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Enhanced Edition

The Witcher

System:
PC DVD-ROM

Genre:
RPG

Note: 1
THE WITCHER (Enhanced Edition)


Inhalt

Vorwort
1.: Story
2.: Intro / Prolog
3.: Die Welt / Umgebungsgrafik
4.: Geralt / Fähigkeiten / Charakterentwicklung
5.: NPCs / Ungeheuer
6.: Kampf
7.: Quests und Minispiele
8.: Inventar / Händler
9.: Menüs
10.: Bugs und Probleme
11.: Besonderheiten der Enhanced Edition
12.: Fazit



Vorwort
Inhaltsverzeichnis

Fantasy-Rollenspiele gibt es viele, aber irgendwie ähneln sich alle doch sehr. Originelle Ideen findet man selten, vor allem für die Hintergrundgeschichte denken die Entwickler sich meist nichts Neues aus. Stattdessen werden die x-ten Teile von bekannten und beliebten Reihen auf den Markt geworfen, bei denen allein der Name schon dafür sorgt, dass es eine ausreichend große Käuferzahl gibt. Wenn sie überhaupt eine Hintergrundgeschichte haben, dann ähnelt die sehr stark den Vorgängern oder folgt den allseits bekannten Schemata anderer Fantasy-Rollenspiele. Die aktuellsten Beispiele dafür sind TES IV - Oblivion und Gothic 3, zwei Spiele aus dem Jahr 2006, die mit vielen Vorschuss-Lorbeeren ausgezeichnet worden waren und große Erwartungen geweckt hatten, letztlich aber doch eher zu Enttäuschungen wurden.

"The Witcher" hebt sich äußerst angenehm von diesem Einheitsbrei ab, und das liegt hauptsächlich an der überzeugenden "erwachsenen" Atmosphäre, der vielschichtigen Story und zahlreichen erfrischend neuen Ideen. Das Spiel richtet sich explizit an Erwachsene - wegen der Gewaltdarstellung, der erotischen Inhalte usw. hat es denn auch keine Jugendfreigabe erhalten - und das wird auch ebenso konsequent wie effektvoll umgesetzt. Die Entwickler hatten einen Vorteil: Sie konnten auf ein komplettes fiktives Universum zurückgreifen, denn "The Witcher" basiert auf einem in Polen sehr erfolgreichen Romanzyklus aus der Feder des Autors Andrzej Sapkowski. Zwei Bücher mit Kurzgeschichten aus dem Witcher-Universum (Der letzte Wunsch und Das Schwert der Vorsehung, sehr empfehlenswert übrigens) sind bereits in Deutschland erschienen. Der erste Roman der Reihe soll im November 2008 veröffentlicht werden. Man kann nur hoffen, dass auch die anderen noch folgen werden.

Dass mir dieses Spiel sehr gut gefallen hat, könnt ihr schon daran erkennen, dass diese Review wieder mal viel zu lang geworden ist. Ich beschreibe im folgenden Text ziemlich viel vom Gameplay, d.h. daraus ergibt sich nicht unbedingt eine Wertung. Wenn ihr das überspringen wollt, dann klickt hier, um sofort zum Fazit zu kommen.

Noch eine Kleinigkeit: Diese Review bezieht sich auf die seit September 2008 erhältliche Enhanced Edition, die schon alle bisherigen Patches sowie weitere Verbesserungen enthält. Im Handel ist auch noch die ursprüngliche Version aus dem Jahre 2007 erhältlich, die erst ab Patch 1.2 richtig gut spielbar wird. Noch aktueller ist Patch 1.3. Einen von beiden solltet ihr unbedingt installieren. Diese ältere Version (rotes Cover, siehe Bild links) bezeichne ich im folgenden Text als "Basisversion".

1.: Story
Inhaltsverzeichnis

Hauptfigur der Romanserie und des Spiels ist Geralt von Riva, ein so genannter Hexer. Die Hexer sind eine Gruppe professioneller Ungeheuertöter, die sich der wachsenden Anzahl grausiger Kreaturen entgegenstellen, welche die nördlichen Königreiche seit einiger Zeit heimsuchen. Sie tun dies nicht aus purem Altruismus - auf diese Weise verdienen die Hexer ihren Lebensunterhalt. Sie werden von manchen Menschen bewundert, von vielen aber gefürchtet und verachtet. In der Festung Kaer Morhen werden sie von frühester Jugend an nicht nur für den Kampf ausgebildet, sondern müssen sich auch einer körperlichen Veränderung unterziehen. Durch die Einnahme bestimmter alchemistischer Substanzen mutieren ihre Körper, so dass sie (wenn sie diese Prozedur überleben) zwar unfruchtbar werden, dafür aber besondere Kräfte erlangen, unempfindlich für Gift sind und spezielle Elixiere zur Steigerung ihrer Fähigkeiten verwenden können.

Geralt ist einer der besten seiner Zunft und gilt als fast unbesiegbar, aber eines Tages verliert er doch unter zunächst ungeklärten Umständen sein Leben. So behaupten es jedenfalls jene, die ihn zuletzt gesehen haben. Doch Geralt kehrt quicklebendig, wenn auch ohne Erinnerungen an seine Vergangenheit, nach Kaer Morhen zurück. Unbekannte, die von einem Magier angeführt werden, überfallen kurz danach die Burg, rauben wichtige Unterlagen und töten einen angehenden Hexer, bevor sie wieder verschwinden. Die Hexer und die in Kaer Morhen weilende Zauberin Triss Merigold teilen sich auf, um verschiedenen Hinweisen nachgehen zu können. Geralt reist ins Königreich Temerien, um der Spur einer Geheimorganisation namens Salamandra in die Stadt Wyzima zu folgen.

Es fällt Geralt schwer, während seiner Nachforschungen die für seine Zunft typische Neutralität zu wahren und sich nicht in den Freiheitskampf der Anderlinge (Elfen und Zwerge) hineinziehen zu lassen. Außerdem stößt er auf undurchsichtige Intrigen, in die Prinzessinnen und Ordensritter ebenso verwickelt sind wie Personen, die er von früher her kennen müsste - wenn seine Amnesie nicht wäre…

2.: Intro / Prolog
Inhaltsverzeichnis

Das Spiel beginnt mit einer fulminanten CGI-Introsequenz, die allerdings nicht unmittelbar etwas mit der Story des Spiels zu tun hat, sondern eine Episode aus Geralts Vergangenheit zeigt: Sein Kampf gegen die in eine Striege verwandelte Prinzessin Adda. Hierbei handelt es sich um eine ziemlich genaue Umsetzung eines Teils der Story "Der Hexer" aus dem ersten Kurzgeschichtenband von Sapkowski. Der Film ist toll gemacht und stimmt den Spieler sehr gut auf das ein, was ihn erwartet.

