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Tomb Raider

System:
Sony
Playstation 3

Genre:
Action-Adventure

Note: 2
TOMB RAIDER

Dies ist schon der x-te Teil einer Spielereihe mit der Hauptfigur Lara Croft, einer jungen Archäologin, die ihren Job eher nach dem Vorbild von Indiana Jones und weniger wie eine Akademikerin macht. Ich habe noch keines der älteren Spiele gespielt - eine echte Bildungslücke! Da kam mir der neueste Teil gerade recht, denn es soll sich um einen Reboot der Serie handeln. Ich musste also keinerlei Vorkenntnisse haben, kann aus demselben Grund aber nicht beurteilen, ob Tomb Raider eine würdige Fortsetzung bzw. einen adäquaten Neustart darstellt.

Story

Die ehrgeizige junge Archäologin Lara Croft nimmt an einer von Dr. James Whitman geleiteten Expedition teil. Whitmans Team ist mit dem Forschungsschiff Endurance unterwegs, um das verlorene Inselkönigreich von Yamatai zu finden. Der Abenteurer Conrad Roth, ein Freund der Familie Croft und Laras Mentor, ist Kapitän des Schiffes. Nach längerer ergebnisloser Suche macht Lara einen riskanten Vorschlag. Ihrer Meinung nach kann sich Yamatai nur im Drachen-Dreieck östlich von Japan befinden, einer Region, die für ihre gefährlichen Stürme bekannt ist und in der schon viele Schiffe verschollen sind. Whitman hält nichts von Laras Theorie, aber Roth setzt einen neuen Kurs nach Laras Vorgaben. Prompt gerät die Endurance in einen schrecklichen Sturm und wird auf die Klippen einer einsamen Insel geworfen. Die Besatzung kann sich an den Strand retten. Lara überlebt die Katastrophe ebenfalls, wird aber von ihren Freunden getrennt.

Lara wird von einem Unbekannten angegriffen und in eine Höhle verschleppt. Sie kann sich befreien und aus der einstürzenden Höhle fliehen, muss sich nun aber allein durchschlagen, um zu ihren Freunden zu gelangen. Dabei erkennt sie, dass noch mehr Menschen auf der Insel leben, und dass diese mit Yamatai identisch ist. Die Inselbewohner sind Nachkommen von Gestrandeten, die von einem Mann namens Mathias angeführt werden. Sie haben einen bizarren Kult entwickelt: Die Solarii-Bruderschaft. Die Solarii verehren die sagenumwobene Sonnenkönigin Himiko. Sie glauben, Laras Freundin Sam (ein Mitglied der Expedition) sei eine Nachfahrin Himikos und müsse geopfert werden. Während Lara versucht, Sam zu retten, findet sie nach und nach heraus, dass am Glauben der Solarii etwas dran ist. Die rund um die Insel tobenden Stürme haben keinen natürlichen Ursprung - sie wurden von einer Macht entfesselt, die nicht erlaubt, dass jemand die Insel wieder verlässt...

Reboot, Prequel - wie auch immer: In diesem Spiel wird erzählt, wie Lara Croft zu der taffen Abenteurerin geworden ist, die im Jahre 1996 erstmals das Game-Universum betreten hat. Lara muss Tiere und Menschen töten, um zu überleben, und sie muss lernen, mit dem Verlust von Freunden umzugehen. Die Wandlung vom verängstigten Naivchen zur Kämpferin, der Verlust der Unschuld, die innere Wandlung - all das wurde zwar nicht hundertprozentig überzeugend umgesetzt, aber, hey, wir reden hier von einem Videospiel, nicht von einem Roman oder Film! Anfangs möchte man das arme Hascherl in den Arm nehmen und trösten, wenn es rumjammert, weil es sich mal wieder irgendwo gestoßen oder sonst wie wehgetan hat. Dazu passt dann nicht so ganz, dass Lara im nächsten Moment Wölfe im Nahkampf tötet, sofern der Spieler im richtigen Moment die Dreieck-Taste drückt. Immerhin: Wenn Lara zum ersten Mal einen Menschen tötet, dann passiert das nicht nur so nebenbei, sondern im Rahmen einer dramatischen, teils interaktiven Cutscene. Lara kommt sichtlich schwer damit zurecht, jemanden erschossen zu haben. Dass die Hauptfigur in einem solchen Moment eine emotionale Reaktion zeigt, kommt in Games ja eher selten vor. Für Lara ist das ein Wendepunkt. Nach und nach wird sie aggressiver, bis sie am Ende ihre Gegner anschreit und herausfordert. Die Wandlung schlägt sich auch in Laras Erscheinungsbild nieder. Lara ist verdreckt und mit Blut bespritzt, sie hat Kratzer und tiefere Wunden, die Kleidung ist ramponiert usw.! Erst am Ende, soviel sei verraten, erhält sie ihre zweite Pistole.

