Zurück zu den Spielen

Watch Dogs

System:
Sony
Playstation 4

Genre:
Action-Adventure

Note: 2
WATCH DOGS

Man sollte sich nicht anstecken lassen, wenn ein Riesenhype um ein Spiel gemacht wird. So sehe ich das jedenfalls, und deshalb kann ich nicht aufgrund enttäuschter Erwartungen in die Meckerei mancher Gamer einstimmen, die der Meinung sind, die Käufer von Watch Dogs seien betrogen worden, weil die Grafikqualität keineswegs so atemberaubend sei wie in einem Trailer, der lange vor der Veröffentlichung des Spiels im Internet zu sehen war. Grafik ist meiner bescheidenen Meinung nach sowieso nicht alles, jedenfalls würde ich ein Spiel mit schwachem Gameplay nicht deshalb gut benoten, weil es eine tolle Grafik hat. Umgekehrt kann auch ein Spiel mit völlig veralteter Grafik sehr viel Spaß machen. An welchem Ende der Skala ist denn nun Watch Dogs einzuordnen, werdet ihr vielleicht fragen? Irgendwo in der Mitte. Ich will versuchen, das kurz zu erklären. Vorab muss ich sagen, dass Watch Dogs eine ganze Reihe von interessanten Online-Features mitbringt, die ich aber nicht nutze und deshalb hier außen vor lasse. Dasselbe gilt für die Bonusinhalte, denn die muss man erst online aktivieren.

Wichtig, aber nicht entscheidend für die Qualität eines Spiels ist sicherlich die Story. Es gibt Spiele, die mich schon allein aufgrund ihrer Geschichte fesseln konnten, zum Beispiel Deus Ex - Human Revolution (das aber auch noch andere Stärken hat) oder solche, die ich eigentlich nur deshalb durchgezockt habe, weil ich wissen wollte, wie die Geschichte ausgeht - zum Beispiel The Last of us. Pluspunkte kann ein Spiel auch sammeln, wenn es das Kunststück fertig bringt, dass ich eine emotionale Beteiligung für die Hauptfiguren aufbauen kann. Das hat zum Beispiel in Dragon Age Origins super geklappt.

Solche Stärken hat Watch Dogs leider nicht. Die Story ist grundsätzlich OK und bietet interessante Ansätze. Schließlich geht es um Themen wie die Gefahren der totalen Vernetzung aller Aspekte des täglichen Lebens, der permanenten Überwachung, des Datenmissbrauchs und des blinden Vertrauens in die Technik. All das bildet aber nur den etwas klischeehaften Hintergrund für eine eher simple und nicht sonderlich spannende Rachestory. Die Hacker Aiden Pearce und Damien Brenks fliegen wegen der Intervention eines anderen Hackers während eines riskanten Coups auf und machen sich (ohne es zu wissen) den mächtigen Gangsterboss Lucky Quinn zum Feind. Killer werden auf sie angesetzt, die ihnen eigentlich nur Angst einjagen sollten. Bei einem Anschlag auf Aiden kommt jedoch dessen Nichte Lena ums Leben. Aiden setzt nun alles daran, die Hintermänner ausfindig zu machen. Doch mit seinem Rachefeldzug bringt er nicht nur sich, sondern auch seine Familie in Gefahr. Außerdem mischt sich Damien ein, der unbedingt wissen will, wer der andere Hacker war. Da sein ehemaliger Partner nicht zur Zusammenarbeit bereit ist, entführt Damien Aidens Schwester Nicole.



Watch Dogs

(Bild 1: Im Verlauf der Story landet Aiden auch mal im Knast - allerdings freiwillig)


Die Handlung wird ab einem bestimmten Zeitpunkt ganz von der Suche nach Damien und Nicole dominiert. Natürlich werden die Zusammenhänge nach und nach aufgedeckt, aber die eingangs genannten Themen bleiben dabei auf der Strecke. Sie sind für den Spielverlauf einfach nicht wichtig. Wie man es viel besser machen kann, zeigt der Schriftsteller Daniel Suarez in den Romanen Daemon und Darknet.