Es folgt ein spielbarer Prolog, der als Tutorial dient. Geralt muss bei der Verteidigung Kaer Morhens gegen die Angreifer helfen. Sobald das erledigt ist, kann man Geralts Steuerung bei der Erkundung der Burg und dem Lösen von ersten kleinen Aufgaben erlernen. Stößt man auf etwas neues, öffnen sich kleine Hinweisfenster, die erklären, was wie zu tun ist. Dann ist es soweit: Geralt wird in die weite Welt entlassen. Er lässt die Burg hinter sich und verbringt den Rest des Spiels in Wyzima und Umgebung.

Das Spiel erstreckt sich nach dem Prolog über fünf Kapitel und einen Epilog. Die Geschichte wird in Dialogen und in Zwischensequenzen mit Ingame-Grafik weitergeführt. Je nach Kapitel befindet Geralt sich in einer anderen Umgebung, d.h. er kann nicht nach Belieben zu jedem Schauplatz zurückkehren, den er schon einmal besucht hat. Am Schluss des Epilogs gibt es wieder einen sehr schicken CGI-Film zu sehen, der auf einen zweiten Teil hoffen lässt. Ab und zu werden auch Ereignisse, die Geralt im Spiel gerade erlebt hat, nochmals kurz zusammengefasst. Man sieht dann keine Zwischensequenz, sondern ein Gemälde, das die Ereignisse zeigt.

3.: Die Welt / Umgebungsgrafik
Inhaltsverzeichnis

Temerien ist nicht das Auenland. Temerien ist auch nicht Myrtana oder Cyrodiil. Der Unterschied zu diesen anderen fiktiven Welten fällt nicht sofort auf - hier wie dort gibt es diverse Monster und Völker wie Elfen oder Zwerge, Magie ist allgegenwärtig und das mittelalterliche Setting wirkt ebenfalls ähnlich. Die Unterschiede offenbaren sich vielmehr im Detail und im Verzicht auf eine klare Trennung zwischen Gut und Böse. Im Grunde verfolgt in Geralts Welt jeder nur seine eigenen Interessen - nicht einmal die Gegner, die Geralt bekämpft, können in das typische Schema der ansonsten üblichen Bösewichte gepresst werden. In Temerien herrschen ganz allgemein raue Sitten, und so stößt man überall auf Korruption, Intrigen, Prostitution, Armut, Ausbeutung und andere Elemente, die in Fantasy-Rollenspielen nur selten vorkommen. Auch Drogenmissbrauch, Rassismus (sowie der Kampf der Unterdrückten, die man auch als Terroristen bezeichnen könnte) und andere "erwachsene" Themen werden nicht ignoriert.

Die Spielwelt ist nicht so offen wie in "Gothic" und "Oblivion", d.h. es gibt überall Bereiche, die man zwar sehen, aber nicht erreichen kann. Man läuft aber nie vor unsichtbare Mauern, stattdessen gibt es akzeptable Begrenzungen wie undurchdringliche Dickichte, Zäune, steile Abhänge und ähnliches. Obwohl Geralts Bewegungsfreiheit also etwas eingeschränkt ist, macht sich dies nie störend bemerkbar. Manche Bereiche außerhalb der Stadt sind auch durchaus weitläufig, so dass man einige Zeit mit der Erkundung verbringen kann. Die Welt wäre nicht halb so überzeugend, wenn sie nicht so schön gestaltet wäre. Auch hier steht wieder das Thema Realismus im Vordergrund: Die Dörfer und die Stadt Wyzima sehen so aus, wie man sich mittelalterliche Gebäude vorstellen kann. Wyzima hat mehrere Stadtviertel, die sich stark voneinander unterscheiden (es ist sogar ein Elendsviertel vorhanden), alles innerhalb hoher Stadtmauern. In der Nähe Wyzimas gibt es einen Sumpf, weiter entfernt befindet sich der Ort Trübwasser, der zwischen einem großen See und ausgedehnten Feldern liegt. Alles - seien es die unterschiedlich designten Häuser oder die abwechslungsreichen Außenbereiche - ist mit viel Liebe zum Detail gestaltet worden. Überall stößt man immer wieder auf kleine Schmankerl wie lesbare Plakate, diverses Kleingetier und dergleichen. Hinzu kommen noch verschiedene Grüfte, die Kanalisation Wyzimas und das Innere von Gebäuden. Bis auf wenige besonders wichtige Gebäude (z.B. Der Königspalast) und die Schankstuben sieht hier alles recht ähnlich aus, aber das schmälert nicht den äußerst positiven Gesamteindruck.

Oft habe ich Geralt einfach mal stehen gelassen, um mich in aller Ruhe umzusehen und zu beobachten, was sich so alles um ihn herum abspielt. Das geht schon mit den wechselnden Wetterbedingungen und dem Tag-Nacht-Rhythmus los. Im Sumpf regnet es natürlich oft, manchmal bricht auch ein heftiges Gewitter los. Ich hatte den Eindruck, dass der Himmel in diesem Spiel nie gleich aussieht. Wenn die Sonne auf- oder untergeht, kann man beobachten, wie die Schatten an den Häuserfronten wandern oder wie ein Tal, das zunächst noch in Dunkelheit liegt, allmählich hell wird. Es entsteht eine ungemein überzeugende Atmosphäre, die einfach schön anzuschauen ist. Licht und Schatten werden ohnehin sehr effektvoll eingesetzt. Dazu dann die üppige, prachtvolle Vegetation und all das diverse Kleingetier, das überall herumwimmelt: Streunende Katzen und Hunde, Gruppen von Geflügel, Ratten, Frösche, Schmetterlinge und sonstige Tiere sind überall zu sehen. Wenn Geralt durch ein in der Mittagssonne liegendes Feld geht, wobei er ab und zu einen Vogelschwarm aus einem Gebüsch aufscheucht, oder wenn er durch den nebligen Sumpf watet, dann erweckt das den Eindruck einer richtig lebendigen Welt.

Die vielen verschiedenen Umgebungsgeräusche verstärken diesen Eindruck noch: Vogelgezwitscher, Stimmengewirr und das Geschrei spielender Kinder in den Städten und anderes mehr erfreuen das Ohr.

Dieses realistische, ziemlich derbe Szenario wirkt weit glaubwürdiger als alles, was ich bisher in Fantasy-Rollenspielen erleben durfte, womit ich allerdings komplexe Welten wie z.B. in Morrowind nicht abwerten möchte. Die Dialoge passen sehr gut zu diesem Ambiente; die darin enthaltenen Anzüglichkeiten, Anspielungen, Beleidigungen usw. waren sicher mit ein Grund dafür, warum das Spiel keine Jugendfreigabe erhalten hat. Insgesamt entsteht durch all diese Elemente eine Welt, die sich auf erfrischende Weise vom sonst üblichen Einerlei abhebt. Sie ist anders, denn sie hat Charakter...

