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SUMMONER 2

System:
Sony
Playstation 2

Genre:
Action-RPG

Note: 2
Summoner 2

Story:

Manchmal fällt einem ein Spiel in die Finger, das schon einige Jährchen auf dem Buckel hat (Summoner 2 ist im Jahre 2002 erschienen), das aber immer noch erstaunlich viel Spaß macht. So auch hier – Summoner 2 sieht zwar nicht so spektakulär aus wie moderne Games, ist aber ein astreines Action-RPG mit interessanten Features.

Story
Vor langer Zeit wurde der mythische Baum von Eleh, der die gesamte Schöpfung repräsentiert, durch den Sturm vernichtet. So kam das Böse in die Welt. Es gibt jedoch eine Legende, die die Wiederkehr der Göttin Laharah und die Heilung des Baums vorhersagt. Die Weissagung scheint sich zu erfüllen, als Königin Maia die Herrschaft über das Land Halassar gewinnt, denn Maia könnte die wiedergeborene Göttin Laharah sein. Um die Prophezeiung zu erfüllen, muss Maia das Geheimnis der Runen entschlüsseln und sich gegen die Macht des Sturms behaupten. Auf der Suche nach einem heiligen Buch, das ihr gestohlen wurde, wird Maia während einer Schiffsreise von Piraten überfallen…

An dieser Stelle steigt ihr in Summoner 2 ein und übernehmt die Rolle Maias. Der Piratenüberfall dient auch gleich als Tutorial, bei dem euch die wichtigsten Elemente der Steuerung erklärt werden. Die Geschichte wird in Dialogen während des laufenden Spiels und in sehr schön gemachten Render-Cutscenes weitergeführt. Sie enthält einige überraschende Wendungen und spielt vor einem liebevoll ausgearbeiteten geschichtlichen Hintergrund, der immerhin so umfangreich ist, dass er einige Kapitel in Textmenüs füllt, auf die ihr jederzeit zurückgreifen könnt.

Steuerung und Kampf
Wie bereits im ersten Summoner-Spiel steuert ihr eine Hauptfigur direkt, die dann von einem oder zwei computergesteuerten Kameraden begleitet wird. Man kann jederzeit die Kontrolle über jede dieser Figuren übernehmen, den anderen kann man bestimmte Rollen zuweisen, die ihr Verhalten steuern. Wenn einer als Zauberer/Heiler tätig werden soll, dann wird er sich geflissentlich aus dem Nahkampf heraushalten und seine Kameraden aus dem Hintergrund mit seiner Magie unterstützen. Das funktioniert recht gut, manchmal muss man aber doch selbst eingreifen, wenn ein Magier zum Beispiel immer wieder unverdrossen einen Zauberspruch einsetzt, gegen den der Gegner immun ist, oder weil er vorausprescht und immer neue Gegner anlockt…

Maia findet im Verlauf des Spiels sechs sehr unterschiedliche Freunde, unter denen sie ihre Begleiter für die jeweiligen Abenteuer wählen kann. Am stärksten ist möglicherweise das seltsame Maschinenwesen Iari. Den Energiestrahlen, die Iari (entsprechende Erfahrung vorausgesetzt) verschießen kann, sind selbst starke Gegner nicht gewachsen. Jede Figur hat ihre eigenen Stärken und Schwächen – und jede kann individuell ausgerüstet und "aufgelevelt" werden. Darüber hinaus kann Maia sich in verschiedene Monster verwandeln, die ebenfalls wieder ganz individuelle Eigenschaften haben. Anders als im Vorgänger werden also keine Kreaturen beschworen, die die Party unterstützen. Man kann die Party auch jederzeit verlassen und solo agieren. Die computergesteuerten Charaktere bleiben dann brav an Ort und Stelle.

