Zurück zu den Spielen

WRC Rally Evolved

System:
Sony Playstation 2

Genre:
Rally-Rennspiel

Note: 3+
WRC - RALLY EVOLVED

Dies ist der 5. Teil der WRC-Serie. Ich kenne keinen der vorherigen, ein Vergleich ist mir deshalb nicht möglich. Das Gameplay kann ich eigentlich ganz kurz beschreiben: Es handelt sich um ein Rally-Rennspiel. Damit dürfte klar sein, was euch erwartet: Ihr nehmt an den Rennen der World Rally Championship in allen Ländern teil, in denen auch die realen Rennfahrer durchs Gelände brettern. Dabei seid ihr in der Regel allein auf der Piste und müsst euch nicht nur mit den Unbilden unterschiedlicher Geländeformen auseinandersetzen, sondern auch konzentriert auf die Hinweise eures Beifahrers hören. WRC 5 hat die Lizenzen aller Rallys und Fahrzeughersteller. Die Namen aller Autos, Piloten und Rennveranstaltungen sind also der realen Welt entnommen.

Rennmodi

In WRC 5 steht eine Vielzahl unterschiedlicher Rennmodi zur Verfügung. Ihr könnt fast immer eigene Einstellungen am Fahrzeug vornehmen und diese in eurem Spielerprofil speichern. Allerdings sind die systemseitigen Voreinstellungen eigentlich immer völlig in Ordnung, so dass es nicht nötig ist, daran etwas zu verändern. Die wichtigsten Rennmodi sind:

Weltmeisterschaft
Die eigentliche Rally-Weltmeisterschaft ist der Kern des Spiels. Bei diesem Karrieremodus könnt ihr mit verschiedenen Fahrzeugklassen antreten, zwischen den Fahrzeugen könnt ihr – sofern sie bereits freigeschaltet sind – frei wählen. Während es im Anfänger-Level kein größeres Problem ist, jedes einzelne Rennen zu gewinnen, sitzen euch die Verfolger im nächst schwierigeren Modus schon ziemlich dicht im Nacken. Ihr könnt die 16 verschiedenen Länder nach dem Original-Rennkalender bereisen (dann fängt die Meisterschaft gleich mit einer der schwierigeren Strecken an), habt aber auch die Option, jedes Land einzeln anzuwählen. Die Rally besteht in jedem Land aus nur 3 Etappen, was recht mager ist. Ihr könnt nicht nach jedem Rennen speichern, sondern erst dann, wenn ihr eine ganze Länder-Rally absolviert habt. Ein Neustart ist zwar jederzeit möglich, solange nach dem dritten Rennen noch nicht gespeichert wurde, aber ihr beginnt dann jedes Mal wieder mit der ersten Strecke.

Oldtimer-Herausforderung
In diesem Rennmodus müsst ihr mit verschiedenen historischen Rally-Fahrzeugen auf vorgegebenen Strecken gegen die Zeit fahren. Bleibt ihr unter der Vorgabe, erhaltet ihr eine Medaille. Habt ihr alle Medaillen für alle Strecken erhalten, dürft ihr die Oldtimer auch in anderen Rennmodi verwenden. Habt ihr die Ziellinie einmal durchfahren, befindet sich euer eigenes Fahrzeug als "Geist" auf der Strecke, d.h. ihr könnt immer sehen, an welcher Stelle ihr besser oder schlechter abschneidet als beim letzten Mal. Die Zeiten für die Silbermedaillen sind noch zu knacken, aber die Gold-Herausforderungen gehören zur Kategorie "unmöglich"

Rallycross
Im Rallycross-Modus tretet ihr gegen drei computergesteuerte Fahrzeuge an und brettert über diverse Rundkurse. Auch hier gibt es die Auswahl zwischen verschiedenen Fahrzeugklassen. Die Anzahl der Runden könnt ihr selbst einstellen, drei Runden sind das Minimum. Dieser Modus definiert den Begriff "Unfair" neu. Ihr müsst nämlich immer vom letzten Platz aus starten und euch auf den meist recht engen Pisten an Gegnern vorbeidrängeln, die sich äußerst aggressiv verhalten. Kaum habt ihr euch auf den ersten Platz vorgekämpft, da stellt ihr verblüfft fest, dass sich euer Fahrzeug wie von selbst zu drehen beginnt oder von der Strecke driftet. Die Erklärung: Einer der Computergegner schiebt euch von hinten an oder hängt euch in der Seite, weil er stur seiner Ideallinie folgt und euch gar nicht wahrnimmt. Schon macht ihr einen Abflug und dürft das Rennen getrost neu starten, weil ihr den so entstandenen Rückstand niemals wieder aufholen könnt. Seltsamerweise können die Gegner sich im Gegensatz zu euch solche Schubsereien problemlos leisten. Solltet ihr versuchen, es den Gegnern mit gleicher Münze heimzuzahlen, landet ihr schneller im Graben, als ihr "Schei..." sagen könnt. Im Rallycross-Modus habt ihr übrigens keinen Beifahrer.

