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spellforce

System:
PC CD-ROM

Genre:
Adventure/
Strategie/RPG

Note: 3
SPELLFORCE

Ausnahmsweise nehme ich das Urteil mal vorweg. Spellforce ist eine nette Mischung aus Echtzeit-Aufbaustrategie, Rollenspiel (RPG) und Action-Adventure mit fantastischer Grafik und einem schönen Soundtrack. Das Spiel hat zwar leichte Schwächen, aber auch einen extrem hohen Spaß- und Suchtfaktor und eine enorme Spieldauer. Für einige Wochen voller durchzockter Nächte ist damit bestens gesorgt!

Gameplay: Die Welt von Spellforce wurde nach einem von Magiern geführten Krieg in 20 inselartige Landfetzen zerschlagen, die durch Teleportertore (Portale) miteinander verbunden sind. Dies sind die Maps, auf denen das Spielgeschehen stattfindet und die man im Verlauf der Story eine nach der anderen bereist. Aber anders als in den meisten anderen Strategiespielen bleiben die Landinseln erhalten und können jederzeit während des gesamten Spiels wieder aufgesucht werden. Verläßt man eine Map, geht alles, was man dort an Basen und Einheiten aufgebaut hat, wieder verloren allerdings erscheinen besiegte Gegner und gegnerische Basen auch nicht wieder. So entfaltet sich nach und nach eine abwechslungsreiche Fantasywelt, die von zahlreichen NPCs (Non-Player-Character = vom Rechner gesteuerte Figur, mit denen man reden kann) bevölkert wird.

Ihr übernehmt die Rolle eines sogenannten "Runenkriegers". Diese Figur ist euer Avatar, dessen Aussehen und grundlegende Eigenschaften ihr vor Beginn des eigentlichen Spiels bestimmt und den ihr nach einem einleitenden Tutorial im gesamten Spiel behaltet. Wird er im Kampf getötet, so wird er umgehend an einer zentralen Stelle (an einem "Seelenstein", den man zuvor aber aktivieren muß) wiedergeboren und verliert dabei nur ein paar Erfahrungspunkte. Wie es sich für ein ordentliches RPG gehört, sammelt ihr diese Erfahrungspunkte durch gewonnene Kämpfe und durch gelöste Quests, die ihr von den unzähligen NPCs im Spiel erhaltet. Viele Quests sind optional, d.h. sie müssen nicht gelöst werden, damit es mit der Story weitergeht aber sie bringen neben den wertvollen Erfahrungspunkten oft auch nützliche Gegenstände wie mächtige Waffen und gute Rüstungen. Solche Missionen bestehen i.d.R. darin, daß jemand euch bittet, ihm einen bestimmten Gegenstand aus einer weit entfernten Landinsel zu bringen (um den man dort meistens erstmal kämpfen muß). Manchmal müßt ihr auch eine bestimmte Person befreien oder jemanden rächen. Ab und zu gibt es sogar ein kleines Rätsel zu lösen. Damit man bei all den Namen und den vielen Missionen, für deren Erfüllung man oft weite Wege zurücklegen und mehrere kleinere Aufträge erledigen muß, nicht durcheinanderkommt, gibt es eine Art Tagebuch, das ständig aktualisiert wird. Die weiten Wege sind auch schon der erste echte Kritikpunkt: Bis man so eine Map von einer Ecke bis zur anderen durchquert hat, vergeht schonmal viel Zeit und man kann den Spielablauf in solchen Siutationen ebensowenig beschleunigen, wie man ihn z.B. im Kampf zwecks besserer Übersicht verlangsamen kann.