Für besiegte Gegner und erfüllte Quests gibt es Punkte. Hat man genug davon angesammelt, steigt die Figur um eine Stufe auf und erhält bis zu drei Erfahrungspunkte, mit denen man die verschiedenen Kräfte und Fertigkeiten der Figur verbessern kann. Das sind so allgemeine Dinge wie Kraft, Parade und Ausdauer, aber auch spezielle Fertigkeiten. Maia selbst kann beispielsweise diverse unblockbare Kampftechniken erlernen, die man im Spiel über besondere Tastenkombinationen einsetzen kann. Auf diese Weise mutiert das RPG fast zu einem Beat’em up! Viele Rüstungen, Waffen, Amulette und Ringe verbessern, wenn angelegt, ebenfalls die Fertigkeiten der Helden. Derartige Gegenstände kann man bei Händlern kaufen, von Gegnern erobern, oder man erhält sie als Geschenk von Maias dankbarem Volk – wenn sie sich denn als gute Königin erweist (siehe "Levels und Quests").

Alle Kämpfe finden in Echtzeit statt, was ein starkes Action-Element ins Spiel bringt, sie können aber jederzeit durch das Aufrufen des Menüs unterbrochen werden. So kann man in aller Ruhe überlegen, welchen Zauber man als nächstes einsetzen oder welchen magischen Trank man zu sich nehmen möchte und so weiter. Auf die Menüs für Gegenstände und Zaubersprüche greift man bequem über die Tasten des Steuerkreuzes zu, die Hauptmenüs öffnen sich bei Druck auf die START-Taste. So erhält man Zugriff auf diverse Informationen zu den Statuswerten der Party, zu den geschichtlichen Informationen, zu den Haupt- und Nebenquests sowie auf das Inventar, mit dem man die Figuren ausrüsten kann. Nähere Informationen zu jedem Inventargegenstand erhält man durch Druck auf die Quadrat-Taste. Diese ganze Menüführung ist für ein Konsolenspiel, das ohne Tastatur und Maus auskommen muss, wirklich gut gemacht und schnell erlernbar. Wenn man Summoner 2 eine Zeitlang gespielt hat, erledigt man das fast blind.

Speichern kann man jederzeit (außer bei Kämpfen) – und von dieser Möglichkeit sollte man auch fleißig Gebrauch machen. Es kann nämlich durchaus sein, dass man einfach noch zu schwach ist, um ein Abenteuer zu bestehen. Man kann außerdem die Mitglieder der Party nicht jederzeit auswechseln, sondern nur dann, wenn man ein neues Level betritt. Und nur dann, wenn sich eine Figur in der aktiven Party befindet, kann man sie auch ausrüsten. Hat man aber einen zu schwachen oder zu schlecht ausgerüsteten Begleiter dabei, dann kann man oft nicht einfach umkehren und das Level noch einmal neu beginnen – dann muss das Abenteuer durchgestanden werden, weil der Rückweg versperrt ist! Wenn man dann keinen älteren Speicherstand hat, sieht man ziemlich alt aus.

Levels und Quests
Die einzelnen Schauplätze erreicht man über die so genannte Weltkarte. Darauf bewegt man sich nicht (wie in Teil 1) per Pedes von Ort zu Ort, man wählt das gewünschte Gebiet einfach aus und wird dann sofort "hingebeamt". Die Levels sind nicht mehr ganz so groß wie im Vorgänger, aber immer noch weitläufig genug. Jedes Gebiet wird von einem anderen Volk bewohnt bzw. von unterschiedlichen Kreaturen heimgesucht. Hat man ein Gebiet von Gegnern "gesäubert", reist dann an einen andere Ort und kehrt später zurück, sind alle Gegner wieder da. Das ist zwar etwas lästig, sorgt aber auch dafür, dass das Erfahrungspunkte-Konto schnell wächst.

Es steht immer eine Karte zur Verfügung, auf der man wichtige Orte / NPCs findet. Die Karte kann im laufenden Spiel eingeblendet und bildschirmfüllend vergrößert werden (wobei das Spiel dann pausiert wird). So verliert man nie die Orientierung.

