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splintercell2

System:
Microsoft
X-Box

Genre:
Stealth-Adventure

Note: 5
SPLINTER CELL 2 - PANDORA TOMORROW

Um schon mal den größten Kritikpunkt vorweg zu nehmen: Im Grunde könnte ich hier genau die gleiche Review schreiben wie zum ersten Teil (hier klicken), denn Pandora Tomorrow ist praktisch genau das gleiche Spiel mit anderer Story. Sam Fisher muss wieder einmal einer terroristischen Vereinigung auf den Zahn fühlen und Informationen über ihre finsteren Pläne sammeln. Dass er nicht den großen Helden spielen darf, zeigt sich schon in der ersten Mission: Er muss in eine von Terroristen besetzte Botschaft eindringen, aber nicht etwa, um die Geiseln zu befreien (das muss er den regulären Truppen überlassen), sondern um eine bestimmte Kontaktperson zu treffen. Fisher ist also auch diesmal wieder der unsichtbare Mann im Hintergrund.

Alles was ihr über Gameplay, Steuerung und Grafik wissen müsst, könnt ihr in der oben verlinkten Review des ersten Teils nachlesen. Daran hat sich nichts geändert, jedenfalls nicht zum positiven – allenfalls sind die Missionen noch linearer geworden, weil man nichts anderes macht, als auf eng begrenzten Wegen von Punkt A nach Punkt B zu gelangen. Dementsprechend simpel und langweilig ist das Leveldesign. Der einzig gangbare Weg ist immer genau vorgegeben, aber man muss ihn erstmal finden. So zeigt sich auch in Pandora Tomorrow sehr schnell, dass man oft nur nach der "Versuch-und-Irrtum-Methode" weiterkommt. Und zwar mit verdammt vielen Versuchen und ebenso vielen Irrtümern. Das hatte auf meine Motivation den gleichen Effekt wie der Musikantenstadel im Samstagabend-Fernsehprogramm: Kaum hatte ich mit dem Zoggn angefangen, da hatte ich auch schon wieder genug und schaltete die Konsole aus.

Auch sonst bleibt wenig Entscheidungsspielraum in den Missionen. Und ich muss sagen, dass es auf die Dauer einfach keinen Spaß macht, sich immer wieder überlegen zu müssen, wie man denn verdammt noch mal an den unglaublich hellhörigen Wachen vorbeikommen soll, d.h. welchen Weg die Entwickler dafür vorgegeben haben mögen. Was nützen mir Sams noch mal erweiterte artistische Fähigkeiten, wenn ich sie nicht wirklich einsetzen kann, oder nur dann, wenn es der festgelegte Weg erfordert? Es ist schlechterdings nicht möglich, alternative Schleichpfade zu entdecken! Und immer wieder heißt es "Mission fehlgeschlagen", weil man ein einziges Mal oder einmal zu oft entdeckt worden ist… Von spielerischer Freiheit kann man in diesem Game absolut nicht reden!

Von einem Spiel dieser Art, bei dem es auf präzise und schnelle Bewegungen ankommt, erwarte ich auch eine ebenso feine, ausgereifte Steuerung. Leider sucht man die hier vergebens. Warum muß man z.B. bei jedem Waffenwechsel die Knarre nochmals ziehen? So gehen wertvolle Sekunden verloren! Warum bewegt Sam sich so quälend langsam, sobald er eine Waffe in der Hand hält? Ist so eine 9 mm - Pistole etwa zu schwer für ihn? Warum sind Gegner unverwundbar, sobald sie nach ihrem Schultermikro greifen, um Alarm zu geben? Wäre es nicht so, könnte man nämlich noch schnell einen gezielten Schuß setzen, bevor der Alarm wirklich ausgelöst wird!

Die Grafik ist zwar mit den Echtzeit-Schattenspielen ganz nett, aber man bekommt die meiste Zeit entweder nichts oder nur das graumelierte Bild, welches das Nachtsichtgerät liefert, zu sehen. Denn Sam muss ja schließlich immer im Dunkeln bleiben und ist meistens in der Nacht unterwegs. Auch die Charaktermodelle sind alles andere als formschön: Klotzige Körper wie aus der Terminator-Massenfertigung, eintönige Bewegungsmuster, immer die gleichen Texturmodelle.

Sams Waffenarsenal und sonstige Ausrüstung wurde 1:1 aus dem ersten Spiel übernommen – auch hier also nichts Neues. Man könnte fast sagen, dass der Einzelspieler-Modus ganz üble Abzocke ist. Man nehme einen berühmten Namen, hänge "Teil 2" oder so dran und verkaufe genau das gleiche Spiel noch mal für viel Geld.

Der Mehrspielermodus, den ich mangels Online-Funktion meiner X-Box nicht nutzen kann, soll da angeblich mehr bieten. Hier können je vier Spieler sich gegenseitig beschleichen. Auf der einen Seite stehen die Spione, die man genau wie Sam aus der 3rd Person – Perspektive steuert, auf der anderen Seite die Söldner, die man in der Egoperspektive steuert. Während die Söldner schwer bewaffnet sind, haben die Spione mehr Moves auf Lager. Ein derartiges Multiplayer-Versteckspiel der tödlichen Art hat es wohl in der Shooter-Welt bisher noch nicht gegeben.

Ich bin dennoch geneigt, für ein derartiges Machwerk die Schulnote 5 zu verleihen!

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