Es kommen immer wieder wichtige Nebenfiguren hinzu. Neben Aidens Familienmitgliedern und Damien sind das unter anderem Clara Lille, ein Mitglied der Hackergruppe Dedsec, die gegen das allgegenwärtige ctOS (hierzu später mehr) kämpft, oder T-Bone Grady, ein legendärer Softwareentwickler, der an der Entwicklung des ctOS beteiligt war. Sie alle mögen ihre Ecken und Kanten, dunklen Geheimnisse und verborgenen Absichten haben, aber sie sind mir fast alle eher gleichgültig geblieben. Das gilt erst recht für die Hauptfigur. Aiden sollte wohl als ambivalente Figur aufgebaut werden, als eine Art Antiheld. Das ist nur teilweise gelungen. Es wird zwar im Verlauf des Spiels deutlich, dass durch Aidens Aktionen alles nur noch schlimmer wird und dass er im Grunde selbst schuld an Lenas Tod ist. Es gibt auch die eine oder andere Stelle, an der ihm (und dem Spieler) klar wird, wie sehr er durch seinen Rachedurst bereits korrumpiert wurde. Trotzdem tötet er (bzw. der Spieler) auch danach fröhlich weiter. Eine Entwicklung ist da nicht zu erkennen.

Gespeichert wird übrigens automatisch und es wird immer derselbe Savegame benutzt. Man keine weiteren anlegen! Im Internet war zu lesen, dass es dabei einen Bug geben soll. Bei der Freischaltung einer bestimmten Waffe soll der Savegame korrumpiert werden, so dass er nicht mehr geladen werden kann. Das kann ich nicht bestätigen, jedenfalls ist es bei mir nicht passiert. Liegt vielleicht daran, dass meine PS4 immer offline bleibt.

Die Spielwelt ist mir in der Regel wichtiger als die Story. Wenn ich mich wie in Skyrim oder Grand Theft Auto 5 völlig frei in einer irrsinnig weitläufigen offenen Umgebung bewegen kann, in der jeder sichtbare (und so mancher versteckte) Ort auch erreichbar ist, und wenn die Erkundung dieser Welt belohnt wird, weil es überall neue Aufgaben und Herausforderungen, nützliche Gegenstände oder sonstige Überraschungen zu entdecken gibt, dann brauche ich im Grunde überhaupt keine Geschichte, um mich viele Stunden lang in dem Spiel verlieren zu können. Besonders schön ist es natürlich, wenn die Welt nicht nur groß ist, sondern darüber hinaus noch eine ganz besondere, unverwechselbare Atmosphäre hat. Als Beispiel sei das ungewöhnliche und überzeugend umgesetzte Cowboy-Setting in Red Dead Redemption genannt.

Watch Dogs kann auch hier nicht ganz mithalten. Das gesamte Spielgeschehen spielt sich in Chicago ab. Die Stadt ist durchaus groß, sie wurde dem Original detailgetreu nachempfunden. Man kann sogar richtiges Sightseeing betreiben; die Sehenswürdigkeiten sind auf der jederzeit via D-Pad einblendbaren Karte markiert. Vor Ort kann man interessante und amüsante Textinformationen dazu abrufen.



Watch Dogs

(Bild 2: Ein Ausschnitt der Weltkarte)


Natürlich entspricht das virtuelle Chicago nicht 1:1 der originalen Metropole und ist bei weitem nicht so ausgedehnt. Es gibt aber durchaus Abwechslung: Wolkenkratzer im Zentrum, Villenviertel und Slums am Rand, Baustellen, Parkhäuser, Unterführungen, eine Hochbahn, mit der man umherfahren kann... Anders als in GTA V ist kein riesiges Hinterland vorhanden, nur eine kleine ländliche Region außerhalb der Stadt sowie eine auch nicht besonders große Wasserfläche. Tauchen ist nicht möglich, Erkundung aus der Luft ebenfalls nicht. Nur ganz wenige Gebäude können betreten werden.

Chicago kann nicht nur grafisch überzeugen, sondern auch was die Lebendigkeit angeht. Die Verkehrsdichte ist recht hoch, es kommt auch schon mal zu Staus und Unfällen. Dann wird lautstark gehupt (worüber sich andere NPCs dann beschweren) und gezetert. Die Bürgersteige sind mit vielen Passanten bevölkert. Die laufen nicht einfach nur umher; sie sitzen auch mal auf Treppenstufen und relaxen mit einem Kaffee oder unterhalten sich, Pärchen knutschen in sichtgeschützten Nischen, in Hinterhöfen wird freestyle gerappt, Obdachlose sitzen an Straßenecken, im Hinterland klimpert man am Lagerfeuer auf der Gitarre herum. Hinzu kommen kleine Details wie vom Wind verwehtes Laub, verschiedene Wetterverhältnisse (jeder Regentropfen in einer Pfütze ist animiert!), der Tag-Nacht-Wechsel und so weiter.