Außer den Hauptquests, die man abschließen muss, damit es mit der Geschichte weitergeht, gibt es eine unglaubliche Vielzahl großer und kleiner optionaler Nebenquests. Die sollte man auch fleißig "abarbeiten", denn zur Belohnung gibt es nicht nur Erfahrungspunkte, sondern auch so manchen extrem nützlichen Gegenstand. Am interessantesten sind die Nebenquests, die sich mit Maias Regierungstätigkeit beschäftigen. Denn Maia ist schließlich Königin, und deshalb muss sie sich um das Wohlergehen ihres Volkes kümmern. Ihr müsst (bzw. könnt) also immer wieder mal in euren Palast zurückkehren und Hof halten. Ihr solltet dann genug Gold übrig haben, um die Wünsche eures Volks nach Schulen, Festungen, Krankenhäuser usw. zu erfüllen. Wenn ihr Bittsteller empfangt, könnt ihr meist zwischen verschiedenen Optionen wählen. Wollt ihr eine verräterische Priesterin töten lassen, soll sie verbannt oder erstmal nur in den Kerker geworfen werden? Soll der Delegation eines Nachbarlands die Durchreise gestattet werden oder soll sie Tribut zahlen? Die Auswirkungen eurer Entscheidungen erfahrt ihr erst später im Spiel. Wenn ihr weise entscheidet und wenn ihr immer alle Wünsche eures Volks erfüllt, dann werdet ihr geliebt und erhaltet wertvolle Geschenke.

Einige der Nebenquests sind wesentlich härter oder verzwickter als die Hauptquests. Manche Aufgaben lassen sich auch gar nicht sofort lösen, sondern erst viel später, wenn man einen besonderen Gegenstand findet, den man dafür braucht. Leider weiß man oft gar nicht, welchen Nutzen manche Gegenstände haben, d.h. für welche Quest man sie nun eigentlich braucht. Ich hatte jedenfalls noch eine ganze Reihe von offenen Nebenquests, als ich mit dem Hauptspiel durch war. Es ist also gar nicht so einfach, alle Geheimnisse zu enträtseln! Es schadet auch nicht, wenn man sich die eine oder andere Notiz macht, denn nicht alle wichtigen Informationen stehen im Quest-Log.

Man muss übrigens aufpassen, was man mit Maias Freunden macht. Will sagen: Man muss darauf achten, dass man jeden dieser Charaktere auflevelt, denn gerade gegen Ende des Spiels muss jeder einzelne eingesetzt werden, das Spiel schreibt dies vor. Und wenn einer dann nicht stark genug ist, weil man andere Figuren bevorzugt behandelt hat…

Grafik und Sound
Wie eingangs erwähnt, ist die Grafik von Summoner 2 schon ein bisschen angestaubt. Was zuallererst auffällt, sind die ziemlich bunten Umgebungen und der leicht comic-artige Stil der Personen und Kreaturen. Daran gewöhnt man sich aber recht schnell, denn die Farben passen ganz gut zum orientalischen Setting des Spiels.

Der Detailreichtum der Umgebungen lässt manchmal etwas zu wünschen übrig, manche Oberflächen bestehen aus der immer gleichen, etwas eintönigen Textur. Dafür sind die einzelnen Bereiche, in denen Maias Abenteuer stattfinden, sehr abwechslungsreich gestaltet. Der Weg der Königin führt über tropische Inseln, düstere Dungeons und prächtige Paläste bis zu einer ziemlich bizarren jenseitigen Welt, die aus ineinander verschlungenen Adern oder Wurzeln des Baums von Eleh besteht. Es gibt immer wieder nette Kleinigkeiten zu entdecken – in der nördlichen Eiswüste sieht man zum Beispiel Fußabdrücke, die die Figuren hinterlassen, sowie Atemwölkchen vor ihren Mündern. Die Figuren selbst sind interessant und liebevoll gestaltet, allerdings haben sie keinerlei Mimik.

