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Supreme Commander

System:
PC DVD-ROM

Genre:
Echtzeit-Strategie

Note: 2
SUPREME COMMANDER

Dieses Echtzeit-Strategiespiel (RTS) hat zwar keine revolutionären Neuerungen für das Genre zu bieten, enthält aber doch ein paar nette eigene Ideen, macht Spaß und ist inzwischen für wenig Geld erhältlich. Da kann man ruhig mal zugreifen, obwohl das Spiel nun schon einige Jahre auf dem Buckel hat - es ist 2007 erschienen.

Supreme Commander bietet neben einer umfangreichen Einzelspieler-Kampagne auch die Möglichkeit, online oder im LAN gegen menschliche Spieler anzutreten.

Story / Missionen

Seit tausend Jahren tobt ein Krieg zwischen der United Earth Federation (UEF), den Erleuchteten der Aeon und der Nation der Cybrans. Diese drei Fraktionen sind alles, was vom alten Erdimperium nach Zersplitterung und Bürgerkrieg noch übrig ist. Die Fraktionen haben sich über viele Sonnensysteme ausgebreitet, deren Welten durch die so genannten Quantum-Gates miteinander verbunden sind, ein Transportsystem, das zeitverlustfreie Reisen über viele Lichtjahre hinweg ermöglicht.

Die Aeon haben das Erbe des ausgerotteten nichtmenschlichen Volkes der Seraphim angetreten und wollen die anderen Fraktionen zu ihrer Heilslehre bekehren. Während die Prinzessin der Aeon eine friedliche Einigung anstrebt, will ihr oberster Kriegsherr Marxon alle Feinde ausrotten. Die Cybrans sind Mensch-Maschine-Hybriden, die lange Zeit von der UEF wie Sklaven gehalten wurden. Nur ein Teil von ihnen konnte sich von der Unterdrückung durch die UEF befreien. Dr. Brackman, ihr Schöpfer und Oberhaupt, kämpft für die Unabhängigkeit aller Cybrans. Präsident Riley, Staatschef der UEF, verfolgt eine aggressive Politik militärischer Stärke, um den Krieg zu beenden und alle Fraktionen unter seinem Banner zu einen. Als letztes Mittel zieht er sogar die Vernichtung der gegnerischen Hauptwelten mit der Superwaffe "Black Sun" in Betracht...

Der Spieler entscheidet sich zunächst für eine der drei Fraktionen und wird zum Heerführer, der im Rahmen einer je sechs Missionen umfassenden Kampagne schließlich die Entscheidung herbeiführt. Für jedes Volk gibt es eine Einleitung sowie einen Epilog in Form kurzer CGI-Filme. Vor jeder Mission wird man gebrieft, wobei man die animierten Gesichter der Prinzessin, des Präsidenten, Dr. Brackmans und anderer Protagonisten sieht. Diese werden auch während der Missionen immer wieder mal in kleinen Fenstern eingeblendet.



Supreme Commander

(Bild 1: Elite-Commander Dostya ist eure Vorgesetzte in der Cybrans-Kampagne)


Die Missionen laufen meist nach demselben Schema ab: Neue Basis errichten oder eine vorhandene ausbauen/reparieren, derweil die Angriffe des Gegners abwehren und eine Armee aufstellen, um selbst anzugreifen. Dann muss entweder der gegnerische Kommandant vernichtet oder ein bestimmtes Gebäude erobert werden. Ab und zu gilt es, einen verbündeten Konvoi zu eskortieren oder eine Zivilsiedlung zu beschützen. Da die Auswahl der zur Verfügung stehenden Einheiten von Mission zu Mission immer zunimmt, und da manchmal mehr Wert auf Boden-, See- oder Luftstreitkräfte zu legen ist, werden die Aufgaben trotz des ähnlichen Aufbaus nie langweilig.

Abseits der Kampagne kann man sich in frei konfigurierbaren Gefechten austoben. Es stehen zahlreiche teils unglaublich riesige Maps zur Verfügung, auf der sich bis zu acht Spieler tummeln können. Spielt man allein gegen den Computer, kann man unter zahlreichen Optionen wählen und die KI fein abgestuft einstellen. So kann man frühzeitige Überfälle erlauben oder verhindern, man kann festlegen, ob sich die KI passiv oder aggressiv verhält oder wie geschickt der Gegner vorgeht.