Wenn genug Punkte angesammelt sind, steigt der Avatar um eine Stufe auf. Ist das geschehen, kann man die persönlichen Eigenschaften des Helden verbessern (Geschicklichkeit im Kampf, Stärke, Mana) und/oder neue Fähigkeiten lernen. Das alles wird wiederum benötigt, um bessere Waffen schwingen oder Zaubersprüche verwenden zu können. Man muß schon überlegen, in welche Richtung der Avatar sich entwickeln soll es bringt nichts, wild alle möglichen Fähigkeiten lernen zu wollen. Es gibt unzählige Gegenstände, Zaubersprüche und Runen (zu letzteren später mehr) nicht nur von Gegnern zu erbeuten oder in Kisten zu finden (die manchmal gar nicht so leicht zu öffnen sind), sondern auch von Händlern zu kaufen. Denen kann man den Berg von Gerümpel, der sich mit der Zeit im schön gestalteten und frei veränderbaren Inventory ansammelt, natürlich auch wieder für gutes Gold verkaufen. Viele Missionen und sogar manch eine Map kann man allein mit dem Avatar "erledigen", aber ebenso oft benötigt man ein wenig Unterstützung. Die erhält man, sofern sich auf der Map ein sogenanntes "Heldenmonument" befindet, von bis zu fünf Helden, die der Avatar beschwören kann wenn er spezielle "Heldenrunen" gefunden, erbeutet oder gekauft hat. Die Helden kann man wiederum mit allem ausstatten, was sich im Inventory befindet und man kann sie genau so steuern wie den Avatar selbst. Manchmal reicht aber auch das noch nicht, und damit kommen wir zum Strategieteil in diesem Genre-Mix.

Auf den Maps befinden sich meistens spezielle Monumente für eins (manchmal auch zwei) der 6 Völker, die man steuern kann: Menschen, Elfen, Zwerge, Orks, Dunkelelfen und Trolle. Diese Monumente kann der Runenkrieger in Besitz nehmen. Verfügt er über die "Baupläne" - also die Runen - für Arbeiter, Soldaten und Gebäude dieses Volkes, beginnt das, was man von jedem Strategiespiel her kennt: Massen von Arbeitern werden erschaffen, diese sammeln verschiedene Rohstoffe und bauen Gebäude, die man wiederum für die Produktion von Soldaten, für Upgrades dieser Soldaten, für die Erhöhung der maximalen Bevölkerungszahl und so weiter braucht. Sehr schön ist dabei, daß die meisten Rohstoffe allmählich "nachwachsen", wenn man sie einmal aufgebraucht hat. Die Gegner brauchen keine Rohstoffe hat man erst einmal ein Monument in Besitz genommen (bis dahin verhalten die Gegner sich in aller Regel ruhig), erscheinen in feindlichen Basen immer neue und immer mehr Soldaten, die in regelmäßigen Abständen angreifen. Das geht immer so weiter, bis man das letzte Gebäude einer Basis zerstört hat. Die Angriffe zeigen, daß die Gegner-KI recht schwach ist (Kritikpunkt Nr. 2): Der Angriff erfolgt ohne Rücksicht auf Verluste über immer die gleichen Wege. Man kann diese Wege zwar nicht blockieren, denn Mauern kann man in Spellforce leider nicht errichten, aber man kann sie mit Verteidigungstürmen sichern nur kommen irgendwann solch große Horden von Feinden angestürmt, daß man gar nicht genug Türme aufstellen kann... Hat man dann eine ausreichend große Armee zusammengestellt, kann man zum Gegenangriff schreiten. Meist wird dadurch der Weg zu einem Portal freigemacht, über das man ins nächste Level wechseln kann.

