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warcraft3

System:
PC CD-ROM

Genre:
Echtzeit-Strategie

Note: 3
WARCRAFT III - REIGN OF CHAOS

Story
Eine lange Zeit des Friedens geht zu Ende. Die Orcs sind wieder auf Wanderschaft und die Horden der Untoten verbreiten eine geheimnisvolle Seuche. Ein seltsamer Prophet erscheint am Hofe des Königs der Menschen und berichtet von einem Unheil, das alle Völker Lordaerons bedroht. Diese Fantasy-Hintergrundgeschichte der Singleplayerkampagne des Echtzeit-Strategiespiels mit Rollenspiel-Elementen Warcraft III (WC3) wird in einem sehr schönen Render-Intro erzählt. Zwischensequenzen in Spielgrafik und weitere herrliche Render-Filme zwischen den 4 Kampagnen führen die Story fort. Die Spielgrafik-Zwischensequenzen sind so nahtlos in die laufenden und aufeinander aufbauenden Missionen eingebunden, dass man gut in die Geschichte "hineingezogen" wird. Zu Beginn der Kampagne schlüpft ihr in die Rolle von Prinz Arthas. Der junge Heißsporn will sein Volk retten und ist am Ende doch fast verantwortlich für die Vernichtung der Welt.

Gameplay
Damit ist auch schon das gewisse Extra von WC3 angesprochen: Neben den normalen Einheiten gibt es diesmal so genannte Helden, besonders starke Charaktere (Arthas ist der erste, der euch zur Verfügung steht), die sich im Lauf der Zeit durch die in Kämpfen gewonnene Erfahrung weiterentwickeln und spezielle Fähigkeiten/Zauber erlernen können. Die Helden können außerdem bis zu 6 Gegenstände mit sich herumtragen: Z.B. Tränke zum Wiederherstellen von Mana und Gesundheit, magische Objekte, die bestimmte Attribute des Helden verbessern und ähnliches. Diese Helden werden nicht etwa nach jeder Mission wieder "auf Null gesetzt" – sie behalten ihre Erfahrung und ihr Inventar während der gesamten Kampagne.

Vier Kampagnen sind im Singleplayermodus zu spielen, ihr übernehmt nacheinander die Kontrolle über die Menschen, die Untoten, die Orcs und die Nachtelfen. Jede Kampagne besteht aus 7 – 9 Missionen, die nach und nach immer komplexer und schwieriger werden. Das sorgt für eine permanent hohe Motivation, denn einerseits findet man durch den Anfangs eher niedrigen Schwierigkeitsgrad schnell den Einstieg ins Spiel und lernt durch die schwerer werdenden Anforderungen nach und nach, wie man am besten vorgeht, andererseits hat man immer wieder Aufgaben zu erledigen, die über das reine "Basis aufbauen und Gegner plätten" hinausgehen und manchmal sogar ein bisschen Planung erfordern.

Neben der Haupt-Quest, die man erfüllen muss, um die Mission erfolgreich zu beenden, gibt es meistens noch eine oder mehrere optionale Neben-Quests, auf die man beim Erkunden der leider meist nicht allzu großen Maps stößt. Diese kann man auch unerledigt lassen, sie bringen aber Erfahrungspunkte für den Helden und nicht selten wertvolle Gegenstände, die dann auch das Erfüllen der Haupt-Quest einfacher machen. Erkundet ihr die Karte, begegnet ihr öfters Unholden verschiedenster Art, die euch nicht wohlgesonnen sind, obwohl sie gar nicht zu den "normalen" Gegnern gehören. Dadurch wird die beliebte Taktik des frühen Angriffs verhindert oder zumindest erschwert. Außerdem findet ihr Goblin-Shops, in denen eure Helden sich mit Gegenständen und Söldnern eindecken können.

Wie es sich gehört, hat jedes Volk seine ganz individuellen Einheiten und Gebäude mit einer Vielzahl von unterschiedlichen Fähigkeiten und Funktionen, es gibt darüber hinaus eine Menge an Upgrades zu entwickeln. Man muss also immer wieder auf neue Dinge achten, jedes Volk spielt sich anders. Am exotischsten sind die Nachtelfen mit ihren Riesenbäumen, die sie anstelle von Produktions- und Verteidigungsgebäuden benutzen. Das Balancing ist sehr fair – jedenfalls in der gepatchten Version. An Rohstoffen sind nur Gold und Holz abzubauen, beide sind nicht unerschöpflich aber meist in ausreichender Menge vorhanden, d.h. es ist nicht immer nötig, neue Rohstoffquellen zu erschließen. Neu ist, dass ihr eine Art Steuer von eurem Goldvorrat entrichten müsst, wenn eure Einheitenzahl bestimmte Grenzwerte übersteigt. Die maximale Einheitenzahl beträgt 90. Ein schwerer Kritikpunkt: In WC3 kann man keine Schiffe bauen – die lustigen Seeschlachten, die es im Vorgänger noch gab, sind also Geschichte.

