gesät, und sie haben eine derart unterirdisch schlechte Grafik, dass man sich nur wundern kann. Von den schnarchigen deutschen Synchronstimmen wollen wir mal lieber gar nicht erst anfangen…

Die Story ist wie gesagt totale Nebensache. Ihr könnt sie auch völlig ignorieren und euch in den unzähligen Sektoren des Weltraums austoben, in die das von diversen Völkern besiedelte X3-Universum aufgeteilt ist und die durch so genannte Sprungtore untereinander verbunden sind. Zu Beginn habt ihr die Wahl, ob ihr das Spiel mit oder ohne Story starten wollt. Ihr wählt dann einen Schwierigkeitsgrad, der sich nur auf euer Startkapital auswirkt. Dann werdet ihr ziemlich allein gelassen. Bei vielen Missionen fragt ihr euch, was ihr eigentlich machen oder wohin ihr euch begeben sollt. Es gibt zu wenige Informationen darüber, außerdem geschieht es nicht selten, dass ihr erst dann erfahrt, dass ihr etwas wichtiges nicht dabei habt (z.B. Energiezellen), wenn es bereits zu spät ist. Dieses Rätselraten nervt mit der Zeit ganz gewaltig.

Steuerung

Alles andere als einsteigerfreundlich ist auch die Steuerung. Das Handbuch ist da keine große Hilfe und ein Tutorial gibt es nicht. Ich habe Tage gebraucht und mich mehr als einmal ziemlich geärgert, bis ich endlich den Bogen raus hatte und bis mir klar wurde, warum bestimmte Dinge mal funktionieren und mal nicht. Nur ein Beispiel von viel zu vielen: Ihr könnt einem Schiff keine Handelsbefehle mehr geben, wenn ihr es einmal in manueller Steuerung hattet. Dadurch wird nämlich die Zuweisung zu einer Heimatbasis für dieses Schiff gelöscht. Ihr müsst das erst wieder einstellen - dann funktionieren auch die Handelsbefehle wieder. Bis ihr euch endlich durch die unzähligen teilweise unverständlichen Steuerungsoptionen durchgearbeitet habt, wird also einige Zeit vergehen. Ungeduldige Naturen dürften bereits angesichts dieses Problems die Flinte ins Korn werfen...

Handel

In jedem Sektor gibt es diverse große und kleine Raumstationen oder Bergwerke auf Asteroiden, in denen Produkte hergestellt und verkauft werden. Hier kann man Rohstoffe verkaufen, die die Stationen für die Produktion benötigen. Transportschiffe fliegen von Station zu Station, Kampfschiffe bewachen sie, an manchen Orten sind auch Handelskontore, Schiffswerften und ähnliches zu finden. All diese Stationen und all diese Schiffe könnt ihr selbst kaufen, wenn ihr genug Geld habt.

Die Wirtschaft im X-Universum ist dynamisch: Die Preise schwanken ständig je nach Angebot und Nachfrage. Ihr könnt euch also nicht darauf verlassen, dass ihr für ein bestimmtes Produkt immer und überall den gleichen Preis erzielen werdet, dass also eine einstmals profitable Handelsroute auch profitabel bleiben wird.

Der ganze Handel, die Verwaltung eigener Weltraumfabriken, Schiffe und so weiter verläuft über Befehle in spartanisch gestalteten Menüs. Auf diese Weise könnt ihr euren ganzen Besitz aus der Ferne steuern. Auch die Menüs muss man teilweise erst einmal durchschauen, selbsterklärend sind sie jedenfalls meist nicht. Diese schlichte, fast schon sterile Präsentation hat mich auch nicht gerade zu Begeisterungsstürmen hingerissen.

Hinzu kommt, dass es unglaublich mühsam ist, die ersten Schritte auf dem Parkett des interstellaren Handels zu machen. Man muss Stunden und Stunden damit zubringen, irgendwelche Ressourcen von A nach B zu schippern, bis man genug Geld zusammen hat, um wenigstens ein größeres Transportschiff zu kaufen. Noch länger dauert es, bis man sich eine eigene Fabrik leisten kann. Dann fließen die Talerchen etwas schneller - vorausgesetzt, man produziert etwas, wofür es auch Abnehmer gibt und was man kostengünstig herstellen kann. Auch das will erst einmal erkundet sein. Auch die Zeitrafferfunktion, die euch das Spiel bietet, ist da keine entscheidende Hilfe.

Mit der Zeit könnt ihr ganze Produktionskreisläufe aus mehreren Fabriken erstellen, die ihr zu Komplexen zusammenkoppeln könnt. Die Vielfalt der Produkte und Rohstoffe sowie der jeweiligen Fabriken ist schon beeindruckend. Aber ehrlich gesagt: Ich erwarte mehr von einem Spiel, als ewig nur diverse Fabrikkomplexe zu errichten, um noch mehr Geld zu verdienen. Man soll sogar seine Wirtschaftsmacht so ausdehnen können, dass Konkurrenten verdrängt werden, oder dass plötzlich Kriege ausbrechen. So weit bin ich aber gar nicht erst gekommen.