4.: Geralt / Fähigkeiten / Charakterentwicklung
Inhaltsverzeichnis

...und das gilt auch für Geralt. Der Hexer ist ein typisches Kind seiner Welt: Er ist kein strahlender Held und die Personifizierung des Guten, sondern ein ziemlich zynischer Kerl, dessen Credo darin besteht, sich nicht einzumischen (was ihm natürlich nicht immer gelingt) und der Monster nicht tötet, um seine Mitmenschen zu beschützen, sondern um Geld zu verdienen. Man könnte ihn außerdem fast als Schürzenjäger bezeichnen. Immer wieder ergeben sich Situationen, in denen Geralt entweder eindeutige Angebote von Damen erhält, oder in denen er sich ihre Gunst verdienen kann, etwa indem er ihnen Schmuck schenkt oder einen Auftrag für sie erfüllt. Wenn die Damen dann bereit sind, das Bett mit ihm zu teilen, bekommt man manchmal eine Ingame-Filmsequenz zu sehen, meist erhält Geralt aber "nur" ein mehr oder weniger freizügiges Bild der jeweiligen Dame. Ihr solltet jetzt nicht denken, dass in diesem Spiel Erotikfilmchen oder so enthalten wären, aber immerhin gewinnt das Spiel durch die Frage, welche Dame man denn wohl herumkriegen kann, und wie man das anstellen muss, einen ganz besonderen Reiz…

Geralts Erscheinungsbild im Spiel entspricht ziemlich genau den Vorstellungen, die man sich als Leser der Geschichten Sapkowskis macht. Er hat weißes Haar, markante Gesichtszüge, ist muskulös und bewegt sich sehr geschmeidig. Seine Animationen gehören zum Besten, was ich bisher in Rollenspielen gesehen habe. Wer übrigens die Figur eines gewissen unsterblichen Arkoniden aus der Perry Rhodan - Serie kennt, der wird möglicherweise wie ich unwillkürlich denken: "Das ist doch Atlan!", wenn er Geralt erstmals sieht.

Man kann Geralt aus drei verschiedenen Blickwinkeln steuern. Zwei davon sind Vogelperspektiven in unterschiedlicher Kameraentfernung. Geralt geht dann zu dem Punkt, den man anklickt. Besser ist meiner Meinung nach die Über-die-Schulter-Perspektive, denn so ist man mitten im Geschehen und kann sich besser in Geralts Rolle hineinversetzen. Hierbei steuert man ihn über die W/A/S/D - Tasten, man kann aber auch interaktive Gegenstände oder NPCs mit der Maus anklicken. Geralt läuft dann dorthin, ohne dass man ihn direkt steuern muss. Mit der Leertaste kann das Spiel jederzeit pausiert werden, man hat dann immer noch Zugriff auf Inventar und Menüs.

Wie bei Rollenspielen üblich, hat Geralt eine ganze Reihe von Eigenschaften und Fähigkeiten, die man ausbauen kann. Hierzu muss ich nicht besonders viel schreiben, denn bis auf eine Besonderheit wird hier auf das allseits bekannte Konzept des Level-Aufstiegs und des Sammelns von Erfahrungspunkten durch erfüllte Quests und besiegte Gegner zurückgegriffen. Die Besonderheit besteht darin, dass Geralt bei jedem Level-Aufstieg so genannte Talente erhält. Diese sind in die Kategorien Bronze, Silber und Gold unterteilt, und es fällt nicht schwer zu erraten, dass Silber- und Goldtalente erst in hohen Levels erhältlich sind. Mit diesen Talenten kann man dann Geralts Eigenschaften, Kampfkünste und diverse sonstige Fähigkeiten aufwerten.

Es ist wichtig zu wissen, dass Geralt im Verlauf des Spiels zwar genug Bronze-Talente sammelt, um praktisch alles "hochzuleveln", dass man sich bei der Verteilung der Silber- und Goldtalente aber genau überlegen sollte, wofür man sie einsetzt. Die Charakterentwicklung verläuft zwar nicht allzu differenziert, aber es ist schon schön mit anzusehen, wie Geralt sich im Kampf immer geschickter anstellt, wenn man in die entsprechenden Fähigkeiten investiert.

Um Talente verteilen zu können, muss Geralt meditieren. Das kann er an den überall in der Landschaft verstreuten Lagerfeuern tun, er kann dazu aber auch ein Gasthaus oder einen befreundeten NPC aufsuchen. Die Meditationsdauer kann eingestellt werden. So kann man auch Wartezeiten überbrücken, wenn es darauf ankommt, zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort zu sein. Während der Meditation füllen sich Geralts Lebensenergie- und Ausdauerbalken wieder auf.

5.: NPCs / Ungeheuer
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Zum realistischen Gesamteindruck, den dieses Spiel hinterlässt, gehört auch das Verhalten - wenn schon nicht das Aussehen - der NPCs. Warum nicht das Aussehen? Nun, in Temerien scheinen hauptsächlich Klone unterwegs zu sein. Man begegnet sehr oft den gleichen Charaktermodellen, nur einzelne Hauptfiguren haben ein individuelles Aussehen. Das fällt zwar durchaus auf, stört aber nicht weiter. Dieses Manko wird in der "Enhanced Edition" ein wenig durch differenziertere Kleidung entschärft. Wie es sich für ein ordentliches Rollenspiel gehört, haben die NPCs einen nachvollziehbaren Tagesablauf. Tagsüber gehen sie ihrer Arbeit nach, abends hängen sie in der Kneipe rum, nachts liegen sie im Bettchen. Sie tun aber mehr als das: Sie stehen nicht einfach nur immer am selben Platz, sondern wandern herum und reagieren auch auf ihre Umwelt. Besonders lustig: Wenn es anfängt zu regnen, rennen sie weg, um sich irgendwo unterstellen zu können. Natürlich meckern sie dann auch über das Wetter.

In den Kneipen ist immer was los: Spielleute musizieren und man hört immer wieder das typische "Gulp"-Geräusch der Trinker. Als Hintergrundgeräusche sind hier natürlich die Musik sowie Gelächter und Stimmengewirr zu hören. Wenn Geralt durch eine Stadt läuft, muss er sich manchmal ziemlich bissige Kommentare anhören, denn Hexer sind nicht überall beliebt. Auch sonst reden die NPCs auch dann, wenn Geralt sie nicht anspricht. Ihr Repertoire an Text ist aber nicht sehr umfangreich.

Weit interessanter als die NPCs sind natürlich die in enorm großer Vielfalt auftretenden Ungeheuer. Das Bestiarium umfasst zwar auch eher konventionelles Viehzeug wie Wölfe und Werwölfe, diverse Vampir-Unterarten und Geister, aber auch seltsame Kreaturen, von denen ich noch nie zuvor gehört habe: Archespore (riesige Pflanzen mit integrierten Leichenteilen), Ertrunkene (Zombies, entstanden aus Wasserleichen), Bloedzuiger (Riesen-Blutegel), verschieden große Kikimora-Insekten und -zig andere Monster mit jeweils eigenen, teils recht bizarren Eigenschaften sowie individuellen Stärken und Schwächen. Natürlich hat Geralt es außerdem immer wieder mit menschlichen Gegnern zu tun, vor allem seine Erzfeinde von der Salamandra müssen sich vor ihm in Acht nehmen. Insgesamt wird es nie langweilig - auch wenn Geralt mit zunehmender Erfahrung leichtere Gegner schon mit einem einzigen Schwerthieb schnetzelt, so begegnet er doch immer noch stärkeren Kreaturen. Ab und zu gibt es einzigartige und besonders gefährliche Ungeheuer zu erlegen, die nur ein einziges Mal im Spiel vorkommen und meist Bestandteil einer Quest sind. Diese Gegner hinterlassen Trophäen, die Geralt sich an den Gürtel hängt, um dem Questgeber beweisen zu können, dass er das Vieh getötet hat.