Im Grunde genommen laufen die Missionen immer nach dem gleichen Schema ab. Entweder ihr könnt eine Basis bauen – dann werdet ihr versuchen, euch solange einzuigeln, bis ihr genug Rohstoffe gesammelt, alle Upgrades erforscht und durch Späher die gegnerischen Basen ausgekundschaftet habt. Danach stellt ihr eure Armee auf, geht zum Angriff über und erfüllt euer Missionsziel, das meist darin besteht, ein bestimmtes Gebiet zu erobern, eine gegnerische Siedlung zu zerstören oder einen Anführer der Gegner zu töten. Wenn ihr eure Aufgaben innerhalb eines bestimmten Zeitlimits erledigen müsst oder wenn nicht genug Rohstoffe vorhanden sind, läuft das alles natürlich nicht so einfach ab, dann müsst ihr schon genau überlegen, wie ihr vorgeht. Es ist übrigens kaum möglich, die gegnerischen Nachschubwege zu stören, da diese sich meistens mitten in den Basen befinden. Oder ihr könnt keine Basis bauen – dann versucht ihr, euch mit der begrenzten Zahl eurer Soldaten bis zum Ziel durchzuschlagen. Der Weg zum Ziel ist in beiden Fällen aber keineswegs immer derselbe, was sich schon aus den Eigenarten der vielen verschiedenen Landschaften ergibt. Mauern kann man in WC3 leider nicht bauen, dafür aber teils recht abgedrehte Verteidigungseinrichtungen, die – wenn in Massen produziert – auch sehr wirkungsvoll sind. Es ist also durchaus möglich, eine Basis auch mal sich selbst zu überlassen. Jede abgeschlossene Mission kann beliebig oft noch mal gespielt werden. Speichern kann man jederzeit.

Im Freien Spiel könnte man den doch recht hohen Schwierigkeitsgrad bemängeln. Die Gegner sind sehr schnell mit mächtigen Helden bei der Hand – dann kann man ebenso gut einpacken.

Multiplayermodus: Vorhanden, klar, von mir aber nicht genutzt.

Steuerung
Wie in Spielen dieser Art üblich, erfolgt die Steuerung fast komplett mit der Maus und ist leicht zu merken. Wenn ihr verschiedene Einheitenarten in einer Gruppe zusammengefasst habt, könnt ihr sie mit einem Mausklick schnell wieder nach Arten sortieren. Etwas unübersichtlich und unkomfortabel wird die Steuerung in Schlachten. Dann wird es schwer, eine einzelne Einheit auszuwählen, um mit ihr z.B. einen bestimmten Zauber zu wirken. Deshalb könnt ihr diese Fähigkeiten mit Tastatur-Shortcuts auslösen. Außerdem besteht die Möglichkeit, manche Zauber dauerhaft als Priorität festzulegen, d.h. die Einheit wird künftig nur diesen Zauber anwenden. In der Singleplayerkampagne kann man die Spielgeschwindigkeit nicht verändern, das ist nur im freien Spiel möglich. Die Wegfindung der Einheiten ist suboptimal: Kommen sie irgendwo nicht weiter, bleiben sie einfach stehen – und zwar auch dann, wenn sie einfach einen Umweg machen müssten, um doch ans Ziel zu gelangen.

Grafik
Was euch zu Beginn des Spiels wahrscheinlich sofort negativ auffallen wird, ist die frei dreh- und kippbare 3D-Grafik. Das soll jetzt nicht heißen, dass sie schlecht wäre! Im Gegenteil: Detailreiche Einheiten mit vielen Animationen, schöne Gebäude mit beweglichen Elementen und vor allem geniale Lichteffekte bei Flammen und bei den Zaubersprüchen erfreuen das Auge ebenso wie ein Tag- und Nacht-Wechsel (in der Nacht schlafen die Unholde übrigens!), Spuren von Rädern im Boden, Schattenwürfe und ähnliche Kleinigkeiten. Man spielt in einer lebendigen Fantasy-Welt mit abwechslungsreichen Landschaften. Die leicht isometrische Draufsicht bietet genug Übersicht. Aber der Stil ist… na ja… gewöhnungsbedürftig. Die Landschaft ist in ziemlich grellbunt-plakativen Farben gehalten, Gebäude und Einheiten haben ein comicartiges Design, das ein bisschen wie ein Cartoon aus dem Kinder-Nachmittagsprogramm wirkt. Obwohl die blutigen Gerippe, die besiegte Gegner auf dem Schlachtfeld hinterlassen, natürlich nicht gerade kindgerecht sind. Mein Fall ist dieser Stil nicht – ich habe es gern etwas realistischer.

Sound
Das Spiel hat eine deutsche Sprachausgabe in wechselnder Qualität. Will sagen: Die Synchronsprecher klingen manchmal etwas lächerlich, vor allem bei den Orcs ist mir das aufgefallen. Alle anderen Geräusche haben eine hervorragende Qualität.

Editor
In WC3 ist ein Tool zum Erstellen eigener Maps vorhanden. Es ist leicht zu bedienen, wird von mir aber auch so gut wie nicht genutzt.

Patches
Ich habe Patch Version 1.14 installiert, aber auch vorher lief das Spiel eigentlich schon fehlerfrei. Gepatcht wurde wohl hauptsächlich das Balancing.

Fazit
Ich vergebe eine äußerst subjektive 3, denn vom Stil der Grafik war ich doch sehr enttäuscht. Dem Spielspaß schadet das aber absolut nicht, WC3 ist sehr unterhaltsam, spannend und motivierend (oder besser gesagt: Suchterzeugend). Die Mischung aus viel Strategie und ein bisschen RPG ist – in der Singleplayerkampagne – gut gelungen.

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