Watch Dogs

(Bild 3: Selbst bei schlechtem Wetter gefällt's mir in Chicago)


Trotz allem hat das virtuelle Chicago keinen eigenen Charakter - es könnte irgendeine beliebige (um nicht zu sagen: langweilige) Stadt sein. Vor allem aber lohnt sich die Erkundung nicht. Alle wichtigen Stellen sind auf der Karte markiert, darüber hinaus gibt's nichts zu entdecken. Man erlebt keine Zufallsbegegnungen oder sonstigen Überraschungen, wenn man sich einfach mal in der Stadt umschaut.

Jedes Auto, Motorrad und Boot in Chicago kann übernommen werden. Es stehen aber weder Hubschrauber noch Flugzeuge zur Verfügung - das habe ich als unangenehme Einschränkung empfunden. Und leider kann ich die Fahrzeugsteuerung nur als katastrophal bezeichnen. Es ist mir so vorgekommen, dass jeder meiner Lenkbefehle mit spürbarer Verzögerung ausgeführt wurde, und ich hatte ständig das Gefühl, nur auf Glatteis unterwegs zu sein. Insbesondere PS-starke Autos mit Heckantrieb sind daher nur verdammt schwer zu beherrschen. Im Autoradio läuft Musik (die hat Aiden auch auf dem Smartphone, damit kann man eigene Playlists erstellen), das Programm wird durch Nachrichten unterbrochen, in denen manchmal auf das aktuelle Spielgeschehen Bezug genommen wird. Kennen wir alles aus GTA, dort hat man aber die Auswahl unter mehreren Sendern, Nachrichten und Radioshows und der Umfang ist viel größer als in Watch Dogs. Die Musik in GTA war für mich immer eine gute Inspirationsquelle, in Watch Dogs war das nicht so. Schade!

Manchmal reichen auch schon originelle neue Gameplay-Ideen, damit ein Spiel länger in Erinnerung bleibt. Das könnte etwa ein brutaler Schwierigkeitsgrad wie in Dark Souls sein, epische Kämpfe gegen riesige Gegner wie in Dragon's Dogma oder die in L.A. Noire super umgesetzte polizeiliche Ermittlungsarbeit mit Beweissicherung und Befragung von Zeugen, deren Mimik und Körpersprache man deuten muss. Was ist in dieser Hinsicht das Alleinstellungsmerkmal von Watch Dogs? Da gibt es nur eins, und zwar das "Hacken"-Feature. Dabei ist Aiden im Grunde gar kein Hacker. Er besitzt lediglich ein mit diversen Tools aufgerüstetes Super-Smartphone, das es ihm ermöglicht, alle möglichen elektronischen Objekte zu manipulieren. Hier kommt das oben schon erwähnte ctOS (Central Operating System) ins Spiel, zu dem ich ein paar Worte verlieren muss. Das ctOS ist eine Software zur Steuerung sämtlicher Informationsnetzwerke Chicagos. Die in Chicago allgegenwärtigen Überwachungskameras, alle mit dem Internet verbundenen Computer, Handys und sonstigen Geräte sind durch das ctOS vernetzt. Der Betreiber, die Blume Corporation, verspricht den Bürgern mehr Sicherheit durch den Einsatz des ctOS, sammelt in Wahrheit aber alle zugänglichen Daten, egal wie privat sie sein mögen, und kann somit umfangreiche Profile der Stadtbewohner anlegen. Damit lässt sich viel Geld verdienen. Ein durchaus realistisches Szenario...



Watch Dogs

(Bild 4: Aiden ruft das Profil einer arglosen Passantin ab)


An verschiedenen Punkten der Stadt stehen ctOS-Funktürme. Aiden muss sie infiltrieren, um sich anschließend in das ctOS einklinken zu können. Erst danach erhält er Zugang zu Verstecken im jeweiligen Viertel. Außerdem werden danach auf der Karte Symbole sichtbar, durch die Nebenmissionen verfügbar werden. Wer sich hier an Assassin's Creed erinnert fühlt, liegt nicht falsch. Auf Aidens Smartphone ist unter anderem der "Profiler" installiert. Läuft er, nachdem er den ctOS-Turm eines Stadtteils geknackt hat, mit aktiviertem Profiler herum, dann kann er Telefongespräche abhören und die von der Blume Corporation erstellten Benutzerdaten abrufen, sobald er in der Nähe einer Person ist. So erhält er vor allem Zugang zu den Bankdaten der ahnungslosen Bürger und kann die Konten an jedem Geldautomaten abräumen.