Nicht zu vergessen: In diesem Spiel "leveln" die Ungeheuer und sonstigen Gegner nicht mit. Ein Ghul ist also am Ende des Spiels genauso stark wie am Anfang, das wird nicht etwa dem von Geralt erreichten Level angepasst. Auch in diesem Punkt unterscheidet "The Witcher" sich äußerst wohltuend zu den beiden zu Anfang erwähnten Konkurrenzprodukten.

6.: Kampf
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Bei den Kämpfen sieht man wieder, warum "The Witcher" keine Jugendfreigabe erhalten hat: Das Blut spritzt recht ordentlich (auch die Schwertklinge ist nach dem Kampf blutbefleckt) und es rollen schon mal Köpfe. Wenn Gegner in der Nähe sind, beginnt Geralts Hexer-Amulett zu vibrieren und die Musik wird dramatischer. Alle Gegner greifen sofort an, wenn Geralt nahe genug ist, d.h. wenn sie ihn sehen. Nur in "gefährlichen" Gegenden kann Geralt seine Waffen ziehen. In "sicheren" Gegenden - also tagsüber in den Städten oder in Häusern - ist das nicht möglich.

Wichtig für Geralts Überleben im Kampf ist dreierlei: Die Hexer-Kampfstile, die Alchemie und die Hexer-Zeichen.

Alchemie / Toxizität

Geralt kann Pflanzen sammeln und besiegten Ungeheuern Substanzen entnehmen, die verschiedene Stoffe enthalten und - zusammen mit Alkohol als Grundstoff und so mancher Spezialsubstanz - zur Herstellung so genannter Elixiere verwendet werden können. Die Fähigkeit, diese Substanzen zu erkennen, muss Geralt jedoch erst lernen. Das ist auf unterschiedliche Weise möglich, zum Beispiel durch die Lektüre eines Buches, durch eine Fähigkeiten-Ausbaustufe oder als Belohnung für eine erfüllte Quest. Außerdem braucht er für jedes Elixier zunächst einmal das entsprechende Rezept. Hat er alles zusammen, kann Geralt Tränke brauen, die ihm verschiedene übermenschliche Kräfte verleihen. Es gibt Tränke, die es ihm ermöglichen, im Dunkeln zu sehen, sich mit extremer Geschwindigkeit zu bewegen oder Wunden zu heilen. Besonders mächtige Tränke verleihen ihm spezielle Ausbaustufen für die Charakterentwicklung. Manche Substanzen können auch zur Herstellung von Bomben verwendet werden, außerdem kann Geralt Fette für seine Schwerter herstellen, die den Schaden für bestimmte Ungeheuer erhöhen.

Die Elixiere sind im Grunde Gifte, deren Wirkung für Geralt nur wegen seiner in der Ausbildung erworbenen Mutation nicht tödlich ist. Nimmt Geralt Elixiere ein, erhöht sich dennoch die Toxizität (also der Vergiftungsgrad) seines Körpers. Man sollte es damit nicht übertreiben, denn sonst nimmt er erheblichen, möglicherweise tödlichen Schaden.

Spielt man "The Witcher" im höchsten der drei Schwierigkeitsgrade, dann ist Alchemie unverzichtbar. In den beiden niedrigeren Schwierigkeitsstufen ist Alchemie zwar nützlich, kann aber auch vollständig ignoriert werden, d.h. dieses Feature ist nicht spielentscheidend. Trotzdem macht es Spaß, die ganzen Zutaten zusammenzutragen und dann ein nettes Gebräu herzustellen.

Das Herstellen von Elixieren und Bomben ist nur während der Meditation möglich.

Hexerzeichen / Ausdauer

Im Verlauf des Spiels erlernt Geralt auch die Anwendung von Magie. Er braucht dazu keine Schriftrollen mit Zaubersprüchen oder dergleichen, stattdessen stehen ihm (wenn er alle gelernt hat) stets die fünf Hexerzeichen Aard (Schockwelle), Igni (Feuerball), Axii (Gedankenkontrolle), Quen (Schutzschild) und Yrden (Falle) zur Verfügung. Mit Rechtsklick wird das aktuell ausgewählte Zeichen aktiviert. Mit Aard können Gegner weggeschleudert oder gelähmt sowie Hindernisse aus dem Weg geräumt werden, Igni fügt dem Gegner Schaden zu und kann zum Entzünden eines Lagerfeuers genutzt werden, Axii kann Gegner dazu bringen, an Geralts Seite zu kämpfen, mit Quen kann er sich selbst schützen, um z.B. in Ruhe einen Heiltrank zu verputzen, und mit Yrden erzeugt Geralt einen Bereich, innerhalb dessen jeder Gegner Schaden erleidet. Bis auf Aard und Igni habe ich kaum eines der Zeichen genutzt. Im Grunde wird nur Aard wirklich gebraucht. Manchmal steht Geralt nämlich vor Trümmern oder anderen Barrikaden, die er mit der Schockwelle beseitigen muss. Es wäre also ziemlich sinnlos, Silber- und Goldtalente für eine Verbesserung der Zeichen einzusetzen.

Wenn Geralt ein Zeichen einsetzt, verliert er Ausdauer. Hat er nicht mehr genügend Ausdauer, kann er kein Zeichen mehr einsetzen. Allerdings regeneriert die Ausdauer sich relativ schnell.

Kampfstile / Lebensenergie

Alchemie und magische Zeichen sind zwar ganz nützlich, aber Geralt verlässt sich im Kampf lieber auf seine Schwerter und seine Kampfstile. Er trägt ein Stahlschwert für menschliche Gegner und ein Silberschwert für Ungeheuer. Während des Kampfes kann man je nach Situation jederzeit schnell die Waffe und den Kampfstil wechseln. Für schwere Brocken eignet sich meist der starke Kampfstil, während der schnelle Kampfstil am besten geeignet ist, wenn man einen Gegner gar nicht erst zum Schlag kommen lassen will. Der Gruppenkampfstil spricht für sich, hiermit trifft man mehrere Gegner gleichzeitig. Wenn Geralt inmitten einer Gruppe von Gegnern steht und sein Schwert wirbeln lässt, so dass alle um ihn herum getroffen werden, dann bekommt man einige wunderbare Animationen zu sehen. Sie werden umso ausgefeilter, je mehr man den entsprechenden Kampfstil bei der Charakterentwicklung aufwertet. Bei entsprechender Aufwertung kann Geralt sogar recht spektakuläre Spezialangriffe und "Finishing Moves" ausführen.