Auch sonst ist die Story um den Himiko-Kult und dessen Hintergründe durchaus spannend. Immer wieder geraten verschiedene Freunde Laras (und natürlich sie selbst) in Gefahr, werden gefangen genommen und können wieder entkommen. Das Storytelling ist gut gelungen. Die Geschichte wird nicht nur mit erklärenden Monologen oder Cutscenes weitergeführt, stattdessen wird sie oft durch die Aktionen des Spielers und seine bzw. Laras Erlebnisse im Spiel vorangetrieben. Überall sind zwar Dokumente versteckt, die enthalten aber lediglich ergänzende Hintergrundinformationen, die für die eigentliche Story nicht so wichtig sind.

Spielwelt

Ort des Geschehens ist die Insel Yamatai. Sie war früher von den Anhängern der Königin Himiko bevölkert, und Überreste dieser Kultur sind überall zu finden: Tempelanlagen, versteckte Gräber, ein Bergdorf. Hinzu kommen die Hinterlassenschaften all jener Unglücklichen, die im Verlauf der Jahrzehnte auf der Insel gestrandet sind. Das sind vor allem verlassene japanische Bunkeranlagen aus dem Zweiten Weltkrieg und Schiffs- sowie Flugzeugwracks. Das Wetter ist oft ziemlich schlecht (Himiko ist wohl oft nicht in guter Stimmung), die Atmosphäre ist meist recht düster. Der Wechsel von Tag und Nacht, unterschiedliche Licht- und Wetterverhältnisse - das ist alles sehr ansehnlich.

Yamatai ist keine gänzlich offene Welt. Man bewegt sich durch verschiedene oft sehr eng begrenzte über- und unterirdische Areale, die nacheinander freigeschaltet werden. Man kann aber jederzeit in zuvor besuchte Areale zurückkehren, entweder zu Fuß oder per Schnellreise an speziellen Lagerfeuern. Das ist auch erforderlich, wenn man alles gesehen haben will, denn nicht jeder Winkel ist von Anfang an erreichbar - mehr dazu später. Manche Bereiche sind nichts weiter als lineare (wenn auch manchmal ziemlich verschachtelte) Flaschenhälse, die es zu durchlaufen gilt, einige sind jedoch durchaus weitläufig und können frei erkundet werden. Die Umgebungen wurden mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Da gibt es richtig schön finstere Wälder mit hohen Bäumen und Dickicht, das bereits erwähnte Bergdorf mit Häusern im Stil des japanischen Mittelalters, die in schwindelerregender Höhe an den Bergflanken kleben, verrottende Militäranlagen, eklige Höhlen voller Leichen, zerfallende Paläste, deren einstige Pracht man noch erahnen kann...

Lara kämpft im ersten Level nur gegen Wölfe. Ansonsten hat sie es meist mit den Solarii-Kultisten zu tun. Später im Spiel kommen untote Samurai hinzu. Es gibt verschiedene Gegnerklassen mit unterschiedlicher Bewaffnung und Panzerung. Die Gegner-KI ist nicht übel; menschliche Gegner nutzen jede Deckung und stürmen normalerweise nicht blind auf Lara zu, sondern versuchen ihr in den Rücken zu fallen. In den Außenbereichen tummeln sich Tiere, die nicht angreifen, aber gejagt werden können. Das ist leider ein vernachlässigbarer Aspekt, denn außer Erfahrungspunkten (EP) und "Beutegut" (auch dazu später mehr) bringt euch das gar nichts.