Watch Dogs

(Bild 5: Account gehackt, Konto geknackt!)


Manchmal erhält Aiden durch solche Lauschangriffe Hinweise auf versteckte Wertgegenstände, die beim Pfandleiher versilbert werden können, oder auf geplante Verbrechen, die er vereiteln kann. Durch Verbrechensbekämpfung steigt sein Rufwert, was dazu führt, dass Passanten ihn nicht der Polizei melden, wenn sie ihn erkennen. Aiden wird nämlich wegen seiner unschönen Vergangenheit von der Polizei gesucht. Durch seinen Kampf gegen das organisierte Verbrechen wird er jedoch zum "Rächer" und genießt hohes Ansehen bei der Bevölkerung. Der Rufwert sinkt unter anderem, wenn Aiden Zivilisten oder Polizisten verletzt, was im Eifer des Gefechts oder bei einer Verfolgungsjagd (Fahrzeugsteuerung!) leicht mal passieren kann. Wenn der Ruf ganz in den Keller geht, wird Aiden nicht mehr in Schutz genommen, sondern ständig verpetzt.

Außerdem kann Aiden in den Straßenverkehr eingreifen, indem er Ampeln ausschaltet, Poller ausfahren lässt, unter der Straße verlaufende Dampfrohre sprengt (diese Explosionen und die emporschießenden Dampfwolken sind besonders klasse animiert), Brücken hochklappt und so weiter. Auf diese Weise kann er Verfolger, die im Auto unterwegs sind, besser abschütteln oder sogar ausschalten. Das ist unter Umständen dringend nötig, denn selbst bei niedrigem Fahndungslevel sind die Cops viel, viel aggressiver als ihre Kollegen in Liberty City (GTA IV) und Los Santos (GTA V)! Hubschrauber sind praktisch von Anfang an mit an der Verfolgung beteiligt. Es empfiehlt sich, den Skill zum Hacken von Hubschraubern frühzeitig freizuschalten, denn damit wird man die Helis ganz gut los. Als probates Mittel zum Abschütteln der lästigen Gesetzeshüter hat sich die Flucht per Boot erwiesen, denn Polizeischiffe gibt's zum Glück nicht.



Watch Dogs

(Bild 6: Auf dem Wasser ist man sicher vor Verfolgern)


Aiden kann in die Datennetze von Gebäuden eindringen, zum Beispiel um verschlossene Türen zu öffnen. Zur Freischaltung des Zugriffs muss oft ein Minispiel absolviert werden. Dabei stellt man Weichen dergestalt um, dass die Datenströme zu bestimmen Knotenpunkten fließen. Das kann ganz schön knifflig sein, zumal durch das Aktivieren mancher Weichen ein Countdown ausgelöst wird - schafft man es nicht rechtzeitig, fliegt man aus dem System und muss von vorn anfangen.

Am wichtigsten ist aber der Fernzugriff auf Überwachungskameras. Damit kann Aiden Orte ausspähen, die für ihn unerreichbar sind. Meistens befindet sich im Sichtbereich einer Kamera eine weitere, die Aiden übernehmen kann, und dann die nächste - im Extremfall kann er sich auf diese Weise quer durch die Stadt "bewegen" oder in einem Hochhaus von Etage zu Etage gelangen, ohne sich selbst vom Fleck zu rühren. Alle Hacking-Optionen stehen ihm aus der Kameraperspektive ebenfalls zur Verfügung. Man kann also zum Beispiel einen Wachtposten per Kamera ausspähen. Mit den entsprechenden Hacking-Skills, die im umfangreichen Fertigkeitenbaum freigeschaltet werden müssen, kann man dann sein Headset hacken, um ihn abzulenken. Oder man stört sein Funkgerät, damit er keine Verstärkung rufen kann. Oder man aktiviert eine in der Nähe stehende Hebebühne, damit er angelockt wird - die Bandbreite der Möglichkeiten ist sehr groß. Dieses Feature ist spielentscheidend, d.h. es gibt Story-Missionen, die ohne Kamerazugriff nicht zu bewältigen sind.