Der Spieler übernimmt den Kampf nicht durch direkte Steuerung. Man klickt einfach mit der Maus auf einen Gegner, dann deckt Geralt diesen mit einer Abfolge von Schwertschlägen ein. Ist diese Angriffssequenz abgeschlossen und schafft man es, rechtzeitig erneut zu klicken (in den ersten beiden Schwierigkeitsgraden zeigt ein Symbol den richtigen Moment an), so startet Geralt sofort die nächste Sequenz. Wenn man es richtig macht, kann das immer so weitergehen, ohne dass der Gegner selbst die Chance hat, Geralt zu verletzen. Klickt man zu früh oder zu spät, wird die Sequenz abgebrochen. Das klingt einfach oder gar eintönig, ist anfangs aber durchaus fordernd und macht auch später, wenn man den Bogen raus hat und wenn Geralts Kampfkünste weiter trainiert wurden, durchaus noch Spaß. Im Verlauf des Spiels werden die Gegner ja auch immer stärker und zahlreicher. Dennoch war es für mich eigentlich meist kein Problem, die Oberhand zu behalten. Nur bei manchen besonders starken Gegnern oder Gruppen davon musste ich auch mal weglaufen oder den Schutzschild einsetzen, um Geralt zu heilen.

Geralts Lebensenergie regeneriert sich von selbst, aber sehr langsam. Die Regeneration wird etwas beschleunigt, wenn Geralt Nahrung zu sich nimmt, mit Elixieren geht das erheblich schneller.

7.: Quests und Minispiele
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Geralt muss eine ganze Reihe von Aufgaben erfüllen, damit er einerseits sein Gedächtnis wiedererlangt und andererseits die Gründe für den Angriff auf Kaer Morhen herausfindet. Diese Aufgaben müssen erledigt werden, damit es mit der Geschichte weitergeht. Man kann hierbei praktisch nichts falsch machen, so genannte "Plotstopper" sind mir jedenfalls nicht begegnet. Bei den Quests kommt wieder ein für dieses Spiel typisches Element zum Tragen: Geralt betont zwar immer wieder, dass er als Hexer immer neutral bleiben muss, aber das kann er meist gar nicht verwirklichen, d.h. der Spieler muss regelmäßig Entscheidungen treffen, die den weiteren Spielverlauf ganz erheblich beeinflussen. Das führt dann nicht nur dazu, dass Geralt sich unweigerlich bestimmte Gruppen zu Feinden, andere aber zu Freunden macht, sondern auch zu verschiedenen Storyverläufen und -enden. Meist ist schnell klar, was weiter passieren wird: An einer bestimmten Stelle im Spiel hat man in einem Dialog zwei oder drei verschiedene Antwortmöglichkeiten, man kann sich ausrechnen, welche Auswirkungen die Auswahl zeitigen wird. Nicht immer ist das aber so offensichtlich. Es kommt durchaus vor, dass Geralt erst sehr viel später im Spiel mit den Folgen dessen konfrontiert wird, was er früher getan hat. Dieser Aspekt verleiht dem Spiel einen ganz besonderen Reiz, den ich vor allem bei "Gothic 3" bitter vermisst habe, wo man sich über den größten Teil des Spiels hinweg praktisch bei jedem lieb Kind machen konnte. Die Entscheidungen sind in Geralts Welt übrigens gar nicht so leicht, denn klar identifizierbare "gute" und "böse" Seiten gibt es hier praktisch nicht - genau wie in der Realität eben.

Über die Hauptquests hinaus stehen unzählige Nebenquests zur Verfügung, die Geralt entweder erhält, indem er mit NPCs spricht (wie immer in Rollenspielen gilt: Ein NPC, der einen Eigennamen hat, sollte unbedingt angesprochen werden - bei "The Witcher" kann man es aber auch bei allen anderen probieren), oder indem er Hexer-Aufträge annimmt. In jedem neuen Stadtteil sind nämlich Anschlagstafeln mit Nachrichten aufgestellt, in denen sich diverse NPCs mit der Bitte um die Beseitigung bestimmter Ungeheuer gezielt an die Gilde der Hexer wenden. Diese Aufgaben laufen meist gleich ab: Töte eine bestimmte Anzahl eines bestimmten Monstertyps und bringe dem Auftraggeber einen Beweis dafür, um das Kopfgeld einzuheimsen. Man hakt diese Quests quasi nebenbei ab, trotzdem lockern sie den Spielverlauf sehr gut auf und sorgen auch dafür, dass man sich jeden Winkel der Spielwelt anschaut. Viele Nebenquests sind aber komplexer als diese Kopfgeld-Aufträge und erstrecken sich über längere Zeiträume hinweg. Auch hier muss Geralt sich oft entscheiden. Beispiel: Töte ich den Werwolf, der Wyzima unsicher macht, oder versuche ich, ein Heilmittel für ihn zu finden? Das weitere Spiel verläuft auch danach etwas anders, je nachdem, wie man sich verhält.

Übrigens kann nicht jeder NPC angesprochen werden, selbst wenn er ganz offensichtlich wichtige Informationen hat. Manche Leute wollen halt einfach nicht mit einem Hexer reden oder geben sich aus anderen Gründen zugeknöpft. In dieser Situation kann man zum Bierglas oder zur Schnapsflasche greifen: Nach einigen kräftigen Schlucken werden diese NPCs dann meist redselig. Dummerweise wird Geralt dabei ebenfalls betrunken. Dann verschwimmt das Bild, Geralt bewegt sich nur noch langsam und torkelnd. Wird er in diesem Zustand angegriffen, kann er sich nur schwer wehren. Und wenn er wirklich zuviel gekippt hat, verliert er das Bewusstsein. Wenn er dann irgendwo mit brummendem Schädel wieder zu sich kommt, ist er um etwas Geld erleichtert worden. Kleiner Tipp: Solltet ihr mal etwas falsches gesagt und jemanden beleidigt haben, so dass dieser NPC nicht mehr mit euch sprechen will: Verlasst einfach das betreffende Areal und kehrt gleich wieder zurück - schon könnt ihr den NPC wieder ansprechen.

Es gibt übrigens für alle Dialoge eine akzeptable (wenn auch in der Basisversion manchmal suboptimale) Sprachausgabe mit abschaltbaren Untertiteln. Auch hier verbessert die "Enhanced Edition" einiges, leider "verschlimmbessert" sie aber auch etwas. Für die Neuauflage des Spiels wurden nämlich sämtliche Dialoge neu und durchweg besser vertont. Aber auch Geralt hat eine neue Stimme bekommen, und die gefällt mir nicht so gut wie die alte. Geralt klingt sogar manchmal, als wolle er gleich einschlafen. Immerhin kann man jetzt jederzeit zwischen verschiedenen Sprachausgaben und Untertitel-Sprachen wechseln. Die englische Sprachausgabe ist inzwischen meine erste Wahl.