Was sehr nett aussieht, sind die optischen Effekte der vielen verschiedenen Zaubersprüche. Und es gibt den einen oder anderen Zwischen- bzw. Endgegner, der fast schon bildschirmfüllend ist. Alle Bewegungen sehen sehr flüssig aus und es gibt viele bewegliche Objekte in den Umgebungen, wodurch der Eindruck von Lebendigkeit erweckt wird.

Die Kamera kann frei gedreht (aber nicht gekippt) und leicht gezoomt werden. Sie folgt immer der Figur, die der Spieler gerade steuert. Das kann dazu führen, dass man erst einmal gar nichts sieht, weil sich eine Wand o.ä. zwischen Kamera und Hauptfigur befindet. Da muss man dann manuell nachjustieren.

Musik und Geräuschkulisse erfüllen ihren Zweck, alle Dialoge sind deutsch synchronisiert und mit Untertiteln versehen. Beide kann man mit der X-Taste abbrechen. Allerdings gibt es nicht bei allen Dialogen eine Sprachausgabe.

Sonstiges
Der Schwierigkeitsgrad von Summoner 2 ist nicht zu verachten. Es dauert manchmal ziemlich lang, bis man einen Endgegner "geknackt" oder den scheinbar endlosen Ansturm immer wieder neu respawnender Gegner gestoppt hat. Dem vorzeitigen Ableben könnt ihr entgegenwirken, indem ihr alle Figuren gleichmäßig auflevelt – es gibt Arenakämpfe, die zu diesem Zweck und zum Erwerb von Gold gut geeignet sind. Es ist zwar gut, wenn man die speziellen Eigenschaften der Figuren gezielt weiterentwickelt, man sollte aber auch ein paar Punkte auf allgemeine Eigenschaften verteilen und den Leuten immer die neuesten/besten Waffen und Rüstungen in die Hand drücken. Dann kann eigentlich nichts mehr schief gehen.

Immer wieder stößt man auf Situationen oder verfolgt Dialoge, die eigentlich gar nichts mit dem Spiel zu tun haben, sondern einfach nur als Entwickler-Gags eingebaut worden sind. Es gibt zum Beispiel eine Reihe von magischen Papierfetzen, mit denen – wenn man sie an den richtigen Stellen im Spiel einsetzt – eigenartige Cutscenes freigeschaltet werden. Man stelle sich vor: Einige Erdhörnchen, Papageien und Wölfe unterhalten sich über die Rollen, die sie in Summoner gespielt haben oder über ihre Arbeit bei der Programmierung des Spiels… Solchen witzigen Situationen begegnet man immer wieder, auch noch nach dem Abspann. Den solltet ihr also nicht abbrechen! Nach dem erstmaligen Durchspielen kann man sich übrigens alle Cutscenes unter dem Menüpunkt "Extras" noch mal anschauen.

Summoner 2 ist unter dem Titel Summoner – A Goddess reborn auch für den Gamecube von Nintendo erschienen. Es handelt sich um genau das gleiche Spiel, d.h. weder inhaltlich noch grafisch sind irgendwelche Veränderungen oder Verbesserungen vorgenommen worden. Ich habe gelesen, dass die Gamecube-Version des Spiels öfters abstürzt oder "einfriert" – bei der PS2-Version hatte ich diese Probleme nicht.

Fazit
Für einen Konsolentitel ist Summoner 2 ein rundum gelungenes RPG. Man wird nicht mit allzu vielen Optionen der Charakterentwicklung überfordert, hat aber noch genug gestalterischen Freiraum. Es gibt eine Menge dynamischer Kämpfe und knackiger Quests sowie eine interessante Story. Die Möglichkeit, ein bisschen Herrscher zu spielen, ist ein weiteres nettes Feature. Mit einer Spielzeit von mindestens 50 Stunden (wenn man alle Nebenquests anpackt) ist auch der Umfang sehr ordentlich.

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