Watch Dogs

(Bild 7: Aiden ist per Kamera-Fernzugriff in ein Kontrollzentrum eingedrungen)


Trotz der Hacker-Skills lassen sich Kämpfe oft nicht umgehen, in der Kampagne sind sie fest vorgesehen. Natürlich kann man auch hier wieder Einsatzgebiete per Kamera ausspähen, Generatoren aus der Ferne sprengen, um in der Nähe stehende Gegner auszuschalten und ähnliches. Darüber hinaus ist Aiden ein respektabler Schütze und Nahkämpfer. Kommt er nahe genug an einen Gegner heran, genügt ein Druck auf die Kreis-Taste, um einen Takedown auszuführen. Zum umfangreichen Waffenarsenal gehören verschiedene Pistolen, Schrotflinten, Sturm- und Scharfschützengewehre und so weiter. Handgranaten, Störsender, Köder und andere nützliche Ausrüstungsgegenstände kann Aiden selbst herstellen, sobald er die erforderlichen Fähigkeiten gelernt und die nötigen Einzelteile beschafft hat. Gut gelöst finde ich das Schleichen. Wenn sich Aiden hinter einer Mauer oder so versteckt, kann er bequem um Ecken pirschen oder mit dem Fadenkreuz die nächste Deckungsmöglichkeit anvisieren. Durch Drücken der X-Taste bewegt sich Aiden dann von selbst dorthin. Eine sehr nützliche Zeitlupenfunktion, die das präzise Ausschalten mehrerer Gegner ermöglicht, wird mit R3 aktiviert. Danach muss man einige Zeit warten, bis diese Funktion wieder verfügbar ist.

Gegner sind vor allem die Mitglieder verschiedener Gangs sowie Söldner ("Fixer"), die für Damien und Lucky Quinn arbeiten. Es gibt verschiedene Gegnerklassen. Schützen, Veteranen und Elite-Soldaten unterscheiden sich hauptsächlich hinsichtlich der Aggressivität und der eingesetzten Waffen. Scharfschützen patrouillieren in der Regel nicht, so genannte Vollstrecker sind schwer gepanzert und können nur mit Explosivwaffen ausgeschaltet werden. Takedowns funktionieren bei ihnen zunächst nicht, hier muss erst die entsprechende Fähigkeit freigeschaltet werden. Recht oft entwickeln sich Kämpfe zu Verfolgungsjagden. In diesen Situationen nervt dann wieder die vermurkste Fahrzeugsteuerung. Ein Tipp: Ein Granatwerfer macht das Leben leichter! Die Anschaffung lohnt sich auf jeden Fall.



Watch Dogs

(Bild 8: Mit meinem treuen AK-47 unterwegs in den dunklen Gassen Chicagos)


Abseits der Story locken so viele Nebenmissionen und Minispiele, dass man sich tagelang allein damit beschäftigen kann, ohne mit der Geschichte weiter zu machen. Zu den Minispielen gehören verschiedene Schach-Varianten, das beliebte Hütchenspiel, Poker und ein Trinkspiel, bei dem man den Cursor mit immer schwammiger werdender Steuerung an bestimmte Bildschirmpunkte führen muss. Überall in der Stadt sind QR-Codes verteilt, die nur aus einem bestimmten Blickwinkel gescannt werden können, Geocaches müssen innerhalb eines Zeitlimits gefunden werden... Viel abgedrehter sind die "Digitalen Trips". Das sind unterschiedliche Minispiele, die außerhalb der "realen" Umgebung stattfinden. In einem besonders psychedelischen Trip springt man von einer bunten Blüte zur nächsten, in einem anderen muss man Cops mit einem Geisterauto jagen. Dann gibt es noch eins, in dem Stromausfall in der Stadt herrscht. Ganz Chicago ist menschenleer. Man muss den Strom Sektor für Sektor wieder anschalten und wird dabei von seltsamen humanoiden Wesen gejagt, die Kameras anstelle der Köpfe haben. Im vierten Trip steuert man einen spinnenförmigen Panzer und richtet möglichst große Verheerungen in der Stadt an, wobei man von der Polizei bekämpft wird. Der Spinnenpanzer kann senkrechte Wände hinaufklettern und von einem Wolkenkratzer zum anderen springen! Die Trips lassen sich jederzeit fortsetzen bzw. neu starten und während der Trips lassen sich ganz neue Fähigkeiten freischalten, die nur hier gelten.