"The Witcher" enthält ein paar Minispiele, die jeweils als Nebenquest gelten. So begegnet man in Wyzima irgendwann einem Zwergenzahnarzt, der - na sowas - Zähne sammelt. Wenn man also gelernt hat, besiegten Monstern die Zähne zu ziehen, dann kann man dem Zwerg diese Beißerchen bringen. Er zahlt ganz gut dafür. Außerdem werden in den Wirtshäusern Boxkämpfe ausgetragen. Hier kann man sich beteiligen, um irgendwann zum Champion aufzusteigen. Diese Kämpfe sind leider viel zu leicht ausgefallen. Etwas anspruchsvoller ist "Würfelpoker". Der Name ist Programm: Man sucht sich immer stärkere Gegner, gegen die man würfeln kann, und die muss man erstmal ausfindig machen. Man kann dabei mit etwas Glück gutes Geld verdienen. Macht erstaunlich viel Spaß! Außerdem ist es lustig zu erfahren, dass die Spielsucht selbst bei Adel und Klerus (und sogar in der Geisterwelt) nicht unbekannt ist. In der "Enhanced Edition" ist Würfelpoker wegen einer überarbeiteten Gegner-KI merklich schwieriger zu gewinnen als in der Basisversion.

8.: Inventar / Händler
Inhaltsverzeichnis

Bei "The Witcher" gibt es auch ein Inventar. Was die Basisversion des Spiels angeht, ist das so ziemlich alles, was man an Positivem dazu vermelden kann, denn es ist ziemlich unkomfortabel ausgefallen. Gut, wenn man sich mal daran gewöhnt hat, dass -zig Gegenstände fast gleich aussehen, so dass man immer erst mit dem Mauszeiger drübergehen muss, um zu erfahren, was man eigentlich vor sich hat, dann kann man sich darauf einstellen. Es gibt lediglich eine Unterteilung in Dinge, die Geralt immer am Leib trägt (Waffen), Questgegenstände und sonstigen Kram. Das Inventar für sonstigen Kram ist begrenzt, Questgegenstände kann man in beliebiger Menge dabei haben. Man kann nicht benötigte Gegenstände jederzeit ablegen, außerdem kann man sie im Gasthaus einlagern. Praktischerweise kann man von jedem Gasthaus aus auf alle eingelagerten Dinge zugreifen. Hier bietet die "Enhanced Edition" deutlich mehr Komfort. Das Invetar ist größer und nochmals unterteilt (Alchemie-Zutaten und sonstige Gegenstände), außerdem gibt es endlich eine Sortierfunktion.

Dass im Inventar meist ziemliche Unordnung herrscht, ist aber eigentlich gar nicht so schlimm, denn Geralt findet zwar massenweise Items, aber das sind vor allem Zutaten für alchemistische Experimente, und dieses Zeug braucht er ja nicht immer. Die Anzahl anderer nützlicher Gegenstände ist bei "The Witcher" sehr überschaubar: Wetzsteine, Runen, Brocken aus magischem Erz und dergleichen werden zum vorübergehenden oder dauerhaften Aufwerten der Waffen verwendet, Schmuck, Edelsteine und sonstiger Kleinkram wird zum Becircen der Damenwelt benötigt. Nur ganz wenige Ringe oder Amulette haben einen anderen Nutzen, wie zum Beispiel das Vertreiben bestimmter Ungeheuertypen. Hinzu kommen die selbst gemixten oder gekauften bzw. gefundenen Tränke - das war's dann auch schon.

Bei den Waffen sieht es noch bescheidener aus: Geralt kann immer nur genau ein Stahlschwert und ein Silberschwert mitnehmen. Will er ein anderes haben, muss er das zuvor benutzte erst fallen lassen. Zweit- bzw. Drittwaffen wie je einen Dolch und eine Axt gehören zwar ebenfalls zur Ausrüstung, aber auf die kann man genauso gut verzichten, denn bei denen funktionieren die oben dargestellten Hexer-Kampfstile nicht. Ich habe sie deshalb kein einziges Mal genutzt. Tja, und im ganzen Spiel gibt es nur drei verschiedene Rüstungen! Die beste gibt es sowieso nicht zu kaufen, die erhält man im Rahmen einer Nebenquest. Jäger und Sammler kommen hierbei also nicht auf ihre Kosten.

Wie bereits gesagt findet man die Zutaten für Elixiere entweder in der Flora am Wegesrand oder aber in den Überresten besiegter Gegner. Auch Waffen, Geld (die Währung heißt übrigens Orens), Nahrung und andere Kleinigkeiten können den Kadavern entnommen werden, sie sind auch in diversen Kisten, Schränken, Truhen, Fässern usw. zu finden. Interessanterweise stört es bei "The Witcher" im Gegensatz z.B. zu "Gothic" niemanden, wenn man in eine Wohnung geht und alle Schränke ausräumt. Händler gibt es ebenfalls, aber die einzigen wirklich wichtigen Dinge, die man dort kaufen kann, sind Bücher zur Bestimmung von Ungeheuern und Schriftrollen mit Rezepten für Tränke. Jedenfalls habe ich mein Geld für fast nichts anders ausgegeben. Ausnahmen waren die zweite Rüstung, für die der stolze Preis von 5000 Orens verlangt wird, und das Schmieden zweier neuer Schwerter.

9.: Menüs
Inhaltsverzeichnis

Im Gegensatz zum Inventar verdienen die Menüs wieder ein ganz dickes Lob. Alle wichtigen Informationen zu Personen, Ungeheuern, Orten, Quests, Rezepten und deren Zutaten, der Mythologie Temeriens sowie der Spielsteuerung sind jederzeit wie in einem Tagebuch abrufbar. Alle Infos sind sehr ausführlich, meist auch bebildert. Bei den Quests werden zwar immer nur die aktuellsten "Phasen" gezeigt, d.h. man liest nur, was man aktuell zu tun hat, aber man kann den gesamten Verlauf einblenden und stets nachlesen, was vorher geschehen ist. Es gibt viele Sortiermöglichkeiten, so dass man alles gut überblicken kann.

Außerdem ist noch eine jederzeit aufrufbare Karte vorhanden, in der wichtige Punkte eingezeichnet sind. Orte, die für die aktuell ausgewählte Quest von Bedeutung sind, werden besonders hervorgehoben. Man kann auch eigene Markierungen setzen. Speichern kann man übrigens überall und jederzeit.

10.: Bugs und Probleme
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Wo viel Licht ist, da ist meist auch ein wenig Schatten. Ein paar Schwächen (suboptimales Inventar, NPC-"Klone") habe ich ja schon erwähnt, aber in der Basisversion gibt es auch echte Fehler. So lief das Spiel auch in der gepatchten Version bei mir nicht hundertprozentig stabil. Ich hatte gelegentlich Komplettabstürze. Die traten zwar nicht regelmäßig auf, nervten aber doch. Der Patch hat jedoch eine Sache entscheidend verbessert: Die Ladezeiten sollen in der ungepatchten Version wohl unerträglich gewesen sein. Das muss deshalb besonders nervenaufreibend gewesen sein, weil man den Ladebildschirm in "The Witcher" recht oft zu Gesicht bekommt. Die Einteilung der Spielwelt in mehrere vergleichsweise kleine Abschnitte bringt das so mit sich. Auch das Innere jedes noch so kleinen Gebäudes und jeder Höhle muss erst einmal geladen werden. Die Ladezeiten sind jetzt durchaus tolerierbar, das Speichern geht flott und stört nicht. Das gilt natürlich auch für die "Enhanced Edition", die ja alle Patches enthält. Beim Spielen der Zusatzabenteuer der "Enhanced Edition" (siehe nächstes Kapitel) hatte ich keinerlei Komplettabstürze mehr.