Gameplay

Es herrscht RTS-Standard. Man errichtet eine Basis mit Gebäuden zur Gewinnung von Rohstoffen (Masse und Energie sind die einzigen), zur Produktion von Boden-, Luft- und Marinestreitkräften sowie zur Verteidigung. Luft-/Bodenabwehrforts, Schilde, Mauern - sogar Artilleriestellungen mit teils extrem hoher Reichweite und Atomraketenwerfer, die jeden Punkt der Karte bedrohen, gehören dazu. Hinzu kommen Ortungsanlagen, Reparaturdocks für Flugzeuge und dergleichen. Menschliche Soldaten sind nicht vorhanden; neben diversen Fahrzeugen kommen nur Kampfroboter zum Einsatz. Die Einheiten sind sehr abwechslungsreich gestaltet, vor allem hat jede Fraktion ihr ganz eigenes, unverwechselbares Design. Was die Stärken und Schwächen angeht, ähneln sich die Einheiten aber sehr. Eine Ausnahme sind die "experimentellen Einheiten". Das sind die mächtigsten Waffen des Spiels. Ihr Bau dauert besonders lange und verschlingt Unmengen von Ressourcen. Dafür richten sie aber auch massiven Schaden an und sie besitzen besondere, für jede Fraktion einzigartige Fähigkeiten. Ein paar Gameplay-Besonderheiten:

Armored Command Unit (ACU)

Die ACU ist ein riesiger Kampfroboter, der als Sitz des Kommandanten auf dem Schlachtfeld dient. Der Kommandant nimmt im Schädel dieses Giganten Platz, das ist also eure Zentrale. Die ACU wird über die Quantum Gates zum Einsatzort teleportiert. Sie hat dieselbe Funktion wie ein "Bauhof" in anderen RTS-Spielen, d.h. sie kann Produktions- und Verteidigungsgebäude errichten und reparieren. Die ACU kann zu diesem Zweck in sehr begrenztem Umfang Masse und Energie produzieren und ist außerdem mobil (sie kann sich sogar unter Wasser fortbewegen), so dass man beim Basisbau nicht auf einen Ort festgelegt ist. Die ACU ist gut für den Kampf geeignet, denn sie kann viele Treffer einstecken und ordentlich austeilen. Zudem kann man sie mit diversen Upgrades ausstatten (was aber viel Masse und Energie kostet, außerdem ist die ACU während dieses Vorgangs quasi gelähmt), wodurch sie noch schlagkräftiger wird. Man muss allerdings gut auf die ACU achtgeben, denn ihre Zerstörung bedeutet das Ende des Spiels. Vernichtet ihr eine gegnerische ACU, dann solltet ihr das aus möglichst großer Entfernung tun, denn das Ding vergeht in einer gewaltigen Atomexplosion, die alles im weiten Umkreis mit in den Untergang reißt.



Supreme Commander

(Bild 2: Die ACU der United Earth Federation)


Tech-Level

Besonderheit Nr. 2 sind die Technologie-Stufen. Die ACU kann immer nur Gebäude der Stufe 1 errichten, in denen wiederum nur Einheiten dieser Stufe hergestellt werden können. Um stärkere, ausgefeiltere Einheiten zu produzieren, müssen die Fabriken zunächst auf Tech-Stufe 2 / 3 aufgewertet werden. Danach werden dort fortgeschrittenere Einheiten und Techniker produziert. Höherwertige Techniker können wiederum Gebäude der Tech-Stufe 2 / 3 errichten. Die experimentellen Einheiten stellen die oberste Tech-Stufe (4) dar.

Da die Gebäude und Einheiten höherer Tech-Level den einfacheren Versionen weit überlegen sind, ist es angezeigt, alle Gebäude schnellstens aufzuwerten. Mit Tech-1-Angriffsbots wird man eine Basis, die von Tech-2-Verteidigungsanlagen geschützt wird, nur sehr schwer knacken können, und gegen experimentelle Angriffseinheiten sind Tech-1-Verteidigungsanlagen chancenlos.