Das muß zum Gameplay reichen es gibt zwar noch sehr viel mehr zu schwadronieren, aber das würde eure Geduld überstrapazieren. Nur vielleicht noch ein beruhigendes Wort zu den Savegames: Man kann jederzeit und überall sichern. Für ein Spiel diesen Umfangs ist das aber auch Pflicht. Kommen wir zur

Steuerung: Mit Tastatur und Maus (letztere genügt meistens schon) hat man alles gut im Griff. Alle wichtigen Befehle sind an zentraler Stelle in Bildschirm-Buttons zusammengefaßt, so daß man nicht lange suchen oder sich durch verschiedene Menüs hangeln muß. Neu ist hier das "Click and Fight" System: Klickt man einen Gegner an, so erscheinen unter dem Symbol eures Avatars (und dem eurer Helden und Soldaten) Buttons für alle sinnvollen Aktionen wie normale Angriffe und Zaubersprüche, die direkt ausgeführt werden können. Man muß also nicht erst wieder die eigenen Einheiten anklicken und ihnen einen Befehl erteilen. Wechselt man aus den vier Draufsicht-Perspektiven (verschiedene Zoomtiefen) in die Schulterkamera-Perspektive, so kann man den Avatar ohne Maus direkt mit den Pfeiltasten steuern. Dann spielt sich Spellforce fast wie ein Action-Adventure. So kann man auch das Leben in der eigenen Basis hautnah verfolgen. Die Kämpfe kann man natürlich nicht direkt steuern. Man erteilt den eigenen Einheiten lediglich Befehle, die sie dann selbständig ausführen - genau so, wie man es aus allen anderen Strategiespielen kennt.

Grafik: Wenn man einen ausreichend schnellen Rechner besitzt, über genug Arbeitsspeicher verfügt und womöglich auch noch eine leistungsfähige Grafikkarte eingebaut hat, dann kann man in Spellforce eine der schönsten Fantasywelten bewundern, die es in einem Echtzeitstrategiespiel jemals gegeben hat. Alle Figuren, Monster, Gegenstände usw. haben ebenso wie die unterschiedlichen Landschaften hoch auflösende Texturen mit enorm vielen Details. Hinzu kommen beeindruckende Lichteffekte (vor allem wenn ordentlich Magie im Spiel ist), realistische Echtzeitschatten für alles was man sieht, Tag-und-Nacht-Wechsel und transparente, sich bewegende Wasseroberflächen. Die empfohlenen Systemanforderungen auf der Verpackung dürft ihr aber locker mal verdoppeln, um diese Pracht richtig genießen zu können. Vieles an Spellforce erinnert übrigens an "Der Herr der Ringe": Einige Namen und viele Textpassagen sind direkt dem Roman entnommen und das Design vor allem der Elfen-Gebäude entstammt dem Film. Das soll keine Negativkritik sein, aber es fällt doch auf.

Sound: Ein zwar bombastischer, für meinen Geschmack aber irgendwann doch nervender Soundtrack. Ich schalte eigentlich die Musik in Spielen immer gleich als erstes ab. Alle Dialoge haben eine sehr gute deutsche Sprachausgabe und das ist schon eine beeindruckende Menge an Text!

Multiplayer: Zwar vorhanden, wird von mir aber nie genutzt. Soll nicht sehr überzeugend sein, wie man hört.

Bugs: Ich hatte zwar von Anfang an keinerlei Probleme, aber es gibt inzwischen schon mehrere Patches für das Spiel. Die habe ich brav installiert und kann somit bestätigen, daß man das jederzeit im Spiel machen kann alte Savegames kann man weiterhin verwenden.

Wie gesagt: Leichte Schwächen sind vorhanden und außerdem ist der Hardwarehunger groß. Spellforce erhält deshalb nur Note 2 für die ersten 20 Spielstunden. Nach längerer Spieldauer muß die Wertung relativiert werden, da sich alles irgendwann wiederholt und weil das Ende doch recht enttäuschend ist. Ab einem bestimmten Zeitpunkt ist der Avatar so stark, daß man sich überhaupt nicht mehr die Mühe machen muß, eine Siedlung und Soldaten zu bauen. Die Dunkelelfen, deren Runen man erst ziemlich spät im Spiel erhält, habe ich z.B. überhaupt nicht gebraucht. Der Strategieteil ist auf die Dauer also doch eher mager. Somit bleibt es insgesamt bei Note 3.

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