Es gibt noch eine ganze Reihe kleinerer Dinge, die man als Fehler bezeichnen könnte. Zum Beispiel steckt Geralt Fackeln aus unerfindlichen Gründen immer wieder mal einfach so ein, ohne dass man ihm den Befehl dazu erteilt hätte. Die Kollisionsabfrage könnte auch besser sein. Und zu guter Letzt fehlt mir etwas beim Ende der Story, denn ich hätte doch gern gewusst, was aus Shani wird. Die Gute gerät anscheinend völlig in Vergessenheit.

11.: Besonderheiten der Enhanced Edition
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Im April 2008 wurde Patch 1.3 für "The Witcher" veröffentlicht. Dadurch wurden einige Fehler bereinigt, auch die Installation von Modifikationen war danach möglich. Als erstes Beispiel enthält der Patch schon eine kleine Modifikation, die dem Hauptspiel ein neues Abenteuer Geralts hinzufügt. Sobald man den Patch installiert hat und die Option "Neues Spiel" wählt, steht neben dem Hauptspiel unter "Neue Abenteuer" die Quest "Preis der Neutralität" zur Verfügung. In der Readme-Datei zum Patch ist zu lesen, dass Version 1.3 zu Schwierigkeiten mit Spielständen aus anderen Versionen führen kann. Da ich das Hauptspiel schon durch habe, hatte ich damit keine Probleme. Man kann alte Speicherstände noch laden, aber es soll die Gefahr bestehen, dass es zu "unerwarteten Reaktionen" kommt. Gemeint sind wohl Abstürze. Getestet habe ich das aber nicht.

Im September 2008 wurde das Spiel komplett neu herausgebracht. Wer die Basisversion schon gekauft hat, der kann sich die Neuerungen der "Enhanced Edition" auch im Internet herunterladen. Zusätzlich zu den Verbesserungen, die schon in den Patches enthalten waren, wurde nochmals einiges überarbeitet. Einzelne Punkte habe ich oben ja schon angesprochen. Hinzu kommen diverse Nettigkeiten wie neue Gestik-Animationen (dadurch werden die Dialoge abwechslungsreicher), bessere Mimik, eine "Auto-Plündern"-Funktion, der D'Jinni-Editor zur Erstellung eigener Modifikationen und vieles mehr. Außerdem enthalten sind die Zusatzabenteuer "Preis der Neutralität" und "Nebeneffekte".

Preis der Neutralität

Dieses Zusatzabenteuer besteht aus einer Haupt- und zwei Nebenquests, die völlig unabhängig vom Hauptspiel ablaufen. Ihr müsst aber nicht von Null anfangen, sondern dürft schon gleich zu Beginn 59 Bronze- und 7 Silbertalente verteilen. Außerdem besitzt Geralt bereits zwei Schwerter, alle Hexerzeichen, einige Tränke und 500 Orens. Solltet ihr euch diese Modifikation über Patch 1.3 beschafft haben, dann hat sie leider keine Sprachausgabe, man muss sich mit Untertiteln zufrieden geben. Umgebungsgeräusche usw. sind aber vorhanden. In der "Enhanced Edition" ist das Abenteuer komplett vertont.

Die Handlung ist einige Zeit vor dem Hauptspiel angesiedelt. Geralt reist nach Kaer Morhen, um dort den Winter zu verbringen. In der Ebene vor der Burg stößt er aber auf ein Lager, in dem Prinz Merwin Ademeyn von Caingorn und die Zauberin Sabrina Glevissig sowie einige Söldner kampieren. Die Zauberin will die Hexer zwingen, ihr Merwins Schwester Deidre zu überstellen, die in Kaer Morhen Zuflucht gesucht hat. Angeblich unterliegt Deidre dem "Fluch der schwarzen Sonne", ist eine Bestie in Menschengestalt und muss bei lebendigem Leib seziert werden. Eine Vollmacht König Henselts wird als Druckmittel eingesetzt. Geralt findet schnell heraus, dass mehr im Spiel ist - es geht auch um die Thronfolge, denn Deidre ist älter als ihr Bruder. Wieder einmal muss Geralt sich entscheiden. Soll er Deidre der Zauberin überlassen, um Ärger für die anderen Hexer zu vermeiden, oder soll er das Mädchen vor der grausamen Vivisektion bewahren? Diese interessante Story entspricht in den Grundzügen der Story "Das kleinere Übel" aus dem ersten Buch mit Kurzgeschichten von Andrzej Sapkowski. Manche Dialoge sind wörtlich aus der Kurzgeschichte übernommen worden.

Die Spieldauer ist trotz der relativ starken Gegner eher kurz, in maximal zwei Stunden hat man beide alternativen Lösungswege durch. Immerhin: Das Abenteuer ist zwar nur ein kleines Schmankerl, aber man bewegt sich in einer völlig neuen Umgebung. Der Bereich ist recht weitläufig und umfasst ein Flusstal vor Kaer Morhen mit Sabrinas Lager, einen Teil des Burginneren und die unmittelbare Umgebung der Burg, sowie ein Höhlensystem. Außerdem hat man es mit neuen Charakteren zu tun, zu denen auch Händler und Würfelspieler gehören. Zwei neue Bettgeschichten gibt's übrigens auch.

Die vier Screenshots ab Bild Nr. 11 stammen alle aus diesem Zusatz-Abenteuer.

Nebeneffekte

"Nebeneffekte" ist ca. ein Jahr nach Geralts Kampf mit der in eine Striege verwandelten Prinzessin Adda und vor Beginn des Hauptspiels angesiedelt. Rittersporn hat sich wieder mal durch ein amouröses Abenteuer in Schwierigkeiten gebracht. Nun sitzt er in Wyzima im Kerker und soll gehängt werden, ist aber, als Geralt ihn besucht, durchaus vergnügt. Er hat sich nämlich durch Bestechung der Wache freigekauft. Geralt muss sich nicht lange den Kopf darüber zerbrechen, woher der Barde wohl das Geld haben mag, denn als der Hexer den Kerker verlässt, wird er freundlich zu Reißer gebeten, dem Oberhaupt der lokalen Unterwelt. Der hat Rittersporn 2000 Orens geborgt und möchte nun sicherstellen, dass er das Geld auch zurückbekommt. Natürlich bleibt die Aufgabe, das Geld zu beschaffen, an Geralt hängen...