Würde man einfach nur stur der Story folgen, so würde man vieles in dieser schön designten Welt verpassen. Nehmt euch lieber die Zeit, die unzähligen versteckten Geocaches, Relikte, Dokumente, Kisten, Schatzkarten und sonstigen Objekte zu finden. Gut, auch hierfür werdet ihr nur mit EP und Beutegut belohnt, aber allein die Herausforderung, alle teils in schwer zugänglichen Ecken versteckten Dinge zu finden, macht doch schon Laune.

Lara Croft: Akrobatin, Waffenkonstrukteurin, Kampfmaschine

Lara macht wie gesagt eine tiefgreifende Wandlung durch, und da ist es nur logisch, dass sie nicht von Beginn an alle möglichen Fähigkeiten besitzt. Stattdessen lernt sie nach und nach dazu. Außerdem erhält Lara im Verlauf des Spiels immer neue wertvolle Werkzeuge und Waffen, die ihr das Weiterkommen ermöglichen. Dann kann man in ein Areal zurückkehren, in dem man früher vor unüberwindlichen Hindernissen gestanden hat. Mit den neuen Fähigkeiten und Waffen sind die dann kein Problem mehr. Lara kann ziemlich hoch und weit springen, sich wie eine Akrobatin an Stangen und herabhängenden Fahnen herumschwingen und so weiter. Ihre Kletterkünste sind legendär; senkrechte Wände sind für sie kein Problem und sie greift zielsicher nach jedem Vorsprung, an dem sie sich festhalten kann.

Erfahrungspunkte werden durch das Töten von Gegnern und Tieren, das Absolvieren der Story-Missionen und das Aufspüren versteckter Items gesammelt. Wird eine bestimmte Punktzahl überschritten, kann eine neue Fähigkeit erlernt werden. Dazu gehören unter anderem zahlreiche Kampfskills, sowie die Rückgewinnung von Munition aus Leichen, die Erhöhung der Schadenstoleranz und die Verbesserung des Überlebenssinnes. Letzterer wird aktiviert, wenn man eine Schultertaste am Controller drückt. Dann wird die ganze Umgebung in Grautönen angezeigt, während Gegner und interaktive / zerstörbare Objekte golden leuchten. Ohne dieses Feature wären so manche Goodies und Geheimgänge kaum zu finden!

Alle Waffen können in mehreren Stufen verbessert werden. So besitzt Lara ein Steigeisen, das verstärkt werden muss, damit es nicht nur zum Erklimmen bröckeliger Felswände, sondern auch zum Aufbrechen von Türen und zum Betätigen von Kurbeln verwendet werden kann. Mit der Schrotflinte lassen sich blockierte Durchgänge freischießen, aber für stärkere Blockaden benötigt Lara einen Granatwerfer. Der Bogen ist vielleicht Laras wichtigstes Utensil, denn er lässt sich durch die Upgrades zu einer ebenso lautlosen wie tödlichen Waffe modifizieren, mit der sogar schwer gepanzerte Gegner bekämpft werden können, außerdem kann man damit "Seilpfeile" verschießen. Die lassen sich an bestimmten Punkten befestigen, und auf diese Weise kann Lara Brücken bauen, mit denen Abgründe überwunden werden können. Für die Verbesserung von Waffen werden Upgrades und "Beutegut" benötigt. Man findet beides in teils gut versteckten Kisten. Beutegut wird auch beim Plündern von Leichen und Tierkadavern gefunden.