Watch Dogs

(Bild 9: Der Spinnenpanzer)


Es gibt noch einige weitere abgedrehte Minispiele, aber es würde zu weit führen, die alle zu beschreiben.

Die Nebenmissionen sind ebenfalls sehr abwechslungsreich. So kann man einen Serienmörder jagen, einen Mädchenhändlerring sprengen, illegalen Waffenhandel aufdecken, Gang-Verstecke ausräuchern, Verbrecherkonvois stoppen, Lockvogel für die Polizei spielen, gestohlene Autos unter Zeitdruck von A nach B bringen. Zur Belohnung winken Erfahrungs- bzw. Skillpunkte, Waffen und Autos sowie Geld. Allerdings sammelt sich auf Aidens Konto sehr schnell mehr Geld an, als man je benötigt. Waffen kann man zwar kaufen, aber das ist eigentlich nicht nötig, denn besiegte Gegner lassen ihre Knarren fallen, die dann eingesammelt werden können. Munition ist ebenso billig wie das Zubehör für herstellbare Gegenstände. Was richtig ins Geld geht, sind Outfits und vor allem Fahrzeuge. Erstere unterscheiden sich aber nur in der Farbgebung voneinander, letztere stehen bei laufenden Missionen nicht zur Verfügung. Normalerweise kann man nämlich jedes geknackte oder gekaufte Fahrzeug per Handy anfordern - nur eben nicht, wenn man eine Mission begonnen hat, und nur dann bräuchte man die für viel Geld gekauften Hochleistungs-Karossen wirklich! Das ist echt ärgerlich. Da kann man sich den Kauf genausogut sparen.

Na gut, zuletzt doch noch was zur Grafik. Ich finde, wer behauptet, die Grafik von Watch Dogs sei eine einzige große Enttäuschung, der hatte wahrscheinlich einfach nur völlig überzogene Erwartungen. Es ist richtig, dass die Grafikqualität des Trailers deutlich verfehlt wurde. Aber wenn ich mir die schönen Autos mit umfangreichem Schadensmodell, die detailreiche Stadt und die nett animierten NPCs anschaue, dazu dann noch den Lichterglanz bei Nacht, die unzähligen zerstörbaren Objekte, die gut gelungenen Explosionen, dann kann ich nur sagen: Das Spiel sieht trotzdem klasse aus! Ob diese Grafik das Maximum dessen ist, was man von der neuen Konsolengeneration erwarten kann, oder mehr möglich gewesen wäre, vermag ich nicht zu beurteilen.



Watch Dogs

(Bild 10: Chicago bei Nacht)


Fazit

Watch Dogs ist definitiv kein schlechtes oder langweiliges Spiel. Spaß hat man auf jeden Fall, und zwar aufgrund der großen Anzahl von Haupt- und Nebenmissionen über einen langen Zeitraum hinweg. Es ist nur so, dass ich fast alles, was hier geboten wird, in anderen Spielen - vor allem in GTA V - schon gesehen habe, und zwar besser oder zumindest umfangreicher. Tatsächlich hatte ich die ganze Zeit den Eindruck, einen weiteren Teil der GTA-Reihe vor mir zu haben! Ist Watch Dogs also ein GTA-Klon? Nun, meiner Meinung nach hebt sich Watch Dogs allein durch Aidens Hackerfähigkeiten von dieser Reihe ab, und das ist recht wenig. Das Spiel aber nur wegen mangelnder Eigenständigkeit schlecht zu bewerten, oder weil es dem Hype nicht gerecht wird, wäre unfair.

Wenn ich den Spielspaß zugrunde lege, den ich mit Watch Dogs hatte, dann kann ich guten Gewissens die Note 2 vergeben. Mehr aber beim besten Willen nicht.

J. Kreis, 03.08.2014





Gastkommentare


Neueste Kommentare stehen oben.


Gastkommentare werden nicht von J. Kreis verfasst und dürfen nicht auf anderen Homepages oder in Printmedien weiterverwendet werden.


Noch keine Gastkommentare vorhanden!


Deine Meinung?

(Bei Klick auf diesen Button öffnet sich ein Kontaktformular in einem gesonderten Fenster)




Seitenanfang