Im Gegensatz zu "Preis der Neutralität" sind bei "Nebeneffekte" bis auf zwei Bronzetalente bereits alle Talente verteilt und Geralt kann keine neuen hinzuverdienen. Ihr müsst also mit dem zurechtkommen, was ihr zu Beginn des Spiels habt. Waffen und Ausrüstung sind aber auch schon vorhanden. Das Abenteuer findet ausschließlich in Wyzima (incl. Kanalisation und Friedhof) statt, also an bekannten Schauplätzen. Neu ist lediglich das Innere einzelner Gebäude, deren Türen im Hauptspiel verschlossen sind. Eure Aufgabe besteht darin, die 2000 Orens für die Rettung des zarten Bardenhalses aufzutreiben. Das schafft ihr durch diverse Quests: Ein Sammler zahlt gutes Geld für seltene Artefakte, Kräuter können gesammelt und verkauft werden, es gibt Schätze zu finden und verschiedene Leute im Würfelpoker zu besiegen. Ihr begegnet neuen Hauptcharakteren wie der elfischen Jägerin Lorethiel und einem Rivaner, also einem Landsmann Geralts. Letzterer gehört zu einem Kreis von Faustkämpfern, die sich nachts im Kerker treffen - auch hier kann man gutes Geld verdienen.

Zum Ausgleich für das Fehlen ganz neuer Umgebungen ist die Spieldauer dieses Abenteuers länger als die von "Preis der Neutralität". Allerdings gibt es auch hier wieder verschiedene Lösungswege, und einer davon besteht darin, den Ganoven gleich eins auf die Mütze zu geben, wenn ihre Forderungen unverschämt werden. Dadurch könnte man das Ganze abkürzen, man kann aber auch versuchen, weitere 1000 Orens zusammenzukratzen...

Die fünf Screenshots ab Bild Nr. 15 stammen alle aus diesem Zusatz-Abenteuer.

Für beide Abenteuer gilt: Es macht wirklich Spaß, noch einmal in die Welt des Hexers zurückzukehren. Insgesamt kann man mit den beiden Mods einige weitere unterhaltsame Stunden verbringen. Es handelt sich nicht nur um stupide Monsterklopperei, sondern um echte kleine Geschichten, die sich gut in Geralts fiktives Universum einfügen. Doch damit nicht genug! Die Box der "Enhanced Edition" ist vollgepackt mit zusätzlichem Inhalt:

Bonusmaterial

Abgesehen von der neuen Spielversion, den Zusatzabenteuern und dem D'Jinni-Editor findet ihr in der Box eine schöne Weltkarte Temeriens im A3-Format, ein überarbeitetes Handbuch, eine Komplettlösung für das Hauptspiel und ein Bändchen mit Sapkowskis Kurzgeschichte "Der Hexer", in der ihr Geralts Kampf gegen die Striege aus dem Game-Intro nachlesen könnt. Hinzu kommen zwei Audio-CDs, die den kompletten Game-Soundtrack und 15 "vom Spiel inspirierte" Titel enthalten. Letztere sind nicht alle mit dem Game-Soundtrack vergleichbar. Es werden zwar immer wieder Melodien aus dem Spiel verwendet, es gibt aber auch einzelne Metal-Titel mit unfreiwillig komischem Gesang.

Sahnehäubchen ist eine Video-DVD, die in jedem normalen DVD-Player abgespielt werden kann. Diese enthält das Musikvideo "Sword of the Witcher" (einer der Metal-Songs) der polnischen Death-Metal-Band "Vader", das komplette Game-Intro und viele, viele relativ kurze Einzelclips, die insgesamt eine Art "Making of" mit einer Gesamtlaufzeit von über zwei Stunden ergeben. Es handelt sich hauptsächlich um Interviews mit den Entwicklern, das Ganze wird mit Szenen aus dem Spiel untermalt. Der Informationsgehalt ist für Spieler, die "The Witcher" schon kennen, natürlich ziemlich eingeschränkt, da vor allem auf die Spielwelt, die Hauptfiguren, das Kampfsystem und so weiter eingegangen wird. Man erhält aber auch interessante Informationen über den Produktionsprozess (z.B. die Motion-Capturing-Stunts), den Autor Andrzej Sapkowski und Details des Hexer-Universums, auf die im Spiel nicht eingegangen wird. Leider fehlt eine "Alles abspielen" - Funktion, so dass man jeden einzelnen Clip manuell starten muss. Deutsche Untertitel sind vorhanden.

12.: Fazit
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Für mich ist "The Witcher" das beste Rollenspiel der letzten Jahre. Zwar hat man in diesem Spiel keine offene Welt, die man auch nach dem Abschluss der Hauptquests weiter erkunden kann, d.h. wenn die Hauptquests abgeschlossen sind, dann ist das Spiel zu Ende. Aber bis es soweit ist, hat man in Temerien weit mehr Spaß als in Myrtana oder Cyrodiil. Es ist einfach schön, sich in einer glaubwürdigen, "erwachsenen" Welt zu bewegen, in der es bei allen Konflikten keine klare Trennung zwischen Gut und Böse gibt und in der auch vor brisanten Themen nicht zurückgeschreckt wird. Man möchte einfach wissen, wie es mit der Geschichte weitergeht, und es bereitet viel Vergnügen, den charismatischen Geralt zu einem unüberwindlichen Kämpfer zu machen. Trotz (oder vielleicht gerade wegen?) seiner Andersartigkeit kann man sich hervorragend mit ihm identifizieren. Der ironische, manchmal auch zynische Humor tut ein Übriges.

Hinzu kommen wunderschöne Umgebungen, detailreiche Landschaften, exzellente Licht- und Schatten-Effekte sowie ein toller Soundtrack. So stellt sich bei "The Witcher" ein Effekt ein, den man sonst nur von der Lektüre eines besonders guten Romans kennt: Man ist traurig, wenn man diese fiktive Welt wieder verlassen muss - was aufgrund der relativ langen (im Vergleich z.B. zu "Morrowind" aber kurzen) Spieldauer zum Glück nicht allzu bald der Fall ist. "The Witcher" hat mich auch seit langem mal wieder dazu gebracht, bis tief in die Nacht hinein zu zocken, weil ich die Zeit total vergessen habe. Ein besseres Lob kann es kaum geben.

Somit ist "The Witcher" ein Kandidat für die Bestnote. Der Basisversion hatte ich aufgrund der erwähnten Mängel, die auch durch Patch 1.3 nicht beseitigt wurden, nur die Note 2 gegeben. Die "Enhanced Edition" hat all diese kleinen Schwächen ausgemerzt. OK - die NPC-Vielfalt ist nicht wirklich entscheidend größer geworden, aber das kann man verschmerzen. Somit erhält die Neuauflage des Spiels von mir die Note 1.

Nebenbei bemerkt ist das Spiel eine sehr gute Umsetzung der Geschichten Sapkowskis. Genau so, wie er im Spiel dargestellt wird, kann man sich Geralt von Riva, den "Weißen Wolf" wirklich vorstellen. Atmosphäre und Humor des Spiels, die drastischen Kampfszenen und nicht zu vergessen Geralts amouröse Abenteuer - all das sind Elemente, die auch für die Geschichten typisch sind.

J. Kreis

17.03.2008 (Basisversion)
21.10.2008 (Enhanced Edition)

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