Unterstützung und Befehlsketten

Die Techniker können Fabriken und andere Techniker "unterstützen". Dadurch wird der Produktionsvorgang der Fabriken oder der anderen Techniker beschleunigt. Für Kampfeinheiten bedeutet der "Unterstützen"-Befehl, dass sie andere Einheiten schützen oder in einem Gebiet auf Patrouille gehen.

Sehr praktisch bei der Steuerung aller Einheiten: Hält man die STRG-Taste gedrückt, kann man beliebig viele Befehle erteilen und Wegpunkte setzen, die nacheinander abgearbeitet werden, ohne dass man sich weiter darum kümmern muss. Man könnte einem Techniker also befehlen, zunächst einige beschädigte Kampfschiffe zu reparieren, danach ein paar Torpedo-Plattformen zu errichten und danach auf unbegrenzte Zeit eine Luftwaffenfabrik zu unterstützen. Einem Transporter könnte man auf diese Weise befehlen, alle in einer Fabrik neu produzierten Panzer sofort zu einem bestimmten Einsatzgebiet zu bringen. Alle Wegpunkte können übrigens eingeblendet und nachträglich bequem verändert werden.

Ressourcenmanagement

Das Ressourcenmanagement hat in Supreme Commander einen eher geringen Stellenwert. Energie wird in Generatoren erzeugt, die an jeder beliebigen Stelle errichtet werden können. Nur in der Anfangsphase ist man auf Masse-Fundstellen angewiesen, die auf der Map verteilt sind. Die so gewonnene Masse muss nicht erst zur Basis transportiert werden, sie wird sofort eurem Konto gutgeschrieben. In höheren Tech-Levels können überall leistungsfähige Generatoren zur Masseproduktion gebaut werden. Außerdem können Techniker noch andere Massevorräte ausbeuten, z.B. Bäume oder den Schrott vernichteter Einheiten.

Es bringt euch keinen Vorteil, wenn ihr versucht, dem Gegner den Zugang zu den Masse-Fundstellen zu verwehren. Jeder Feldherr kann sich ganz auf seine Basis konzentrieren und dort unbegrenzt Ressourcen produzieren. Natürlich muss man dennoch aufpassen, dass immer genug Masse und Energie zur Verfügung stehen. Ohne Energie brechen Ortung und Schilde zusammen, und wenn ihr mehr Masse verbraucht, als ihr gewinnt, verlangsamen sich alle Produktionsprozesse drastisch.

KI

Die KI eigener und gegnerischer Einheiten ist grundsätzlich OK. Man stellt allerdings fest, dass die Gegner immer demselben Angriffsmuster folgen und immer aus denselben Stoßrichtungen kommen. Hat man das erst mal ausbaldowert, kann man sich gut darauf einrichten. Alle erteilten Befehle werden zuverlässig erledigt, zumal man das Verhalten der Einheiten in den üblichen Abstufungen einstellen kann. Nur mit der Wegfindung hapert's manchmal. Schiffe - vor allem die ganz großen Pötte - schlagen immer wieder eine ganz andere Richtung ein als befohlen. Gibt man einer ganzen Flotte den Befehl, von A nach B zu fahren, dann rühren sich manche Schiffe erst gar nicht vom Fleck, andere kreisen wild umeinander. Aber auch kleine Einheiten bleiben immer wieder mal irgendwo hängen oder blockieren sich gegenseitig.

Ganz schlimm wird es, wenn man eine Armee in Formation aufstellen will. Es kann mehrere Minuten dauern, bis alle Einheiten die richtige Position gefunden haben und endlich losfahren. Bei jedem Richtungswechsel geht das dann wieder von vorn los... Flugzeuge neigen dazu, sich selbstständig zu machen und dann irgendwo fern der Basis zu landen. Es empfiehlt sich also, Angriffe immer sorgfältig im Auge zu behalten.

Schlachtfeld / Grafik

Bei vielen RTS-Spielen hat man pro Mission eine Karte vor sich, die immer gleich bleibt und in vielleicht drei Zoomstufen angezeigt werden kann. Nicht so in Supreme Commander. Zunächst mal kann man stufenlos sowohl ganz nahe an einzelne Einheiten heranzoomen, bis selbst kleinste Details erkennbar werden, als auch so weit hinauszoomen, dass man das gesamte Einsatzgebiet auf dem Bildschirm sieht. Zoomt man sehr weit hinaus, dann wird in eine Art taktische Ansicht umgeschaltet, in der jede einzelne Einheit und jedes einzelne Gebäude in Form kleiner Symbole dargestellt wird.