Selbst wenn man keine zusätzlichen Kampfskills freischaltet, ist Lara im Nah- und Fernkampf so geschickt, dass sie es mit mehreren Gegnern gleichzeitig aufnehmen kann. Man muss nur darauf achten, schön in Deckung zu gehen oder aus der Gefahrenzone zu rollen, wenn sich der Bildschirm rot färbt, denn das ist das Zeichen für den nahenden Tod. Munition muss nicht gehortet werden, Nachschub liegt überall herum. Gelingt es Lara, sich unbemerkt anzuschleichen, kann sie einen Gegner mit einem einzigen Schlag ausschalten. Die Kämpfe gegen Gruppen verlaufen sehr dynamisch, oft folgen sie aber dem immer gleichen Schema. Immer wieder ahnt man, dass gleich ein Skript ausgelöst werden wird, und dass man es dann mit einer Gegnerwelle nach der anderen zu tun bekommen wird, bis das Spiel entschieden hat, dass es reicht. Erst dann kann man das Areal wieder verlassen. Und ganz klar: Auch in diesem Spiel fehlt der Moment nicht, in dem man alle sorgfältig verbesserten Waffen verliert! Man erhält sie zum Glück nach einiger Zeit wieder zurück.

Quicktime-Events

Ab und zu muss Lara kleine Schalterrätsel und ähnliches lösen, um ans Ziel zu gelangen. Das ist vor allem in den versteckten Gräbern der Fall, hier winken ganz besondere Belohnungen. Besonders knifflig sind die Rätsel aber nicht. In der Regel reicht es, sich auf Laras Geschicklichkeit zu verlassen. Ein klein wenig Gehirnschmalz kann aber auch nicht schaden.

Im Verlauf des Spiels kommt es zu immer wieder zu Quicktime-Events. Dabei kommt es darauf an, im richtigen Moment die Dreieck- oder Quadrat-Taste zu betätigen, damit es Lara im letzten Moment gelingt, kurz vor dem Absturz noch eine Kante zu packen, einem benommenen Gegner den Todesstoß zu versetzen, Hindernissen auszuweichen etc. - ich kann solchen QTEs nichts abgewinnen und war schon bald nur noch genervt davon. Zum Glück gibt's unzählige sehr fair verteilte Speicherpunkte, denn manuell kann nicht gespeichert werden.

Es geht aber noch schlimmer. Manchmal kann man nichts weiter tun als zu laufen und zu springen, damit Lara einer Flammenhölle entkommt, nicht von einem in die Tiefe stürzenden Gebäude mit in den Abgrund gerissen wird, beim Flug mit dem Fallschirm nicht gegen Baumwipfel kracht und so weiter. Zugegeben: Diese "interaktiven Filmsequenzen" sind optisch toll und sehr aufwändig gemacht, aber als Spieler will ich ein bisschen mehr Handlungsfreiheit haben! Lediglich den Stick in eine Richtung zu drücken, weil es nur einen einzigen gangbaren Weg gibt, und ansonsten zuzusehen, wie um Lara herum alles spektakulär zusammenbricht, explodiert und in Flammen aufgeht - das reicht mir nicht. Die Übersicht ist in solchen Situationen leider manchmal sehr bescheiden, auch könnte die Steuerung präziser sein. Mal bleibt Lara von selbst an Abgründen stehen, mal nicht - mal greift sie im Sprung nach einem Seil, mal nicht...

Fazit

Ich kann es einfach nicht leiden, wenn meine spielerische Freiheit so sehr eingeschränkt wird, dass ich nur noch die vorgesehenen Knöpfchen im richtigen Moment drücken muss, um weiterzukommen. So beeindruckend das Spiel auch inszeniert sein mag - in diesen Momenten nervt es. Auch dürfte die Bewegungsfreiheit in der zwar nett designten, manchmal aber doch sehr eng begrenzten Spielwelt ein bisschen größer sein, und das Absuchen der Areale hätte besser belohnt werden können.

Abgesehen von diesen Kritikpunkten macht es viel Spaß, Lara Croft, die in der deutschen Version von Nora Tschirner überzeugend synchronisiert wurde, durch die spannende Geschichte zu begleiten. Die Mischung aus Kampf, klettern/springen und dem Lösen kleiner Rätsel ist ausgewogen genug, so dass das Spiel nicht einseitig wird.

J. Kreis, 16.05.2013





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