Andere Modi
Ihr könnt jede Länder-Rally und jede Strecke innerhalb dieser Veranstaltungen gesondert für freie Rennen auswählen, fahrt dann aber nur gegen die eigenen oder systemseitig vorgegebene Bestzeiten. Auch hier habt ihr die freie Auswahl unter allen freigeschalteten Strecken und Fahrzeugen. Auf einer weitläufigen Teststrecke dürft ihr alle Fahrzeuge beliebig lange ausprobieren. Entsprechende Verbindung vorausgesetzt, könnt ihr auch online gegen menschliche Gegner antreten.

Fahrzeugsteuerung

Natürlich helfen euch die Ansagen des Beifahrers, aber wie in jedem Rennspiel ist die Kenntnis der Strecke spielentscheidend. So auch bei WRC 5, denn in den höheren Schwierigkeitsgraden müsst ihr schon ziemlich hart am Limit fahren, wenn ihr auf Platz 1 landen wollt. Da könnt ihr es euch nicht erlauben, einfach mal kurz in den Graben zu fahren. Ihr werdet schnell feststellen, dass solche Ausrutscher ganz ohne Fahrhilfen an der Tagesordnung sind, denn die Fahrzeuge reagieren sehr sensibel auf kleinste Lenkeinschläge, man verbremst sich schnell und muss auch auf das Gelände aufpassen. Streift man zum Beispiel einen Felsbrocken, dann wird das Auto unkontrollierbar oder überschlägt sich sogar. Kommt man von der Piste ab, verliert man deutlich an Geschwindigkeit. Besonders bei den Rennen mit höherem Schwierigkeitsgrad darf man sich eigentlich keine Fahrfehler mehr erlauben…

Ihr könnt selbst einstellen, wie sehr die automatischen Lenk-, Brems- und Beschleunigungshilfen in die Fahrzeugsteuerung eingreifen sollen. Die Beschleunigungshilfe solltet ihr aktiviert lassen, aber die beiden anderen solltet ihr aufs Minimum stellen, denn sonst merkt ihr allzu deutlich, wann sie sich einmischen. Ganz abstellen solltet ihr sie vielleicht nicht, denn dann sind Dreher und Abflüge praktisch unvermeidlich. Unterschiede im Fahrverhalten bemerkt man zwischen den einzelnen Fahrzeugen einer Klasse kaum – zwischen den Klassen gibt es aber doch einen deutlichen Unterschied, nämlich die PS-Zahl. Stärkere Fahrzeuge sind natürlich auch wesentlich schwerer zu beherrschen.

Wenn man die Fahrhilfen erst einmal nach den eigenen Vorlieben eingestellt und einige virtuelle Kilometer gefahren hat, dann bekommt man ein sehr gutes Gefühl für die Fahrzeuge, denn die verhalten sich durchaus realistisch. Man hat jedenfalls nicht den Eindruck, in einem federleichten Schlitten ohne jegliche Bodenhaftung zu sitzen.

Rennstrecken und Überraschungen

Die landestypisch gestalteten Rennstrecken sind abwechslungsreich und unterschiedlich schwer zu meistern. Bei den einfachen Etappen hat man es noch mit leichten Kurven und relativ ebenen Pisten zu tun, die schwereren bestehen aus einer schnellen Abfolge von Abzweigungen, Haarnadelkurven usw., diese Strecken sind dann meist auch sehr schmal, von Gräben und Schlaglöchern durchzogen und mit Hindernissen gespickt. Man kann die Rennstrecken auch verlassen (was aber nicht empfehlenswert ist) und ziemlich weit durch die Pampa fahren, bevor das Fahrzeug automatisch wieder auf die Strecke zurückgesetzt wird.