Supreme Commander

(Bild 3: Ein kleiner Teil der später sichtbaren gesamten Map in der "taktischen" Darstellung - das ist noch nicht die am weitesten entfernte Ansicht!)


Außerdem wird das Einsatzgebiet ständig vergrößert. Das geschieht während jeder Mission mehrmals. Hat man ein Zwischenziel erfüllt, heißt es plötzlich: "Einsatzgebiet ausgeweitet" und man sieht neue Bereiche der Karte, die nun gut und gerne doppelt so groß ist. So kann es geschehen, dass man vor der Ausweitung nur auf dem Festland operiert hat und jetzt plötzlich einen Ozean überqueren muss - also muss man eventuell die ganze bisherige Strategie überdenken. Ich schrieb ja eingangs, dass es pro Fraktion "nur" sechs Missionen gibt. Durch das mehrmalige Ausweiten des Einsatzgebietes während jeder Mission relativiert sich das aber wieder - im Grunde ist jede Mission in mehrere umfangreiche Unterabschnitte aufgeteilt.

Die Ansicht kann frei gedreht und gekippt werden. Alle Gebäude und Einheiten werden komplett in 3D dargestellt. Sie haben einen recht hohen Detailgrad und weisen nette Animationen bzw. Waffeneffekte auf. Atomexplosionen sind ziemlich beeindruckend, ansonsten ist die Grafik okay, aber nicht besonders spektakulär - bis auf die Größenunterschiede. Zoomt man nahe heran, erkennt man erst so richtig, wie enorm diese Unterschiede sind. Es macht Spaß, den Vormarsch der riesigen ACUs oder mancher noch gewaltigerer experimenteller Einheiten zu beobachten, die kleinere Bots buchstäblich unter ihren Füßen zermalmen könnenů



Supreme Commander

(Bild 4: Größenvergleich mit Einheiten der Aeon. Von links nach rechts: Ein "Galaktischer Koloss", die ACU, ein schwerer Angriffsbot und ein normaler Panzer. Im Hintergrund einige Masse- und Energiegeneratoren)


Besonders dann, wenn die ganze Karte aufgedeckt ist und mehrere eigene oder gegnerische Basen überwacht werden müssen, behält man nur in der am weitesten entfernten Zoomstufe noch den Überblick. Zum Glück können alle Befehle auch in der "taktischen" Ansicht problemlos erteilt werden.

Sonstiges

Die Anzahl der Einheiten ist in der Kampagne limitiert. In den freien Gefechten kann man das Limit selbst festlegen. Hierbei muss man beachten, dass jedes Gebäude mitzählt - und dazu gehören auch Mauerabschnitte. Möchte man sich also hinter tief gestaffelten Mauern und Verteidigungsanlagen verschanzen, so geht das zu Lasten der Angriffstruppen. Man kann alle Gebäude aber durch Techniker wieder vernichten.

Gespeichert werden kann jederzeit. Replays können aufgezeichnet und danach wie ein Film abgespielt werden.

Fazit

Obwohl mich Supreme Commander nur knapp sieben Silberlinge gekostet hat, durfte ich mich über ein gedrucktes Handbuch freuen, d.h. das Handbuch wird nicht nur im PDF-Format auf der DVD mitgeliefert. Das Spiel muss nicht registriert / aktiviert oder sonstwie an die Kette gelegt werden. Nach der Installation mit Eingabe des CD-Keys muss noch nicht einmal mehr die DVD im Laufwerk liegen.

Das waren gleich die ersten positiven Überraschungen, aber auch das Spiel selbst konnte mich trotz diverser KI-Schwächen überzeugen. Die Konzentration auf "klassische" RTS-Elemente ohne irgendwelchen Schnickschnack gefällt mir besonders gut. Man steht zwar durchaus immer unter Druck, kann sich aber doch Zeit nehmen und unterschiedliche Vorgehensweisen ausknobeln.

Insgesamt hat mir das Spiel so viel Spaß gemacht, dass ich dafür eine vielleicht etwas zu euphorisch geprägte Note 2 vergebe.

J. Kreis, 05.10.2010



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