Je mehr ihr kauft und verkauft, desto mehr steigt übrigens euer Handelsrang. Dieser Rang entscheidet darüber, ob die Stationen überhaupt bereit sind, Geschäfte mit euch zu machen.

Kampf

Im Storymodus hat man von Beginn an ein eher schwaches Kampfschiff zur Verfügung. Man kann es zwar aufrüsten, aber selbst das reicht dann irgendwann nicht mehr (spätestens dann, wenn man es mit den Xenon zu tun bekommt). Leider sind bessere Schiffe so exorbitant teuer, dass man sie sich erst leisten kann, wenn man schon ein recht großes Handelsimperium sein Eigen nennt. Man kann gegnerische Einheiten aber auch kapern: Bekommt ein Gegner im Gefecht Angst vor euch, dann steigt er aus und überlässt euch sein Schiff. Ihr könnt es übernehmen, per Fernsteuerung befehligen, die Fracht transferieren und es auch verkaufen.

Mit einem Joystick oder Gamepad kommt man im Kampf ganz gut zurecht, die Tastatursteuerung ist dafür eigentlich nicht geeignet. Die Kämpfe verlaufen genau so, wie man es aus jedem beliebigen Weltraum-Shooter kennt. Mit jedem Abschuss steigt euer Kampfrang. Dieser Rang entscheidet über die Aufträge, die man euch anbietet.

Das Waffen-Balancing kam mir etwas seltsam vor. Raketen verursachen irgendwie überhaupt keinen oder viel zu geringen Schaden (und: Nein, ich habe nicht übersehen, dass bestimmte Raketen hauptsächlich die Schilde schädigen), bestimmte Energiewaffen sind so stark, dass auch ein 25 MJ-Schild sofort weggepustet wird. Das Schadensmodell ist interessant: Je nachdem, wie stark euer Schiff beschädigt ist, verabschiedet sich nach und nach ein teuer erworbenes System nach dem anderen, außerdem wird ein Schiff mit Hüllenschaden langsamer.

Grafik

Die Grafik ist der einzige echte Pluspunkt, den ich diesem Spiel zugestehe. Sowohl die Raumschiffe als auch die Stationen sind sehr detail- und abwechslungsreich gestaltet, und anders als in vielen anderen Weltraum-Spielen gibt es auch sehr deutliche Größenunterschiede. Ein Jäger sieht neben einem Mammut-Transporter, der Bausätze für ganze Raumstationen aufnehmen kann, wie eine Mücke aus. Fliegt man nahe an eine Station heran, erkennt man nach und nach weitere Details. Meine Weizenfarmen bestehen zum Beispiel aus vielen einzelnen Kapseln, die an Auslegern angebracht sind. Diese Kapseln sind riesige Habitate mit transparenten Kuppeln, durch die man hindurchsehen kann. Man erkennt dann die einzelnen Weizenfelder und Silos.

Auch der Weltraum sieht klasse aus: Riesige Asteroidenfelder, vielfarbige Nebel (die allerdings leider die Orientierung in manchen Sektoren enorm erschweren) und gewaltige Planeten mit ganz verschiedenen Atmosphären und Oberflächen. Diese Planeten bleiben allerdings immer im Hintergrund. Man kann sie nicht umrunden, landen kann man schon gar nicht darauf. Versucht man es, kommt die Warnung, dass man in die Atmosphäre eintritt. Kehrt man nicht um, explodiert das Schiff. A propos: Die Explosionen, selbst bei sehr großen Objekten, sehen recht unspektakulär aus.

Bugs

Ich habe das Spiel auf Version 1.4.03 gepatcht, denn die Verkaufsversion soll, wie man so hört, derart von Fehlern verseucht sein, dass sie praktisch unspielbar ist. Unschöne Fehler fallen aber immer noch auf, wenn ich auch zugeben muss, dass ich keinerlei Systemabstürze, Grafikfehler oder dergleichen hatte. Was mir aufgefallen ist: Anscheinend verstellen sich manche Einstellungen immer wieder von selbst. Besonders schlimm war es mit der Gamepad-Steuerung. Irgendwann funktionierte die überhaupt nicht mehr – das war dann der Todesstoß: Das Spiel wanderte endgültig ins Regal…

Fazit

Einsteigerunfreundlich, zu umständliche Steuerung, zu viele Fehler, auf die Dauer (subjektiv) zu langweilig – diese Mängel können auch durch die tolle Grafik und das unglaublich komplexe Wirtschaftssystem nicht aufgewogen werden. Tüftler und Freaks, die nicht eher ruhen, bis sie den höchsten Handelsrang erreicht und das ganze Universum mit ihren Multi-Fabrik-Komplexen voll gestopft haben, werden aber ihre Freude an X3 haben.

J. Kreis, 13.07.2006

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