Per Zufallsgenerator werden noch unvorhersehbare Ereignisse hinzugefügt. Da kommt zum Beispiel plötzlich Steinschlag den Hang heruntergepoltert, Rauch von einem Feuer behindert die Sicht, Tiere kreuzen die Fahrbahn oder liegen gebliebene gegnerische Fahrzeuge müssen umfahren werden. Diese Ereignisse treten nicht immer und nicht an den gleichen Stellen auf, sie machen das Renngeschehen etwas lebendiger. Vor allem können auf diese Weise auch Konkurrenten ausscheiden, was sehr nützlich sein kann.

Schadensmodell

Die Fahrzeuge weisen zwar ein umfangreiches Schadensmodell auf, aber mir ist nicht aufgefallen, dass dieses sich auch auf das Fahrverhalten ausgewirkt hätte. Außerdem muss man sein Auto schon sehr quälen, bis sich auch optisch etwas erkennen lässt. Die Scheiben splittern zwar sehr schnell und der Frontspoiler fällt auch schon mal ab, oder es dringt Qualm unter der Kühlerhaube hervor. Aber sonst wird man bei normaler Fahrweise kaum etwas zu sehen bekommen. Auch die Reifen haben schnell einen Schlag weg, man sieht dann in den Replays, wie die Räder eiern.

Belohnungen

Neben den Trophäen, die es für gewonnene Rennveranstaltungen gibt, erhält man für die Siege Bonuspunkte, mit denen man "einkaufen" gehen kann. Man kann auf diese Weise neue Fahrzeuge, Rennstrecken, Cheats und Entwicklungsskizzen freischalten.

Grafik / Sound

Für ein PS2-Spiel ist die Optik recht üppig. Die Rennstrecken sind wie gesagt sehr abwechslungsreich und schön gestaltet. Teilweise wirken die Bäume, Pflanzen und anderen Landschaftselemente zwar optisch etwas grobpixelig oder schwammig, aber bei dem Höllentempo, mit dem man meistens daran vorbeibrettert, fällt das ohnehin kaum auf. Viele kleine, teilweise bewegliche Details am Straßenrand sorgen für weitere Auflockerung. Die Zuschauer drehen sich mit, wenn ein Fahrzeug vorbeifährt und weichen aus, wenn man sie aufs Korn nimmt. Die Fahrzeuge sehen fast echt aus und verschmutzen nach und nach während des Rennens. Während der Fahrt und während der Wiederholungen kann man zwischen verschiedenen Perspektiven wählen. In der Cockpitperspektive sitzt man bei den Wiederholungen scheinbar auf der Rückbank zwischen Fahrer und Beifahrer. Man kann die Bewegungen der Fahrer sehen und wie sie durchgeschüttelt werden. Sehr nett!

Hinzu kommen Wettereffekte. Mitten auf der Strecke kommt plötzlich Nebel auf oder Regentropfen fallen auf die Windschutzscheibe. Man kann eine beeindruckende Fernsicht genießen, Lichteffekte, Spiegelungen und Echtzeitschatten der Fahrzeuge runden den guten Eindruck ab.

Der Sound ist etwas durchwachsen. Alle Fahrzeuge einer Klasse klingen gleich und das Motorengeräusch ist nicht besonders realistisch. Sehr gut gelungen sind dagegen die Ansagen des Beifahrers, oder vielmehr seine launigen, zur Situation passenden Bemerkungen. Er kommentiert eure fahrerischen Leistungen, versorgt euch mit Informationen über eure Positionierung oder über Probleme, die andere Fahrer vor euch hatten. Wenn ihr euch besonders krasse Fehler leistet, bekommt ihr von ihm ordentlich was auf die Ohren.

Fazit

WRC 5 bietet viel Spiel fürs Geld: Man hat viele Rennen zu absolvieren und viele Aufgaben zu meistern. Die Optik ist angemessen, wenn auch nicht spektakulär, die unvorhergesehenen Ereignisse sind ein witziges Feature. Bei richtiger Einstellung der Fahrhilfen macht WRC 5 einen Heidenspaß, wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat, dass allzu hektisches Lenken, Bremsen und Beschleunigen nichts bringt. Allerdings gibt es einige sehr unfaire Stellen (Rallycross) und der Schwierigkeitsgrad der anspruchsvolleren Herausforderungen führt recht schnell zu Frust.

Seitenanfang