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splintercell

System:
Microsoft
X-Box

Genre:
Stealth-Adventure

Note: 2
TOM CLANCYS SPLINTER CELL

Sam Fisher ist Geheimagent - allerdings einer von ganz anderem Kaliber als etwa James Bond. Sam existiert offiziell nicht. Und er wird niemals gesehen. Unbemerkt oder zumindest unerkannt infiltriert er im Auftrag einer streng geheimen Behörde, die übrigens seine Existenz jederzeit leugnen würde, die Machtzentren zwielichtiger Politiker, hackt Computer, belauscht konspirative Gespräche, besorgt brisante Informationen. Dabei verläßt er sich weniger auf massiven Waffeneinsatz und mehr auf eine raffinierte High-Tech-Ausrüstung, mit der er Wachen ablenkt oder ausschaltet, Kameras stört usw. Hilfe und Informationen erhält er von seinen Auftraggebern, mit denen er in permanentem Funkkontakt steht.

Unbemerkt bleiben ist in diesem 3rd-Person-Action-Adventure die Regel Nummer eins. Während man durch die übringens komplett in Echtzeit berechneten Umgebungen schleicht, sollte man immer im Schatten bleiben und sich möglichst lautlos bewegen. Man kann dann an einer Anzeige ablesen, ob man gesehen werden kann oder ob man praktisch unsichtbar ist. Und das ist lebenswichtig, denn Sam kann sich zwar mit einer schallgedämpften Pistole und einem Sturmgewehr sowie auch im waffenlosen Kampf gegen einen Feind behaupten, aber der dabei entstehende Lärm ruft unweigerlich andere Gegner auf den Plan, und eine solche Konfrontation überlebt Sam nicht lange. Mit Nacht- und Wärmesichtgeräten ausgestattet und mit Hilfe so nützlicher Gimmicks wie Mini-Kameras, die man unter Türen hindurchschieben kann, Dietrichen usw. versucht man, möglichst unbemerkt an den extrem wachsamen Feinden vorbeizukommen, die noch auf das leiseste Geräusch äußerst mißtrauisch reagieren und dann gezielt nach Sam suchen. Dann helfen Sam in manchen Fällen nur noch seine artistischen Fähigkeiten: Er kann einen Spagat zwischen nahe beieinanderstehenden Wänden machen, sich an Regenrinnen entlanghangeln, sich abseilen und vieles mehr. Man hat fast immer mehr als nur einen Weg, der zum Ziel führt, muß sich aber gut überlegen, welchen man in der jeweiligen Situation am besten einschlägt.

Und da wären wir auch schon bei einem großen Kritikpunkt: Manches bekommt man erst nach mehreren Versuchen heraus, und das kann - verbunden mit dem auch sonst recht knackigen Schwierigkeitsgrad - schonmal zu Frust führen, weil es nur an bestimmten Stellen (die allerdings durchaus fair verteilt sind) eine automatische Speicherfunktion gibt. Und es nervt einfach nur gewaltig, wenn man kurz vor so einem Etappenziel schon wieder entdeckt wird, nur weil man vielleicht ein wenig zu schnell gekrochen ist und deshalb ein Geräusch verursacht hat. Das Dumme ist nämlich, daß die Mission manchmal sofort als gescheitert gilt, wenn Alarm ausgelöst wird...

Splinter Cell ist somit eigentlich genau das, was Metal Gear Solid immer zu sein vorgab: Ein "Schleich-Spiel" erster Güte, bei dem es auf Grips und äußerste Vorsicht ankommt. Ballerorgien wird man bei Splinter Cell jedenfalls so gut wie gar nicht erleben. Angenehm ist mir sofort aufgefallen, daß der Funkverkehr, der bei MGS immer endlos lang war und nicht abgebrochen werden konnte, bei Splinter Cell viel kürzer ist und meistens quasi "nebenher" abläuft, d.h. man kann Sam weiter steuern und hört einfach mit, was er oder seine Kollegen zu sagen haben.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Steuerung. Sam reagiert zwar willig und prompt auf jeden Tastendruck und mit den Analogsticks kann man exakt steuern, wie schnell er sich bewegen soll. Aber er muß schon direkt vor einem Objekt und im richtigen Winkel dazu stehen, um damit interagieren zu können. Die Kameraführung könnte ebenfalls besser sein. Die Kamera sucht sich nicht etwa selbst die jeweils günstigste Position, man muß sie permanent manuell nachsteuern. Das ist zwar auf der einen Seite gut, weil man so stets einen guten Überblick behält, aber im Eifer des Gefechts kann man dabei auch schonmal ein wenig durcheinanderkommen. Zudem clippt die Kamera sozusagen in Sams Körper hinein, wenn er in engen Ecken hockt. Dann sieht man gar nichts mehr.

Das Spiel wurde immer als Grafik-Referenz für die X-Box angepriesen. Und es sieht auch tatsächlich verdammt gut aus. Die Licht- und Schatteneffekte, alle in Echtzeit dargestellt, wirken beeindruckend und machen einen großen Teil des Gameplay aus, denn - wie gesagt - Sam wird sich die meiste Zeit im Schatten aufhalten, wenn er nicht sehr schnell scheitern will. Es sieht schon toll aus, wenn Sam z.B. durch den Lichtkegel eines Autoscheinwerfers geht und man dann seinen sich ständig korrekt verändernden Schatten an der Wand sieht. Die Bewegungen der Charaktere sind flüssig und realistisch, es wurde auch auf kleine Details geachtet (z.B. Sams Gürteltaschen bewegen sich wenn er läuft, nach einem Feuergefecht gibt es Einschußlöcher in den Wänden usw.). Dennoch gibt es auch Schwächen: Vor allem die z.T. derbe Stufenbildung an schrägen und abgerundeten Kanten fällt ins Auge. Auch könnten die Charaktere ein wenig lebensechter aussehen bzw. schönere Texturen haben, was auch für die manchmal etwas eintönige Umgebung gilt. Die Zwischensequenzen sehen natürlich besser aus, aber das ist ja auch keine Spielgrafik.

Dennoch: Splinter Cell ist ein Toptitel mit einer tollen Atmosphäre und es sorgt für einen konstant hohen Adrenalinpegel. Man muß sich einfach darüber im Klaren sein, daß Sam jede direkte Konfrontation vermeiden muß und daß man manche Stellen vielleicht immer wieder durchzukauen hat, bis man endlich begriffen hat, was genau zu tun ist. Das Spiel ist daher eher für geduldige Leute mit Köpfchen geeignet und weniger für solche, die gern mit der Tür ins Haus fallen...

Objektiv betrachtet muß ich dafür eine Zwei vergeben (bei besserer Grafik wäre es auch eine Eins geworden), auch wenn mir das Spiel nicht so gut gefallen hat - das ist aber Geschmackssache.

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